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Predigten

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2008 (A)

Homilie am 28.Sonntag (A) zu Mt 22,1-14 in der Sonntag Vorabendmesse in St. Michael und am Sonntag in Rödlas

 Eintritt nur im Festgewand[1]
1) Respekt- und gedankenlos

Stellen Sie sich vor: Da kommt einer zu einem Fest, etwa zu einer Hochzeit, in Stallkluft, im Monteuranzug ungewaschen ungekämmt. Er kommt nicht deshalb so, weil er arm ist und nichts weiter besitzt, sondern aus Trotz, aus mangelndem Respekt oder aus Gedankenlosigkeit.
  • Sein Protest, seine Respekt- und Gedankenlosigkeit zeigen, daß er weder die Einladung zu schätzen weiß noch in freudiger Erwartung ist. Im heutigen Evangelium ist die Reaktion des Einladenden heftig.
  •  Der König befiehlt seinen Dienern: "Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis."[2] Gott will, daß wir seine Einladung annehmen, aber er will auch, daß wir im Festgewand kommen. Paulus mahnt die Galater "Täuscht euch nicht. Gott lässt seiner nicht spotten."[3]

2) Das seelsorgerliche Interesse des Evangelisten

Matthäus will nicht nur Berichterstatter sein. Er schreibt sein Evangelium auch mit seelsorgerlichem Interesse. Er will im heutigen Evangelium nicht nur zwei von Jesus erzählte und von der Urgemeinde mündlich überlieferte Gleichnisse wiedergeben. Vielmehr will Er durch die Art, wie er die beiden Erzählungen miteinander verbindet und wie er bestimmte Akzente setzt, als Seelsorger bei seinen Hörern wirken.
  • Das erste Gleichnis vom König, der viele Gäste zum Hochzeitsmahl seines Sohnes einlädt und von den Eingeladenen beleidigt und alleingelassen wird, können den christlichen Glauben praktizierende Christen damals wie heute mit Beruhigung lesen.
  • Wir erkennen, daß in dieser Bilderzählung von Juden die Rede ist, die Gottes Einladung zum Heil, zum Reich Gottes, ausgeschlagen und Jesus, den Gottes- und Königssohn, verworfen haben.
  • Wir erkennen ferner, daß mit den Leuten von der Straße, die schließlich die Plätze der Erstgeladenen einnehmen dürfen, wir selbst gemeint sind. Dafür sind wir dankbar und preisen Gott.
  • Aber manche Christen zur Zeit des Matthäus zogen wohl auch Vergleiche zu den undankbaren Israeliten und sagten sich. „Wir sind besser als die Kinder des auserwählten Volkes. Wir haben den Ruf der Stunde erkannt. Wir haben die Boten gehört, die Gott uns geschickt hat und sind ihrem Ruf gefolgt. Wir haben keine Aufgaben und wichtige Geschäfte vorgeschützt, als uns Gottes Einladung erreichte. Wir sind ihr freudig gefolgt. Und so sitzen wir mit Recht an der festlichen Tafel des Heils und fühlen uns mit Recht als Tisch und Hausgenossen Gottes.“
Auch wir, die wir zum Gottesdienst kommen, mit der Kirche leben, beten, also unseren Glauben praktizieren, könnten versucht sein, ähnlich zu denken und zu reden.
  • Matthäus ist über solche Heilssicherheit nicht erbaut. Deshalb fügt er dem Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl eine zweite Geschichte an. Mit dieser möchte er die bei den Adressaten seines Evangeliums anzutreffende Fehlhaltung korrigieren. Er will deutlich machen,

3) Gottes Einladung hat Konsequenzen.

