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Predigten

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Lesejahr A 2013/14 bis 2014/11

Predigt - Homilie zu Joh 4 am 3.Fastensonntag   in St. Johannes in Großenbuch

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 Jesus Christus – Quelle Lebendigen Wassers

1. Ohne Wasser kein Leben

Dieser fundamentalen Wahrheit stimmen wir alle zu. Wasser ist das wichtigste Lebensmittel überhaupt. Besonders in den Trockengebieten dieser Erde wurde und wird um das Wasser immer erbittert gekämpft.

In der 1. Lesung hörten wir, wie Israel auf seinem Zug durch die Wüste unter Wassermangel leidet. Für die Schar um Mose wird das Vorhandensein von Wasser zum Zeichen für die Gegenwart Gottes. Es kommt zum Aufruhr gegen Mose. Fast hätten sie ihn gesteinigt. Mose schreit zum Herrn. Und Gott zeigt ihm die Stelle, wo er Wasser in der Wüste findet.

Ein Kriegsteilnehmer aus meinem Heimatdorf – ich war etwa 14 Jahre alt – erzählte nach der Sonntagsmesse, wie er in Nordafrika in englische Gefangenschaft geriet. „Das Schlimmste war der Durst“, sagte er. „Lieber jeden Tag 25 Stockschläge als Durst leiden.“ Das hat sich mir unvergesslich eingeprägt. Wasser - unser wichtigstes Lebensmittel.

2. Ein Brunnen – Ort der Begegnung und Offenbarung

Der Jakobsbrunnen, von dessen Wasser ich 1963 auch getrunken habe, wird zum Ort der Begegnung zwischen Jesus und einer Frau aus Sychar. Beide suchen das Gleiche: Wasser, um ihren Durst zu stillen.

Dieses Grundbedürfnis aller Kreatur wird zur Grundlage eines Gespräches zweier grundverschiedener Menschen.

Einer Frau, die mit ihrem Durst nach Liebe und Angenommensein schon beim 6. Mann angekommen ist. Und Jesus, der sich ganz in der Liebe des himmlischen Vaters geborgen weiß und dessen Speise es ist, den Willen seines Vaters im Himmel zu tun.[1] Da ein Mensch, dem es vor allem um die irdischen Bedürfnisse geht, dort Jesus, der Gesandte Gottes, der die Menschen für das Reich Gottes gewinnen will.

Am Anfang des Gespräches steht die Bitte Jesu an die Samariterin „Gib mir zu trinken.“ Jesus durchbricht damit ein Tabu. Juden schauten auf die vom Glauben Israels abgefallenen Samariter mit Verachtung herab. Das Erstaunen der Frau ist deshalb groß. Die Bitte um einen Trunk Wasser eröffnet die Begegnung und die Möglichkeit, dass Offenbarung geschieht.

Jesus spricht vom »lebendigen Wasser« das er geben kann. »Lebendiges Wasser«, das fasziniert die Frau, aber zugleich missversteht sie Jesus. Dieses Missverstehen zieht sich durch das ganze Gespräch. Sie denkt rein irdisch. „Woher hast du das lebendige Wasser«, fragt sie. Unverständnis oder Missverstehen dürfen wir nicht als Ablehnung, sondern als Chance zum Gespräch verstehen.

Die Jesus missverstehende Frage der Frau gibt diesem die Möglichkeit sich zu offenbaren. „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“[2]

Zwar missdeutet die Samariterin auch diese Offenbarung Jesu wieder rein irdisch, aber sie erkennt in Jesus den Propheten. Sie selber wendet das Gespräch zum Wesentlichen. Sie fragt nach dem Ort der Anbetung Gottes. Und Jesus zeigt ihr, dass der Ort der Anbetung nicht zuerst ein bestimmter Ort z.B. Jerusalem oder für die Samariter der Berg Garizim ist, sondern der vom Geist und der Wirklichkeit Gottes erfüllte Mensch.

