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Lesejahr 2013 (C)

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Geborgenheit erfahren und schenken

1 Wir alle leben in vielfältigen Beziehungsgeflechten

  • am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, in der Freundschaft, in der Partnerschaft, in der Familie, im Verein und der Kirche. Die Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren, in Kontakt zu kommen, sind heute nicht mehr zu überbieten. Entfernungen sind leicht zu überwinden, und es fällt schwer, Orte zu finden, an denen man alleine ist. Die Welt ist elektronisch und technisch zusammengerückt, die Menschen sind einander nähergekommen - und doch:
  • Die Einsamkeit nimmt zu, und im Schwinden von Distanzen wächst die Distanziertheit. In der Quantität unserer Beziehungen und Kommunikationen scheint die Qualität verlorengegangen zu sein.  Und Dabei spürt man deutlich in unserer Gesellschaft die Sehnsucht, Beziehungs-Weisen zu finden, die tragfähig und tragbar sind. Aber immer mehr Menschen müssen haltlose und unhaltbare Beziehungen erfahren und bleiben als Beziehungs-Waisen zurück.
In diese Situation trifft ein Wort von Doris Runge und weist gleichzeitig einen Weg aus diesem Dilemma heraus:

2 "Das Gegenteil von Einsamkeit ist nicht Zweisamkeit oder Geselligkeit, sondern Geborgenheit."

  • Nur wer das Ich im Du bergen kann, und so Geborgenheit erfährt, kann zu einem erfüllten Leben finden und Beziehungen fruchtbar gestalten.
  • Unsere Sprache verrät uns schon, wie dies zu verwirklichen ist: Geborgenheit hängt vom Wortursprung her mit "bergen", also "Berg" zusammen. Wer auf dem Berg, der Burg, Schutz findet, der ist geborgen.
  • Beziehungen müssen also zu Räumen werden, in denen der andere mit seinem Ich Schutz und Sicherheit erfährt; in denen das Ich geschützt ungeschützt sein darf und kann, wie es ist.

 

2.1 Unsere Alltagswelt sieht anders aus: Im persönlichen Bereich sind heute viele Menschen unbehaust.
  • Sie schwanken ständig in ihren Gefühlen hin und her. Sie haben nie gelernt ihr Aggressionspotential in vernünftige Bahnen zu lenken. Vielen fehlt die körperliche Betätigung.
  • Gewalttätige Computerspiele fördern sogar noch die Aggression. Diese wird einfach am allernächsten Menschen ausgelebt. Ihm gegenüber ist die Hemmschwelle am niedrigsten. Das sind nicht selten die Geschwister oder die schwächeren Mitschüler, bei Erwachsenen der Ehepartner oder die eigenen Kinder.
  • Ein franz. Filmressigeur hat einem seiner Filme den bezeichnenden Titel gegeben: „Sie küssten und sie schlugen ihn.“ Ständiges Schwanken der Gefühle zerstört die Liebe. So reduzieren sich familiäre Beziehungen zu reinen Zweckgemeinschaften. Aus der bergenden Burg wird ein Gefängnis.

2.2 Von einer gelungenen Beziehung und glücklichen Begegnung

Altarraum der Filialkirche St. Johannes d.Täufer in Großenbuch - Maria und Elisabeth
Altarraum der Filialkirche St. Johannes d.Täufer in Großenbuch - Maria und Elisabeth
Berichtet das heutige Evangelium: Maria besucht Elisabeth. Beide sind miteinander verwandt.

Man mag sich vorstellen, wie es in der jungen Frau ausgesehen haben mag, als sie erfährt, dass sie schwanger ist. Und zwar nicht durch den Verlobten, sondern durch Gottes Wille und Geist. Was sie jetzt braucht, ist Geborgenheit, in der sie die nächsten Wochen und Monate auf sich zukommen lassen kann. Nur so kann sie sich liebend ganz auf das werdende Kind in ihrem Leib einstellen und ihm jene Urgeborgenheit schenken, die für das spätere Leben so wichtig sein wird.

2.3 Geborgenheit erfahren und schenken

  •  Vielleicht ist es von daher auch aufschlussreich, daß sie in das Bergland Judäa wandert, wo Elisabeth zuhause ist. Beide sind sich bei aller Distanz nicht fremd. Salopp können wir sagen: Zwischen ihnen klappt die "Kommunikation“. Sie sind nicht nur leiblich miteinander verwandt, sondern auch geistlich. Das zeigt die Reaktion der Älteren, deren Kind im Leib hüpft als Maria bei ihr ankommt. Zwischen den beiden, das spürt man, stimmt es. Das merkt schon das Kind im Leib der Mutter.
  • Hier können zwei werdende Mütter einander die Geborgenheit geben, die sie angesichts ihrer jeweils denkwürdigen Umstände brauchen. Drei Monate etwa bleibt Maria bei Elisabeth, also bis zur Geburt des Johannes - heißt es dann später bei Lukas.
  • Ich wünschte mir, ungewollt oder ungeplant schwanger gewordene Mädchen und Frauen fänden solche Unterstützung und Zuwendung anderer Frauen, die ihnen Mut machen, das in ihnen heranwachsende Kind anzunehmen und auszutragen.
  • Inzwischen gibt es viele solcher Initiativen von christlicher Seite.

