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2008 (A) Österliche Bußzeit

Homilie zu Mt 17,1-9 am 2. Fstensonntag in St. Michael Neunkirchen am Brand um 10.00

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Auf den geliebten Sohn Gottes schauen und hören[1]
Die zentrale Botschaft

  • "Das ist mein geliebter Sohn ... auf ihn sollt ihr hören": Das ist die zentrale Botschaft des heutigen Evangeliums. Nichts Außergewöhnliches im Sonntagsgottesdienst, könnte man meinen, handelt es sich hier doch um eine der zentralen Aussagen der christlichen Glaubensüberlieferung.
  • Zu etwas Außergewöhnlichem allerdings macht der Evangelist Matthäus seine Erzählung von der Verklärung Jesu; er zieht geradezu alle Register bei der Beschreibung des Geschehens: Jesu Antlitz leuchtet wie die Sonne; seine Kleider werden leuchtend weiß wie das Licht; Mose und Elija, die beiden großen Gestalten der alttestamentlichen Überlieferung, erscheinen und Gott selbst spricht vernehmbar in die Szene hinein. Mehr geht nicht: hier berühren sich Himmel und Erde, Zeit und Ewigkeit.

Was will Matthäus mit all dem so besonderes deutlich machen?

  • Jesus ist der geliebte Sohn Gottes! Die meisten von uns haben es so schon von den Eltern gehört oder spätestens in Religionsunterricht gelernt.
  • Wir sind aufgewachsen mit dieser Glaubensüberlieferung. Anders die Jünger um Jesus. Obwohl sie mit ihm unterwegs sind, hören, was er sagt und sehen, was er tut, müssen sie doch erst mühsam begreifen lernen, was sich da vor ihren Augen ereignet: Jesus ist der Immanuel - Gott mit uns.

Wie also ist es den Jüngern ergangen?

  • Schauen wir dazu auf den Kontext der Verklärungsgeschichte, die im Neuen Testament nicht so isoliert dasteht, wie wir sie gerade als Sonntagsevangelium gehört haben. Wichtig ist, was vorausgeht und was nachfolgt.
  • Voraus geht die Frage Jesu: "Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" Petrus antwortet darauf: "Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes"[2] Die Antwort des Petrus klingt hier wie einer unserer früher auswendig gelernten Katechismussätze, die uns so leicht über die Lippen kommen, weil wir sie auswendig können.
  • Aber die Brüchigkeit der Worte des Petrus wird wenig später überdeutlich. Als Jesus im Kreis der Jünger sein Leiden und seinen gewaltsamen Tod ankündigt, stemmt sich Petrus mit aller Macht dagegen.
  • Daran können wir erkennen, was Jesus seinen Jüngern zumutet, als er sie immer tiefer in das Mysterium seiner Sendung einführt. Petrus erfasst die Ungeheuerlichkeit der Ankündigung Jesu: Der Sohn Gottes ans Kreuz geschlagen, nein, das kann nicht sein! Obwohl nichts sicherer ist als der Tod Jesu am Kreuz, wird 600 Jahre später Mohammed den Tod Jesu am Kreuz leugnen, indem er in der Sure 4, Vers 157 behauptet: »Und weil sie sprachen: "Siehe, wir haben den Messias Jesus, den Sohn der Maria, den Gesandten Allahs, ermordet" - doch ermordeten sie ihn nicht und kreuzigten ihn nicht, sondern einen ihm ähnlichen - darum verfluchten Wir sie«. Diese Meinung Mohammeds stammt wahrscheinlich von einer christlichen Sekte, die Tod des Sohnes Gottes am Kreuz nicht annehmen wollte.
  • Als Jesus seinen gewaltsamen Tod am Kreuz ankündet, fällt Petrus Jesus ins Wort. Er stellt sich Jesus gleichsam in den Weg: "Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!"[3]
  • Es scheint weniger die mitfühlende Sorge um Jesus zu sein, die Petrus so aufgebracht reagieren lässt. Vielmehr hat er seine eigenen Vorstellungen vom Messiassein, von Gottes Sohnschaft und Gottesherrschaft.
  • Doch Jesus begegnet dem Petrus entlarvend scharf: "Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen, denn du hast nicht im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen."[4] Denken wir daran, das sagt Jesus zu Petrus, dem Felsen, der doch eben noch so "sicher" sein Messiasbekenntnis abgelegt hatte und auf den Jesus seine Kirche bauen will!
  • Eine ungeheure Dramatik wird hier erkennbar: Ausgerechnet - oder vielmehr gerade - an der herausragenden Apostelgestalt des Petrus führt uns Matthäus vor Augen, worum es im ganzen Evangelium geht: den Heilsweg zu begreifen, wie ihn Gott in Jesus geht! Auf diesem Weg ist der Glaube an die Gottes Sohnschaft Jesu nicht verbunden mit weltlichen Herrschaftsgedanken. Nein, dieser Weg führt zum Kreuz; zur Solidarität mit allen geschundenen und vernichteten Menschen. Auf diesen Weg ruft Jesus den Petrus, die Kirche – Das ist in der Tat ungeheuerlich!

