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Lesejahr 2011 (A)

Homilie zu Röm 12,1-2 am 22.Sonntag in Rödlas

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Anbetend sich herschenken an den Willen Gottes

1 Weltjugendtag – Anbetung mitten im Sturm

Anbetende Jugendliche bei der Vigilfeier des EWltjugendtages in Madrid
Anbetende Jugendliche bei der Vigilfeier des EWltjugendtages in Madrid
Zu den bewegenden Momenten des WJT in Madrid gehörte die stille Anbetung von einer Million junger Menschen vor dem in der Hostie gegenwärtigen Herrn Jesus Christus.

Bald nach Beginn der Nachtwache vom Samstag auf Sonntag war ein Sturm mit Regen aufgezogen.

Der Papst und die Jugendlichen ließen den Sturm gelassen ja fröhlich über sich ergehen.

Als das Schlimmste vorüber war, meldete sich der Moderator wieder: „Eines zunächst, der Papst ist sehr stolz auf euch.“
In den Jubel der Erleichterung rief Benedikt XVI: „Danke für euere Fröhlichkeit und Ausdauer. Ihr seid stärker als der Regen.“

In gesammelter Stille kniete die eine Million umfassende Menschenmenge vor dem Allerheiligsten in der Anbetung vor dem gegenwärtigen Herrn vereint.

2 Was meint Anbetung?

Paulus ermahnt die Christen in Rom »angesichts des Erbarmens Gottes sich selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt«.[1] Er nennt dies den für Christen wahren und angemessenen Gottesdienst.

2.1 »Angesichts des Erbarmens Gottes«
  • will sagen, richte dein inneres Auge, die Augen deines Herzens auf den dich väterlich und mütterlich umarmenden Gott, der dich in seiner Liebe birgt, der wie eine Mutter ihr schutzbedürftiges Kind an sich drückt, wie ein Vater den heimkehrenden verlorenen Sohn in versöhnter Liebe küsst.
  • Gottes und Jesu Arme sind offen für dich, darum kannst du dich ihm schenken, darbringen mit deinem ganzen Sein und Tun. Sich opfern heißt also nicht sich aufgeben, sondern sich schenken.
2.2 Als lebendiges und heiliges Opfer, das Gott gefällt sollen wir uns
      darbringen.

Anbetung unter Tränen beim Weltjugendtag
Anbetung unter Tränen beim Weltjugendtag
Jede Begegnung mit ihm und mit Jesus Christus, seinem geliebten Sohn, die sich im Gottesdienst, im Hören auf das Wort Gottes, in der Meditation, im stillen Gebet ereignet, soll uns dazu ermutigen, uns darzubringen, indem wir uns herschenken in unseren alltäglichen Begegnungen, in unserem Beruf, in den uns gestellten Aufgaben, in der zu verrichtenden Arbeit. Immer geht es darum, die mütterliche und väterliche Umarmung Gottes, sein Erbarmen zu leben.

Der heilige Augustinus sagt es so:
"Was auch immer du tust, tu es recht, und du lobst den Herrn.
Treibe Handel, aber in Ehrlichkeit, und du lobst den Herrn.
Bebaue deinen Acker, aber in Frieden mit deinem Nachbarn, und du lobst den Herrn.
Sei in all deinen Verrichtungen rechtschaffen, und dein ganzes Tagwerk ist ein ununterbrochenes Loblied Gottes."
  • Wer sich vom Haben wollen leiten lässt, gleicht sich der Welt an. Wer nur horizontal auf das Diesseits ausgerichtet lebt, der wird wie alles Vergängliche untergehen, sein Leben verlieren.
  • Das Weltjugendtagskreuz wurde ein Jahr lang meist von jungen Menschen durch ganz Spanien getragen, bis es schließlich beim Weltjugendtag in Madrid ankam und bei allen großen Gottesdiensten zusammen mit dem Bild der Muttergottes und ihres Sohnes Jesus aufgerichtet wurde. Die das Kreuz tragenden jungen Menschen konnten so fühlen und im wahrsten Sinn des Wortes begreifen, was es heißt,
2.3 Sein Kreuz auf sich nehmen.
Das Weltjugendtagskreuz
Das Weltjugendtagskreuz