2.4 Zerstörende Kräfte

  • Diese christlichen Initiativen »Pro Leben« werden aber z.B. von Pro Familia heftig bekämpft, ja sogar mit Gerichtsprozessen überzogen, weil man angeblich das Selbstbestimmungsrecht der Frauen schützen will. Es solle verhindert werden, abtreibungswilligen Frauen ein schlechtes Gewissen einzureden. In Deutschland dürfen nicht einmal Studien zu dem »postabortschen Syndrom« angefertigt werden. Das ist eine seelische Erkrankung von Frauen, die abgetrieben haben.
  • Die weltweit agierende Organisation »pro Familia« - sollte sie sich nicht lieber »Anti Familia« nennen? - vertritt eine geistlose Sicht des im Mutterleib heranwachsenden Kindes.
  • Der Geschäftsführer des Saarbrücker Familienplanungszentrums Heinz Krämer schrieb im Spiegel "Kindesabtreibung gibt es nicht. Es gibt die Abtreibung einer Leibesfrucht, den Schwangerschaftsabbruch, die Entfernung von Embryonalgewebe. Aber wir sollten aufhören, Embryos durch Ultraschallgeräte, Fötalchirurgie oder Verfassungsgerichtsurteile zu personalisieren, sie zu eigenständigen, lebensfähigen Personen hoch zustilisieren."[1]
  • Hier in Deutschland werden laut eigenen Angaben 77 % der Schwangerschaftsabbrüche in den 6 Pro Familia-Zentren durchgeführt. Hier werden die zukünftigen Kinder gemordet, die wir so dringend bräuchten. Wir merken, die Feinde des werdenden menschlichen Lebens sind bei uns und weltweit tätig.
  • Freilich wer sich heute in unserer heidnisch gewordenen westlichen Welt für den Schutz des im Mutterleib heranwachsenden Menschen einsetzt, muss Hohn und Spott ertragen.
  •  Vor kurzem fand in Wien am Stephansdom ein Schweigemarsch von christlichen Lebensschützern statt. Eine johlende Menge von Schwulen und Lesben konnte die Polizei nur mit Mühe zurückhalten. Sie skandierten als Schlachtruf gegen die Lebensschützer: „Hätte Maria abgetrieben, wäret ihr uns erspart geblieben.“
  • Sie erschrecken. Ich auch! Das Böse erhebt frech das Haupt. Gleich neben der Bischofskirche von Wien.

3 Die zwei schwangeren Frauen des Evangeliums - Elisabeth und Maria

Maria und Elisabeth - Zwei schwangere Frauen - in St. Johannes d.T. GRoßenbuch Pfarrei St. Michae /St.Augustius Neunkirchen a.Br.
Maria und Elisabeth - Zwei schwangere Frauen - in St. Johannes d.T. GRoßenbuch Pfarrei St. Michae /St.Augustius Neunkirchen a.Br.
Öffnen uns nicht nur die Augen des Leibes, sondern auch des Herzens. Elisabeth zu Maria: „Gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“ Ihre Begegnung berührt auch die zwei im Mutterleib heranwachsenden Kinder Johannes und Jesus.

Wir stehen an der Schwelle des Weihnachtsfestes. Es lädt uns ein, neu die Spur aufzunehmen, von den Oberflächlichkeiten unseres Denkens und unserer Beziehungen weg, hin zu einer tiefen Ernsthaftigkeit.

Dies wird um so besser geschehen, wenn wir uns bewusst machen, dass jeder und jede einzelne von uns bereits geborgen ist im Du Gottes. Zumindest steht jedem Menschen diese Möglichkeit offen. Wirkliche Geborgenheit kann ich nur dann einem anderen Menschen geben, wenn ich selber im Du Gottes geborgen bin. Elisabeth und Maria waren zwei solche Menschen.

Viele suchen heute diese Geborgenheit in Gott nicht, oder haben das Suchen aufgegeben oder durch ihren Lebenswandel verspielt. Deshalb scheitern heute so viele Beziehungen, fällt es so schwer eine Beziehung auch in Krisen und Anfechtungen durchzuhalten, treu zu sein.
  • Das meint doch Weihnachten: Gott wird Mensch, um jedem Menschen nahe zu sein. Gegen die Unzuverlässigkeiten und Unsicherheiten der Welt schenkt er die grundlegende Geborgenheit. Er gibt uns Sicherheit und Schutz, damit wir sie anderen weiterschenken können.
  • Das wird aber nur dort gelingen, wo einer die Würde des anderen achtet. »Als ein von Gott Angesehener und Geliebter will ich dir begegnen«. Elisabeth ist sich der Würde Mariens bewusst und bestätigt sie darin: „Gesegnet bist Du mehr als alle anderen Frauen.“ Sie sieht Marias Besuch als Geschenk an. „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt.“ Und „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“
  • Die beiden Frauen, Maria und Elisabeth machen es uns vor, wie das geht Geborgenheit schenken und empfangen. Schon wie sich begrüßen, zeigt, wie jede die andere als von Gott angesehen und gesegnet erkennt.
  • Ihre Begegnung mündet in den großen Lobpreis Gottes, der dem kleinen und demütigen Menschen sein Ansehen schenkt. Hier wird eine Geborgenheit geschenkt, die aus dem Geborgensein in Gott fließt.


[1] Wie sieht Pro Familia ein ungeborenes Kind? in http://www.pro-leben.de/abtr/taktiken_profamilia.php#8

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