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Predigten

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Lesejahr A 2013/14 bis 2014/11

Predigt - Homilie zu Num 6, 22-27­ im Altenheim St. Elisabeth Neunkirchen am Brand

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Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig

Wie sich die Mutter mit strahlendem Gesicht über ihr Kind beugt und dieses lächelnd ihr antwortet, so will Gott mit leuchtendem Angesicht uns liebend und barmherzig nahe sein. So hat es Mose dem Aaron und seinen Söhnen, also den Priestern Israels, aufgetragen.

Diesen Segen von Gott zu erbitten und auf die Menschen zu legen, sind auch die Diener des Neuen Bundes - Papst, Bischöfe, Priester und Diakone - geweiht und gesalbt. Gottes leuchtendes Angesicht über uns!

1 Das Gesicht Spiegel der Seele

Das Gesicht – so sagen wir – ist der Spiegel der Seele. Es spiegelt wider, was in uns vorgeht. Beschäftigen mich Sorgen, dann mache ich ein ernstes Gesicht. Bin ich glücklich und froh, so kann man das auf meinem Gesicht lesen.

Ärgere ich mich oder bin dich wütend, so ist mir das ins Gesicht geschrieben. Wir machen ein ernstes, sorgenvolles oder auch ein fröhlich lachendes Gesicht. Unser Gesichtsausdruck ist also einem ständigen Wechsel unterworfen.

Je nachdem, wie die in uns vorherrschende Stimmung ist, kann sich diese beständig in unserem Gesicht einprägen. Ist die Grundstimmung des Lebens Güte und Liebe, dann sagen wir der oder die hat ein gutes Gesicht. Ist jemand ständig unzufrieden, nimmt er nur das Negative des Lebens wahr und ist er ständig voller Sorgen, so sagen wir, er oder sie hat ein trauriges, ein ernstes, ein sorgenvolles Gesicht.

Das Gesicht ist also Spiegel der Seele, dessen was ich im Tiefsten meines Wesens bin.

Was meint also die bittende Zusage des Segnenden „Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten“?

2 Das Angesicht Gottes im ersten Testament

2.1 Es spielt im Beten des Volkes Gottes eine wichtige Rolle.

Immer wieder hören wir die Bitte „Lass dein Angesicht über uns leuchten!“[1]

Dieser Erfahrung geht oft ein Ringen mit dem Geheimnis Gottes voraus. So bei Jakob, der mit all seinen Angehörigen und seiner Habe zu seinem einst von ihm um das Erstgeburtsrecht betrogenen Bruder Esau voller Angst heimkehrt. Die ganze Nacht ringt er mit einem Fremden.

Als ihn, der mit ihm Ringende gegen Morgen bittet, er möge ihn loslassen, sagt Jakob: „Erst wenn du mich segnest.“

Nachdem er gesegnet war, gab er dem Ort den Namen Penuel - Gottesgesicht. Und sagte: "Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und bin doch mit dem Leben davongekommen."[2]

Die Erfahrung des Volkes Gottes ist

2.2  Gott sieht - Sein Angesicht aber bleibt verborgen

Als Mose von Gott erwählt Israel aus Ägypten herausführen soll, sagt er zu Gott „Wenn ich aber wirklich deine Gnade gefunden habe, so lass mich doch deinen Weg wissen!“[3] Der Herr antwortete: „Mein Angesicht wird mitgehen, bis ich dir Ruhe verschafft habe.“[4] Gott wird also auf dem ganzen Weg sehend und sorgend mit ihm und seinem Volk gehen.

