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Lesejahr 2011 (A)

Homilie zu den Texten des 6. Ostersonntags in St. Michael Neunkirchen

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 Der Vater gibt uns einen anderen Beistand den Geist der Wahrheit, der für immer bei uns bleibt[1]

Jesus selbst erbittet den anderen Beistand vom Vater für seine Jünger und Jüngerinnen also auch für uns. Er tut dies, damit wir nicht als Waisen in dieser Welt zurückbleiben. Wir sollen verstehen, dass er im Vater und durch den Geist in uns und wir in ihm sind. So werden wir wie Philippus fähig

1 Christus zu verkündigen durch Wort und Wunder

1.1 Philippus kam in die Hauptstadt Samariens hinab und verkündigte dort  Christus.[2]
  • Worüber dürfen wir uns wundern? Das erste Wunder ist, dass die Menge einmütig auf die Worte des das Evangelium verkündenden Philippus achtet. In ihm begegnet den Menschen ein Jünger, der vom Heiligen Geist erfüllt eine große Liebe zu Jesus und den Menschen ausstrahlte.
  • Er weckte in seinen Zuhörern den Glauben an die Person Jesu Christi, der durch seinen Tod und seine Auferstehung den Tod, die Sünde und den Teufel besiegt hat. Die Zuhörer des Philippus stellen sich als Gruppe von Menschen auf die Seite des Sohnes Gottes, der stärker ist als alle Unheilsmächte.

1.2 Der Glaube an ihn macht den Weg frei für die nun geschehenden Wunder.

  •  „Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei die unreinen Geister aus; auch viele Lahme und Krüppel wurden geheilt.“ Geschehen solche Wunder auch bei uns? Vielleicht haben wir einfach die Sensibilität verloren, sie im Alltag wahrzunehmen.

 1.3 Die Wunder Gottes im Alltag

Die Zeichen seiner Heil wirkenden Gegenwart sind für wache Christen unübersehbar.
  • Heinrich Böll bekennt: „Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und mehr noch als Raum gab es für sie: Liebe für jene, die der heidnischen und gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen... Ich empfehle es der Nachdenklichkeit und der Vorstellungskraft der Zeitgenossen, sich eine Welt vorzustellen, auf der es Christus nicht gegeben hätte.“[3]
  • Gestern spendeten sich hier in unserer Pfarrkirche eine Frau und ein Mann das Sakrament der Ehe. Als Leitwort für ihre Ehe wählten sie ein Wort des Apostels Paulus, das er am Schluss seines 1. Briefs den Christen in Korinth ans Herz legte: „Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen![4] Oder wie es die Einheitsübersetzung sagt: „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“ Ja, das größte Zeichen für Gottes Heil wirkende Gegenwart ist die bedingungslose Liebe.

2 Gelebtes Evangelium und gelebte Liebe sind Mensch gewordenes Wort Gottes

2.1 Gelebtes Evangelium - ist es nicht auch im Ministrantendienst erfahrbar?
  • Jungen und Mädchen stellen sich für diesen Dienst über Jahre zur Verfügung. Sie schenken einen Teil ihrer Zeit her und dienen Gott und seiner Gemeinde am Altar nicht nur wie jetzt am Sonntag im Pfarrgottesdienst, sondern auch bei Andachten und Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen.

 2.2 Gelebtes Evangelium finden wir in den vielen ehrenamtlichen Diensten in unserer Gemeinde

  • z.B. im Dienst der Kantoren und des Kirchenchores, im Pfarrgemeinderat und den Kirchenverwaltungen, in den Gruppen und Kreisen, die das Gespräch ermöglichen, vor allem wo Menschen daheim ihre Angehörigen pflegen und ihnen beistehen, und dabei oft ihre eigenen Interessen und Wünsche hintanstellen.

 2.3 Gelebtes Evangelium zeigt sich bei den Jugendlichen und Erwachsenen

  • die Kindern und Jugendlichen in Kinder- und Jugendgruppen beim Wachsen und Werden, bei der Selbst- und Glaubensfindung helfen; wo Eltern mit Liebe und Geduld ihre Kinder erziehen und zu Gott führen; wo Großeltern, ihren Enkeln zeigen, daß es schön und hoffnungsvoll ist, mit Gott und seiner Kirche zu leben.

