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Predigten

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Lesejahr A 2013/14 bis 2014/11

Predigt - Homilie am 23.So.A2014 in St. Laurentius Hetzles

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Das Wächteramt der Kirche

1 Unsere Prophetische Aufgabe

  • Die meisten von Ihnen - so hoffe ich - waren schon bei einer Taufe dabei. Die mitgefeierte Taufe ist eine Chance, die eigene Taufe neu zu verstehen und zu leben.
  • Sie erinnern sich: ist das Kind getauft, wird der Täufling auf Stirn und Kopf gesalbt. Das vorausgehende Gebet deutet das Zeichen der Salbung "Du wirst nun mit dem heiligen Chrisam gesalbt; denn du bist Glied des Volkes Gottes und gehörst für immer Christus an, der gesalbt ist zum Priester, König und Propheten in Ewigkeit."
  • Durch die Taufe haben wir teil an der prophetischen Sendung Jesu Christi. Diese besteht darin, geführt durch den Heiligen Geist und erleuchtet durch das Wort Gottes, die Gegenwart zu durchschauen.
  • Wir sollen erkennen und beim Namen nennen, was gespielt wird, was dem Willen Gottes entspricht oder widerspricht, was gut oder böse ist, was zum Guten führt oder zum Bösen verführt.

Hören wir in die 1. Lesung hinein.

2  Der Priesterprophet Ezechiel spricht von seiner prophetischen Aufgabe.[1]

  • Gott bestellt ihn zum Wächter über sein Volk. „Wenn du ein Wort aus meinem Munde hörst, musst du sie vor mir warnen.“ [2] Der Abfall von Gott und ein sündiges Leben - also sich absondern von Gott und seinem Willen - bringen Unheil über die Menschen. Es geht um Leben und Tod, für den Warnenden wie die Gewarnten.
  • Der Prophet macht sich schuldig, wenn er nicht warnt. Warnt der Prophet den Schuldigen nicht und dieser stirbt in seiner Sünde, so  fordert Gott Rechenschaft vom Propheten.
  • Die offiziellen Wächter in der Kirche sind die „ἐπίσκοποι – Wächter“ die Bischöfe unter Führung des Papstes und die vom Bischof gesandten Priester. Kraft der Taufe und Firmung aber haben auch die Laien am Prophetendienst Jesu teil.
  • Als Getaufter und Gefirmter darf ich nicht schweigen, wenn sich mir nahestehende Menschen von Gott und seinen Geboten abwenden oder aus der Kirche austreten.
  • Eltern dürfen nicht schweigen, wenn ihre Kinder sich von Gott abwenden oder gottlose und böse Wege gehen. Gott wird uns haftbar machen, wenn wir nicht warnen. Hören sie nicht auf uns, dann sind wir nicht haftbar. Immer aber bleibt uns das stellvertretende Gebet und Opfer. Dann „hast du dein Leben gerettet“.

3 Warnen, zurechtweisen und Liebe gehören zusammen.

  • "Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses", sagt Paulus im Römerbrief. Es wäre zu wenig, wenn das Warnen, so aussähe: „Du sollst, du musst, du darfst das nicht!“
  • Die Gebote Gottes wollen uns nicht knechten. Sie zeigen uns aber, wodurch die Liebe verletzt wird - die Liebe zu Gott, zu den Mitmenschen oder zu sich selber. Die Goldene Regel des Evangeliums gilt es in Erinnerung zu bringen; „Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu." Verletze die Liebe nicht, weil du auch nicht möchtest, dass jemand anderes dir gegenüber die Liebe verletzt.
  • Nur die Liebe schenkt Teilhabe am göttlichen Leben. Sie fördert das Leben, macht es lebenswert. Darum sagt der hl. Johannes "Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tod."[3]
  • "Bleibt niemand etwas schuldig", sagt Paulus. Dann aber fährt er fort: "Nur die Liebe schuldet ihr einander immer."

