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Lesejahr 2013 (C)

Homilie am 19. Sonntag im Jahr des Glaubens in Großenbuch St. Johannes d.T.

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Auf dem Weg des Glaubens voranschreiten
[1]
Fünfmal hintereinander beginnen in der Lesung aus dem Hebräerbrief die Aussagen über das Leben Abrahams mit der Feststellung "Auf Grund des Glaubens".[2] Darum nennt ihn Paulus mit Recht »Vater der Glaubenden«[3].
Glaube ist nach der Bibel immer zuerst
1 Suchender Glaube

1.1 Suchende Menschen sind glaubende
  • In seiner Enzyklika „Licht des Glaubens“ zeigt uns Papst Franziskus, dass Gott suchende Menschen schon glaubende sind. "Der Hebräerbrief spricht zu uns von dem Zeugnis der Gerechten, die bereits vor dem Bund mit Abraham voll Glauben Gott suchten.
  • Von Henoch wird gesagt, »dass er Gott gefiel«[4], was ohne den Glauben unmöglich wäre, denn »wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn suchen, ihren Lohn geben wird«[5]."[6]
Wenn Glaube zuerst suchender Glaube ist, dann heißt das für uns als glaubende Christen selber Suchende zu sein und
1.2 Offen sein für Suchende
  •  Offen zu sein für Gott suchende Menschen bedeutet, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die uns erfüllt.[7]
  • Papst Franziskus sagt dazu "So können wir verstehen, dass der Weg des religiösen Menschen über das Bekenntnis eines Gottes verläuft, der sich um ihn kümmert und den zu finden nicht unmöglich ist. Welchen anderen Lohn könnte Gott denen anbieten, die ihn suchen, wenn nicht den, sich finden zu lassen?"
1.3 Wer Gott findet, hat alles, was er braucht.
  • Er muss keine Angst vor der Zukunft haben; denn diese ist wie bei Abraham in Gottes Hand. Er weiß Gott gegenwärtig im Alltag mit seinem Auf und Ab, in Freud und Leid, in hellen und in dunklen Stunden.
  • Die Enzyklika sagt es so: "Der religiöse Mensch versucht, die Zeichen Gottes in den täglichen Erfahrungen seines Lebens zu erkennen, im Kreislauf der Jahreszeiten, in der Fruchtbarkeit der Erde und in der ganzen Bewegung des Kosmos. Gott ist lichtvoll und kann auch von denen gefunden werden, die ihn mit aufrichtigem Herzen suchen."
  • Der suchende und gefundene Glaube muss sich bewähren.
2 Der bewährte Glaube
Wie kommt die Bewährung im Glauben zustande? Durch
2.1  Die befreiende Erinnerung
  • Die Lesung aus dem Buch der Weisheit[8] erinnert an die Nacht der Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens, die den Vätern vorher angekündigt worden war. Was Gott an Israel in der Vergangenheit gewirkt hat, ist auch für die gegenwärtige Generation von Bedeutung. Gott ist treu. Er steht zu seinen Verheißungen. Auf ihn ist Verlass. Der aus der Knechtschaft befreiende Gott ist auch heute bei seinem Volk. Sie dürfen also „zuversichtlich sein und sicher wissen, welchen eidlichen Zusagen (Gottes) sie vertrauen können.“ [9]
  • Die 2. Lesung bekennt: „Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein ruhmvolles Zeugnis erhalten.“ [10] Die Bewährung im Glauben wird dadurch gefördert, dass uns das Geschenk des Glaubens in seiner ganzen Bedeutung aufgeht.
2.2 Wer glaubt, wird selig gepriesen
  • Der Antwortgesang aus Psalm 33 preist das Volk Gottes selig, „dessen Gott der Herr ist, die Nation die es sich zum Erbteil erwählt hat“[11].
