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Lesejahr A 2013/14 bis 2014/11

Predigt - Homilie am 6. Ostersonntag in Dormitz ULF und Hetzles St. Laurentius

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Durch den Heiligen Geist ist Gott in uns [1]

Bleibende Nähe

Es gibt Menschen, die sich der Nähe eines geliebten Verstorbenen weiter gewiss sind. Er oder sie ist ihnen in ihrem Bewusstsein, ihrem Herzen nahe. Sie sagen ihm ihre Sorgen und Freuden. Sie behaupten allen Ernstes, dass er oder sie ihnen weiter beisteht. Wir sollen nicht vorschnell sagen, das sei frommes Wunschdenken oder nur Einbildung.

»Die Liebe hört niemals auf«

Die Liebe ist ein Band das Raum und Zeit überwindet und die Grenze vom Diesseits zum Jenseits überschreitet. Sie bewirkt immer wieder neu das Wunder des Lebens und des Lebendigseins.

 Paulus bekennt in seinem Hohen Lied der Liebe, »Die Liebe hört niemals auf«.[2] Johannes verkündet uns in seinem 1. Brief sogar: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.“[3] Ja, so sehr ist Gott in seinem Wesen Liebe, dass nur der ihn erkennt, der liebt.

Dem nicht Liebenden verschließt sich die Erkenntnis Gottes:  „Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe.“[4] Darum hängt unser Glück und unsere Seligkeit davon ab, dass wir

Die Liebe Gottes annehmen

Der Freund Jesu, der heilige Apostel Johannes, ermutigt uns, es ihm gleich zu tun: "Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen."[5] Es geht also einzig und allein darum, dass wir die Liebe Gottes zu uns erkennen, dass wir ihr glauben und sie annehmen.

Die erste Lesung zeigt uns, wie sich dies im Leben der ersten Christen auswirkt. Die in Jerusalem einsetzende Verfolgung der Jünger kann die Jünger in ihrem Zeugnis für den Gott des Lebens, der Jesus auferweckt hat, nicht aufhalten.

Die durch den Gekreuzigten und Auferstandenen empfangene Liebe Gottes treibt sie an.  Philippus geht nach Samarien und verkündigt dort Christus. Die Menschen dort hören zu und sehen die durch Philippus im Namen Jesu gewirkten Wunder, vor allem die Befreiung von den unreinen Geistern und die Heilung der Kranken. Sie nehmen das Wort Gottes an.

Die Apostel schicken darauf Petrus und Johannes nach Samarien, um über sie betend und die Hände auflegend die Kostbarkeit des Auferstanden zu erbitten, den Heiligen Geist. Durch ihn wird die Liebe Gottes ausgegossen in die Herzen[6] der Neugetauften.

Sie haben durch die Verkündigung des Philippus Jesus, den Gekreuzigten und Auferstandenen kennen und lieben gelernt.

Sie haben sein Gebot angenommen: "Liebt einander, wie ich euch geliebt habe." Uns sagt der Herr durch seinen Freund und Jünger Johannes: „Wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben.“[7]

Das heutige Evangelium verkündet allen Getauften die frohe Nachricht:

Jesus erbittet uns vom Vater den Heiligen Geist

So wird an ihnen wahr, was Jesus im Evangelium verheißt:  "Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll."[8]

Von jetzt an sind wie nie mehr allein. Der Geist der Wahrheit, der uns die liebende Nähe Gottes erschließt, zeigt uns Gott, wie er wirklich ist.

Als Freunde Jesu werden nicht vergeblich um die Gabe des Geistes bitten. Jesus, der Auferstandene und beim Vater Erhöhte ist es, der den Geist für die Seinen erbittet. Nicht nur den Geist, sogar Alles. „Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.”[9] Aber darauf kommt es an: in ihm und in seinen Worten zu bleiben.

Jetzt verstehen wir, warum Petrus in der 2. Lesung die Glaubenden mahnt: "Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig!"

Die Freundschaft mit Jesus, die herzliche Verbundenheit mit ihm, wird daher das Kostbarste in unserem Leben sein und bleiben.