Wir sollten uns bei der Episode vom Gast ohne Feiergewand nicht mit der Frage aufhalten: Woher haben die Gäste, die da von der Straße geholt wurden, ihre Festkleider erhalten, und worin besteht die Schuld dessen, der ohne Hochzeitsgewand angetroffen wird?
  • Dem Evangelisten geht es um etwas anderes, Er will seine Christen und uns alle darauf hinweisen, daß es mit dem Eintritt in den Königspalast, d.h. in die Kirche, in die christliche Gemeinde nicht getan ist.
  • Wer Gottes Einladung vernommen und an seinem Tisch Platz gefunden hat, ist damit nicht schon seines Heiles gewiss. Nicht jeder, der sich Christ nennt und mit anderen zusammen feiert, verdient diesen Namen. Zum Christsein gehören mehr als die Aufnahme in eine Gemeinde und das Brechen des Brotes am Tisch des Herrn.
  • Christsein verlangt ein Leben aus dem Glauben, ein Leben nach den Grundsätzen des Evangeliums. Der echte Jünger hat den alten Menschen ausgezogen und einen neuen angezogen, ja er hat - nach einem Wort des heiligen Paulus im Galaterbrief - "Christus als Gewand angelegt."[4]
  • Bei jeder Taufe wird das sichtbar gemacht. Wir ziehen dem Neugetauften ein festliches, weißes Kleid an. Dabei sagen wir dem Täufling: „Das weiße Kleid soll dir ein Zeichen dafür sein, daß du in der Taufe neugeschaffen worden bist und wie die Schrift sagt, Christus angezogen hast. Bewahre diese Würde für das ewige Leben.“
  • Bei der Erstkommunion sollen die Kinder bewusst erfahren, was in der Taufe mit ihnen geschehen ist. Die weißen Kleider und die festlichen Anzüge wollen sie daran erinnern, dass sie in der Taufe Christus als Gewand angezogen haben. Darüber ist im Religionsunterricht und daheim mit den Kindern zu sprechen.

4 Was ist mit dem Festgewand gemeint?

 Dieses "neue Gewand" ist keine Sache, die man ein für allemal hat wie ein sicheres Besitztum. Es hängt nicht im Kleiderschrank wo wir es am Sonntag herausholen und anziehen. Es ist vielmehr ein Bild für eine Lebenshaltung, die täglich neu erworben und gelebt werden muss.
Der uns zum Hochzeitsmahl des ewigen Lebens einladende Herr will uns durch diese ernste Geschichte die Augen öffnen.
  • Wir sollen den aus unserer widerspenstigen Natur kommenden Egoismus überwinden und die Selbstlosigkeit Jesu annehmen. Die ganze Woche über habe ich Zeit in Familie und Beruf an meinem hochzeitlichen Gewand zu arbeiten.
  • Ich werde mich bemühen, wie Jesus zur Ehre Gottes meine Arbeit und meine Aufgaben zu verrichten. Ich werde versuchen wie ER für Gott und für die Brüder und Schwestern da zu sein, mein Bestes zu geben.
  • Für den König des Gleichnisses, für Gott ist es nicht allein entscheidend, ob ein Mensch seiner Einladung gefolgt ist und in den Festsaal gekommen ist. Es kann einer in der Runde der Festgäste sitzen, ohne daß er eigentlich dazugehört.
Für Gott ist vor allem wichtig, ob ich mit dem »Gewand Christi« bekleidet bin, „an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilhabe“[5];
  • Diese Haltung muss ich täglich neu erwerben, weil sie täglich verloren gehen kann. Ich werde daher am Beginn des Tages Gott bitten „Hilf mir heute meine selbstsüchtige Natur zu überwinden und mich zur Liebe und Selbstlosigkeit Christi zu bekehren.“

Wer den Herrn darum bittet wird wie Paulus erfahren: „Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt.“ [6]

  • Die Frage, die sich jeder von uns immer wieder stellen muss, heißt: Kann ich vor dem Urteil des allwissenden und allmächtigen Gottes bestehen?
  • Bemühe ich mich täglich vom Geist Christi durchdrungen zu sein? Kann man davon in meinem Alltag etwas spüren?
  • Bin ich von seiner Gnade überkleidet, so daß Gott mich als Glied seiner Familie, als Tisch- und Hausgenosse erkennen kann?
  • Was muss ich in meinem Leben und Verhalten ändern, damit im Festgewand vor ihm erscheinen kann?


[1] Mt 22,1-14
[2] Mt 22,13
[3] Gal 6,7
[4] Gal 3,27
[5] Röm 8,29
[6] Phil 4,13

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