  • Auch uns hat Gott erwählt und in der Taufe in sein Volk eingegliedert. Durch Jesus Christus Glieder der Kirche geworden und Gott den ersten Platz in unserem Leben einräumend und seiner Liebe glaubend, wird für uns wahr, was der Antwortgesang besingt: „..das Auge des Herrn ruht auf allen, die ihn fürchten und ehren, die nach seiner Güte ausschauen.“[12] Gottes barmherzige Güte verheißt uns eine angstfreie Zukunft: „denn er will sie dem Tod entreißen und in der Hungersnot ihr Leben erhalten.“
  • Wie unsere Väter und Mütter des Glaubens den Verheißungen Gottes trauend und sich nach Gott ausstreckend dürfen wir bitten: „lass deine Güte über uns walten, o Herr, denn wir schauen aus nach dir.“[13]
In ständiger Beziehung mit Gott auf ihn hörend und mit ihm lebend bewährt sich der Glaube. Freilich der Glaube ist auch immer
3  Angefochtener Glaube
Im Lied zur Eröffnung der heiligen Messe haben wir gesungen:
3.1 „Wir sind im Kampfe Tag und Nacht[14]
  • Der Glaube kann bedroht sein durch die Gottlosigkeit und heidnische Lebensweise der Umgebung. Abraham und das Volk Israel waren ständig damit konfrontiert, mussten sich damit auseinandersetzen und bewähren. Glaube ist immer angefochtener Glaube.
  • Die 2000 jährige Geschichte des Christentums ist auch eine Geschichte der Märtyrer. Wegen ihres christlichen Glaubens und ihrem Feststehen in diesem Glauben wurden sie umgebracht.
  • Im 20. Jahrhundert gab es mehr christliche Märtyrer als in allen vorausgehenden Jahrhunderten zusammen. Es waren aber nicht nur Tapferkeit und Standfestigkeit, die zum Glaubenszeugnis befähigten.
Es war vor allem
3.2 Der Glaube an die Treue Gottes und an seine Verheißungen.
  • Es waren die unsichtbaren Hoffnungsgüter, deren Wirklichkeit erhofft wurde und Standhaftigkeit verliehen.[15] Sie begegnen uns in den zukunftsträchtigen Bildern „der besseren Heimat[16] und der Gottesstadt[17]“ oder „des himmlischen Hochzeitsmahles“[18], „der Auferstehung der Toten“[19], „der Fülle des Lebens[20], des ewigen Lebens“[21].
Alle Anfechtungen des Glaubens werden überwunden, wenn wir Jesu Wort im Evangelium ernst nehmen:
3.3 „Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz[22]
  • Als Glaubender kann ich das Irdische Loslassen und mit den Armen teilen, weil wir mit Christus Erben[23] seines ewigen Reiches sind. Jesus fordert uns im Evangelium auf "Verschafft euch einen Schatz der nicht abnimmt droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst."[24]
  • Ist Irdisches und Vergängliches der einzige Reichtum meines Lebens, hängt mein Herz nur an ihnen, werde ich in ständiger Angst und Sorge leben vor dem Verlust. Spätestens im Tod wird mir endgültig alles Irdische und Vergängliche genommen.
Wie geht das ganz praktisch?
4  Den Glauben leben
Soll mein Glaube aller Anfechtung und Bedrohung standhalten und lebendig bleiben, werde ich mich immer wieder vor Gott fragen:
4.1 Worauf baue ich mein Leben?
  • Baue ich mein Leben und meine Zukunft auf Gott und seine Verheißungen? Auf Jesus Christus den Sohn des lebendigen Gottes, der Gott ganz gehorsam wurde bis in den Tod und den der Vater von den Toten auferweckt und zum Herrn des Alls gemacht hat?
