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Predigten

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Lesejahr A 2013/14 bis 2014/11

Predigt - Homiliezu Mt 25,14-30 im Altenheim St. Elisabeth und in St. Michael

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Leben um zu sterben - oder mehr?


1 "Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Leben!"

heißt es in unserem Eingangslied, das der Kirchenmusiker Heinrich Schütz, der die Zeit des 30jährigen Krieges erlebt hatte, vertonte. Der Blick auf die Gedenktafeln für die Gefallenen der Kriege macht uns nachdenklich.  In jugendlichem Alter wurden sie Opfer einer Menschen verachtenden Ideologie und einer verbrecherischen Politik.

Solche Politik kostet immer wieder vielen Menschen das Leben, stürzt sie in Elend und Not. Die Ereignisse in Syrien, Irak und im Osten der Ukraine führen uns diese bittere Wahrheit heute vor Augen.

Auch unser eigenes Leben ist ständig bedroht. Die Schlagzeilen vom Freitag zeigen es. In Leverkusen droht ein sich in einem Haus verbarkadierender Mann damit sich selbst in die Luft zu sprengen. Gymnasium in Hannover schließt wegen Amokdrohung . Neun Kinder verlieren bei einem Autounfall in Thüringen ihre Eltern.

Und wer von uns hätte nicht Angst, dass bei ihm Krebs festgestellt wird oder ein Schlaganfall ihn zum Pflegefall werden lässt.

„Während die Menschen sagen: Friede und Sicherheit, kommt plötzlich Verderben über sie, wie die Wehen über eine schwangere Frau und es gibt kein Entrinnen.“[1]

Diese Worte aus der 2. Lesung sprechen von den fortwährenden Bedrohung, unter der wir leben.

Können wir angesichts der ständigen Bedrohung unseres Lebens noch an den jüngsten Tag denken, an dem die ganze Schöpfung zu ihrem Ende,  oder wie wir Christen sagen, zur Vollendung kommt?

Ist unser persönliches Ende, unser Tod, nicht viel entscheidender und vor allem absolut sicher? Wie also steht es mit dem

2 Tag der Wiederkunft Christi?

Paulus und die Urgemeinden seiner Zeit glaubten, daß dieser Tag bereits zu ihren Lebzeiten kommen werde. Aber schon das etwa 30 Jahre nach den Paulusbriefen geschriebene Matthäus-evangelium, scheint sich schon auf eine längere Frist einzurichten, denn im Gleichnis des heutigen Evangeliums heißt es: "Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück, um von seinen Dienern Rechenschaft zu verlangen."[2]

Inzwischen sind mehr 1900 Jahre vergangen. Dies bedenkend kann man leicht zu dem Schluss kommen, dass auch in Zukunft nicht so schnell mit der Wiederkunft des Herrn zu rechnen sei, wenn überhaupt. Also geht man zur Tagesordnung über und lebt einfach drauf los so. Ein 32jähriger Werbegrafiker antwortete auf die Frage nach dem jüngsten Tag: "An so etwas denke ich nicht. Ich genieße das Leben. Nach mir die Sintflut."

Ein 24jähriger Student meinte: "Die Materie ist unendlich, deshalb wird es keinen jüngsten Tag oder so etwas Ähnliches geben. Es kann höchstens sein, daß uns die Evolution vom Teppich kehrt." Dennoch entstehen immer wieder

3 Apokalyptische Strömungen

Immer wieder ist in der Christenheit das Bewusstsein aufgebrochen, der verkündete jüngste Tag stehe unmittelbar bevor.

Diese apokalyptischen Strömungen, meist abseits der unter dem Lehramt stehenden Kirche, sorgten und sorgen für Unruhe unter den Menschen, die sich in dieser Welt eingerichtet haben.

Schon im 2. Jht. nach Christus waren es die Kataphrygier oder Montanisten, welche die Herabkunft des himmlischen Jerusalem in der kleinasiatischen Stadt Pepuza erwarteten. Radikale Sekten schicken ihre Mitglieder sogar in den kollektiven Tod, weil sie glauben, so zur Erlösung zu kommen.

