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2008 (A)

Homilie zu Röm 8,35 - 39 am 18.Sonntag um 10 Uhr im Pfarrgottesdienst in St. Michael Neunkirchen

===>> Biblische und liturgische Texte des 18.Sonntags (A)
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Bedrohte Existenz gehalten von der Liebe Gottes
Bedrohte Existenz gehalten von der Liebe Gottes
Nichts kann uns trennen von der Liebe Christi

Der Glaube ist keine irdische Lebensversicherung

Der Glaube an den Gott Israels, den Gott und Vater Jesu Christi, das Jünger- und Jüngerinnensein bei Jesus, dem Messias Gottes, enthebt uns nicht der Realität des Lebens.
Wer durch seinen Glauben und durch die Taufe zu Christus gehört, ist damit nicht aus der Welt herausgenommen. Auf vielfache Weise ist er mit der Schöpfung, mit dem "Stirb und Werde" und mit der Geschichte verflochten, daher auch vielfach bedroht durch Mächte „aus der Tiefe und aus der Höhe“, wie Paulus in der Lesung aus dem Römerbrief sagt.[1]
 
  • Diese Mächte sind Legion. Es kann ein Erbeben ein, das die in Erbebengebieten siedelnden Menschen von einer Sekunde auf die andere, um Hab und Gut bringt, und sie unter den Trümmern ihrer Häuser begräbt; es kann eine Flutwelle sein, die tausende von Menschen mit sich reißt, welche die Erfahrungen ihre Vorfahren nicht beachtend an gefährdeten Küsten sich niederließen; Es können schlimme politische Entwicklungen sein, die ganze Völker ins Chaos stürzen; Es können Krankheiten sein, die sich zu Epidemien auswachsen und Siechtum und Tod bringen.

  • Oft sind die Menschen selbst schuld, wenn die Dämme des Guten brechen und die Unmenschlichkeit sich in den Herzen und Hirnen festsetzt.
  • Vorgeburtliche Untersuchungen sollen feststellen, ob das erwartete Kind behindert ist oder ob es gesund zur Welt kommt. Schon bei Verdacht auf eine Behinderung soll der Arzt zur Abtreibung raten. Tut er es nicht, droht ihm eine Schadenersatzklage der Eltern. Eltern, die ja sagen zu einem behinderten Kind, geraten unter massivem gesellschaftlichen Druck. „Warum habt ihr nicht abgetrieben?“ wirft man ihnen vor. Für alle Behinderten ist dieses um sich greifende Denken eine schlimme Belastung. Menschen, die behindertenfeindlich denken, trennen sich von der Liebe Christi.

Dammbrüche zu menschen- und schöpfungsfeindlichen Verhalten

können wir nicht immer verhindern, aber wir müssen es versuchen. Wie Jesus sollen wir mithelfen, dass Hunger und Krankheit, Versklavung und Unfreiheit, Mord und Abtreibung, Betrug und Bestechung überwunden werden. Aber wir dürfen dabei niemals drohendes Leid durch neues Leid abwehren.
  • Der Deutsche Bundestag hat vor wenigen Wochen ein Beispiel dafür geliefert. Der Antrag der CDU/CSU Spätabtreibungen gesetzlich zu verhindern, wurde von allen anderen Parteien von der FDP, der SPD, den Grünen und der Linkspartei abgelehnt. Sie argumentierten damit, dass sonst »das Selbstbestimmungsrecht der Frau« geschmälert würde.
  • Darf ein Mensch, das außerhalb des Mutterleibes schon lebensfähige Kind töten oder töten lassen, indem er sich auf sein Selbstbestimmungsrecht beruft? Wohin bewegt sich eine Gesellschaft, die mein Selbstbestimmungsrecht über das Lebensrecht eines lebensfähigen Kindes stellt? Wollen wir etwa wieder in das Denken der Hitlerdiktatur zurückfallen, die geistig und körperlich behinderte Menschen das Lebensrecht absprechend umbringen ließ?
  • Mein Selbstbestimmungsrecht hört dort auf, wo das Lebensrecht des Anderen beginnt, und Lebensrecht hat jeder Mensch vom ersten Augenblick seines Daseins an. Niemals darf der Christ drohendes Leid durch die Tötung eines wehrlosen Kindes im Mutterleib verhindern. Wenn staatliche Gesetze gegen Gottes Gebot verstoßen, werde ich als Christ sie für mich nicht in Anspruch nehmen; Ich werde vielmehr offen das Unrecht beim Namen nennen. Solche Gesetze können mich nicht von der Liebe Christi trennen.
Die erste Lesung aus dem Propheten Jesaja ermutigt uns an diese Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, zu glauben.


Die Liebe Gottes gibt es gratis

Aber sie wird nur dem erfahrbar zuteil, der sie von ihm erbittet. So sehr achtet Gott unsere Freiheit, dass er zur heiligen Hildegard in einer inneren Schau sagte:"Ich kann nur dem etwas geben, der mich darum bittet."
  • Die 1. Lesung ist auf dem Hintergrund des Babylonischen Exils zu verstehen. Das Volk hatte im Exil zwar genug zu essen, aber es war das Brot der Fremde, ein Brot, „das nicht nährt“, ein armer Ersatz. Der eigentliche Hunger, nach der Nähe des lebendigen Gottes, wurde nicht gestillt.
  • Freilich, da wie dort, in Babylon und anderswo, bietet sich Ersatz an: Fremde Götter, die irdisches Wohlergehen, Bedürfnisbefriedigung gegen klingende Münze anbieten, aber die Sehnsucht des Herzens nach endgültiger Geborgenheit und Fülle des Lebens nicht erfüllen.
  • Der Gott des Bundes, der sich an Israel, und im Neuen Bund an die Jüngerschaft Jesu bindet, lädt ein, sich bei ihm gratis, ohne Bezahlung das zu holen, was den Lebenshunger und den Lebensdurst wirklich stillt. Der Antwortpsalm bestätigt: Wer mit wartenden Augen auf Gott schaut, dem gibt er Speise zur rechten Zeit. Und diese rechte Zeit ist heute, ist jetzt.
Die Liebe Gottes gibt es zwar gratis, aber oft stehen wir Christen dieser Liebe im Weg.

