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2008 (A)

Homilie zu Mt 10,26-33 am 12.Sonntag im Jahreskreis in St. Johannes d.Täufer Großenbuch und in der Sonntagvorabendmesse im Altenpflegeheim St. Elisabeth

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 Mit gläubigem Vertrauen „geimpft“

Schutzimpfungen gehören bei uns heute zur Gewohnheit.

  • Sie schützen vor Kinderlähmung, vor den Folgen von Zeckenbissen oder vor schweren Virusgrippen. Solche Impfungen sind empfehlenswert. Aber nicht jeder mag sie. Als Kinder wurden wir gegen Pocken geimpft. Wir durften danach nicht ausgelassen spielen. Das war uns nicht angenehm. Doch unsere Eltern legten Wert darauf. Sie wussten warum.
  • Die Rede vom Impfen hat in unserem Sprachgebrauch jedoch nicht immer eine gute Bedeutung. Wenn gesagt wird, „Den haben wir geimpft!“ dann ist damit handfeste Manipulation gemeint.
  • Sich im guten Sinne impfen zu lassen oder jemanden in gutem Sinne zu impfen, dient jedoch dazu, das Immunsystem des Körpers zu stärken. Im übertragenen Sinne kann damit auch das Immunsystem der Seele gemeint sein.
  • Letzteres will Jesus stärken. Er spricht im Evangelium schützend segnende Worte zu seinen Aposteln, die er gerade aussendet. Insgeheim haben sie sich bestimmt gefragt: Werden wir das Evangelium Jesu glaubwürdig den Leuten überbringen können? Wie sollen wir mit Widerständen umgehen? Werden wir Bedrohungen standhalten können?
  • Jesus redet ihnen Bedenken und Ängste nicht aus. Er zeigt, wie sie diese überwinden können. Er spricht Worte, die sie von innen her stark werden lassen, sie immun machen gegen die Angst.

Jesus impft seine Jünger gegen die übermächtige Angst.

  • Er impft sie gegen die Gefahr, seine befreiende Botschaft von der Liebe Gottes aus dem Herzen zu verlieren. Er impft sie gegen die Bedrohungsängste, die in ihnen durch übel wollende Menschen ausgelöst werden. Er impft sie gegen die Angst, bei diesem Zeugnis für Jesus und sein Evangelium Leib und Leben zu verlieren, den Zeugentod, das Martyrium zu erleiden
Der Wirkstoff des Impfserums heißt: Vertrauen. „Fürchtet euch nicht!" Es ist das Leitwort des heutigen Evangeliums. Die Mahnung zur Furchtlosigkeit erfolgt in drei Stufen:

1 Die erste betrifft die unerschrockene Verkündigung

Sie wird durch einen vierfachen Gegensatz verdeutlicht: verhüllt/offenbar, verborgen/bekannt, Finsternis/Licht, ins Ohr gesagt/auf den Dächern verkündet
  • Jesus will die Jünger ermutigen: Sagt den Menschen, was euch durch mein Evangelium aufgegangen und wertvoll geworden ist. Macht es offenbar. Die Menschen müssen spüren, dass mein Wort euch zu Herzen geht, euerem Leben Sinn und Ziel verleiht. Euere Rede geschehe ohne Zorn und Eifer. Euer Zeugnis für das Evangelium Gottes wird seine Wirkung haben bei Menschen, die sich nach Heil und Befreiung sehnen.
  • Der in Euerem Herzen gewachsene, aber noch verborgene Glaube an den Gott und Vater Jesu Christi, der Liebe und Solidarität ist, muss bekannt gemacht werden. Überall kann dies auch heute geschehen: bei der Mittagspause in der Kantine, im Speisesaal des Altenheims, am Stammtisch oder bei einem Plausch auf dem Gehsteig, beim vertrauten Gespräch in der Familie, bei einem Fest, einem Jubiläum, einer Hochzeit.
  • Zuerst aber muss das Wort Jesu, in mein Ohr und mein Herz gedrungen sein, muss die Freundschaft mit ihm die Finsternis des Unglaubens und des Zweifels in mir vertreiben und mein Herz und meinen Geist erhellen. Dann kann ich es wagen es in aller Öffentlichkeit, »von den Dächern« seine Frohbotschaft zu verkünden.
  • »In direkter Ansprache«, die auch uns gilt, »wird die Jüngerschaft aufgefordert, in das Licht des Tages zu treten und zu verkünden, die Dächer zu besteigen und die Botschaft auszurufen. Die Dächer galten damals als die höchsten, die menschliche Stimme am weitesten tragenden Punkte der Stadt».[1] Heute sind das die Medien. Radio Vatikan und Radio Horeb, oder kirchliche Sendungen im Fernsehen oder im Radio oder Veröffentlichungen im Internet entsprechen dieser Aufforderung Jesu. »Die Aussage Jesu wendet sich klar gegen jede Geheimniskrämerei, Esoterik oder Zurückhaltung der Lehre«, wie es z.B. die jüdische Gemeinschaft von Qumran einige Zeit vor dem öffentlichen Auftreten Jesu pflegte.[2]
Die zweite Stufe in der Mahnung zur Furchtlosigkeit geschieht