Reformatorische Sekten, von Luther heftig bekämpft, wie die Adventisten und in neuerer Zeit die Zeugen Jehovas haben immer wieder versucht, das Ende der Welt vorauszusagen. Zwar wollen sie in unbiblischer Weise den Tag und die Stunde der Wiederkunft Christi berechnen, aber dennoch haben sie immer wieder ihre Zeitgenossen dazu gezwungen, sich damit auseinander zu setzen, dass Welt und Geschichte nicht einfach dem Menschen überlassen sind, als ginge alles ewig so weiter.

Es ist die Botschaft der ganzen Bibel: Gott hat einen Plan mit der Welt und der Geschichte, ja mit dem ganzen Kosmos. Er wirkt geheimnisvoll in ihr. Dies ist nur für das durch den Glauben geschärfte innere Auge erkennbar. Und ER wird die Welt und die Geschichte gegen alle äußeren und inneren Widerstände zu ihrem von ihm vorgesehenen Ziel führen.

Hier geht es nicht um die Vertröstung auf ein Jenseits, wie Gegner des Christentums behaupten, sondern um die Einsicht, daß das wahrhaft vollkommene Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens nur von Gott selbst errichtet werden kann.

Hunger und Krankheit, Krieg und Umweltkatastrophen und anderes mehr weisen uns darauf hin, wie wenig wir Menschen aus Eigenem heraus in der Lage sind, das im Grunde von allen ersehnte Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens zu  verwirklichen. Unsere Bemühungen, so wertvoll und wichtig sie sind, werden immer bruchstückhaft bleiben.

Christliches Endzeitdenken ist zugleich der beste Schutz gegen alle Versuche, mit Gewalt das Paradies auf Erden errichten. Wir haben im 20. Jahrhundert erlebt, wie solche Versuche die Hölle produzierten. Wir Christen vertrauen auf die

4 Wende durch Gott

Viel war 1989 und danach von "der Wende" die Rede. Inzwischen ist angesichts der wirtschaftlichen Probleme, der weltweiten Finanz- und Immobilienkrise davon kaum mehr die Rede. Die wirkliche Wende zu einem neuen Himmel und einer neuen Erde, die endgültige Durchsetzung des Reiches Gottes, kann nur Gott herbeiführen. Bedenken wir, was Jesus sagt:

"Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater." [3]

4.1 Was können, sollen wir also tun?

Wenn das so ist, was kann und soll der Mensch, voran der Christ, zur Herbeiführung des Reiches Gottes dann tun, wie soll er sich auf die Wiederkunft Christi vorbereiten?

Das Gleichnis von dem anvertrauten Geld gibt uns die Möglichkeit zwei grundlegende Einsichten zu gewinnen:

4.11 Gott vertraut uns sein Vermögen an

Von ihm bin ich geschaffen und in der Taufe durch seinen Geist geheiligt. Alle natürlichen und übernatürlichen Gaben sind mir aus dem Vermögen Gottes  geschenkt. Daraus ergibt sich meine Aufgabe als Mensch und Christ. Ich bin dazu geboren und getauft am Heilsplan Gottes mitzuwirken, den er durch die Propheten des Alten Bundes eröffnet und durch Jesus Christus in seinem ganzen Ausmaß uns geoffenbart hat.

Der Einsatz für die Sache Gottes kann daher nicht bestimmten Berufsständen wie Pfarrern, Kaplänen, Katecheten oder anderen kirchlichen Amtsträgern überlassen werden. Jeder Christ ist dafür verantwortlich.  Jeder fragt sich daher: Was sind meine Fähigkeiten und Talente? Wie und wo kann ich diese einsetzen? Wir sehen also,

4.12  Gott traut uns etwas zu

An einem Negativbeispiel macht Jesus im Evangelium deutlich, was er von uns erwartet. Wir dürfen nicht ängstlich für uns festhalten, was uns von Gott geschenkt ist. Wir dürfen unser Talent, auch wenn es noch so klein wäre, nicht vergraben. Aus lauter Angst es könnte uns nichts bleiben oder wir könnten auch das wenige verlieren.

