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Predigten

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Lesejahr A 2013/14 bis 2014/11

Predigt - Homilie zu  Lk 2,11 und Joh 1,14 in Großenbuch und Hetzles

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Stern auf der Spitze meines Christbaums
Stern auf der Spitze meines Christbaums
Jesus, der Immanuel - der Gott mit uns

1 Geburt Christi weit weg - und doch heute

1.1 Kritische Reaktionen
"Glaubst du wirklich, dass Jesus der Sohn Gottes ist, glaubst du das wirklich“, sagte vor einigen Tagen ein Mädchen einer 2. Grundschulklasse  in Nürnberg zu seiner katholischen Lehrerin.

Für Muslime und Juden ist dies wegen ihres strengen Ein-Gott-Glaubens undenkbar.
  • Für Muslime ist Jesus ein Prophet und für strenggläubige Juden, wie schon zur Zeit Jesu - der Ben Josef, der Sohn Josefs. Die Evangelien des Lukas und Johannes berichten davon. Von seiner begnadeten Rede beeindruckt, fragen seine Zuhörer, "ist das nicht der Sohn Josefs?"[1]
  • Und als Philippus den Nathanael trifft, sagt er von Jesus: "Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben - Jesus aus Nazareth, den Sohn Josefs." [2]
  • Zweifelnd fragend begegnen die Leute von Kapharnaum dem Selbstzeugnis Jesu: "Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel herabgekommen?" [3]
  • Muslime, mit denen wir heute zusammenleben, halten die Gottes Sohnschaft für eine Verfälschung der Bibel. Der Glaube an die Gottessohnschaft Jesu ist auch bei modernen Katholiken kaum mehr lebendig.
  • Vor kurzem sagte mir jemand, es mache seinem Glauben nichts aus, dass Josef der leibliche Vater von Jesus sei. Heiner Geißler - bei den Jesuiten erzogen und einst Generalsekretär der CDU - forderte vom neuen Papst endlich die Jungfrauengeburt aufzugeben. Die alte arianische Irrlehre lässt grüßen.
  • Romano Guardini berichtet von einem Philosophen seiner Zeit, der verächtlich von Jesus sagte, er sei gegenüber Buddha „ein kleiner Mann“. Buddhas asketische Leistung und Weltverachtung schienen ihn mehr zu beeindrucken[4] als die Gottes und Menschenliebe Jesu, sein Mitgehen mit uns bis hinein in den Tod.
Seit der Zeit der Apostel bekennen die Christen von
1.2 Jesus, empfangen vom heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau
  • Darum wird die Kirche nicht müde durch alle Zeiten zu verkünden: "Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr."[5]
  • Was damals geschah ist nicht nur eine Erinnerung, sondern ein Geschehen, das fortwirkt durch die Geschichte. Denn in Jesus von Nazareth ist Gott zu uns Menschen in diese unsere Welt gekommen. Das ist das Neue und Einzigartige.
1.2.1 Die Evangelien bezeugen diese Wahrheit unmissverständlich.
  • Gleich zweimal betont das Matthäusevangelium, dass Maria ein Kind erwartet "durch das Wirken des Heiligen Geistes".[6] 
  • In einer Zeit und Umgebung, in der es in Israel keinerlei sexuelle Freizügigkeit gab, muss dies der Engel Gottes  Josef, dem Verlobten Marias, im Traum klar machen.
  • Zugleich erfährt Josef, dass dieses Kind, der von den Propheten verkündete und von Israel erwartete Messias sei. Maria "wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen." [7]
  • 1.2.2  Jeder fromme Israelit kennt die Verheißung Gottes
  • Sie ist durch den Propheten Jesaja ergangen: "Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns."[8]
  • Der Evangelist Lukas überliefert uns, was der Engel zu Maria sagte: "Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.  Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.  Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben." [9]
1.2.3 Maria weiß, wie Kinder entstehen