Als Mose den Herrn bittet: „Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen“[5] gibt ihm der Herr zur Antwort „Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen... Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will... mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben.“[6]

"Gott sieht" oder das "Angesicht Gottes" ist einer der Namen Gottes im AT. Darum kann man nicht vor ihm fliehen. Er schaut her zu mir. Es sieht mich an. Dieses von Gott Angesehen-sein preist Maria im Magnifikat mit "auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe von nun an preisen mich selig alle Geschlechter."[7]

2.3 Sein Angesicht über Israel wirkt Heil

Gerade in schlechten, in Zeiten des Schreckens, wo die Menschen sagen, „wer lässt uns noch Gutes erleben? singt der Beter des Psalms 4: „Herr, lass dein Angesicht über uns leuchten!“[8]

Auf die Güte Gottes vertrauend betet David im Psalm 31 „Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, hilf mir in deiner Güte!“[9]

Gottes Angesicht richtet den Beter wieder auf und dann ist ihm geholfen.[10]

Gottes leuchtendes Angesicht schenkt dem Beter seine liebende Nähe und Segen.[11]

Der Psalm 95 fordert uns auf: „Lasst uns mit Lob seinem Angesicht nahen, vor ihm jauchzen mit Liedern!“[12]

Zugleich sollen wir uns angesichts unserer Sünden mit zerknirschtem Herzen und demütigen Sinn vor ihn hintreten und bekennen: „Du hast unsre Sünden vor dich hingestellt, unsere geheime Schuld in das Licht deines Angesichts.“[13]

Und das Volk, das Gott als Herrn und König feiert, darf „gehen im Licht seines Angesichts.“[14]

Gottes leuchtendes Angesicht gibt dem Beter Einsicht in seine Gesetze.[15]

Mit dem Antwortpsalm bitten wir: „Gott sei uns gnädig und segne uns. Er lasse über uns sein Angesicht leuchten, damit auf Erden sein Weg erkannt wird und unter allen Völkern sein Heil.“[16]

Ja in der äußersten Depression des Volkes - das zerstörte Heiligtum Gottes vor Augen - fleht der Beter Gott an:

„Herr, lass auch um deiner selbst willen dein Angesicht über deinem Heiligtum leuchten, das verwüstet daliegt.“[17]

Der Tempel Gottes ist die vom Herrn erwählte Stätte, wo die Israeliten das Angesicht des Herrn ihres Gottes schauen. Das geschieht vor allem beim lauten Vortrag der Weisung des Herrn.[18]

Die den Weinstock Gottes, sein erwähltes Volk, seine Kirche wie Dreck behandeln, ja vernichten, „sie sollen vergehen vor deinem drohenden Angesicht.“[19]

3 Das Angesicht Gottes schauen im Neuen Testament

In seiner Bergpredigt sagt uns Jesus

3.1 „Selig die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“[20]

 Romano Guardini in einer Predigt zum Kirchenjahr „Das gilt nicht nur für das Leben der Ewigkeit, sondern schon für das hier auf Erden."

Weiter fragt er: "Was heißt das aber: »reinen Herzens« sein? Denken wir nicht gleich an Sinnlichkeit und Geschlecht; es reicht weit darüber hinaus. Ein reines Herz hat, wer die richtige Liebe hat; wer nach dem Heiligen verlangt. Ist das so, dann schauen die Augen an den Dingen der Schöpfung den, der sie geschaffen. Sobald aber diese Augen Jesus begegnen, dann schauen sie in Ihm das Geheimnis der Menschwerdung, den Logos des Lebens",[21] das ewige Wort des Vaters.

„Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ [22]

3.2 In Jesus enthüllt sich uns das Angesicht Gottes.

Paulus hat dies im 2. Brief an die Korinther deutlich gemacht „Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten! , er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.“[23] Durch Jesus sieht Gott mich an und in Jesus sehe ich Gott an.