Mancher scheut nur deshalb den Einsatz, weil er die Kritik fürchtet: Wer sich einsetzt , etwas bewegt, verändert oder neu schafft, der muss mit gutwilliger aber auch mit neiderfüllter böswilliger Kritik rechnen. Sicher, wer etwas tut, der macht auch Fehler.  Den größten Fehler aber macht, wer nichts tut, sein Talent vergräbt.

Gott wird uns nicht an unseren Fehlern messen, die wir bei unserem Einsatz für ihn, für seine Welt und seine Menschen machen, sondern er wird uns daran messen, ob wir unser Talent, unsere Fähigkeiten in Verantwortung vor ihm einsetzen oder nicht.

Von einem falschen Gottesbild ausgehend, das Gott nur als den strengen Richter aller Sünder sieht, wird der Mensch nur von einer Sorge geleitet, ja nichts falsch zu machen. Gerade dadurch kommt es zu keinem Einsatz für Gottes Reich, für Gottes Geschöpfe und Welt.

Solche Menschen, auch wenn sie Christen sein wollen, verkennen, dass Gott unser guter Vater, ja die Liebe selber ist. Er wird uns an unserem Einsatz, an unserer Liebe messen, daran, was wir mit seinem Vermögen, das er uns anvertraut hat, für ihn und seine Geschöpfe getan haben.

Im großen Gerichtsgemälde des Matthäusevangeliums kommt dies deutlich zum Ausdruck: "Was ihr immer einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."[4] In der Lesung wird die Frau gepriesen, die unermüdlich für die Ihren da ist, ihrem Mann Gutes tut alle Tage ihres Lebens, und ein offenes Herz für die Armen hat.[5] So und nur so werden wir

4.2 Bereit für den Tag X

Keiner von uns hat das Talent, das Reich Gottes und den Tag "X" herbeizuzwingen. Aber jeder hat ein oder mehrere Talente erhalten, deren Wert er bis "zu jenem Tag X" verdoppeln kann. Gott will keine ängstlichen Bewahrer, sondern mutige Investoren.

Er will, daß wir den Einsatz des uns Geschenkten auf ein größeres, zukünftiges Gut, auf das ewige Leben hin wagen. Der große Komponist Ludwig van Beethoven begeistert mit seinen Werken bis heute Menschen auf der ganzen Welt. Mit 28 verlor er sein Gehör. Obwohl taub, hat er noch große musikalische Werke geschaffen.

Durch die Lebensspirale der Angst und Depression sich durchringend schuf er schließlich 56jährig seine 9. Sinfonie. Am Schluss singt der Chor: »Seid umschlungen Millionen, diesen Kuss der ganzen Welt«.

Mit besonderer Sensibilität beschenkt hat er aus tiefstem Leid ein höheres Glück erschaffen können: „Höheres gibt es nicht,“ so schreibt er, „als der Gottheit sich mehr als andere Menschen nähern und von hier aus die Strahlen der Gottheit unter dem Menschengeschlecht verbreiten.“[6]

Gerade auch in Krisen ist es lebenswichtig, sich Gott zu nähern, um sich so seiner Liebe gewiss zu werden. In der Annäherung an ihn und seinen Erlöser Jesus Christus werden wir fähig, an seinem Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens an unserem Platz, mit unserem Talent und sei es noch so klein, mitzuarbeiten.

Heute muss dies geschehen, nicht erst morgen. Denn der Tag der Rechenschaft kommt wie ein Dieb in der Nacht.

[1][1] 1 Thess 5,3

[2] Mt 25,19

[3] Mk 13.32

[4] Mt 25,40

[5] Spr 31,10-31

[6] Rheinischer Merkur 2008; Nr. 43 S.22;  Der Götterfunke springt über - Krisenbewältigung

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