Wie die Verklärungsbotschaft recht verstehen?

  • "Das ist mein geliebter Sohn..." Was bedeuten uns diese Worte? Sind sie uns mehr als ein brav auswendig gelernter Glaubenssatz? Und wie können wir dem auf die Spur kommen, was Gott "will"? Folgen wir der Spur, die uns im Evangelium gelegt ist: "Das ist mein geliebter Sohn auf ihn sollt ihr hören."
  • Auf ihn sollt ihr hören – d.h. Gottes Wort lädt uns ein auf einen konkreten Weg. Hören auf Jesus, d.h. die Ohren "neu" aufmachen, mit den Augen "neu" sehen. Hören, was Jesus sagt, wie er mit den Menschen spricht, denen er begegnet, uns in das hinein hören und fühlen, was er tut und was das sein Handeln mit den Menschen macht: Blinde sehen, Lahme gehen, Taube hören, Aussätzige werden rein, Tote stehen auf und den Armen wird die Frohe Botschaft zuteil.
  • Gerade daran erkennt Johannes der Täufer, dass Jesus der Messias ist[5]: In diesem so wirkenden Jesus bricht das Reich Gottes an. Von daher bestimmt sich dann auch die Sendung seiner Jünger: "Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus. Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“[6]

Hier ist gut sein

  • Ergriffen von dem, was mit Jesus auf dem Berg der Verklärung geschieht, verbalisiert Petrus sein Empfinden "Herr, es ist gut, dass wir hier sind." So gut ist es, dass er bleiben möchte, buchstäblich: "Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen..."
  • Aber auf Jesus hören bedeutet aber eben nicht, auf dem Berg der Verklärung zu bleiben und es sich dort wohl sein zu lassen. Es geht nicht darum, "unserem" Verklärten nach unserem Maß eine Hütte zu bauen und ihn da hineinzwängen: in unsere „Wohlfühlhütte".
  • Vielmehr führt Jesus seine Jünger zurück in den Alltag. Er hat Wohl und Wehe aller Menschen im Blick. Ihre Leiden und Nöte, ihre Krankheiten und Ängste und das an den Rand Gedrücktsein so vieler Menschen bewegen ihn. Sei es bei uns in unserer Gemeinde, an unserem Ort, in unserem Land, sei es in den armen Ländern der Welt.
  • Wo Menschen in Würde leben können, da bricht das Reich Gottes an. Solange aber z.B. eine zureichende Gesundheitsversorgung vom gefüllten Geldbeutel, von Reichtum oder Armut, abhängt - und nicht von der tatsächlichen Not eines Menschen -, da wird nicht auf den geliebten Sohn Gottes geschaut und gehört. Das bedeutet: Ohne Gesundheitsstation für alle gibt es auch kein Verweilen auf dem Berg der Verklärung!
  • Zeichen der Hoffnung und der Gerechtigkeit zeigen, wo Jesus schon gehört, wo auf ihn - den Gekreuzigten - geschaut wird. Sein verklärtes Antlitz ist nicht zu trennen von seinem leidenden. Heute erkennen wir es, wie es die Bischöfe Lateinamerikas ausdrücken, in den Gesichtern der Kinder und Jugendlichen ohne Zukunftsperspektive, der Menschen am Rand der Gesellschaft, der Unterbeschäftigten und Arbeitslosen, der Armen und der Kranken und allein gelassenen Alten.[7]
  • Wo diese Menschen aufmerksam wahrgenommen, gehört werden und ihnen Hilfe zur Selbsthilfe und strukturelle Hilfe zuteil werden, teilen wir ihnen göttliches Leben mit. Da leuchtet Jesu Antlitz auf wie die Sonne, die ihre Wärme und Lebenskraft allen Menschen schenken will.
  • Paulus spannt in der heutigen Lesung den Bogen über den Verklärten hinaus zum auferstandenen Herrn: "Er hat dem Tod die Macht genommen und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht durch das Evangelium"[8]

