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2008 (A) Osterzeit

Homilie am 4. Ostersonntag zu Joh 10,1-10 in der Sonntagvorabendmesse in St. Michael Neunkirchen/Br.

===>> Biblische und liturgische Texte des 4. Ostersonntags (A)
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Jesus - die Tür zu den Schafen[1]
Bald beginnen bei uns die Bäume zu blühen,

  • Pflaumen-, Zwetschgen- und Kirschbäume. Irgendwann hat sie jemand an diesem ganz bestimmten Platz gepflanzt. Seitdem blühen sie Jahr für Jahr und bringen ihre Frucht. Wie gut, daß sie jemand gepflanzt hat, an diesem Platz. Sie sind uns ein Bild für die schöpferische Liebe des Vaters im Himmel, seines Leben schaffenden Wortes und der Menschen, die an Gottes Schöpfung mitarbeiten.

»Wo Gott dich hingesät hat, da sollst du blühen«. So lautet ein afrikanisches Sprichwort.

Jeder von uns ist ein Samenkorn Gottes.
  • Für jeden von uns ist von Gott ein Platz ausgesucht, wo er uns hinsät und wo wir blühen und Frucht bringen sollen. Die Bäume, die wir Menschen pflanzen, wissen wo sie hingesät sind, blühen und Frucht bringen sollen. Ob wir es auch wissen? Zunächst ist unser Platz unser Wohnort. Hier muss sich unser Christsein zuerst verwirklichen und bewähren.
  • Als wir jung waren, ahnten wir nicht, wo uns das Leben, der Beruf einmal hinführt. Wir wussten noch gar nicht, wozu Gott uns brauchen könnte. Auch ich habe nicht geahnt, als ich die Berufung zum Priester spürte, was mir blüht, an welchem Platz ich einmal blühen und Frucht bringen soll.
  • Ich war gerade zur  heiligen Erstkommunion gegangen, da spürte ich den Wunsch in mir, Priester zu werden. Ich wollte Priester werden, um den Menschen beizustehen, zu helfen. Später kam der Wunsch dazu, den Menschen den Weg zu einem sinnvollen Leben, zu Gott zu zeigen.  Und ich bin froh, daß ich diesem Ruf gefolgt bin. Auch wenn die Aufgabe schwer ist und einen nicht selten überfordert.
  • Dabei war mir immer klar, daß Jesus die Tür zu den Menschen ist. Zuerst musste ich also zu ihm gehen, mich von ihm prägen lassen. Nur dann kann ich den Menschen helfen, ihrem Leben, ihrem Heil, ihrer Seligkeit dienen; denn

Jesus ist die Tür zu den Schafen.

  • Leider hat  das Wort "Schaf" heute in den Ohren vieler keinen guten Klang, ja es ist zum Schimpfwort geworden.  Wenn ich zu jemand sage, "du Schaf", dann wird dem anderen das nicht gefallen. Wenn nach fränkischer Art noch die Eigenschaftswörter "dumm" oder "blöd" hinzugefügt werden, dann ist das Wort Schaf vollends verdorben.
  • z.Z. Jesu war das noch ganz anders. Da war die Schafherde der ganze Reichtum des Hirten. Er sorgte für sie, führte sie auf gute Weide und an Wasserquellen, verteidigte sie gegen Räuber und wilde Tiere. Ja, sein Leben setzte er für sie ein. Für die Nacht verbrachte er sie in den Pferch, um sie gegen diese Bedrohungen zu schützen. In der Kälte der Nacht wärmten sie sich gegenseitig und in der Nähe der Tür zu den Schafen schlug der Hirte sein Zelt auf.
  • Da verstehen auch wir modernen Menschen sogar noch, warum Jesus sich als den guten Hirten schlechthin bezeichnet, der sein Leben für seine Schafe einsetzt. Er spricht es mit einem "ICH-BIN-WORT“ aus. Aus ihm hören wir den Name Gottes heraus: "Jahwe = Ich-Bin-Der-Ich-Bin-Da"!
  • Die Schafe sind  ihm so kostbar, so sehr gehört er zu ihnen und sie zu ihm, dass er jedem einen Namen gegeben hat. Er kennt jedes beim Namen, hat zu jedem eine persönliche Beziehung.
  • Bei unserer Taufe hat Gott jeden von uns durch Jesus beim Namen gerufen. Seitdem gehören wir ihm, sind wir seiner Hirtensorge und –liebe anvertraut. Er führt uns, so wie ein Hirt seine Schafe, an jedem Morgen hinaus in die Welt und ins Leben. Immer ist er bei uns und "lässt uns lagern auf grünen Auen und führt uns zum Ruheplatz am Wasser." [2]
  • Wer in einem geistlichen Beruf, wer als Vater und Mutter, als Priester, Diakon, als Ordensfrau oder Ordensmann, als Gemeinde- oder Pastoralreferent, als Katechet oder Katechetin, als Lehrer oder Lehrerin in den Dienst des guten Hirten tritt, der wird sich zuerst von ihm, von seiner Art zu denken und zu leben prägen lassen.
  • Als Hirt oder Hirtin in einem geistlichen oder weltlichen Beruf zu leben und zu wirken, bedeutet immer, sich dem guten Hirten zur Verfügung zu stellen, in seinem Geist den Menschen zu dienen, für sie zu sorgen, sie vor denen zu beschützen, die ihnen an Leib und Seele schaden wollen.
Es ist leider so: Viele steigen seit eh und je in den Schafstall Gottes ein als

Diebe und Räuber.

