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Lesejahr A 2013/14 bis 2014/11

Predigt - Homilie zu Röm 8,31-39 am 18.So.A2014 in Neunkirchen St. Michael

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Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist [1]

Im dem der 2. Lesung vorausgehenden Text weist Paulus die Christen in Rom auf die Vergänglichkeit der Schöpfung hin. Zugleich betont er Gottes liebende Zuwendung zu den ihn liebenden Menschen. "Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt". [2]

Die Kirche verkündet die frohe Botschaft "Gott ist treu. Er ist ein barmherziger und gnädiger Gott. Er hat uns in Jesus Christus sein Ja zugesprochen, das nie zurückgenommen wird."[3]

Aber diese Zusage wird auch in Frage gestellt. Wir müssen die damit verbundenen

1  Anfechtungen bestehen

Angesichts der vielfältigen Leiderfahrungen fällt es nicht wenigen Menschen schwer an die Liebe Gottes zu glauben.  Von verschiedenen Seiten wird den Christen vorgeworfen: ”Hört auf, von eurem lieben Gott zu reden! Euer Gerede vom gütigen Vater ist schon durch ein einziges an Knochenkrebs sterbendes Kind widerlegt. Und angesichts der Kriege, Terroranschläge und Erdbebenkatastrophen klingen eure Worte wie blanker Hohn.”

In eine ähnlich bedrängende Situation hinein schreibt Paulus sinngemäß der Gemeinde in Rom: »Lasst euch durch nichts in eurem Glauben an Gott und seine Liebe irre machen. Es scheint nur so, als ob Gott oftmals nicht da wäre. In Wirklichkeit ist es anders. Keine Macht der Welt vermag euch von ihm zu trennen. Er liebt euch und wird euch nie verlassen«.

Paulus ist überzeugt, „dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.“[4] Dennoch sollen wir uns am Beispiel Jesu orientieren. Er hat leiblich und seelisch Kranke geheilt. Er ist dem Leiden nicht ausgewichen, als er es als den Willen Gottes erkannte.

Als Jünger und Jüngerinnen Jesu werden auch wir

2 Leiden mindern und Leiden ertragen

Der Christ ist weder eine Masochist, der das Leid genießt, noch ein Sadist, der anderen lustvoll Leid zufügt. Wir sollen Jesus helfen, Hunger und Krankheit, Versklavung und Unfreiheit zu überwinden. Bei Lukas lesen wir „Als die Sonne unterging, brachten die Leute ihre Kranken, die alle möglichen Leiden hatten, zu Jesus. Er legte jedem Kranken die Hände auf und heilte alle.“[5]

Wir werden niemals drohendes Leid durch neues Leid abwehren. Wird bei einer vorgeburtlichen Untersuchung beim im Mutterleib heranwachsenden Kind ein das Downsyndrom verursachender Gendefekt festgestellt, ist das für 90% dieser Kinder das Todesurteil. Sie werden abgetrieben.

Für Christen und jeden human denkenden Menschen hört das persönliche Selbstbestimmungsrecht dort auf, wo das Lebensrecht des Anderen beginnt, und Lebensrecht hat jeder Mensch vom ersten Augenblick seines Daseins an.

Mit dem Slogan „mein Bauch gehört mir“ fingen jene schrecklichen moralischen Verirrungen an, die heute überall praktiziert werden.

Und was ist mit uns? Können wir das Wort des Paulus für uns annehmen: „Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“[6]

Wir werden daher wieder intensiver nachdenken müssen

3 Über den Sinn des Leidens

3.1 Leiden gehört zu Jesus Christus

Nach Augustinus gehört das Leiden zur Wirklichkeit Jesu Christi. Alles Wahre an ihm müssen wir annehmen, weil wir sonst in die Fänge des Teufels geraten, in dem "keine Wahrheit" ist.[7]

"Wahr ist das Wort, gleicher Gott wie der Vater, wahr die Seele... wahr die Geburt, wahr das Leiden, wahr der Tod, wahr die Auferstehung. Wenn du etwas davon falsch nennst, so tritt Fäulnis ein, aus dem Gift der Schlange entstehen die Würmer der Lügen und nichts wird unversehrt bleiben."[8]

Das Wort Gottes in der Bibel bezeugt

3.2 Durch Leiden wird der Böse und das Böse besiegt.

Jede Christenverfolgung ist ein Werk des Teufels, des Widersachers Gottes. Der Auferstandene Christus trägt dem Engel der kleinasiatischen Gemeinde in Smyrna auf: „Schreibe! So spricht Er, der Erste und der Letzte, der tot war und wieder lebendig wurde... Fürchte dich nicht vor dem, was du noch erleiden musst. Der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, um euch auf die Probe zu stellen... Sei treu bis in den Tod; dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben.“[9]

Der heilige Johannes Chrysosthomus rühmt die Apostel, die "ihre Widersacher nicht getötet und vernichtet haben, sondern sie fanden Leute vor, die Dämonen glichen und machten sie zu Gefährten der Engel."[10]

Den Sieg über das Böse bezeugen "die Chöre der Mönche, die überall gepflanzt, und die nicht bloß die Welt, sondern auch die Einöde gereinigt haben. Und was noch bewunderungswürdiger ist, sie haben das alles nicht in Kampf und Streit zuwege gebracht, sondern haben alles durch Leiden erreicht." [11]

3.3 Leiden kann Menschen bewegen zu Gott umzukehren

Mitten in der Christen-Verfolgung des Römischen Reiches erkrankte  Kaiser Galerius an einem schweren Krebsleiden, das ihn schrecklich zurichtete.