Dieses Licht weiterzugeben sind wir gerufen.

  • Wenn der von Gott gerufene Mensch sich so wie Abraham, der Vater des Glaubens, so wie Jesus der Anführer unseres Glaubens ganz einlässt auf Gott, ein Hörender und Gehorchender wird, wird er zum Segen für die Menschen.[9]
  • Jesus teil sein Leben mit uns. Teilen verbindet die Menschen untereinander - und mit Gott. Er hat sich in Seinen geliebten Sohn mitgeteilt und den entscheidenden Schritt auf uns zugetan. Sein Opfer und Mahl feiernd kommt er heilend, unseren Blick für die ganze Wirklichkeit unserer Welt weitend auf uns zu. Er will uns befähigen unser Leben, unsere Gaben, solange dieses Leben währt, mit den Armen, den Kranken, den Hungernden, den Alleingelassenen zu teilen.
  • Heute findet zur gleichen Zeit die diözesane Eröffnung der Misereoraktion in St. Anna in Forchheim statt. Wir blicken dabei auf die indianische Bevölkerung in Peru, die unter der Umweltzerstörung ausländischer Bergbaukonzerne schwer leidet.
  • Das Motto heißt: „Mit Zorn und Zärtlichkeit an der Seite der Armen: Entdecke die Liebe.“ Zorn erfüllt uns, wenn wir mit ansehen müssen, wie die Lebensgrundlage der indianischen Bevölkerung vergiftet und zerstört wird. Zärtlich möchten wir diesen Menschen zu Seite stehen. Wir wollen ihnen beistehen durch unsere Solidarität, mit unserem Gebet für sie und die Verantwortlichen von Regierung und Bergbau, und durch unsere Spenden.
  • Peru mit seiner grandiosen Bergwelt, mit seinem reichen kulturellen Erbe der Inkas, ist eben nicht nur ein begehrtes Ziel von Touristen, nicht nur ein rohstoffreiches Land, sondern die Menschen dort brauchen vor allem unsere Solidarität und die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit, damit ihre Existenzgrundlage nicht vollends zerstört, sondern gerettet und bewahrt wird.
Weil wir um die Verklärung und Auferstehung Jesu wissen, sind wir auch an der Seite des gekreuzigten Jesus Christus, und damit an der Seite der Menschen und der Schöpfung, deren Lebensgrundlage vernichtet und mit ihm gekreuzigt werden.


[1] Quelle Misereor 2005 Liturg. Bausteine s.13-15
[2] Mt 16,15f.
[3] Mt 16,22
[4] Mt 16,23
[5] Mt 10,7
[6] (Mt 10,7f).
[7] (vgl. Abschlussdokument der III. Generalkonferenz des lateinamerikanischen Episkopats in Puebla 1979, Nr. 31ff).
[8] 2 Tim 1,10
[9] Gen 12,2

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