Startseite | Zur Person | Informationen | Filme | Predigten | Podcast | Meditationen | Fundgrube | Dias | Kontakt
Boxbild
  Druckversion   Seite versenden

Predigten

Übersicht

Lesejahr 2011 (A)

Homilie am 4.Fastensonntag in St. Johannes Großenbuch

===>> zu den liturgischen und bilischen Texten
===>> Predigt im Orgnialformat lesen oder herunterladen
===>> Gottesdienst imd Liedvorlage

===>> Evangelium vom 4.Fastensonntag nachhören
===>> Predigt in Podcast nachhören oder herunterladen

MIT GELÄUTERTEM HERZEN SEHEN
1 Mit Blindheit geschlagen

Wer von uns kennt das nicht? Der Schlüsselbund, die Brille ist verschwunden, schnell irgendwo hingelegt, weil gerade das Telefon oder die Haustürglocke läutet. Trotz allem Suchen einfach nicht zu finden. Wir sind wie mit Blindheit geschlagen. Bis wir schließlich rein zufällig die gesuchten Gegenstände wieder entdecken. Oder wie es meine Mutter mit Erfolg praktizierte: Sie betete zum heiligen Antonius. Er zeigte ihr, wo das verloren Geglaubte zu finden war. Sie hatte damit immer Erfolg.

Die Botschaft des heutigen Evangeliums heißt:

2 SEHENDE SIND BLIND - BLINDE WERDEN SEHEND
2.1 Die sehend Blinden

Gott hat uns Menschen die Augen des Leibes gegeben, das Licht des Geistes und die Kraft des Herzens. Wir als Sehende können uns nicht vorstellen blind zu sein. Im heutigen Evangelium erleben wir, die sehenden Schriftgelehrten und Pharisäer sind mit Blindheit geschlagen. Sie können Jesu wahres Wesen nicht erkennen, weil ihre Vorurteile, ihr Neid, ihre geistige Überheblichkeit ihnen die Augen und das Herz verschließt.

 In den Parallelevangelien bei Markus und Lukas wird die Ursache ihrer Blindheit beim Namen genannt „dass sie auf Jesus acht gaben... sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn."[1]

 
2.2 Der Blinde wird sehend

  • Der Blindgeborene dagegen, der nichts vorzuweisen hat als seine Blindheit. Er will von Jesus nichts anderes, als sehend zu werden. Auf die Selbstoffenbarung Jesus gegenüber dem Sehend gewordenen antwortet dieser durch das Bekenntnis des Glaubens an Jesus und mit Anbetung.[2] JESUS als seinen Heiland und Erlöser erkennend wirft er sich anbetend vor ihm nieder.
  •  Das Beunruhigende und Bestürzende am heutigen Evangelium ist, dass auch Menschen, die sehr belesen sind, die sehr viel wissen, die glauben Gott besonders nahe zu sein, die sich in der Heiligen Schrift genauestens auskennen, dennoch blind sind für Gott und taub für seinen Anspruch.

2.3 Wie man sehend blind wird

  • Das kann mit jedem von uns geschehen, dass wir sehend blind werden. Und es geschieht überall dort, wo wir über andere zu Gericht sitzen, auch wenn das nur in unserem Herzen geschieht. Dann vermögen wir das Wort des Heils nicht mehr verstehend zu hören. Wir werden etwas finden, womit wir es außer Kraft setzen können.
  • Das Wort KRITIK kommt aus dem Griechischen. Es hat eine zweifache Bedeutung: einmal bedeutet es Trennung, Scheidung, zum anderen Urteilen, Gericht. Wenn ich dem Wort Gottes nur kritisch begegne, scheide ich mich von ihm. Das gleiche geschieht, wenn ich einen Menschen nur mit kritisch richtenden Augen sehe. Mich zum Richter über ihn erhebe.
  • Dieses Verhalten führt zur Krise. Vorurteile verschließen Ohr und Herz. Die grundsätzliche Offenheit geht verloren. Das Positivbild wird schnell zu einem Negativbild. Das Wort des Heils und der heilbringende Mensch haben keine Chance mehr anzukommen.

2.4 Krise – Gericht verlangt Entscheidung

  •  Das heutige Evangelium ist ein erschütterndes Beispiel. Denn das WORT DES HEILS kommt in KNECHTSGESTALT oder wie der heilige Paulus sagt: "In menschlicher Schwachheit." Jesus und sein Verhalten passen nicht in das Klischee, das Schriftgelehrte und Pharisäer von einem Gottesmann haben. Und so wird die Begegnung mit Jesus für sie zum Gericht. Jesus spricht es am Ende des heutigen Evangeliums aus:
  •  „Um zu richten bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden   blind werden."[3] Je nach dem wovon mein Herz und mein Denken sich leiten lassen, wird mein Blick für den Nächsten getrübt oder erhellt.
Das Gericht, von dem Jesus spricht, fordert uns zur Entscheidung heraus. Und die heißt:

3 Nur DAS GELÄUTERTE HERZ SIEHT GUT
3.1 Der franz. Schriftsteller Saint Exupery lässt in seinem "Kleinen Prinzen" den Fuchs sagen: "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

  •  Die Heilige Schrift aber sagt uns: Gerade das Herz des Menschen ist das Problem. Immer wieder mahnt sie uns „verhärtet euer Herz nicht“.[4]
 Und Jesus sagt es noch deutlicher:
  •   "Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein." [5]
  •  Nur das durch das Feuer der Liebe und des Erbarmens Gottes geläuterte Herz sieht gut. Jesus preist die selig, "die reinen Herzens sind.“ Er will damit sagen:  Prüfe ständig dein Herz, ob denn deine Gesinnung, deine Absicht, mit der du etwas sagst oder tust, lauter ist. Er will damit auch sagen:  GOTT muss unser Herz reinigen durch sein Wort und sein Erbarmen, durch das Beispiel Jesu und der Heiligen. Das so geläuterte Herz sieht gut und richtig.

