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Lesejahr 2013 (C)

Homilie zu Hebr 4, 14-16; 5, 7-9 am Karfreitag in Dormitz ULF

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Jesu Leben und Sterben - Vorbild für unseren Lebens- und Glaubensweg  [1]

1 Wenn ein Großer dieser Welt stirbt
  • Herrscht in den Reaktionsräumen der Medien hektische Aktivität. Die Neugierde der Leser, Hörer und Zuschauer verlangt schnelle Information über die letzten Stunden des Verstorbenen, einen Überblick über seine Gesamtkarriere und schließlich einen Kommentar, der das Wesen und die Lebensleistung dieses Menschen knapp und treffend darstellt.
  • Die Karfreitagsliturgie ist von anderer Qualität. Sie geschieht vor dem Angesicht Gottes, der jeden Menschen bis auf den Grund seines Wesens kennt. Vor ihm gehen wir hörend die letzten Tage und Stunden im irdischen Leben Jesu mit.
  • Der Hebräerbrief - geschrieben für judenchristliche Gemeinden in Ägypten - ist der Versuch eine Formel für das Leben und Sterben des Jesus von Nazareth zu finden.
  • Der Hebr unterscheidet sich freilich von den heute üblichen Nachrufen. Nicht, was Jesus aus den Menschen heraushebt, ist ihm wichtig, sondern was ihn mit ihnen mit uns verbindet.
  • Die Lesung will helfen, das Leiden und Sterben Jesu als Vorbild für unseren Lebens- und Glaubensweg anzunehmen. Es geht ihm darum - und damit sind wir beim Thema der Predigt:
 