  • Darum fragt sie nach, wie das ohne Zutun eines Mannes geschehen solle. Der Engel antwortet: "Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden." [10]
  • Moderne Zeitgenossen auch Exegeten, die das Eingreifen Gottes in unser Leben und in die Welt für unmöglich halten, nennen das »Interpretation der Evangelisten«, um die Person Jesu göttlich zu überhöhen. Sie überhören, was der Engel zum Schluss sagt "Denn für Gott ist nichts unmöglich." [11]
  • Für Christen, die mit der Kirche den Advent gefeiert haben, klingt das eben Gesagte noch lebendig im Geist und Herzen nach.
Meine Krippe
Meine Krippe
Die Kernbotschaft des Weihnachtsfestes lautet
2 Gott ist in Jesus Christus mit uns - heute und in Ewigkeit
2.1 Die frohe und befreiende Nachricht in der Christmette lautet:
 "Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr." [12]
  • Er kommt als Retter, um die an ihn Glaubenden - also auch uns - von unseren Sünden zu erlösen, von dem was uns von Gott und von unseren Mitmenschen trennt.
Er versöhnt uns mit Gott und miteinander "Denn er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile (Juden und Heiden) und riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder." [13]
  •  Er eröffnet allen den Weg zu Heil, zur ewigen Seligkeit bei Gott. Das Angebot seines Heiles ist universal.  Er kann dies, weil er der Gesalbte, der Messias Gottes, der Christus ist.
  • Und er ist der Herr. Das griechische Kyrios ist die Übersetzung des Hebräischen Jahwe. In ihm und durch ihn ist Gott da, gegenwärtig - Jesus Christus ist der Gott mit uns.
Damit wir den Titel Sohn Gottes nicht biologistisch missverstehen, heißt
2.2 die Kernbotschaft der Weihnachtsmesse vom Tag:
  • "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit."[14]
  • Jesus ist der Sohn Gottes heißt also: In Jesus ist das ewige Wort Gottes Mensch geworden, "Gott von Gott, Licht vom Licht, eines Wesens mit dem Vater".
  • In »Lumen fidei - Licht des Glaubens«  sagt Papst Franziskus zusammen mit Bendedikt XVI: „Dieser „Glaube an den Sohn Gottes ...setzt auch die Verlässlichkeit Jesu voraus, die sich zwar auf seine Liebe bis in den Tod gründet, aber auch darauf, dass er Sohn Gottes ist."
  • Die Treue Gottes zu seinem erwählten Volk setzt sich also fort in der Verlässlichkeit Jesu, der unser Leben bis hinein in den Tod mit uns teilt, aber als der Sohn Gottes.
  • Denn nur "der vom Himmel herabgestiegene Menschensohn" kann auch hinaufsteigen in den Himmel und führt die von ihm Befreiten und Geretteten mit hinauf in die Herrlichkeit Gottes.[15]
Für uns, die wir an Weihnachten die Menschwerdung Gottes in Jesus feiern heißt das:
2.3 Den bloß-göttlichen Gott gibt es nach der Menschwerdung "nicht mehr".
  • Der Gott, den es gibt, ist der Mensch-Gewordene.[16]
  • Er „kommt auf unsere Seite“. Dadurch steht Er als Gott dort, wo wir als Menschen stehen. Nun kann Er durch das Weltgeschehen erfasst werden; eingewoben werden in die Zusammenhänge, in denen der Mensch lebt.[17]
  • Papst Franziskus stellt fest: "Unsere Kultur hat die Wahrnehmung dieser konkreten Gegenwart Gottes, seines Handelns in der Welt, verloren. Wir meinen, Gott befinde sich nur jenseits, auf einer anderen Ebene der Wirklichkeit, getrennt von unseren konkreten Beziehungen.“
  • Solche Vorstellungen haben fatale Folgen für unseren Glauben und unser Gottesverhältnis. „Wenn es aber so wäre,“ sagt der Papst, „wenn Gott unfähig wäre, in der Welt zu handeln, wäre seine Liebe nicht wirklich mächtig, nicht wirklich real und wäre folglich nicht einmal eine wahre Liebe, die das Glück zu vollbringen vermag, das sie verspricht. Dann wäre es völlig gleichgültig, ob man an ihn glaubt oder nicht."[18]