Die Welt ist voller Göttlichkeit, aber das selbstsüchtige und schwache Herz des Menschen verhindert eine klare Deutung. "Erst vom Angesicht Gottes her bekommt sie ihren wahren Sinn... Was an Gott sichtbar ist, wird wirklich klar erst dann, wenn er in der Offenbarung sein Gesicht zeigt." [24]

Durch den Glauben und die  Taufe haben wir Anteil an der göttlichen Sohnschaft Jesu, sind wir mit ihm „Erben, Erben durch Gott.“[25]

3.3 Gottes Angesicht leuchtet in uns durch seinen Geist

Gott hat uns „den Geist seines Sohnes in unser Herz gegeben, den Geist, der ruft: Abba, Vater.“[26] Dieser Geist bezeugt unserem Geist, „dass wir Kinder Gottes sind.“ [27] „Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.“ [28]

Jesus ist nicht nur mein Herr, er ist auch mein Freund und Bruder. Er ist das Mensch gewordene Angesicht Gottes.

Er weiß, wie es mir geht, was mir fehlt, was ich brauche. Ich werde ihn in jeder Situation bitten: Gib mir den Heiligen Geist, dass er mein Denken, meine Fühlen und mein Tun von allem reinigt, was gegen Gottes Gebote und gegen die Liebe verstößt. Gib mir den Heiligen Geist, dass er mich innerlich verwandelt, damit ich so lebe und liebe wie Du.

Schauen und hören wir auf Jesus, dann erkennen wir, was Gott gefällt, was dem wahren Glück und dem ewigen Heil der Mitmenschen dient.

4 Auf unserem Gesicht soll etwas von Gott aufleuchten

Als dem Jakob sein von ihm um das Erstgeburtsrecht betrogener Bruder Esau nach vielen Jahren friedlich und wohlwollend von Angesicht zu Angesicht begegnet, ist es für ihn als sähe Gott ihn  liebend an. Voller Glück und Freude sagt er die berühmten Worte: "Denn dafür habe ich dein Angesicht gesehen, wie man das Angesicht Gottes sieht, und du bist mir wohlwollend begegnet."[29] Ja in einem friedlichen liebenden wohlwollenden Menschen zeigt Gott sein Angesicht.

Wo Güte und Liebe, da ist Gott.

Von Mose heißt es: „Während Mose vom Berg herunterstieg wusste er nicht, dass die Haut seines Gesichtes Licht ausstrahlte, weil er mit dem Herrn geredet hatte.“[30]

In jedem freundlichen, gütigen, Anteil nehmenden Gesicht leuchtet für uns  etwas von Gottes Freundlichkeit, Barmherzigkeit und Liebe auf. Jeder von uns ist auch für sein Gesicht verantwortlich, für das was es ausstrahlt.

Auf unserem Gesicht soll etwas von der Menschenfreundlichkeit Gottes, die in Jesus erschienen ist, aufleuchten.

Nur Gott sieht und segnet ganz gleich wo wir sind; im „Licht seines Angesichts“, in seiner gnadenvollen Gegenwart und Gemeinschaft, wird alles heil und gut. Sogar das Sterben und der Tod, weil  Gott uns auferweckt zu neuem Leben.

[1]Ps 4,7; 31,17; 67,2; 80,4; 80,8; 80,20; 119,135;

[2] Gen 33,31

[3] Ex 33,13

[4] Ex 33,14

[5] Ex 33,18

[6] Ex 33,19f.

[7] Lk 1,48

[8] Ps 4,7

[9] Ps 31,17

[10] Ps 80,4

[11] Ps 67,2

[12] Ps 95,2

[13] Ps 90,8

[14] Ps 89,16

[15] Ps 119,135

[16] Ps 67,2f.

[17] Dan 9,17

[18] Deutn31,11

[19] Ps 80,17

[20] Mt 5,8

[21] R. Guardini

[22] Joh 1,18

[23] 2 Kor 4,6

[24] Guardini, Unterscheidung des Christlichen - Band 2: Aus dem Bereich der Theologie Seite 101

[25] Gal 4,7

[26] Gal 4,6

[27] Röm 8,16

[28] Röm 8,17

[29] Gen 33,10

[30] Ex 34,29

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