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Lesejahr 2013 (C)

Homilie zu Phil 2,1-5 am Fest des Namens Jesu in St. Michael Neunkirchen

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"Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht"[1]

Wie wichtig der Text der heutigen Lesung aus dem Brief des heiligen Paulus an die Gemeinde in Philippi ist, die ja seine erste Gründung in Europa und seine Lieblingsgemeinde war, zeigt die gehobene, feierliche und ja beschwörende Sprache.
Dieser Abschnitt besteht formal aus drei Vierzeilern, die sich wie ein Lied anhören.
In den ersten vier Versen geht es Paulus um das,
1 was eine christliche Gemeinde in Christus zusammenhält.
Sie sind eine
1.1 Mahnung zur Eintracht und gegenseitiger Achtung.
  • Die erste Strophe beginnt in jeder der vier Zeilen mit »ei tis« ... wenn es.. In der Übersetzung kommt dies leider nicht so dramatisch deutlich heraus wie im griechischen Urtext.
Wenn es also eine Ermahnung in Christus gibt,
wenn einen Zuspruch der Liebe,
wenn eine Gemeinschaft des Geistes,
wenn herzliche Liebe und Erbarmen.
  • War im vorausgehenden Text von der notwendigen Einmütigkeit im Kampf für den Glauben die Rede, jetzt geht es ans Eingemachte, um die Eintracht der Gemeindeglieder untereinander und mit dem Apostel.
  • Unser Text knüpft dabei an die Mahnung des Apostels 1,27 an. Dort schreibt Paulus: "Vor allem: Lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht. Ob ich komme und euch sehe oder ob ich fern bin, ich möchte hören, dass ihr in dem einen Geist feststeht, einmütig für den Glauben an das Evangelium kämpft."
  • In vier beschwörenden Aufrufen, die bittend, ermutigend und tröstend zugleich sein wollen, begründet Paulus seinen ermahnenden Zuspruch.
Seine Ermahnung will eine vom Heiligen Geist erfüllte in Christus sein. Ermahnung ist heute ein verpönter Begriff, wird von vielen heute als verletzender Eingriff in die Freiheit der Person empfunden.
Nach Paulus aber will darin der Heilige Geist in Christus, in der freundschaftlichen und lebendigen Beziehung zu ihm, wirken, uns umwandeln, damit wir in unserer Welt Bild Gottes sind, der uns seine Liebe durch Jesus in seiner Kirche zuspricht und schenkt.
"wenn ein Zuspruch der Liebe" meint nach dem griechischen Urtext "sich nahe an jemands Seite stellen und zu ihm sprechen, gut zureden, zu etwas anspornen, durch Hoffnung locken, überreden, überzeugen, trösten." Das alles meint einander beistehende und ermutigende Liebe.
  • Das erste Wortpaar spricht vom seelsorgerlichen Verhalten des Apostels der Gemeinde gegenüber, das zweite von dem, was sie miteinander verbindet. "Wenn eine Gemeinschaft des Geistes.." Es ist einmal der Geist, an dem sie zusammen mit dem Apostel Anteil gewonnen haben und herzliche und erbarmende Liebe. "Wenn herzliche Liebe und Erbarmen.."
  • Diese erbarmende Liebe gehört Gott, ist sein Wesen. Sie will aber auf die Menschen übergreifen und unser gegenseitiges Verhältnis bestimmen.
Der zweite Vierzeiler spricht
1.2 von der Freude des Apostels
  • Die Freude am Herrn ist der Grundzug im Leben und Wirken des Apostels. Sie hat ihren Grund in dem, was Gott durch Jesus Christus für uns getan hat und tut. Die Nähe des Herrn macht ihn froh.
  • Ein Beispiel solcher Freude in Christus gibt uns der hl. Basilius der große Bischof der Ostkirche. Er lebte und wirkte im 4. Jht. Gestern feierten wir seinen Gedenktag. Er kämpfe gegen die Irrlehre des Arianismus, der leugnete, dass Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist.