Die Sünden von uns Christen

bedrohen nicht selten den Glauben an die Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist.
  • Die Kirche von Bamberg ist davon gerade schwer betroffen. Ein Mitglied des Bamberger Domkapitels wird des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen verdächtigt. Das ist schlimm, auch wenn die Sache schon Jahrzehnte zurückliegt. Die Diözese ist sofort dem Verdacht nachgegangen. Der Verdacht scheint sich zu bestätigen, wenn auch die Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist.
  • In einer Email schrieb Erzbischof Schick an alle in der Seelsorge hauptamtlich Tätigen: „Den Geschädigten und Betroffenen gilt unsere ganze Sorge. Wir werden im Rahmen des Möglichen und Nötigen alles tun,um zu heilen und zu helfen. Aber auch um unseren Mitbruder sorgen wir uns. Wir möchten die ganze Wahrheit herausfinden und sie auch benennen. Zugleich vergessen wir nicht, wie viel Gutes er in seinem priesterlichen Leben gewirkt hat. Ich möchte Sie bitten, zur Klärung dieses Falls und möglicher weiterer Fälle beizutragen."
  • Seinen Brief schließt der Erzbischof: "Bitte helfen Sie wahrhaftig und sensibel mit, dass Ihre Gemeinden, unsere Gläubigen und alle Menschen mit dieser Situation umgehen können. Wichtig ist dabei vor allem auch das Gebet für die direkt Betroffenen, für die, die jetzt besonders leiden und verunsichert sind, und für unsere ganze Erzdiözese. Ich danke Ihnen für Ihre Mitsorge, für Ihr Mitwirken und für Ihr Mitbeten."
  • Wir alle, Priester und Laien, sind zur Heiligkeit berufen. Durch unsere Sünden aber verdunkeln wir die Zeugniskraft der Kirche. Wir werden dabei nicht pharisäisch verurteilend auf andere deuten, sondern jeder kehre vor der eigenen Tür.
  • Unser Bischof schreibt in seinem Brief: "In dieser für mich und uns sehr schwierigen Situation möchte ich Sie alle daran erinnern. Heiligkeit bedeutet Authentizität, Übereinstimmung von Wort und Tat, leben nach dem Evangelium, handeln wie Jesus gewirkt hat. Das muss unser Maßstab sein. Wir haben unseren pastoralen Dienst zu erfüllen, einzig und allein, damit die Menschen das Leben haben und es in Fülle haben (vgl. Joh 10,10). Die Hochachtung vor jedem Menschen ist die Grundvoraussetzung und unabdingbare Haltung jeder pastoralen Tätigkeit und allen christlichen Lebens."
Es gibt so vieles, was unseren Glauben anfechten kann, was uns an der Liebe Gottes in Christus Jesus zweifeln lässt. Dazu gehören

Persönliche Schicksalsschläge, Krankheit und Tod

Vor allem dann, wenn sie uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel treffen. Paulus kennt die Tiefen des Lebens zugenüge. An den Psalm 43 orientiert spricht er vom Schicksal als Zeuge Christi. "Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat". (V 36)
  • Im V37 gibt er sich und uns die Antwort mit einem feierlichen Siegesspruch. "All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat." Näher am Urtext übersetzt der mich als Theologiestudent tief beeindruckende Exeget Heinrich Schlier diesen Vers. "Doch in alldem triumphieren wir durch den, der uns geliebt hat." Seine Liebe lässt uns auch und gerade in den endzeitlichen Leiden, die wir mit ihm teilen, siegreich sein.
  • Alle griechischen Worte, die Paulus in diesem Zusammenhang verwendet, beginnen mit »hyper«. Damit zeigt er. Hier ist mehr als ein Sieg. Hier ist ein Siegestriumph, weil uns auch der konkrete tägliche Tod nicht aus der Liebe Christi entlässt; wir triumphieren nicht aus unserer Kraft, sondern kraft der Liebe Christi, die uns nie verlässt, kraft dieses absolut Liebenden. Er hält uns mit seiner Liebe fest, und so siegen wir in Leid und Not.
  • Aber es geht nicht nur um das Leid, das wir primär aus der Hand der Menschen empfangen. Es geht auch und zuletzt um die übermächtigen Mächte, die dieses Leben bedrängen und bedrohen. Denn der Mensch erfährt nicht nur - wenn man so sagen darf - geschichtliches Geschick, sondern ist ständig von Himmel und Erde, vom uns umgebenden Kosmos bedroht. Aber auch hierin siegt der Glaubende kraft der Liebe Gottes in Jesus Christus. Paulus spricht im letzten Vers der Lesung seine feste Überzeugung aus:
"Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn."[2]



[1] Schott Lesjahr A Eimleitung der Lesung Röm 8,35-39
[2] Röm 8,38

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