2 Angesichts des möglichen Martyriums

Hier erfahren wir, wer es eigentlich ist, den man fürchten muss. Darauf liegt der eigentliche Schwerpunkt des heutigen Evangeliums.
  • In der 1. Lesung begegnet uns der Prophet Jeremia. Wegen seiner Verkündigung im Auftrag Gottes ist er in großer Bedrängnis, ja Todesgefahr. In seiner Bedrängnis aber vertraut er ganz und gar auf Gott: „Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und kommen nicht auf.“[3] Am Schluss preist Jeremia Jahwe, seinen Gott, „der das Leben des Armen,“ der sich ganz auf Gott verlässt, „aus der Hand er Übeltäter rettet.“[4]
  • Im Evangelium sagt Jesus seinen Jüngern: "Fürchtet euch nicht vor den Menschen.“ Sie dürfen wissen, dass das Evangelium göttliche Sprengkraft enthält, wie Paulus es nennt. „Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.“[5]
  • Die Menschen, denen die Jüngergemeinschaft das Evangelium verkünden sollen, haben die Weite und den Glanz der himmlischen Botschaft der Liebe, die bis ans Kreuz und in den Tod mit uns geht, noch nicht ergriffen. Gerade deshalb brauchen sie das furchtlose Beispiel der Jünger und Jüngerinnen, um zu begreifen und verstehen zu können.
  • Fürchten sollen die Jünger/innen allein Gott, der Macht hat über den ganzen Menschen, über seinen Leib und seine Seele, über sein Heil und sein Unheil. Deshalb muss sich der Christ nicht vor denen fürchten, „die zwar den Leib töten, die Seele aber nicht töten können.“[6] Denn das Leben des Jüngers, der Jüngerin ist als Ganzes in der sorgenden und liebenden Macht Gottes geborgen. Darauf haben die Märtyrer aller Jahrhunderte vertraut.
Im heutigen Evangelium richtet sich Jesus in direkten Rede an die Jüngerschaft, also auch an uns, so wir Jünger und Jüngerinnen Jesu sein wollen.
  • Wer die Menschenfurcht überwindet, und nur Gott fürchtet, d.h. ihn als allein tragenden Grund seines Lebens erkennt und annimmt, der – so sagt Jesus - bleibt mit mir und meinem Vater im Himmel lebendig verbunden.
  • Diese Gottesfurcht schenkt die Kraft, vor den Menschen für den Himmel, für die Fülle des Lebens im Reich Gottes, das ewige Leben, einzutreten. Sie eröffnet die Chance, den Menschen den Himmel erspüren zu helfen und sie vom beängstigenden Bösen zu befreien.
  • Deshalb ist es gut, unser Leben nach der Weisung des 1984 in München stattgefunden Katholikentags auszurichten: "Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es in Jesus mit uns lebt." Dieses Wort hat 1944 der von den Nazis ermordete Jesuitenpaters Alfred Delp kurz vor seinem Tod niedergeschrieben. Der dritte und letzte Schritt zur Überwindung der Menschenfurcht ist

3 Die endzeitliche Konsequenz des Verhaltens der Jünger.

Diese lässt nur zwei Möglichkeiten zu: Bekennen oder Verleugnen Jesu.
  • Zunächst geht es um das Bekennen oder Verleugnen vor einem irdischen Richter oder vor der Öffentlichkeit dieser Welt. Immer sollen wir die Zugehörigkeit zu Jesus, unser Jüngersein, frei heraus sagen oder in Abrede stellen. Einen Zwischenweg gibt es nicht. Wer klug ist, wird sich für das in Jesus angebotene absolute Heil Gottes entscheiden und nicht für das Fernsein von Gott, das die Hölle ist.
  • Was jetzt geschieht, wird auch für das endzeitliche Gericht bedeutsam sein. Es wird einmal vor aller Welt offenbar werden, wo und wofür ich im Leben gestanden bin. Es kommt für jeden das Gericht, das Jesus vor seinem Vater durchführt.
  • Die das Martyrium und den Tod überstehende Seele meint die Kontinuität des Menschen in einer Art Zwischenzustand bis zum Jüngsten Gericht, in dem Gott den durch die Auferweckung wiederhergestellten ganzen Menschen vor sein Gericht ziehen wird.
  • Wer in diesem Leben Gott nicht fürchtet und Jesus als Heilsbringer Gottes bewusst leugnet, der muss dieses Gericht fürchten, weil dann der ganze Mensch mit Leib und Seele in der Hölle verderben kann. Wer also bewusst nein sagt zu Jesus und dem Heil, das er von Gott bringt; wer von der Liebe, dem Erbarmen und der Vergebung, die Gott uns schenken will, nichts wissen will, zu dem wird Jesus beim Jüngsten Gericht nein sagen vor seinem Vater im Himmel.[7]
  • Wenn ich mich aber zu Jesus, als den von Gott gesandten Heilbringer bekenne, wenn ich versuche nach seinem Evangelium der Liebe und Hingabe zu leben, dann brauche ich mir keine Sorgen zu machen um meine Zukunft.
Das Wort vom Spatzen, der nicht ohne den Willen Gottes vom Dach fällt, meint, dass wir auch im Getötet werden oder Sterben von der liebenden Sorge Gottes umfangen sind. Wenn schon bei Gott ein Spatz und jedes Haar zählt, dann erst recht der an Jesus Christus glaubende und mit ihm befreundete Mensch. Ich darf also mit der Zusage Jesu leben und sterben: „Wer mich vor den Menschen bekennt, den werde ich auch vor meinem Vater im Himmel bekennen.“[8]


[1] Joachim Gnilka, Das Matthäusevangelium Bd. I S.386 bei Herder 1986
[2] vgl. Joachim Gnilka, ebd.
[3] Jer 20,11
[4] Jer 20,13
[5] 1 Kor 1,18
[6] Mt 10,80
[7] Mt 10,33
[8] Mt 10,32

 

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