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Lesejahr 2013 (C)

Homilie zuLk 13,1-9 in der Sonntagabendmesse in St. Michael Neunkirchen

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Ist Leid Sündenschuld oder Strafe? 1
1. Die Frage nach dem Warum?
  • Die Frage nach dem Warum stellt sich fast immer, wenn Schicksalsschläge, Unfälle oder schwere Krankheit über uns kommen. Nochmehr wenn mit uns durch Liebe und Freundschaft verbundene Menschen durch das Verschulden Dritter verletzt oder getötet wurden.
  • Als Frage und Anklage zugleich wird es aus den Verletzten und Hinterbliebenen herausbrechen: Warum gerade ich? Warum gerade der von mir geliebte Mensch? Womit habe ich das verdient? Was habe ich denn Böses getan?
  • Es gibt das Leid, das aus Hass und Bosheit geschieht, aus der Gier nach dem Bösen. Es gibt Krankheiten und Leiden, die ihren Ursprung in falscher Ernährung und einem ungesunden Lebensstil haben, durch einen Gen-Defekt verursacht sind oder aus unserer gebrechlichen Natur kommen.
  • Es gibt auch das Leid, das seinen Ursprung in der Sünde hat. Davon niedergedrückt betet ein Einsichtiger im Psalm 40 „Denn Leiden ohne Zahl umfangen mich - meine Sünden holen mich ein - ich vermag nicht mehr aufzusehen.“[2]
  •  Angesichts lebensbedrohlicher Krankheit singt ein Frommer – nach der Weise Krankheit – „Herr, du Gott meines Heils, zu dir schreie ich am Tag und bei Nacht. Lass mein Gebet zu dir dringen, wende dein Ohr meinem Flehen zu; Denn meine Seele ist gesättigt mit Leid, mein Leben ist dem Totenreich nahe.“[3]
  • Die Frage nach dem Sinn des Leidens ist uralt. In den ersten Sätzen des heutigen Evangeliums spricht Jesus zwei Ereignisse an, die damals die Gemüter stark bewegten:
  • - Die Ermordung galiläischer Pilger durch Pontius Pilatus diente offenbar der Einschüchterung. Er wollte damit deutlich machen, wer im Lande die Macht besitzt und wen das Volk als Gott zu verehren hätte - den Kaiser in Rom.
- Dann der Tod von 18 Passanten beim Einsturz des Jerusalemer Stadtturmes am Schiloach. Sie traf das Unglück, weil sie gerade zum Zeitpunkt des Einsturzes an dem Turm vorbei gingen.
  • Die Zeitgenossen Jesu fragten sich: Warum hat gerade diese Menschen so ein schreckliches Los getroffen? Die einen bei dem frommen Unternehmen der Tempelwallfahrt, die anderen als zufällige Passanten.
  • Auch wir fragen: Warum müssen immer wieder unschuldige Menschen sterben, weil sie gerade zu der Zeit unterwegs waren, als ein Geisterfahrer auf der Autobahn in die falsche Richtung fuhr?
2. Ist alles Leid Sündenschuld oder Sündenstrafe?

  • Diese Frage hat die Menschen schon immer beschäftigt. In vielen Kulturkreisen, so z.B. im Bereich des Islam ist man der Ansicht hinter jedem Leid steckt eine Schuld - ist letztlich Strafe. Auch die jüdischen Zeitgenossen Jesu dachten so.
  • Stand es nicht auch früher bei uns im Katechismus. „Gott belohnt die Guten und bestraft die Bösen?“ Auch Paulus spricht heute in der Lesung davon, Gott ließ die von der Gier beherrschten und murrenden Israeliten in der Wüste umkommen. Er entzog ihnen seinen Schutz. Paulus sagt aber im gleichen Atemzug „uns zur Warnung wurde dies aufgeschrieben“. „Wer also zu stehen meint, der gebe acht, dass er nicht fällt.“ [4]
  • Es gibt auch die Erfahrung, dass Menschen, die sich nicht um Gott kümmern, sich nicht an seine Gebote halten, dennoch Erfolg im Leben haben und vor Gesundheit nur so strotzen.
  • Während andere, die Gott ihr Leben lang gedient, sich an seine Gebote gehalten und Gutes getan haben, von Krankheit und Leid heimgesucht werden. Oder denken wir an die Christen im Irak oder in Nigeria, die bei der Feier der Heiligen Messe von muslimischen Terroristen umgebracht wurden.
  • Schon in der Gestalt des nach seiner Überzeugung unschuldig leidenden Dulders Ijob setzt sich das Alte Testament damit auseinander. Ijob, von Gott angesprochen, muss es aufgeben mit Gott zu rechten. Er sagt: “Siehe, ich bin zu gering. Was kann ich dir erwidern? Ich lege meine Hand auf meinen Mund.“ [5] Bleibt also nur ohnmächtiges Schweigen?
3 Die Sicht Jesu Ist anders als die seiner Glaubens- und Zeitgenossen.
  • Ja, seine Antwort ist scharf. Zweimal sagt er angesichts der erschütternden Vorkommnisse seiner Tage: „Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.“ Das Evangelium Jesus verlangt also ein radikales Umdenken.
  • Jesu Wort und Handeln macht klar: Das Gottes Reich steht vor der Tür, ja ist durch ihn gegenwärtig. „Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen.“[6]
  • Wenn Gott bei den Menschen anklopft, dann erscheint jedes Grübeln darüber, wie sich ein bestimmtes Tun auf das persönliche Glück oder Unglück auswirkt, überflüssig und kleinlich.
  • Es geht vielmehr um die bedingungslose Hinwendung zu diesem Reich Gottes. Es geht einzig darum, dass Gott in uns und bei uns regiert. Wer sich darum bemüht, der braucht nicht mehr zu berechnen, ob sich sein Tun in erfahrbares Glück ummünzt. Er ist gerettet, ganz gleich was ihm in diesem irdischen und vergänglichen Leben zustößt.
  • Jesus vertritt mit Vehemenz die Ansicht:  Wir können am irdischen Schicksal eines Menschen nicht ablesen wie Gott zu ihm steht.
  • Er ist vielmehr fest davon überzeugt, dass Gott uns alle überaus geduldig und gut behandelt. Der Jerusalemer Stadtturm, der bei seinem Einsturz 18 Passanten erschlug, hätte eigentlich alle Bewohner Jerusalems erschlagen müssen, wenn es gerecht zugehen sollte. Damit vertieft Jesus die Betroffenheit seiner Zuhörer.
  • Er lässt nicht zu, dass sie sich durch den Vorwand, die anderen seien eben Sünder und deshalb an ihrem Schicksal selbst schuld, beruhigen und in eine selbstgefällige Ruhe zurückkehren.
  • Jesus wendet das Schicksal der Umgekommenen auf alle an: wer nicht den Mut hat, sich zu bekehren, der wird das Reich Gottes verpassen, er wird um alles, um das ewige Leben kommen. Ganz gleich, ob er durch einen Terrorakt, durch einen Unfall, durch eine schwere Krankheit oder an Altersschwäche stirbt. So macht Jesus deutlich:
4. Die letzten Ursachen von Leid und Tod sind vom Menschen nicht zu durchschauen.
  • Der Verschonte darf sich nicht besser vorkommen als der Heimgesuchte. Jeder ist von der Botschaft Gottes, die Jesus ausrichtet, zur Umkehr des Herzens und der Gesinnung aufgerufen.
  • Das Gleichnis vom Feigenbaum schärft die Dringlichkeit der Bekehrung ein.[7] Es gibt einen, der von uns Rechenschaft fordert, der die Taten des Menschen sieht und bewertet. Und der Tag der endgültigen Abrechnung rückt unaufhaltsam näher.
  • Nicht einmal ein Augenblick trennt uns von Leben und Tod, von Zeit und Ewigkeit, wie uns der tragische Tod durch Terror, Naturkatastrophen, Unfällen oder Herzinfarkt bewusst macht.
  • Keiner kann so tun, als ginge ihm dies nichts an. Wer solche Herausforderung bequem und gleichgültig missachtet, ist drauf und dran, alles zu verspielen.
Und doch zeigt uns diese ernste Aussage auch
5. Die Güte Gottes, die uns in Jesus entgegenleuchtet

