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Lesejahr 2011 (A)

Homilie bei Feldmesse in Gleisenhof Pfarrei Neunkirchen a.Br.

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Feldmesse auf dem Hetzles
Feldmesse auf dem Hetzles
Die Erhöhung des Menschen
[1]

Wir haben gerade in die Schöpfung hineingesungen »Halleluja preiset unseren Gott«. Ja, das Wunder der Schöpfung leuchtet jedes Jahr neu vor uns auf. Im heutigen Evangelium die Jüngern werden wir hören, dass sich die elf Jünger in Galiläa auf einen Berg versammelt haben, um dort von der sichtbaren Gegenwart Jesus Abschied zu nehmen.

So sind auch wir jetzt in dieser Stunde auf den Hetzles heraufgekommen, nicht um von Jesus Abschied zu nehmen, sondern an der Erhöhung des Menschen durch ihn teilzuhaben. Das ist das Thema meiner Predigt: Die Erhöhung des
Menschen.
 
 
 1 Die älteren unter uns erinnern sich noch.
  • Als der sowjetische Astronaut Juri Gagarin 1961 von seinem ersten spektakulären Weltraumflug zurückgekehrte, brachte er von dort folgende Botschaft mit: er sei oben am Himmel gewesen und habe nirgendwo etwas von Gott erblickt. Die kommunistische und atheistische Welt jubelte damals.
  • Nur ein Jahr jünger als ich verunglückte er 1968 bei einem Testflug mit einer mit Mig-15 tödlich. Jetzt weiß er sicher mehr.
  • Ein Prediger des 19. Jahrhunderts hat die Himmelfahrt Jesu ziemlich realistisch als Art Sturzflug nach oben beschrieben. Ein Mathematiker rechnete ihm vor, dass dann Jesus immer noch fliege, selbst wenn er mit der Geschwindigkeit einer Kanonenkugel unterwegs sei. Wir können heute dazu sagen, selbst mit Lichtgeschwindigkeit hätte er es noch nicht geschafft.
  • Um herauszufinden, dass man sich die Himmelfahrt Jesu nicht mit Begriffen der Raumfahrt vorstellen darf, genügt ein Blick in die Bibel.

Geistl. Rat Veit Dennert bei der Predigt
Geistl. Rat Veit Dennert bei der Predigt
2 Das Matthäus Evangelium, wie wir es heute hörten, kennt keine Himmelfahrt.

Vielmehr versichert Jesus im Augenblick des Abschieds seinen Aposteln er werde auf eine neue Raum und Zeit übersteigende Weise bei ihnen bleiben „alle Tage bis zum Ende der Welt.“[2]

 

2.1 So kann nur der sprechen, dessen Anwesenheit eine neue Qualität erreicht.
So spricht keiner, der sich anschickt, jahrtausendelang trostlos durchs All zu fliegen auf einen fernen Himmel zu.
Bevor Jesus den Jüngern seine sichtbare Gegenwart entzieht, sagt er in feierlicher Form zu ihnen:
“Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.“ (Vers 18)

 

2.1.1 Himmelfahrt bedeutet also für Christus einmal Triumph und Erhöhung, die ihm vom Vater geschenkt werden.
Der Himmelfahrtstag ist also in der Tat der große Herrentag, der Tag der Erhöhung Christi nicht der Tag der kleinen Herrn die heute durch die Gegend ziehen und die Gastwirtschaften bevölkern.
Der Himmelfahrtstag ist in der Tat der große Vatertag, der Tag des Vaters im Himmel, der seinen geliebten und gehorsamen Sohn Jesus Christus zum Herrn des Himmels und der Erde macht. Himmelfahrt bedeutet aber nicht nur Triumph und Erhöhung für Christus.
 
Die Mitfeiernden
Die Mitfeiernden
2.1.2 Himmelfahrt hat auch für uns Menschen eine große gewaltige Bedeutung.

Auch für uns verändert sich etwas mit dem heutigen Fest.
Im Tagesgebet haben wir gebetet „Allmächtiger ewiger Gott, in der Himmelfahrt deines Sohnes hast du den Menschen erhöht.“
Der Sohn des ewigen Vaters, aus Gott geboren vor aller Zeit, kehrt als Mensch von der Erde zurück in den Himmel. Er nimmt unser Menschsein in seine Erhöhung und Verklärung beim Vater mit in den Himmel hinein.

In der Klosterkirche von Schäftlarn hat der Rokokobildhauer Johann Baptist Straub als Bekrönung des Hochaltars die Himmelfahrt eindrucksvoll dargestellt.

2.2  Die Erhöhung Christi beim Vater
2.2.1 vom linken Bildrand kommend geht Jesus auf seinen Vater zu
 der ihn aus dem Grab auferweckt und in den Himmel aufgenommen hat, um ihn auf dem Platz zu seiner Rechten zu erheben.
Jesus deutet auf das Kreuz das ein Engel ihm nachträgt, als wolle er auf das Erlösungswerk hinweisen, das er für seine Brüder und Schwestern also für uns vollbracht hat.
Jesus zieht als Herrscher in den Himmel ein. Der heilige Paulus sagt heute in der zweiten Lesung von ihm, dass er “hoch über allen Fürsten, Mächten und Herrschaften steht, und dass im Gott alles zu Füßen gelegt hat.“
2.2.2 Mit seiner Himmelfahrt sprengt Jesus die Fesseln seiner begrenzten menschlichen Existenz
Als Mensch war er an einen Leib, an Raum und Zeit gebunden. Sein Wort erreichte nur wenige Hörer, seine Wunder und Zeichen wurden nur von wenigen Menschen wahrgenommen. Er war eingeengt auf einen bestimmten Kulturkreis, eine bestimmte Sprache, eine bestimmte Religion.
Im Gott hinein erhöht, durch den Heiligen Geist bei uns wirkend wird er zum König der ganzen Welt.
Sein Einfluss ist nicht mehr auf Palästina beschränkt, seine Sendung bezieht sich nun nicht mehr allein auf “die verlorenen Schafe des Hauses Israel.“ Er wird am heutigen Tag zum Heiland aller Menschen. Wir seine Jünger dürfen sein Mund, seine Hände und Füße sein. Durch uns will er zu allen Menschen kommen. Durch uns will er sich allen Menschen kundtun. Und er verheißt, dass er bei uns ist alle Tage bis ans Ende der Welt.