  • Denken wir nur an die Gewaltherrscher des 20. Jahrhunderts, an den Schlächter Stalin in Russland und Mao in China, die Millionen Menschen liquidieren ließen; Erinnern wir uns an den Schlächter unseres Volkes, Adolf Hitler, der Millionen ausmerzen ließ, nur weil sie dem jüdischen Volk angehörten oder Sintis und Romas waren; Behinderte und psychisch Kranke wurden gnadenlos beseitigt; Millionen als Sklaven und Zwangsarbeiter in den Rüstungsbetrieben der Nazis ausgebeutet, weil man sie als einer minderwertigen Rasse zugehörig abstempelte; Noch wenige Tage vor dem Zusammenbruch des Nazireiches und des Selbstmordes Hitlers ließ dieser seine politischen Gegner umbringen.
  • Denken wir an den Schlächter aus Belgrad Milosewitsch und seine Helfershelfer, die ab 1991 auf dem Balkan ihr grausames Spiel trieben; an die Vergewaltiger und Mörderbanden der arabischen Milizen in Dafur; an die von Heilsversprechen verführten und vom Hass geblendeten Selbtsmordattentäter; an die kleinen Diktatoren, denen wir in unserem Alltag begegnen. Weil sie den Menschen ihre Freiheit und ihr Leben rauben, sagt Jesus von ihnen: "Der Dieb kommt nur, um für sich zu sorgen, zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten."[3]
  • Jesus deckt die Unheilswege all jener "Heilsbringer" auf, denen es um ihre eigene Macht und den eigenen Gewinn geht. An seiner Art mit Gott zu leben und für die Menschen da zu sein und für ihr Heil zu wirken, wird schnell klar, wie ein Mensch beschaffen sein muss, der Zugang zur Führung von Menschen haben soll.
  • Hirt der Menschen kann nur sein, wer "durch die Tür hineingeht", die Jesus ist. Er wird versuchen wie Jesus ganz aus der Liebe des Vaters zu leben, um die Menschen hier und jetzt zur Fülle des Lebens zu führen. Ja er wird alles tun, dass die ihm oder ihr Anvertrauten, das ewige Leben finden, das uns Gott in seinem Reich schenken will. Solche Menschen braucht die Welt nötiger denn je. Solche Menschen braucht der Auferstandene, um seinen Hirtendienst heute fortzusetzen. Jeder von uns ist da gefragt. Ganz gleich in welcher Aufgabe ich lebe und an welchem Platz ich lebe und wirke:

Jeder von uns ist auch ein Schäflein Jesu.

  • Achten wir darauf, ob diejenigen, die um uns oder unser Kinder und Enkel werben, durch die Tür kommen, die Jesus ist. Ob sie in seiner Absicht, in seiner Liebe und Sorge, mit seiner Hingabe und seinem Opfermut kommen, oder ob sie nur ihre Geschäfte oder ihre Macht auf unsere Kosten treiben wollen. Hören und sehen wir genau hin, in welcher Absichten sie leiten: ob ihnen unser irdisches Wohl und unser ewiges Heil am Herzen liegt. Halten wir also folgendes fest:

Gott weckt die Berufungen und lässt sie wachsen,

  • wir aber haben den Boden dafür zu bereiten in unseren Familien und in unserer Gemeinde. Gott ruft durch Jesus und seine Kirche, an uns ist es den Ruf zu hören und anzunehmen, aber auch junge Menschen auf diesen Ruf hinzuweisen. Ein guter Hirte, eine gute Hirtin, kann nur werden, wer durch die Tür geht, die Jesus ist; wer mit lauterer Absicht, also mit der Absicht Jesus für die Menschen, für die Schöpfung Gottes, da sein will.
  • Wenn wir in den nächsten Wochen draußen die Bäume blühen sehen, denken an das Sprichwort aus Afrika,: "Wo Gott dich hingesät hat, da sollst du blühen."[4] Endecke diesen Platz, mache dich auf, ihn zu finden. Jetzt noch, in dieser Stunde, da der gute Hirte uns an seinen Tisch lädt, um sich uns zu schenken, Leben von seinem Leben, Auferstehung von seiner Auferstehung.
  • Damit sind nicht nur Eltern und Großeltern, Priester, Katecheten und Lehrer gemeint. In der Urkirche wird Christus als jugendlicher guter Hirt mit einem Schaf auf der Schulter dargestellt. Auch Jugendliche, ich denke besonders an alle Gefirmten, können für ihre Kameraden und Freunde gute Hirtinnen und Hirten sein, indem sie ihnen beistehen und sie zur Freundschaft mit Jesus ermutigen.
  • In der Kraft Jesu können und dürfen wir uns darauf einlassen. Darum lässt uns der heilige Thomas von Aquin in der Schlussstrophe seines Lobgesangs auf den guten Hirten Jesus singen: „Guter Hirt, du Brot des Lebens, wer dir traut, hofft nicht vergebens, geht getrost durch diese Zeit. Die du hier zu Tisch geladen, ruf auch dort zum Mahl der Gnaden in des Vaters Herrlichkeit.“ Ja es ist wahr:  "Die Eucharistie, ist die Quelle jeder Berufung und jedes Dienstes in der Kirche".


[1] Homilie zu Joh 10,1-10
[2] Ps 23,2
[3] Joh 10,10
[4] Leitwort des Welttags für Geistl. Berufe 2005

 

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