  • Wenn ja, dann ist mein Herz – die Mitte meiner Person und meiner Existenz – bei den unvergänglichen, ewigen Gütern, die Gott denen bereitet hat die ihn lieben.[25]
  • Wenn unser Herz mit Jesus in Gott, der den Kosmos aus dem Nichts geschaffen hat und der die Toten auferweckt, verankert ist, dann sind wir mit brennenden Lampen und wachem Herzen bereit für das uns richtende und erlösende Kommen des Herrn.[26] Den Glauben leben heißt also
4.2 Wach sein für das Kommen des Herrn
  • Entscheidend für unser Wachsein ist dann nicht, wann der Herr kommt, sondern dass er kommt und uns heimholt in das ewige Reich seines Vaters, das wir Himmel nennen. Dort werden wir Erben mit Christus, Erben Gottes sein[27], der uns mit dem ganzen Reichtum seines Wesens beschenken wird[28]. Nichts lohnt sich mehr als auf dem Weg des Glaubens voranzuschreiten.
  • Daran erinnert uns der Heilige Jakobus mit folgender Frage: „Hört, meine geliebten Brüder (und Schwestern): Hat Gott nicht die Armen in der Welt auserwählt, um sie durch den Glauben reich und zu Erben des Königreichs zu machen, das er denen verheißen hat, die ihn lieben?" [29]
5 Erkennungszeichen gelebten Glaubens
Wie wirkt sich dieser Glaube im Alltag und im Leben aus? Was sind seine Erkennungszeichen?
5.1 Der Glaube entsteht nach dem Heilsplan Gottes und wird weitergegeben
  • Der Glaube an den Gott und Vater Jesu Christi entstand nicht im leeren Raum. Der Glaube des ersten wie des neuen Volkes Gottes hat eine lange Geschichte.
  • Er wirkt sich aus als Heilsgeschichte in seinem von ihm erwählten und gerufenen Volk. Er wurde seit Abraham, Mose und den Propheten, seit Jesus durch Maria und die Apostel und durch viele Generationen von Christen, Märtyrern und Heiligen, bis heute gelebt und weitergegeben.
5.2 Er zeigt sich in gelebter Kontinuität und dienender Liebe.
  • Ein solches Beispiel in der katholischen Kirche geben uns die Päpste der letzten Jahrzehnte. Es ist für mich bewegend, wie Papst Franziskus mit seinem emeritierten Vorgänger Benedikt XVI, diesen immer wieder zitierend und ihm begegnend umgeht.
  • Auf dem Flug von Rio zurück nach Rom wurde Papst Franziskus von einem spanischen Journalisten nach seiner Beziehung zu seinem Vorgänger Benedikt XVI gefragt. Franziskus antwortete, er fühle große Zuneigung zu ihm, immer schon. „Für mich ist er ein Mann Gottes, ein einfacher Mann, ein Betender. Ich war so glücklich, als er zum Papst gewählt wurde! Und auch, als er zurücktrat, war das für mich ein Zeugnis der Größe. Nur ein großer Mann tut dergleichen! Ein Mann Gottes und ein Mann des Gebets.“[30]
Dann auf von außen kommende Zweifel eingehend fuhr Papst Franziskus fort:
  • „Jetzt, wo er im Vatikan wohnt“, sagen mir einige: „Wie kann man denn so etwas machen? Zwei Päpste im Vatikan! Stört dich das denn nicht? Macht er nicht eine Art Gegenrevolution? Was man alles so sagt, nicht wahr?“
  • Es ist bewegend und nachahmenswert, was Papst Franziskus darauf sagte:
  •  „Ich habe darauf eine Antwort gefunden: Es ist, wie wenn man einen Opa im Haus hat, einen weisen Opa. Wenn in einer Familie ein Opa zuhause wohnt, dann wird er verehrt, geliebt, man hört ihm zu... Für mich ist das wirklich, als hätte ich einen Opa im Haus, meinen Papa. Wenn ich ein Problem hätte oder irgendetwas nicht verstünde, dann würde ich ihn anrufen: Sagen Sie mal, kann ich dies und das tun? Und als ich mit ihm über dieses große Problem Vatileaks gesprochen habe, da hat er mir alles gesagt, mit einer Einfachheit des Dienens.“
Wir spüren, woraus der Glaube dieser Päpste lebt. Es ist
 6 Der Glaube an Jesus Christus
Dieser ist gekommen, nicht um Gesetz und Propheten aufzulösen, sondern es in seiner ganzen Tiefe zu erfüllen – Kontinuität![31] Und er war und ist unter uns wie einer, der die Seinen liebt in dienender Hingabe[32] bis zum Tod am Kreuz.