Diese Antwort Jesu lenkt ihre Gedanken auf den kommenden Messias. Überraschend für uns bekennt diese in Sünde lebende Frau sich zur Hoffnung Israels „Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte - Christus. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden.“[3]

Dieses Bekenntnis der Frau führt zur  Selbstoffenbarung Jesu „Ich bin es, ich, der mit dir spricht.“[4]  Die Frau wird sogar zur ersten Botin des  Messias in Samarien. Die ganze Geschichte mündet in das Bekenntnis der durch die Verkündigung Jesu zum Glauben gekommenen Samariter „Er ist wirklich der Retter der Welt.“[5]

3 Die Bedeutung im Leben der Kirche

Die Schrifttexte der Sonntage in der Österlichen Bußzeit möchten die Taufbewerber und alle Getauften in die Nähe des Erlösers und zum tieferen Glauben an den wirklichen von Gott gesandten Retter der Welt führen. Das Evangelium gibt eine Antwort auf die Frage,

3.1 Was stillt den Lebenshunger und Lebensdurst?

Die Kirche möchte die Taufbewerber und uns die Getauften - so wie es Jesus im heutigen Evangelium tut - aus dem Missverständnis herausführen, dass die Befriedigung unserer leiblichen Bedürfnisse unseren Lebenshunger und –Durst stillen könne.

Wasser als Lebenselement ist unverzichtbar für unsere irdische Existenz. Es ist verständlich, dass die in der Wüste dürstenden Israeliten gegen Mose aufbegehren.  Die Befriedigung irdischer Grundbedürfnisse ist unverzichtbar. Dort wo sie fehlen beginnt der Mensch zu zweifeln, ob Gott in ihrer Mitte ist.

Deshalb verkünden Missionare und Missionarinnen nicht nur Jesus als den Quell des Lebendigen Wassers, sondern sie lassen auch Brunnen bohren, helfen den Kranken, kümmern sich um die Bildung der heranwachsenden Generation-

3.2 Verantwortlich mit den Gaben der Schöpfung umgehen

Die Verantwortung vor Gott verlangt, dass wir mit dem kostbaren Gut Wasser verantwortlich und sparsam umgehen, damit auch künftige Generationen leben können.

Mose weiß keinen anderen Rat als zu Gott um Hilfe zu schreien. Sein Vertrauen auf Gott wird belohnt. Gott zeigt ihm, wo es mitten in der Wüste Wasser für alle gibt.[6]

3.3 Der doppelte Ursprung des Menschen

Der berühmte Psychotherapeut Graf Dürkheim hat einem seiner Bücher den Titel gegeben »Vom doppelten Ursprung des Menschen«. Das entspricht der Schöpfungsgeschichte der Bibel „Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.“[7]

Wer diesen doppelten Ursprung des Menschen ernst nimmt, wird nicht nur den Lebensdurst des Leibes sondern auch den der Seele zu stillen versuchen. Die vielen Suchtkranken unserer Tage sind ein beredtes Zeichen dafür, wie wenig die irdischen Lebenswasser unseren Lebensdurst stillen können. Ja, nur auf sie fixiert, von ihnen allein unser Glück erwartend machen sie abhängig und zerstören Leib und Seele.

Die frohmachende Botschaft lautet,

3.4  Jesu Person und sein Evangelium ist der Brunnen und die Quelle, aus der uns die Lebenswasser Gottes fließen.

Das Wasser der Taufe bei der Tauferneuerung in der Osternacht über uns ausgesprengt sagt uns: »Lebe aus der in Jesus Christus geschenkten Liebe und Zuwendung Gottes, dann wird in dir das Leben Gottes des Vaters und des Sohnes  und des heiligen Geistes zur sprudelnden Quelle, die nie versiegt und deren Wasser ewiges Leben schenkt.«[8]

Das meint auch Paulus, wenn er in der 2. Lesung den Christen in Rom schreibt: „Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“[9]