  • Sein Kreuz auf sich nehmen bedeutet, mitten in der Welt, in der Horizontale des Lebens vertikal ausgerichtet senkrecht mit beiden Füßen auf der Erde stehen und mit Herz und Verstand im Ewigen, in der liebenden und sich erbarmenden Nähe Gottes leben. Dann sind wir im Stand der Gnade.
  • Nur so kommt der Mensch zum Selbstsein. Im 1. Buch der Bekenntnisse des heiligen Augustinus steht der wunderbare Satz: "Ich werde ich selber sein, wenn ich in dir bin."[2]
  • Und weiter spricht er zu Gott: "Ich wäre nicht, mein Gott, ich wäre ganz und gar nicht, wenn du nicht wärst in mir. Oder vielmehr: Ich wäre nicht, wenn ich nicht wäre in dir."[3]  (Bekenntnisse 1,2,2)
  • In ihm sein, ja das ist im tiefsten Anbetung, ad-oratio, Berührung von Mund zu Mund, Kuss, Umarmung und so im tiefsten Liebe.
2.4 Bei Jeremia hieß dieses sich Herschenken an Gott und sein Volk
  • Den Herrschenden und Reichen in Israel zuzurufen "Gewalt und Unterdrückung".[4] Dieses Tun machte ihn zum Gespött der Überheblichen und brachte sein Leben in Gefahr. Man warf ihn in die Jauchegrube des Palastes. Er wäre dort elendiglich erstickt, hätte ihn nicht ein Afrikaner befreit.
  • Gott anbetend gehorchen kann auch zur lebensbedrohenden Verfolgung führen. Es kann das irdische vergängliche Leben kosten. In den Märtyrern des 20. Jhts. auch in den vielen Märtyrern des Naziregimes bei uns, ist dies nahe Wirklichkeit gewesen.
  • Jeremias mächtige und überhebliche Spötter gingen bald darauf bei der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier unter oder wurden nach Babel verschleppt.
2.4 Gott anbeten, sich Herschenken, hieß für Jesus:
  • Nach Jerusalem hinauf gehen, sich auch nicht von seinen engsten Vertrauten davon abhalten lassen, obwohl er wusste, dass man ihn dort ans Kreuz schlagen würde. Als unschuldig Leidender und Sterbender, wollte er den liebenden Gott bis zum letzten Atemzug bezeugen. Er blieb auch angesichts des Todes ein Liebender, der für seine Mörder betete: "Vater verzeih ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun."
3 Keiner von uns kann aus eigener Kraft so lieben.
Papst Benedikt vor dem Allerheiligsten
Papst Benedikt vor dem Allerheiligsten
Deshalb werden wir Gott und seinem auferstandenen Christus bitten: Gieße durch den Heiligen Geist Deine Liebe in mein Herz. Liebe du in mir.

Wir ahnen die Größe und Schönheit dieser Liebe und was sie aus uns Menschen machen kann, wenn wir Augustinus in seiner Predigt zum 1. Johannesbrief 2,14 sprechen hören:

"Jeder ist so, wie seine Liebe ist. Liebst du die Erde?
Dann wirst du Erde sein.
Liebst du Gott? – Was soll ich sagen? – Du wirst Gott sein.
Aus mir selbst wage ich nicht, dies zu sagen, doch die Schrift sagt es."

  • Mit dem heiligen Paulus wollen wir versuchen Angesichts des Erbarmens Gottes, angesichts seiner uns in Jesus anblickenden und ansprechenden Liebe, „uns selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen.“ Auf das aus zu sein, „was Gott gefällt, was gut und vollkommen ist.“[5]
  • Durch seine bis zum äußersten gehenden Liebe ermutigt werden wir uns herschenken an Jesus Christus und seine Kirche, an die uns anvertrauten Menschen, an die uns gestellte Aufgabe in Familie und Beruf, aber auch als alte Menschen mit dem Kreuz unserer Hinfälligkeit, unserer schwindenden Kräfte. So bauen wir mit an einer die Erde übersteigenden Zukunft, die Gott denen schenkt, die ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Anbetende Weltjugendtagsteilnehmer in Madrid
Anbetende Weltjugendtagsteilnehmer in Madrid
4 Jesus Christus anbeten in der Eucharistie

    • In seiner Predigt zur Gebetsvigil zur Nachtwache vor dem Allerheiligsten sagte der Papst zu den Jugendlichen und wir dürfen es auch uns sagen lassen:
„Liebe junge Freunde, um der Lebensform treu zu folgen, zu welcher der Herr jeden einzelnen von euch beruft, ist es unerlässlich, dass ihr als Freunde in seiner Liebe bleibt. Und wie kann die Freundschaft anders Bestand haben als durch häufigen Kontakt, durch das Gespräch, die gegenseitige Verbundenheit und das Teilen von Hoffnungen und Sorgen? Deshalb lade ich euch ein,“ schloss der Papst seine Ansprache, „jetzt bei der Anbetung Christi dazubleiben, der in der Eucharistie wirklich gegenwärtig ist – das Gespräch mit ihm aufzunehmen, eure Fragen an ihn zu richten und auf ihn zu hören.“

[1] Röm 12,1
[2] Augustinus, Bekenntnisse 1,20,30
[3] ebd. 1,2,2
[4] Jer 20,8
[5] Röm 12,2

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