2 Die Passionsgeschichte mit bereitem Herzen aufzunehmen
Der Hebräerbrief verkündet
2.1 Jesus ist »unser erhabener Hohepriester«.
  • Der Hohepriester war im Alten Bund die höchste religiöse Autorität des Volkes Israel. Er allein durfte einmal im Jahr am großen Versöhnungstag das Allerheiligste betreten, um das Weihrauchopfer darzubringen und die Bundeslade mit dem Blut der Opfertiere zu besprengen. Auf diese Weise wurde das Volk vor Gott entsühnt. Niemand sonst durfte mit hineingehen. Hinter dem geschlossenen Vorhang vollzog sich das Tun des Hohenpriesters.
  •          Nach urchristlicher Überzeugung hat die Auferstehung Jesu die Situation des Menschen vor Gott radikal gewandelt. Sie hat Jesus als den Messias ausgewiesen. Gott hat sein Volk heimgesucht[2] und ihm machtvoll den Weg des Heils eröffnet.
  •          Der Hebr stellt die Gestalt Jesus den vermeintlichen letztlich aber ohnmächtigen Heilsmittlern des Alten Bundes gegenüber. Jesus Christus erweist sich erhabener als alle Engel[3], mit größerer Autorität ausgestattet als Mose[4] und steht als eigentlicher und einziger Hohepriester über jedem Hohenpriester des alten Bundes[5], der ja der Erfüllung durch den neuen Bund bedurfte[6].
 Wie wird Jesus unser Hohepriester?
2.2 Im Festhalten an dem Bekenntnis
  • „Jesus, du bist der Messias der Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat.“
  •          Die angesprochene Gemeinde und wir werden zum Bekenntnis ermuntert. Nur wer es ausspricht, hat ihn als Hoherpriester. Dieses immer wieder zu erneuernde Bekenntnis bewahrt uns davor, unsere jenseitige Zukunft aus den Augen zu verlieren, im Alltagskampf des Lebens lau zu werden und zu resignieren.
         So fragen wir uns heute oder werden von anderen gefragt:
2.2.1 Wer ist Jesus Christus?
  • Die Evangelien und auch die Passion schildern ihn nicht nur als besonderen Menschen, sondern auch als den menschgewordenen Sohn Gottes. Er allein hat den unmittelbaren Zugang zu Gott. "Er hat die Himmel durchschritten."
  • Aufgrund dieser Zugehörigkeit sowohl zum göttlichen wie zum menschlichen Bereich wird Jesus befähigt zum Mittler. Er ist die Klammer, die Gott und Mensch, Himmel und Erde, Jenseits und Diesseits zusammenhält und miteinander versöhnt. Als wahrer Mensch ist
2.2.2 Jesus mitfühlend und mitleidend
  •          Trotz seiner unbezweifelten Jenseitigkeit ist er ein Mensch, der ein Herz hat für den, der die Anfechtung des Glaubens erfährt. Er kann mit unserer Schwäche mitfühlen, weil er selber der Versuchung ausgesetzt war, aber nicht gesündigt hat.
  •          Er hat dies aber nicht auf sich genommen, damit wir nicht mehr in Versuchung kämen, sondern damit wir die Versuchung bestehen.
2.2.3 Jesus eröffnet den Zugang zu Gott
  •          Darum kann und soll jeder im Glauben Angefochtene "freimütig zum Thron der Gnade hinzutreten“. Unter dem »Thron der Gnade« ist wohl den Thron Gottes zu verstehen, der - vergleichbar dem Allerheiligsten des Tempels - im Zentrum der Himmel ist. Wie der atl. Hohepriester das Allerheiligste stellvertretend für das ganze Volk einmal im Jahr am Großen Versöhnungstag betrat[7], hat jetzt Jesus das innerste Heiligtum Gottes durch seinen Tod und seine Auferstehung stellvertretend für alle Glaubenden betreten[8].
  •          Wir können also wirklich durch ihn zum »Thron der Gnade« gelangen, und von da her »Barmherzigkeit« und »Gnade« empfangen, die »zur rechten Zeit«, bevor die Anfechtung zu Abfall und Sünde wird, Hilfe bringt. Der aktuellen Not, die den Glaubenden bedrängt, begegnet Gottes Macht, wenn nur der durch Jesus eröffnete Zugang zu Gott genutzt wird.
  •          Von der gegenwärtigen Situation, die durch die erreichte Vollendung des Hohenpriesters Jesus geschaffen wurde, gleitet der Blick der Lesung zurück in das irdische Leben des Jesus von Nazaret, auf
2.3 Weg und Vollendung des Hohenpriesters Jesus
2.3.1 Jesus lebt das irdische Leben mit uns
  • In einem Lied singen wir: "Jesu lebt unser Leben. Jesus trug unsre Sünden. Jesus starb unsern Tod. Gott hat ein Herz für den Menschen. Jesus ist einer von uns." [9] Ganz Mensch konnte er mitfühlen mit unserer Schwäche. Er war im Innersten erschüttert und erregt als er Maria über den Tod ihres Bruders Lazarus weinen sah.[10] Er weinte am Grab seines Freundes.