 2.4  Gelebtes Evangelium finden wir auch dort, wo Menschen nicht nur arbeiten, um Geld zu verdienen

  • Die vielmehr ihre Arbeit in gewissenhafter und sorgfältiger Liebe verrichten; Frauen und Männer, die sich politisch und gesellschaftlich in Verantwortung vor Gott und im Geiste Jesu und seines Evangeliums einsetzen.
2.5 Gelebtes Evangelium zeigt sich, wo Menschen sich Zeit nehmen Kranke zu besuchen und Einsamen Zeit zu schenken.
  • Denn unsere Zeit ist kostbar und einmalig. Zeit, die ich schenke ist das größte Liebesgeschenk, das ich Gott und den Menschen machen kann. Die Zeit, die ich schenke ist für die Ewigkeit gegeben. Das alles sind Zeichen, und nichts anderes bedeutet im biblischen Sprachgebrauch das Wort "Wunder",

3 Zeichen, daß der Herr uns, seiner Gemeinde hier in Neunkirchen, beisteht.

3.1 Sein Geist ist es, der dies bewirkt
  • Der Auferstandene erbittet uns vom Vater den Beistand den Heiligen Geist. Und der Vater gibt uns diesen Beistand, damit wir einander, unseren Mitmenschen und unser Mitwelt beistehen, sie schützen und vor Zerstörung bewahren.

 3.2 Wir haben keinen Grund resigniert den Kopf hängen zu lassen.

  •  Nein, der Antwortpsalm nach der 1. Lesung fordert uns auf: "Jauchzt vor Gott, verherrlicht ihn mit Lobpreis. Kommt und seht die Taten Gottes! Staunenswert ist sein Tun an den Menschen." In einer großen Wochenzeitung ist auf der Titelseite eine im Meer halb untergegangene Kirche abgebildet. Unterschrift: „Ist die Kirche noch zu retten?“ Die Welt wird die Kirche nicht retten. Sie redet ihren Untergang gern herbei. Hat sich aber immer als falsche Prophetin erwiesen.
  • Wir halten uns als Christen an Jesus Christus. Er hat seiner aus dieser Welt herausgerufenen Jüngerschaft - das bedeutet nämlich Kirche - in der Gestalt des Petrus verheißen „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“[5]
  • Zusammen mit dem Nachfolger des heiligen Petrus gehen wir in eine hoffnungsvolle Zukunft. Mutig dürfen wir unter dem Beistand Gottes, dem Geist der Wahrheit, den Jesus seiner Jüngergemeinde, seiner Kirche vom Vater erbittet, in diese Zukunft gehen.

 3.3 Wir danken Gott für die Gabe seines Geistes, der die Wunder unter uns wirkt

  • Er macht gelebtes Evangelium unter uns sichtbar und erfahrbar. Darum feiern wir Gottesdienst - Eucharistie, versammeln wir uns Sonntag für Sonntag zum Lobpreis Gottes. Der Sänger des Psalms ruft uns zu: "Ihr alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört; ich will euch erzählen, was er mir Gutes getan hat." [6]
  • Ja, etwas Gutes tut uns der Herr, wenn er uns in seine Nachfolge ruft, wenn wir ihm dienen dürfen in seiner Kirche; denn wir dürfen in seiner Nähe, unter der Zusage seiner Verheißungen leben. Durch sie gibt er unserem Leben eine ewige Zukunft. Geht jetzt schon die Herrlichkeit des Herrn, der Himmel, auf über unserem Leben.

4. Wunder wird es auch in Zukunft geben.

  • Mögen sich die Zeiten und die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern, die Kirche ist und bleibt die Jüngerschaft Jesu. In ihr werden weiter Wunder, Zeichen der heilbringenden Gegenwart des Heiligen Geistes geschehen, wenn wir die in der 2. Lesung gehörten Wortes des Apostels Petrus beherzigen „Haltet in euerem Herzen Christus, den Herrn, heilig!“[7]
4.1 Hier in der 2. Lesung begegnen wir einem neuen Stadium der Ausbreitung und Entfaltung christlicher Gemeinden.
  • Die erste Aufbruchszeit ist vorüber. Die Gemeinde bekommt den Widerstand der nicht-christlichen Umwelt hartnäckig zu spüren. Ein nur äußerlich gelebtes Christsein, das sich nur zu besonderen Anlässen folkloristisch gebärdet, konnte weder damals noch kann es heute auf Dauer bestehen. Darum die Bitte des Petrus:

 4.2 „Haltet in eueren Herzen Christus, den Herrn, heilig!"