Um uns ganz und gar liebend nahe zu sein und uns den Zugang zu seiner göttlichen Herrlichkeit zu ermöglichen greift er zum Äußersten, was Liebe vermag: Gott stirbt in Jesus Christus als Mensch für uns und mit uns, obwohl wir Menschen Sünder waren und sind. Der Auferstandene erbittet vom Vater den Heiligen Geist der für immer bei uns bleiben wird.[10] Durch seinen Geist wohnen Jesus und der Vater in uns, gießt Gott seine Liebe in unsere Herzen.[11] Auf diese Weise macht er die Getauften zu seinem Tempel[12], wo sie ihn im Heiligen Geist wirklich anbeten können und dürfen.

Die höchste Form der Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit geschieht, wenn Menschen sich im Namen Jesu versammeln, vom Heiligen Geist bewohnt und angetrieben als der mystische Leib des Auferstandenen Gott anbeten und ihm die Ehre geben. Das geschieht hier und jetzt in der Eucharistie - der großen Dankfeier der Kirche, in der wir das uns aufgetragene Opfer und Mahl Jesu feiern.

4 Österliche Bußzeit – Aufbruch zur Auferstehung

4.1 Aufbruch zur unerschöpflichen Quelle des göttlichen Lebens

Anselm Grün rät „Die Fastenzeit will uns mit der Sehnsucht in Berührung bringen, die tief in unserem Herzen verborgen liegt. Unter der Oberfläche eines Lebens, das nur darauf aus ist, die aufkommenden Bedürfnisse zu stillen, möchte uns das Fasten die Quelle entdecken lassen, die in uns sprudelt. Es ist nicht die Quelle eigener Kraft und Begabung, sondern die unerschöpfliche Quelle göttlichen Lebens.“

Anselm Grün denkt nicht illusionär vom Menschen sondern realistisch. Darum fährt er fort „Die eigenen Quellen trocknen irgendwann einmal aus. Irgendwann reicht es nicht mehr, immer die gleichen Gedanken zu wiederholen, die gleichen Gewohnheiten weiterzuführen, die gleichen Tricks anzuwenden. Irgendwann einmal ist die eigene Quelle erschöpft.“

Aber diese Realität darf uns nicht mutlos machen. „Dann brauchen wir“ sagt der Benediktiner, „eine andere Quelle, eine Quelle, die nicht versiegt. Dann brauchen wir eine göttliche Inspiration, damit unser Leben nicht in der Langweile verkommt. Dann brauchen wir einen neuen Geist, der das Stickige in uns verwandelt zu neuem Leben.«[13]

4.2  Jetzt ist die Zeit, wo das geschieht oder verpasst wird.

Anselm Grün rät uns zu folgender Therapie „Wenn ich in der Fastenzeit auf vieles verzichte, was meinen Hunger und Durst sonst stillt, auf Aktivitäten und Vergnügungen, mit denen ich mein Herz zum Schweigen bringe, dann werde ich offen für eine Begegnung, die mich in Berührung mit der Quelle in meinem Innern bringt.“[14]

Schauen wir in der österlichen Bußzeit verstärkt nach Jerusalem, wo Jesus in Liebe und Gehorsam sich an Gott hingibt - zu unserem Heil und unserer Erlösung. Mit dem Psalm 87 dürfen wir singen „All meine Quellen entspringen in dir.“ [15]

Immer wenn ich zu Feier der heiligen Messe gehe, darf ich durch Jesus Gott preisend mit dem Psalm 36 sprechen “Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht.“[16]


[1] Joh 4,34

[2] Joh 4,13b.14

[3] Joh 4,25

[4] Joh 4,26

[5] Joh 4,42b

[6] Ex 17,6

[7] Gen 2,7

[9] Röm 5,5

[10] Joh 14,16

[11] Röm 5,5.8

[12] 1 Kor 3,16

[13] Quelle: Anselm Grün, in: Christ in der Gegenwart 11/1993 (45. Jg.) Seite 81f

[14] ebd.

[15] Ps 87,7

[16] Ps 36,10

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