  • Der Weingärtner macht sich zum Anwalt des unfruchtbaren Baumes. Er bittet um Aufschub des Urteils; denn er hat noch Hoffnung, den Baum durch besondere Pflege zum Blühen und Fruchttragen zu bringen. Hier wird die Gesinnung Jesu deutlich, der gesagt hat:  “Ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten.” [8]
  • Seinen Jüngern hat Jesus ausdrücklich das Richten anderer untersagt. Jesus ist unser Anwalt beim Vater. Aber er ist es auch, der uns zur Umkehr ruft. Richtet euer Leben nach dem Meinen aus! Darum geht es in dieser österlichen Bußzeit.
  • Harte Schicksale anderer Menschen sind nicht dazu da, nach persönlicher Schuld der Betroffenen zu fragen, sondern sie zeigen auf uns, auf dich, auf mich. Sie fragen: Könntest du von einem Augenblick zum anderen vor deinen Gott hintreten? Regiert er so in und bei dir, dass du schon als Sterblicher in seinem Reich bist?
  • Wir können unser Schicksal, das was uns geschickt ist, nicht durchschauen. Erst am Ende vor dem Angesicht Gottes wird sich alles aufklären. Aber noch leben wir im Glauben nicht im Schauen.[9]
  • Allein der Glaube hilft uns das Schicksal unseres Lebens mutig zu tragen. Jesus geht uns dabei voran. Er rennt nicht blind in seine Passion, sondern er tut es mit wachen Sinnen, wissend dass dies der Wille des Vaters ist.
  • Ein schweres Schicksal hat Gott ihm auferlegt. Zwischen Verbrechern wird er am Holz der Schande enden. Durch seine Auferweckung von den Toten macht Gott uns Mut, daran zu glauben, dass er der ICH-BIN-DA ist.
6. Gott ist der Ich bin da
  • Darum hat es einen Sinn, ein schweres Schicksal zu tragen und auszuhalten. Schon im Psalm 23 ist dies ausgesprochen “Und muss ich auch wandern in finsterer Schlucht - ich fürchte kein Unheil - denn du bist bei mir. Dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.” [10]
  • Dieser Glaube macht Gott nicht kontrollierbar. Aber er lässt erfahren, dass Gott uns auch im Unglück nahe ist. Er war seinem Volk Israel auch in seinem Unglück, in der Knechtschaft Ägyptens nahe.
  • Dem Mose hat er sich im brennenden Dornbusch als der ICH-BIN-DA geoffenbart.[11] Der Dornbusch, der brennt und doch nicht verbrennt, ist ein Zeichen, dass Gottes lichtvolle vor Liebe brennende Gegenwart nie aufhört.

[1] 1. L Ex 3,1–8a.13–15; 2. L 1 Kor 10,1–6.10–12; Ev Lk 13,1–9
[2] Ps 40,13a
[3] Ps 88,2-4
[4] vgl 1 Kor 10,5-6.10-12
[5] Ijob 40,4
[6] LK 11,20
[7] Lk 13,1-9
[8] Joh 12,47
[9] 2 Kor 5,7
[10] Ps 23,4
[11] Ex 3,2
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