6,1 Das Bekenntnis zu Christus macht den Christen aus
  • Papst Franziskus spricht in seiner Enzyklika vom christlichen Credo. Es bekennt Jesus als den einzigen Retter, in dem sich das ganze Licht Gottes konzentriert hat und sich der Anfang und das Ende der Geschichte enthüllen.[33]
  • Was Papst Franziskus und vor ihm schon  Benedikt XVI, Johannes Paul II, Johannes Paul I, Paul VI und Johannes XXIII ausgestrahlt haben, verkündet uns der jetzige Papst in seiner Enzyklika „Licht des Glaubens“ in überaus dichten Worten: "Es gibt keine menschliche Erfahrung, keinen Weg des Menschen zu Gott, der von diesem Licht nicht aufgenommen, erleuchtet und geläutert werden könnte. Je mehr der Christ in den offenen Lichtkegel Christi eindringt, umso fähiger wird er, den Weg eines jeden Menschen zu Gott zu verstehen und zu begleiten."
Franziskus macht uns Mut
6.2 Den Weg des Glaubens mit den Suchenden zu gehen
  • „Da der Glaube sich als Weg gestaltet, betrifft er auch das Leben der Menschen, die zwar nicht glauben, aber gerne glauben möchten und unaufhörlich auf der Suche sind. In dem Maß, in dem sie sich mit aufrichtigem Herzen der Liebe öffnen und sich mit dem Licht, das sie zu erfassen vermögen, auf den Weg machen, sind sie bereits, ohne es zu wissen, unterwegs zum Glauben.“
  • Alle die glauben möchten und es noch nicht können, und uns, die wir mit solchen Menschen zusammen kommen und ihnen begegnen ermutigt Papst Franziskus in den Suchenden das Gute entdeckend mit folgenden Worten:
 „Sie versuchen so zu handeln, als gäbe es Gott;
 manchmal, weil sie seine Bedeutung erkennen, wenn es darum geht, verlässliche Orientierungen für das Gemeinschaftsleben zu finden;
oder weil sie inmitten der Dunkelheit die Sehnsucht nach Licht verspüren;
doch auch weil sie, wenn sie merken, wie groß und schön das Leben ist, erahnen, dass die Gegenwart Gottes es noch größer machen würde ."[34]
 
[1] Homilie zu 1. L Weish 18,6–9; 2. L Hebr 11,1–2.8–19; Ev Lk 12,32–48 und Lumen gentium 35
[2] Hebr 11,1-2,8,19
[3] Röm 4,12
[4] Hebr 11,5
[5] Hebr 11,6
[6] LF 35
[7] 1 Petr 3,15
[8] Weish 18,6-9
[9] Weish 18,6
[10] Hebr 11,2
[11] Ps 33,12
[12] Ps 33,18
[13] Ps 33,22
[14] GL 304
[15] vgl Hebr 11,1
[16] Hebr 11,16
[17] vgl Hebr 11,10
[18] Mt 22,8; Offb 19,9
[19] Mt 22,31; Lk 20,35
19 Joh 10,10
[21] Mt 25,46; Mk 10,30; Lk 18,30
[22] Lk 12,34
[23] Röm 8,17
[24] Lk 12,33
[25] 1 Kor 2,9
[26] vgl.Lk 12,37
[27] Röm 8,17
[28] vgl 1 Joh 3,2
[29] Jak 2,5
[30] Radio Vatikan http://de.radiovaticana.va/print_page.asp?c=716706
[31] Mt 5,17
[32] Joh 13,15; Mt 20,26; Mt 23,11; Mk 10.43
[33] LF 35
[34] LF 35
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