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Lesejahr A 2013/14 bis 2014/11

Predigt - Homilie in der Vorabendmesse zum Pfingstsonntag in St. Michaek NK

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Pfingsten - Fest der Einheit

1 Die Gottlosigkeit und ihre Folgen

werden uns in der biblischen Geschichte vom Turmbau zu Babel vor Augen geführt.

1.1 Das Verbindende geht verloren

Nicht der Name Gottes, die gemeinsame Anbetung Gottes verbindet sie, sondern der eigene Name soll groß herauskommen.

"Bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel und machen wir uns damit einen Namen." [1]

Weil sie in ihrer Gottlosigkeit und Selbstherrlichkeit vor nichts mehr Halt machen werden, greift Gott ein. Er "verwirrt ihre Sprache, so dass keiner mehr die Sprache des anderen versteht."[2]

1.2 Menschlicher Größenwahn

Wir alle sind heute mehr denn je Zeugen menschlichen Größenwahns, des Hoch-hinaus-Wollens.

200 Gebäude und Türme buhlen weltweit darum, die Größten und Höchsten zu sein. 2013 ging die Meldung um die Welt "Die Saudis bauen ein Kilometer hohen Wolkenkratzer." Größe und Höhe dienen nicht dem Menschen; das zeigt eine Meldung aus China "Keine Mieter für das zweithöchste Gebäude der Welt."

Hoch hinaus will heute der Mensch in vielen Bereichen der Wissenschaft.

Der heilige Augustinus spricht in einer Pfingstpredigt[3] von der "stolzen Gottlosigkeit der Menschen", die einen "Hohen Turm gegen den Herrn erbauten".

1.3 Größenwahn vereinigt die Menschen nicht, er entzweit sie.

Wer statt Gott das eigene Ich, den Clan, die eigene Nation, das Geld, die Wissenschaft oder die Macht zum höchsten Wert erklärt, fördert Verderben bringende Verhaltensweisen von Menschen und Völkern.

Die Menschen verstehen einander nicht mehr, wenn sie die gemeinsame Mitte, den Herrgott, verlieren; wenn sie die 10 Gebote außer Kraft setzen und das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe nicht mehr befolgen.

Die Geschwisterlichkeit geht verloren, man versteht einander nicht mehr, lebt sich auseinander;  die Einheit zerbricht und gibt Stadt und Land den Namen Babel = Wirrsal - großes Durcheinander.

2 Die Geistausgießung führt die Menschen zur Einheit zusammen

Dies  geschieht in Jerusalem am 50. Tag nach Ostern - an Pfingsten. "Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab."[4]

2.1 Der Heilige Geist überwindet alle Sprachbarrieren

Das von Geist Gottes gewirkte Sprachenwunder verbindet alle anwesenden Juden aus der ganzen damaligen Welt. "Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören,"[5] fragen sich die Anwesenden.

Und was hören sie? "Wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.“[6]

2.2 Der Heilige Geist die wunderbarste Simultananlage Gottes.

Würde der Heilige Geist heute so wirken, bräuchte der Papst bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz keine Dolmetscher.

Mit Augustinus können natürlich auch wir fragen: "Sag mir, warum tut der Geist heute nicht mehr, was er einst gleichnishaft tat?" Seine Antwort kleidet er in eine um unsere Zustimmung werbende Frage:  "Was aber wollte es anderes bedeuten, als dass das Evangelium durch alle Sprachen hindurchgehen sollte?"[7]

Schon zu seiner Zeit also nur 400 Jahre nach dem Pfingstereignis in Jerusalem wagt Augustinus zu sagen:

2.3  "Heute redet die Kirche in allen Sprachen"

 Durch die Verkündigung des Evangeliums kommen Menschen aus allen Völkern und Sprachen zum Glauben an Jesus Christus, dem Mensch gewordenen Wort Gottes. Er hat die menschliche Natur durch seinen Tod und seine Auferstehung mit hineingenommen in die Herrlichkeit und die Fülle des Lebens bei Gott.

Freudig erinnert Augustinus seine Zuhörer und uns an das, was alle Sprachen und Menschen miteinander wirklich verbindet. „Alle hält ein Glaube zusammen, alle umfasst das eine Gefüge der Liebe." [8]

Die Propheten hatten vorausgesagt, was sich seit Pfingsten in der Menschheit erfüllt: „Ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, ihre Kunde bis zu den Enden der Erde."[9] Augustinus weist uns auf die vom Geist gewirkte Einheit der Kirche hin. „Sieh, bis wohin jene Kirche gewachsen ist, die um der Ganzheit willen katholisch genannt wird."[10]

3. In der Liebe zur Kirche zeigt sich das Maß des Geistes

3.1 Erfülltsein vom Heiligen Geist

"Demütige Gottseligkeit" nennt Augustinus[11] das Erfülltsein vom Heiligen Geist.

Es  gibt ja neben der Katholischen und Orthodoxen Kirche, die ihren Ursprung von Petrus und den Aposteln herleiten, noch viele andere Kirchen und kirchliche Gemeinschaften. Alle berufen sich auf den Heiligen Geist und bitten um seine Gaben.