Sie lebt aus der ständigen Begegnung mit Christus in seinem Evangelium und in der Feier der heiligen Sakramente, besonders der Eucharistie. Diese Begegnung geschieht in besonderer Dichte in der
Mitfeier der heiligen Messe

Sie schenkt uns immer wieder neu die Erfahrung, dass der Herr in uns ist und wir in ihm sind, dass wir aus der Kraft seiner bis zum Tod am Kreuz sich verschenkenden Liebe und seiner Auferstehung leben dürfen.

Durch ihn sind wir mit dem ewigen Geheimnis, das wir Gott nennen, verbunden.  Das meint der Herr, wenn er im heutigen Evangelium zu seinen Freunden spricht: "An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch."[10]

"Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm."[11] Wenn wir also dieser Liebe glauben und sie annehmen, dann bleiben wir durch Jesus und mit ihm in Gott und Gott in uns.

Unsere im Herrn verstorbenen Menschen sind nicht fern von uns, sondern in Gott und in Jesus bleiben wir ihnen und sie uns nahe.

Im Gedächtnis der Kirche bleibt für immer aufbewahrt, was der vor wenigen Wochen heilig gesprochene Papst Johannes Paul II bei seiner Amtseinführung 1978 der Welt zurief:

 „Fürchtet euch nicht. Reißt die Tore weit auf für Christus.“

Benedikt XVI hat dies vertiefend in seiner Einführungspredigt:

»Der Papst sprach zu den Starken, zu den Mächtigen der Welt, die Angst hatten, Christus könnte ihnen etwas von ihrer Macht wegnehmen, wenn sie ihn einlassen und die Freiheit zum Glauben geben würden. Ja, er würde ihnen schon etwas wegnehmen: die Herrschaft der Korruption, der Rechtsbeugung, der Willkür. Aber er würde nichts wegnehmen von dem, was zur Freiheit des Menschen, zu seiner Würde, zum Aufbau einer rechten Gesellschaft gehört.“

Vorallem die Jungen Menschen ansprechend fuhr Benedikt XVI fort: „Haben wir nicht alle irgendwie Angst, wenn wir Christus ganz herein lassen, uns ihm ganz öffnen, könnte uns etwas genommen werden von unserem Leben? Müssen wir dann nicht auf so vieles verzichten, was das Leben erst so richtig schön macht? Würden wir nicht eingeengt und unfrei?“

Die erhellende Antwort Benedikt XVI auf diese Einwände lautet: „Nein. Wer Christus einlässt, dem geht nichts, nichts – gar nichts verloren von dem, was das Leben frei, schön und groß macht.

Nein, erst in dieser Freundschaft öffnen sich die Türen des Lebens. Erst in dieser Freundschaft gehen überhaupt die großen Möglichkeiten des Menschseins auf. Erst in dieser Freundschaft erfahren wir, was schön und was befreiend ist.“

Papst Benedikt schloss seine Predigt mit einer aus der Erfahrung eines langen Lebens kommenden Ermutigung: „So möchte ich heute mit großem Nachdruck und großer Überzeugung aus der Erfahrung eines eigenen langen Lebens Euch, liebe junge Menschen, sagen:

Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts, und er gibt alles. Wer sich ihm gibt, der erhält alles hundertfach zurück. Ja, öffnet, mach weit die Tore auf für Christus, dann findet Ihr das wirkliche Leben.”

Ja, liebe Schwestern und Brüder, wenn wir mit Jesus unseren Lebensweg gehen, werden auch wir es erfahren:
 Gott ist in uns durch seinen Heiligen Geist, den uns Christus erbittet.

Papst Franziskus sagt in seinem Apostolischen Schreiben „evangelii gaudium“[12] Im Mund eines jeden missionarischen Christen müssen bei der Evangelisierung, bei der Glaubensweitergabe in der Mitte immer die kostbaren Worten stehen:

"Jesus Christus liebt dich.  Er hat sein Leben hingegeben, um dich zu retten und jetzt ist er jeden Tag lebendig an deiner Seite, um dich zu erleuchten, zu stärken und zu befreien."

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[1] 1. L Apg 8,5–8.14–17; 2. L 1 Petr 3,15–18; Ev Joh 14,15–21
[2] 1 Kor 13,8
[3] 1 Joh 4,16
[4] 1 Joh 4,8
[5] 1 Joh 4,16a
[6] Röm 5.5
[7] 1 Joh 4,11
[8] Joh 14,16
[9] Joh 15,7
[10] Joh 14,20
[11] 1 Joh 4,16b
[12] EG 164

 

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