  • D.h. In der Mitte meiner Person, in meinem Herzen tief da drinnen will ich Christus nahe sein. Was "Christus im Herzen heilig halten" bedeutet können wir nur verstehen wenn wir dieses Wort im Zusammenhang hören.
  • Voraus geht nämlich „Aber auch wenn ihr um der Gerechtigkeit willen leiden müsst, seid ihr seligzupreisen. Fürchtet euch nicht vor ihnen, und lasst euch nicht erschrecken, sondern haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig!“[8]
  • Der Christ fürchtet nur Gott, wie der Psalm 118,6 bezeugt "Darum dürfen wir zuversichtlich sagen: Der Herr ist mein Helfer, ich fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun?"[9] Ähnlich der Psalm 56 "Ich preise Gottes Wort. Ich vertraue auf Gott und fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun?"[10]

 4.3 Die Stimme der Braut - der Kirche erklingt rund um den Globus.

  • Klosterfrauen weihen sich bei der Profess ganz und gar Jesus Christus ihrem himmlischen Bräutigam. Im Stundengebet bringen sie durch Christus dem Vater das Lob und Danklied dar. Das 2.Vatikanum nennt daher das Stundengebet, das Ordensleute und Priester und auch viele Laien täglich vollziehen: "die Stimme der Braut, die zum Bräutigam spricht, ja es ist das Gebet, das Christus vereint mit seinem Leibe an den Vater richtet.“[11]

 4.4 Im Bild von Braut und Bräutigam wird deutlich worum es in unserem Leben als Christen geht:

  • Nämlich um eine Liebesbeziehung zu Jesus Christus. Das heißt ihn heilig halten in unserem Herzen. Eine Liebesbeziehung hat nur dann Bestand, bleibt lebendig, wenn wir uns ständig um den Geliebten bemühen, unsere Gedanken auf ihn gerichtet sind, wir mit ihm sprechen, ihm gut zuhören, zärtlich mit ihm umgehen und alles unterlassen, was die Freundschaft mit ihm trüben könnte.

 4.5 Wenn ich so Christus heilig halte in meinem Herzen, dann kann ich ruhig und sicher jedem "Rede und Antwort stehen, der nach der Hoffnung fragt, die mich erfüllt."[12]

  • Und wenn uns jemand wegen unseres Glaubens oder unseres Einsatzes für den Herrn und seine Kirche angreift oder beschimpft, brauchen wir nicht zum Gegenangriff überzugehen, sondern weil wir ein reines Gewissen haben, können wir ehrfürchtig und bescheiden unser Zeugnis ablegen. Ehrfürchtig heißt, dem anderen so zu antworten, daß wir dabei seine Ehre, seine Personwürde, nicht verletzen. Und bescheiden, weil wir wissen, dass Glauben-Können ein unverdientes Geschenk ist, etwas, was Gott durch seinen Geist in uns gewirkt hat.      

5 Im Johannesevangelium wird dies "Haltet Christus heilig in euerem Herzen" so beschrieben:

  • "Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten". Und diese lassen sich in dem einen zusammenfassen: "Liebt einander, wie ich euch geliebt habe." Wenn wir so leben, können wir mit gutem Gewissen die Angriffe gegen den Glauben und die Kirche aushalten, denn Gott steht uns bei durch seinen Geist. Und dieser Geist ist Wahrheit. In ihm ist die Wirklichkeit Gottes bei uns und mit uns.


[1] Joh 14,16
[2] Apg 8,5
[3] 1957
[4] 1 Kor 16,14
[5] Mt 16,18
[6] Ps 66,16
[7] 1 Petr 3,15a
[8] 1 Petr 3,14f.
[9] Hebr 13,6
[10] Ps 56,6
[11] 2.Vat.SC 84
[12] 1 Petr 3,15

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