2.4 Dass Gott Mensch wird, ist der Anfang des „Neuen“.
  • Von Ihm geht die Erlösung aus, das Werden des neuen Menschen und der neuen Welt. In Ihm bricht die Bewegung durch, die das Endliche zu Gott zurückführt.
  • Papst Franziskus sagt das in Lumen fidei einprägsam so: "Gerade weil Jesus der Sohn ist, weil er ganz im Vater verwurzelt ist, hat er den Tod überwinden und das Leben in Fülle erstrahlen lassen können."
  • Wir haben uns zur weihnachtlichen Eucharistie versammelt um uns durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus verwandeln und aufrichten zu lassen.
  • Das wird geschehen, wenn wir uns auf die Begegnung mit Jesus nicht nur äußerlich, sondern innerlich persönlich einlassen. Das kann geschehen beim Hören der Predigt, beim Hören oder Lesen des Evangeliums, durch einen anderen Menschen oder ein Schicksal, dass ich an Christus gerate und unmittelbar merke:  „Er geht mich an. Er meint mich. Er ruft mich. Er will etwas von mir, und ich will etwas von Ihm, muss etwas von Ihm wollen.“
  • Von ihm berührt bekennen wir Christen gerade an Weihnachten, an den hohen Festen des Kirchenjahres und an jedem Sonntag „die konkrete und mächtige Liebe Gottes, der wirklich in der Geschichte handelt und ihr endgültiges Los bestimmt — eine Liebe, der man begegnen kann, die sich im Leiden und Sterben und in der Auferstehung Christi vollends offenbart hat.“[19]
2.5 Wie aber bleibt der Glaube an das Geheimnis der Menschwerdung Gottes lebendig?
  • In vielen Lebensbereichen vertrauen wir uns Menschen und ihrem Sachverstand an. Dem Arzt, dass er erkennt, was uns fehlt und uns das richtige Medikament verschreibt, der Flugsicherung und den Piloten, wenn wir einen Flug antreten, der Kindergärtnerin, der wir unsere Kinder anvertrauen usw.
  • Mit Papst Franziskus stellen wir fest: Wir brauchen auch einen, der glaubwürdig ist und kundig in den Dingen Gottes. Jesus, der Sohn Gottes, bietet sich als derjenige an, der uns Gott „erklärt".[20]
  • „Der Glaube blickt nicht nur auf Jesus, sondern er blickt vom Gesichtspunkt Jesu aus - sieht mit seinen Augen. Er ist eine Teilhabe an seiner Sichtweise.“
  • Wie Christus in einer innigen Beziehung zu Gott lebt, wie er mit den Menschen, besonders den Kranken, Armen und Sündern umgeht, eröffnen „der menschlichen Erfahrung einen neuen Raum, und wir können in ihn eintreten.“[21]
  • Als bei der Vollversammlung des ZdK mit langanhaltendem Beifall der Bischof von Limburg verurteilt wurde, erhob sich eine einzige Stimme und fragte die Versammelten: „Was würde Jesus dazu sagen?“ Eisiges Schweigen!
  • Jesus glauben, wie er Gott, die Menschen und die Welt sehen, kann wie bei ihm am Kreuz enden. Die Antwort der Liebe Gottes ist Auferstehung und Verherrlichung. Auch das feiern wir auch an Weihnachten.
  • Wir glauben nicht nur an Jesus, in dem Gott Mensch geworden, wir glauben ihm, seinem Leben, seinem Umgang mit Gott und den Menschen, weil er glaubhaft ist und mit uns den Weg des Lebens geht bis hinein in einen schändlichen Tod und in seiner Auferstehung den Menschen in die Vollendung und die ewige Seligkeit geführt hat.
Der gegenwärtige lebendige Gott ist in Jesus mit uns, heute und in  Ewigkeit!

[1] Lk 4,22
[2] Joh 1,45
[3] Joh 6,52
[4]Guardini, Die Offenbarung - Ihr Wesen und ihre Formen S.77
[5]Lk 2,11
[6] Mt 1,18.21
[7] Mt 1,21
[8] Mt 1,22
[9] Lk 1,32f.
[10] Lk 1,35
[11] Lk 1,37
[12] Lk 2,11
[13] Eph 2,14
[14] Joh 1,14
[15] vgl Joh 3,13
[16] Guardini, Unterscheidung des Christlichen - Band 1: Aus dem Bereich der Philosophie S.306
[17] Guardini, Wurzeln eines großen Lebenswerks - Band 4 S. 398
[18] Lumen fidei 17
[19] LF 17
[20] vgl Joh 1,18
[21] Lf ebd
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