Der Kirchenschriftsteller Laktanz berichtet: "Dies dauerte ein ganzes Jahr lang ununterbrochen fort, bis er endlich, durch Leiden gebeugt, sich gezwungen sah, Gott zu bekennen.“ Als er bereits dem Ende nahe war, erließ er 311 das sog. Toleranzedikt, das die Christenverfolgung beendete.

Er hatte eingesehen, dass die Christen durch die Verfolgung nicht entscheidend getroffen wurden. Ihr Leidensmut und sein eigens Leiden führten ihn zum Umdenken und zur Umkehr.[12]

3.4  Leiden ist Gnade

In seinem 1. Brief schreibt Petrus: "Denn es ist eine Gnade, wenn jemand deswegen Kränkungen erträgt und zu Unrecht leidet, weil er sich in seinem Gewissen nach Gott richtet." "Wenn ihr aber recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes." [13]

Das Mitleiden mit Christus ist sogar eine besondere Berufung, in die der Herr die Seinen führt. „Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.“[14]

Paulus verbindet seine Leiden, die ihm als Verkünder des Evangeliums zugefügt werden mit dem erlösenden Leiden Jesu. So wird es ihm möglich, sie frohgemut zu tragen. „Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt.“[15]

3.5 Leiden führt zur Christuserkenntnis

Das angenommene und getragene Leiden ist der beste Weg für jeden, der Christus als seinen Heiland und Erlöser erkennen will. Paulus bekennt in seinem Brief an die Christen in Philippi: „Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen.“[16]

Die Sorge um unser ewiges Heil wird zur Heilsgewissheit. Diese gründet darin, dass Gott sein Eigenstes, seinen Sohn, für uns hingegeben hat.

Wohin hat er ihn hingegeben? In Leiden und Tod, also in das Bitterste, was es gibt, die ehrlose schreckliche öffentliche Hinrichtung am Schandpfahl des Kreuzes. Durch die Auferweckung von den Toten, hat er das Kreuz in das Zeichen des Sieges verwandelt. Wie sollte Gott, der sich solches zumutet, mit ihm nicht alles schenken? "Für alle hat er ihn hingegeben."[17]

4 "Wenn Gott für uns ist, wer ist dann gegen uns?"

Triumphierend jede Angst vor der Verdammnis vertreibend kann der Getaufte und an Jesus Christus Glaubende ausrufen: "Wer oder was kann uns trennen von der Liebe Gottes, die Jesus Christus ist, unserem Herrn?“

4.1 Wer kann uns scheiden von der Liebe Gottes? Niemand!

Ganz gewiss nicht Gott, der uns erwählt hat. Der gerecht macht und Recht verschafft.

Erst recht nicht Christus. Er verurteilt nicht. Denn er hat unseren Tod auf sich genommen und ist auferstanden, hat teil an der Macht Gottes und tritt als solcher für uns ein.

Mit der Tat der Hingabe Christi für uns, ist alles Heil gewährt, das gegenwärtige wie das endzeitliche. "τά πάντα" das ganze Erbe, alles was Gott zu schenken vermag, gewährt er in liebender Hingabe.

"χαρίζεσθαι" heißt es im Griechischen. Das meint "alles, was Gott mit Christus uns allen gegeben hat, ist seine freie Gabe, der Ausfluss seiner χάρις, die allumfassend schon wirksam ist und wirksam werden wird."[18]

4.2 Was kann uns scheiden von der Liebe Gottes? Nichts!

Auch "Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert" können den Christen nicht einschüchtern oder aus der Bahn werfen. Deshalb haben die Märtyrer aller Jahrhunderte mutig Folter und Tod auf sich genommen.

Aber nicht aus eigener Kraft, sondern all das haben sie bestanden und überwunden, durch Jesu Christus, an dessen Liebe sie geglaubt haben und dem sie in tiefer Freundschaft verbunden waren. "Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.[19]

Der Glaubende muss keine Macht der Welt fürchten, weder den Tod, der das »Aus für all unsere Pläne«[20] ist, noch das Leben mit seinen Unwägbarkeiten und Überraschungen.

Auch nicht Engel noch andere geistige  Mächte, nicht die gegenwärtigen Ereignisse der Politik und Wirtschaft, noch die Zukunft, die dunkel ist, können uns scheiden von Gottes Liebe.

Auch nicht kosmische Ereignisse und Katastrophen, noch die Kräfte die aus der Tiefe der Erde oder des Dämonischen kommen, nichts was geschaffen und vergänglich ist, also keine Kreatur der Schöpfung.

ER, der ewige Gott, der Liebe ist, und sein ewiges Mensch gewordenes Wort,  sein geliebter Sohn, der unser Bruder und Herr ist, der durch seinen Geist in uns wohnt und uns zu seinem Tempel gemacht hat. Ihm gehören wir im Leben und im Tod - in Zeit und  Ewigkeit.

 

ZWEITE LESUNG Röm 8, 31-39

Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer. Brüder und Schwestern!

Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?

Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben — wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht.

Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.

Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?

In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat.

Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?

All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.

Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.


[1] Homilie zu Röm 8,31-39

[2] Röm 8,28

[3] vgl. 2 Kor 1,18

[4] Röm 8,18

[5] Lk 4,40

[6] Röm 8,39

[7] Joh 8,44

[8] Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium 8. Vortrag. Kapitel 5

[9] Offb 2,10

[10] Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus )33. Homilie. Kap X, V.16-22.

[11] ebd

[12] Laktanz († nach 317) - Von den Todesarten der Verfolger 34. Kap.

[13] 1 Petr 2,20

[14] 1 Petr 2,21

[15] Kol 1,26

[16] Phil 3,10

[17] Röm 8,32

[18] H.Schlier, Der Römerbrief S. 277

[19] Röm 8,39

[20] Ps 146,4

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