  • Er ist "im Innersten erschüttert" als er vor seinen Jüngern sagt: Amen, amen, das sage ich euch: "Einer von euch wird mich verraten." [11] Zorn ergriff ihn als die Schriftgelehrten und Pharisäer ihn anfeindeten, weil er am Sabbat heilte: „Und er sah sie der Reihe nach an, voll Zorn und Trauer über ihr verstocktes Herz...“ [12] Als er näher kam und die Stadt Jerusalem vor sich liegen sah, „weinte er über sie.“[13]  Jesus lebt das irdische Leben in seinen Höhen und Tiefen mit uns.
2.3.2 Jesus lernt betend Gott gehorsam zu werden
  • Der entschiedene Grundzug Jesus ist fraglos der Gehorsam, der im Todesleiden seinen Höhepunkt erreicht und sich vorbildhaft für den Christen bewährt. Dieser Gehorsam empfängt seine Kraft in der Verbundenheit mit dem Vater im Gebet. Dieses war intensiv und lebensnah. "Er hat mit lautem Schreien und unter Tränen Gebet und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte." Seine in existenzieller Not vorgebrachten Bitten brachten ihm trotz der scheinbaren Erfolglosigkeit die "Erhörung aus seiner Not." [14]
  • Die Frucht seines Betens war die Gewissheit, dass Gott ihn aus dem Tod retten wird. Dieser Jesus ist nicht aus dem Tod errettet worden, sondern ist gestorben, wie jeder von uns sterben muss. Er hat geweint, weil er wirklich an unserer Stelle stand und nicht nur von oben her - aus sicherer Position heraus - für uns Partei ergriff.
  • Er hat nicht geweint, damit wir nicht mehr zu weinen brauchten, sondern weil wir als Menschen weinen müssen. Er ist nicht für uns gestorben, damit wir nicht mehr zu sterben brauchten, sondern damit wir in ihm und mit ihm zu sterben verstünden.
2.3.3 Jesus - der Mittler zwischen Gott und den Menschen
  • "Obwohl er der Sohn war, hat er aus den Leiden den Gehorsam gelernt."
  • Er »hat die Himmel durchschritten« [15] nicht nachdem, sondern indem er wie wir lebte und starb. Sein Priestertum besteht nicht darin, daß er etwas tat, was keiner außer ihm tun kann, sondern was »alle, die ihm gehorchen« [16] mit ihm und nach ihm tun können.
  • Jesu Mittlerschaft hat keine mittlere Ebene, keine trennende Zwischeninstanz zwischen Gott und den Menschen eingerichtet, sondern gerade die Unmittelbarkeit der Beziehung zwischen Gott und den Menschen begründet.
  • Der Vorhang, durch den er in das ungeschaffene Heiligtum Gottes eingetreten ist[17], ist nicht wie beim Hohenpriester hinter ihm zugeschlagen, so daß das Volk draußen bleiben müsste; sein Priestertum macht vielmehr das ganze Volk zu Priestern. Seine Mittlerschaft schafft Unmittelbarkeit: seither können wir alle in ihm zu Gott -Vater- sagen.
3 Mit Jesus Gott lobpreisend zur Vollendung gelangen
  •          Jesus ist dem Vater gehorchend durch Kreuz, Leid und Tod zur Vollendung gelangt. Darum bekennen wir uns zu ihm dem »erhabenen Hohenpriester, die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes«. Am Bekenntnis festhalten heißt also nicht nur an den Glaubensartikeln, sondern am lebendigen Lobpreis Gottes in der Gemeinde festhalten[18].
  •           Wer sich so zu Jesus bekennt, kann mit Mut, mit großer Sicherheit und Freude zu dem »Thron« hintreten, von dem nicht gesagt wird, wer auf ihm sitzt, weil niemand Gott je gesehen hat als der Sohn[19]. Wer an diesem Bekenntnis festhält, darf die Zuversicht haben, daß ihm von diesem Thron her im richtigen Augenblick das Wohlwollen und die Barmherzigkeit Gottes zuteil wird[20].
  •          Denn Jesus Christus ist für alle, die sich zu ihm bekennen, der Urheber des ewigen Heils. Sein letztes Wort am Kreuz bewahrheitet sich "Es ist vollbracht!"

Arbeitshilfe: Kahlefeld / Knoch, Die Episteln und Evangelien der Sonn- und Festtage, Bd 7 „Die Episteln“ II  Aschermittwoch bis Ostersonntag, Lesejahr C S.180 - 188, Verlag Josef Knecht - Kathol. Bibelwerk
[1] Homilie nach der .Lesung zu Hebr 4, 14-16; 5, 7-9
[2] Lk 1,68
[3] CC 1-2
[4] C 3
[5] Hebr 4,14 8,7
[6] Hebr 8,8 – 9,28
[7] vgl. 9,7 bzw. Ex 30, 10; Lv 16, 2. 14f
[8] Hebr 9,11-15
[9] GL 552/2
[10] Joh 11,33
[11] Joh 13,21
[12]  Mk 3,5
[13] Lk 19,41
[14] vgl Hebr 5,7
[15] Hebr 4,14
[16] 5,9
[17] vgl 9,11f.
[18] W.Stählin
[19] Joh 1,18
[20] Hebr 4,16

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