 3.2 Nicht wir sind die "großen Lichter".

  • Im Gegenteil! Von uns aus sind wir voller Finsternis. In unsere Finsternis hinein verkündet der hl. Paulus die Frohe Botschaft:

  "Jetzt aber seid ihr Licht durch den Herrn geworden." [6]

  •  Was in der Taufe vom Herrn her geschehen ist, haben wir nicht als sicheren Besitz, sondern wir "tragen diesen Schatz in zerbrechlichen Gefäßen",[7] der an dem harten Herzen schnell zerbrechen kann.  Paulus leitet daraus die berechtigte Forderung ab:

  "Lebt als Kinder des Lichtes" [8]

  •  An unserem Tun und Verhalten können wir ablesen, ob das Licht oder die Finsternis in uns am Werke sind. Paulus sagt:
"Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor." [9]

 3.3 Daraus ergibt sich als Konsequenz für jeden Christen:

 "Prüft, was dem Herrn gefällt." [10]
  •  Aber wir müssen aufpassen, dass wir da nicht auf pharisäische Weise gleich an die anderen und an die "schlechte Welt" denken, vielmehr sind zuerst wir gemeint.
"Habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis die keine Frucht bringen, sondern deckt sie auf!" [11]
  •  Also immer zuerst bei uns! Wenn bei anderen, dann ohne zu richten.
  • Paulus z.B. wehrt sich mit Vehemenz dagegen, dass sich Gemeindemitglieder über ihn zum Richter aufspielen. Er schreibt:
  "Richtet also nicht vor der Zeit; wartet bis der Herr kommt, der das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken wird." [12]
  •  Wie sehr das Richten über andere die Augen des Herzens verschließt, macht Paulus im 2. Kapitel des Römerbriefs deutlich:
  "Darum bist du unentschuldbar - wer du auch bist, Mensch - wenn du richtest, darin verurteilst du dich selber, da du der Richtende, dasselbe tust." [13]

 4  DER MENSCH SIEHT,WAS VOR AUGEN IST,  DER HERR ABER SIEHT DAS HERZ

  • Selbst ein Gottesmann wie Samuel erkennt aus Eigenem nicht, wer der richtige Kandidat für das Königsamt ist, auch er lässt sich vom Äußeren blenden. Gott selber muss ihm zeigen, wen er zum König erwählt hat. Und es ist eben nicht der, den sich der Samuel vorgestellt hatte, sondern David.
  •  Um wie viel mehr müssen wir demütig bekennen, wie wenig wir über andere wissen, vor allem wenn wir glauben, alles über sie zu wissen. Jeder Mensch ist ein Geheimnis, das nur Gott kennt.
  •  Gott sieht eben nicht auf das, worauf wir Menschen schauen. Er sieht auf das Herz, die Mitte der Person, und er allein kennt die Herzen, dein Herz und mein Herz. Er kennt dich und mich besser als wir uns selber kennen. Darum bekennt Paulus:
"Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst,
doch bin ich dadurch noch nicht gerecht gesprochen; der Herr ist es, der mich zur Rechenschaft zieht." [14]

5 Österliche Bußzeit heißt also:

   »Lass dein Herz durch die Liebe und das Erbarmen Gottes läutern. Lass dich aufdecken, damit du die Werke der Finsternis überwindest und in dir das Licht des Auferstanden hell leuchtet und es Ostern wird in deinem Herzen«.
  • Die Fastenzeit ist ein Ruf Gottes an jeden von uns:  Geh in dich, deute mit dem Finger nicht auf die anderen, sondern auf dich. Dann wirst du Gnade und Erbarmen und Frieden finden.
  • Und der Auferstandene wird vor den Augen deines Herzens erscheinen und du wirst ihn voller Freude und Dankbarkeit anbeten und ihm folgen wie der Blindgeborene im Evangelium, der durch Jesus sehend wurde.
  • Denn jeder von uns ist blind geboren und bleibt blind, es sei denn Jesus öffnet uns die Augen des Herzens.


[1] Mt 3,2; Lk 6,7
[2] Joh 9,38
[3] Joh 9,39
[4] Ps 95,8; Hebr 3,8.15; Hebr 4,7
[5] Mt 15,18
[6] Eph 5,8
[7] 2 Kor 4,7
[8] Eph 5,8
[9] Eph 5,9
[10] Eph,5,10
[11] Eph 5,11
[12] 1 Kor 4,5
[13] Röm 2,1
[14] 1 Kor 4,4

===>> Übersicht 

 

 

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.Ok, verstanden.