Den zur Einheit zusammenführenden Pfingstgeist gibt es aber nur in  Gemeinschaft mit den Aposteln unter dem Vorsitz des hl. Petrus und mit Maria - der Mutter Jesu.

Nach Augustinus führt die von Heiligen Geist bewirkte "demütige Gottseligkeit der Gläubigen die Vielfalt ihrer Sprachen zur Einheit der Kirche zurück."

Bitten wir den Heiligen Geist, er möge uns den Mut geben, der Einheit der Christen zu dienen,

"damit, was Streit zerstreute, Liebe versammle,
und die zerstückelten Glieder des Menschengeschlechts wie die eines Leibes unter das eine Haupt Christi vereint und zusammengefügt
und vom Feuer der Liebe zusammengeschmolzen würden in die Einheit des heiligen Leibes."[12]

Diese flammende Ermutigung des hl. Augustinus zur Einheit weiß aber auch,

3.2 Was der Einheit entgegensteht

"Von diesem Geschenk des Heiligen Geistes sind jene durchaus fern, welche die Gnade des Friedens hassen und die Gemeinschaft der Einheit nicht fassen."[13]

Es ist leider so, Christen, die den Petrusdienst und den Dienst der in der Nachfolge der Apostel stehenden Bischöfe nicht annehmen,  für die Maria, die Mutter des menschgewordenen Sohnes Gottes ein rotes Tuch ist, tun sich schwer mit der Gemeinschaft der Einheit.

Mögen sie heute die gleichen Lesungen hören, in denen der heilige Geist verheißen und ausgegossen wird, von ihnen sagt Augustinus: "Sie hören es sich zum Gericht nicht zum Heil."[14]

Die der Einheit sich entgegenstellenden Hindernisse dürfen uns nicht daran hindern mit Freude das Hohe Pfingstfest zu feiern.

3.3 Der Heilige Geist bewirkt die Liebe zur Kirche

Wir haben über das Geschenk des Geistes nachgedacht. Aber doch scheint Pfingsten für viele, die sich Christen nennen, weit weg. Für mache ist Pfingsten nur die Bergkirchweih.

Wer aber heute mit der Kirche vor dem allmächtigen ewigen Gott steht, darf im Tagesgebet bekennen "Durch das Geheimnis des heutigen Tages heiligst du deine Kirche in allen Völkern und Nationen."  Ja, heute heiligt Gott uns, seine Kirche und führt uns zur Einheit zusammen.

Wie geschieht diese Heiligung und Einheit?

  "Auch wir empfangen also den Heiligen Geist,“ sagt Augustinus, „wenn anders wir die Kirche lieben, wenn anders wir durch Liebe zusammengekettet sind, wenn anders wir ob des katholischen Namens und Glaubens uns freuen. So lasst uns denn glauben, Brüder! Denn in eben dem Maße, als einer die Kirche liebt, in eben dem Maße hat er den Heiligen Geist."[15]

Der Heilige Geist bewirkt, dass wir an der Fülle seiner Gaben teilhaben, die er über die ganze Kirche ausgießt und die in ihr gegenwärtig sind.

Augustinus, der solange auf der Suche nach der Wahrheit war, der von der manichäischen Sekte verführt die katholische Kirche hasste, und schließlich heimfand zur Kirche und Bischof in ihr wurde, durfte die Fülle der Gaben Gottes in den Gliedern der Kirche entdecken und für sich und uns heben.

Mit Begeisterung sagt er seiner Gemeinde und uns: "Wenn du die Einheit liebst, dann hat, wer immer in ihr etwas hat, es auch für dich. Lass ab vom Neid, so ist dein, was ich habe: und lasse ich ab vom Neid, so ist auch das Deinige mein. Neid trennt, Gesundheit verbindet.

Also frage sich jeder von uns: Wie steht es mit meiner Liebe zur Kirche? Ist das Pfingstfest für mich wirklich das Fest der Einheit mit der Kirche hier am Ort, in der Erzdiözese Bamberg, mit der weltweiten katholischen Kirche unter dem Vorsitz des Nachfolgers des hl. Petrus?

Nochmals schärft es uns der heilige Augustinus ein. „Wir haben den Heiligen Geist, wenn wir die Kirche lieben, und wir lieben sie, wenn wir in ihrer Gliederung und Liebe verbleiben ... Denn «Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unseren Herzen durch den Heiligen Geist, der uns geschenkt ist»[16]

[1] Gen 11,4

[2] Gen 11,7

[3] Augustinus, das Antlitz der Kirche S. 168 - 170

[4] Apg 2,4

[5] Apg 2,8

[6] Apg 2,11

[7] Augustinus ebd.

[8] Augustinus ebd.

[9] Ps 19,5

[10] Augustinus ebd.

[11] Ebd.

[12] Augustinus ebd. S.169 Abschn. 122

[13] Augustinus ebd.

[14] Augustinus ebd.

[15] Augustinus ebd. S. 170 Abschn 123

[16] Augustinus ebd. Röm 5,5

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