  • Kaiser Valens reiste 371 von Konstantinopel nach Antiochia, entschlossen, unterwegs alle trinitarischen Bischöfe abzusetzen und arianische einzusetzen. Als Vorhut kam der kaiserliche Präfekt Modestus, der die Bischöfe vor die Wahl zwischen Kommunion mit den Arianern oder Absetzung stellte, nach Caesarea und befahl den Bischof zu sich.
Bei Basilius fruchteten seine Argumente jedoch nichts, wie Gregor von Nazianz schildert. Als der kaiserliche Präfekt ihm darauf mit Güterentziehung, Verbannung, Marter und Tod drohte, antwortete der Bischof unerschrocken:
„Sonst nichts? Von all diesen trifft mich nicht eines. Wer nichts besitzt, dessen Güter können nicht eingezogen werden, außer du verlangst meine zerlumpten Kleider und die wenigen Bücher, die ich besitze. Verbannung kenne ich nicht, denn ich bin überall auf Gottes weiter Erde zu Hause. Marter kann mir nichts antun, da ich so krank bin, dass ich schnell daran sterben würde. Der Tod aber ist mir willkommen, denn er bringt mich schneller zu Gott.“
Sichtlich beeindruckt erwiderte der Vertreter des Kaisers: „Noch niemand hat es gewagt, mit mir in solchem Freimut zu sprechen.“ Darauf antwortete Basilius: „Dann hast du wohl noch nie einen richtigen Bischof gesehen!“
  • Paulus bekennt in seinem Brief, was seine Freude vollkommen macht: "Seid einmütig gesinnt, indem ihr die gleiche Liebe habt, einträchtig das Gleiche bedenkt und wollt." [2]
  • Gleich zweimal kommt das Wort φρονεῖν vor einmal als Tätigkeitswort und dann als Hauptwort. Was so viel bedeutet: Besinnt euch darauf und habt den festen Willen, ein Herz und eine Seele zu sein. Paulus zielt nicht ab auf das Gleichmaß unserer Liebe, sondern auf die Gleichgerichtetheit unseres Wollens.
1.3 Wodurch wird die Freude getrübt?
  • Wenn Christen aus Ehrgeiz sich in der Jesusgemeinde, in der Kirche einsetzen, also nicht die Ehre Gottes, sondern ihre eigene Ehre suchen. Wenn sie diskutieren um des Diskutierens willen, weil es ihnen Spaß macht, die anderen zu blamieren, fertig zu machen. Statt mit Ehrgeiz kann man das griechische Wort auch mit Streitsucht übersetzen.
Ganz schlimm wird es, wenn sie damit prahlen, also angeben. Darum die Mahnung des Paulus: "Nichts aus Streitsucht, nichts aus Prahlerei, nicht achte jeder auf das eigene".
  • Diesem die Freude verderbenden Verhalten stellt er das Positive entgegen: "Vielmehr in demütiger Gesinnung schätzt einander höher ein als euch selbst...jeder achte auf das der anderen."
Diese demütige Gesinnung meint nicht die Unterwürfigkeit des Sklaven, sondern steht eher der Auffassung der Qumrangemeinde nahe, die ihren Mitgliedern wiederholt einschärft: "Alle sollen sich in wahrhafter Einung, gütiger Demut, liebevoller Verbundenheit und im rechten Denken zueinander verhalten in der Gemeinde der Heiligen."[3]
1.4 Was für den Dauerbestand der Gemeinde unerlässlich ist
  • Paulus sieht also das von der Gesinnung der Demut getragene Verhalten für den Dauerbestand der Gemeinde für unbedingt notwendig. Demut meint den Mut einander mit der von Gott empfangenen Gaben zu dienen.
Diesen neuen Aspekt christlichen Zusammenlebens bindet Paulus an Jesus Christus.
  • Die an die Gemeinde und damit auch uns gerichteten Mahnungen werden einer wesentlichen Begründung zugeführt. Diese erfolgt im Christuslied das wir nach der Kommunion singend bedenken.
  • Der Vers 5 Bereitet diese Begründung vor: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht." Damit sind alle Getauften also auch wir gemeint. Immer, auch in jeder Messfeier geht es darum, dass unsere Gemeinschaft in Christus gründet und immer wieder von ihm her sich beleben und verwirklichen muss.

[1] Homilie zu Phil 2,1-11
[2] Phil 2,2
[3] 1 QS 2,24
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