Auf der Darstellung in Schäftlarn

2.3 Trägt ein Engel Jesus bei seiner Erhöhung beim Vater das Kreuz nach.

2.3.1 Das Kreuz steht zunächst für das, was am Menschsein schwer,           belastend, leidvoll und nicht zu ändern ist.
Wer Kreuz hört, denkt an Einsamkeit, Krankheit, Tod, an Misserfolg und Verkennung, an Angst, Verzweiflung und Gottesferne. Am Kreuz hat Jesus gerufen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ [3]An seinem Kreuz hatte er die Untreue seiner Freunde und den Hass seiner Feinde ausgehalten.

Aber nicht nur die dunklen Seiten des Menschseins sind im Kreuz symbolisch zusammengefasst;

 

2.3.2 Durch Jesus ist das Kreuz zum Sinnbild höchster menschlicher Werte geworden.
An ihm offenbart sich seine Liebe, die sich für Freund und Feind opfert, ein Mitleid und Erbarmen, das keinen ausschließt. Am Kreuz hat Jesus gebetet „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“[4]
Am Kreuz hatte er einem Verbrecher das Paradies verheißen. Am Kreuz hat er sich erhöhen und sein Herz durchbohren lassen, um für uns alle da zu sein und alle an sich zu ziehen.

 

2.3.3 Sein Kreuz mit in den Himmel nehmend erlöst und heiligt er alles Menschliche.
Er macht unsere Sünde zur »felix culpa zur - glücklichen Schuld«[5] indem er unsere Mängel mit dem Reichtum seiner Liebe überbietet.
Er pflegt und bewahrt, was an uns wertvoll ist, in dem es durch seine Person mit Gott verbindet.
Er nimmt den Fluch von unseren Leiden und Misserfolgen. Er lässt uns erkennen, dass Leid ein Segen für uns sein kann, weil es uns ihm ähnlich macht. Deshalb machte er als der Auferstandene seinen Jüngern klar, „dass der Messias leiden musste, umso in seine Herrlichkeit einzugehen.“[6]
Er lenkt unser Sinnen und Verlangen zum Himmel wo er als erster der Menschen bei Gott ist.

 

2.3.4 Im in den Himmel einziehenden Jesus ist uns ein Unterpfand dafür gegeben, dass jedes Menschenleben an sein Ziel gelangen kann.
 Mag es auch – wie das Leben Jesu – von feindlichen Mächten vorzeitig und gewaltsam abgebrochen werden.
Paulus sagt uns: Jesus Christus ist das Haupt seines Leibes, an dem wir Glieder sind. Indem wir über seinen Leib, der die Kirche ist, zu ihm gehören, nehmen wir teil an seiner Verherrlichung beim Vater. In der Kirche sein bedeutet also mehr als Mitgliedschaft. Sie ist die Gemeinschaft in die der Auferstandene seinen Heiligen Geist ausgegossen hat und ausgießt.
Kirche ist die Gemeinschaft derer, die Jesus lieben und an seinem Wort festhalten.[7] Als solche steht der Christ unter der Zusage Jesu: „mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.[8] Die Einwohnung des dreieinigen Gottes in uns ist das Unterpfand unserer Teilhabe an der Erhöhung des Menschen, für die Himmelfahrt Jesu Christi, das Aufsteigen zu Gott das Bild ist, in dem diese Wahrheit aufleuchtet. Darum schloss das Tagesgebet mit der Bitte an Gott: „Schenke uns das feste Vertrauen, dass auch wir zu der Herrlichkeit gerufen sind, in die Christus uns vorausgegangen ist.“
 

Dank für die Schöpfung und die Erhöhung des Menschen
Dank für die Schöpfung und die Erhöhung des Menschen
3 So feiern wir heute nicht nur Jesus Christus uns seine Vollendung, sondern auch unsere Zukunft, die für Jesus Christus schon Gegenwart ist.

Wir wandern in der Spur dessen, der als der Erstgeborene von vielen Brüdern und Schwestern bei Gott angekommen ist, von dem alles ausgegangen ist und zudem alles heimkehren wird.
So weitet sich unser irdisch begrenzter Lebensraum in die ewige Weite und Fülle des Lebens bei Gott. Was für ein Fest!
 
 
 
 
 
 


[1] 1. LESUNG Apg 1, 1-11; 2. LESUNG Eph 1, 17-23; EVANGELIUM Mt 28, 16-20
[2] Mt 28,20
[3] Matt 27,46
[4] LK 23,34
[5] Exsultet der Osternacht
[6] Luk 24,26
[7] Joh 14,23
[8] Joh 14,23

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