4 Die Liebe zum Nächsten ist eine unendliche Aufgabe [4]

  • Diese Aufgabe müssen wir nicht allein aus eigener Anstrengung erfüllen. Denn in der Taufe hat sich uns Gott mit seiner ganzen Liebe zugeneigt und uns ganz angenommen. Er befähigt zu dieser Liebe, die Gott gebietet. Darum beten wir am Beginn des Rosenkranzes immer "der in uns die Liebe entzünde."
  • Die Kirche legt den Getauften ans Herz, bittet täglich um die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe. Wer das tut erlebt, dass der Glaube in Ihm lebendiger, die Hoffnung stärker und die Liebe durchhaltender wird.

5 Die Vollmacht und Aufgabe zurechtzuweisen [5]

  • Im Evangelium fordert Jesus dazu auf, dem Sünder den rechten Weg zu weisen, damit er umkehrt.
  • Dabei ist die Vorgehensweise zu beachten. Zuerst unter vier Augen. Wenn das nicht hilft zusammen mit zwei oder drei Zeugen. Fruchtet auch das nicht, dann erst soll es der Gemeinde gesagt werden. In äußerst schwerwiegenden Fällen kann dies sogar die Exkommunikation, den Ausschluss aus der Kirche nach sich ziehen. Der aber ist dem Apostelamt vorbehalten.
  • Zurechtweisung muss mit Klugheit und Liebe geschehen. Der Weisheitslehrer des Volkes Gottes Jesus Sirach warnt vor unüberlegter Zurechtweisung „Tadle nicht, ehe du geprüft hast; zuerst untersuche, dann weise zurecht!“[6]
  • Zurechtweisung darf nie gehässig sein, mahnt das Buch Levitikus. Aber wenn wir sie unterlassen werden wir schuldig.[7] 
  • Was Paulus seinem Schüler Timotheus sagt gilt allen im Dienst der Verkündigung Stehenden: „Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung.“ [8]
  • Der beim Vater erhöhte Christus sagt uns „Wen ich liebe, den weise ich zurecht und nehme ihn in Zucht. Mach also Ernst und kehr um!“[9]
  • Ja, es ist Gottes zurechtweisende Liebe, der Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut, die uns zur Umkehr treiben.[10]

6 Wie sieht die Praxis aus und was müssen wir ändern?

  • Wir reden zuerst mit anderen über die Sünden anderer. Genau das verstößt gegen die Liebe. Dadurch wird zwar eine gemeinsame Front gegen den Sünder aufgebaut, die ihn von vornherein ins Abseits drängt und seiner Umkehr nicht dient. Oft fehlt uns der Mut, zur Wegweisung und zur Mahnung. Wenn wir es nicht tun, machen wir uns vor Gott schuldig.
  • Freilich müssen wir uns auch überlegen, wie wir es tun. Gott hasst die Sünde, aber er liebt den Sünder. Jesus sagt fragend zu seinem Verräter Judas "Freund, dazu bist du gekommen?"[11]
  • Am Schluss des Evangeliums gibt uns Jesus noch einen wichtigen Hinweis. Wir sollen gemeinsam um die richtige Art der Zurechtweisung Gott bitten. „Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.“[12]
  • Im Namen Jesu versammelt, schenkt uns der Auferstandene seine Gegenwart. In seiner Gegenwart werden wir um den Mut und die rechte Art und Weise der Zurechtweisung beten.
  • Nur so kann Zurechtweisung, kann Binden und Lösen nach dem Willen Gottes gelingen; Denn die Liebe bleiben wir auch dem Sünder schuldig, immer.


[1] 1 Lesung Ez 33,7-9

[2] ebd 33,7

[3] 1 Joh 3,14

[4] Röm 13,8-10

[5] Mt 18,15-20

[6] Sir 11,17

[7] Lev 19,17

[8] 2 Tim 4,2

[9] Offb 3,19

[10] Röm 2,4

[11] Mt 26,50

[12] V 19

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