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2008 (A) Sonntag im Jahreskreis

Homilie am 14.Sonntag A 2008 in Rosenbach

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Nachfolge Jesu - ein Joch?
Jesus preist die Kleinen und Unmündigen selig
Jesus preist die Kleinen und Unmündigen selig

Menschen unter beruflichem oder familiärem Stress stöhnen: »Ich schaffe es bald nicht mehr. Mir wird alles zu viel. Die mich drückende Last raubt mir alle Freude«. Solchen Menschen ist es nicht nach Jauchzen zumute, sie spüren nichts von Freiheit, nichts von Seelenruhe. Gibt es einen Lichtblick, gibt es Hoffnung auf Befreiung?
  • Im Tagesgebet hieß es: "durch die Erniedrigung deines Sohnes hast du die gefallene Welt wieder aufgerichtet und aus der Knechtschaft der Sünde befreit."
  • Weil sich Gott in Jesus, den er als seinen geliebten Sohn bezeugt, klein gemacht hat, kann der sich von Unrecht, Gewalt, Ausbeutung, Entwürdigung, unter der Last des Lebens niedergedrückte Mensch wieder aufrichten. Diese Wahrheit ermutigt uns im Tagesgebet fortzufahren: „Erfülle uns mit Freude über die Erlösung und führe uns zur ewigen Seligkeit.“
Die Botschaft der 1. Lesung heißt:

Der Messiaskönig kommt demütig

  • So verkündet es der Prophet Sacharja: Zion soll aufjubeln, weil der Messiaskönig demütig, helfend und Gerechtigkeit schaffend kommt. Auf einem Eselsfohlen, dem Fortbewegungsmittel der armen Leute kommt er, nicht mit einer Edelkarosse, nicht mit Waffengewalt, sondern Frieden verkündend. Diese Vision des Propheten Sacharja sieht die junge Kirche Und die Kirche heute in Jesus erfüllt.
  • Dieser Jesus repräsentiert Jahwe, den Gott Israels, den Ich-Bin-Da, den wir im Psalm 145 so preisen: "Der Herr ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Gnade. Der Herr ist gütig zu allen, sein Erbarmen waltet über all seinen Werken."
  • Noch mehr! In all den Unwägbarkeiten der Politik, der Wirtschaft und des Weltgeschehens dürfen wir auf ihn bauend bekennen: „Der Herr ist treu in all seinen Worten, voll Huld in all seinen Taten."
  • Alle am Boden Liegenden, unter der Last des Lebens und der Verantwortung Stöhnenden, allen denen übel mitgespielt, die in ihrer Würde verletzt und beschädigt wurden, dürfen sich an ihn wenden, denn "Der Herr stützt alle, die fallen, und richtet alle Gebeugten auf."
In der 2. Lesung sagt Paulus uns Christen, dass wir

neue Menschen durch den Geist

geworden sind. Natürlich spüren wir alle fast täglich unsere Ohnmacht und unser Unbedeutendsein gegenüber den Mächten dieser Welt. Je älter wir werden, desto deutlicher wird uns die Brüchigkeit unserer von Krankheit, Verschleiß und Tod bedrohten irdischen Existenz.
  • Nach Paulus ist der ungläubige, und daher für die von Gott in Jesus angebotene Erlösung nicht bereite Mensch "Fleisch": eingesperrt in sein kleines Ich, unzugänglich für den Geist Gottes.

Christsein aber heißt: den Geist Christi haben und durch ihn christusförmig werden. Wie geht das?

  • In einem Akt des Glaubens werde ich mich deshalb immer wieder vor Gott erinnern - auch das heißt beten – Dein Heiliger Geist wohnt seit meiner Taufe in mir. Er hat aus mir einen neuen Menschen gemacht. Ich bin nicht mehr eingesperrt in mein enges Denken und Empfinden. Du mein Schöpfer bist mein Erlöser geworden, durch Jesus, in dem Du mein Leben und Sterben mit mir teilst.
• Es ist dein Geist, o Gott, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat. Dieser Geist wird auch unseren sterblichen Leib lebendig machen.

• Deshalb bin ich nicht mehr auf das Fleisch, auf das Vergehende, das Irdische fixiert; denn dann bliebe für mich nur der Tod, das Ausgelöscht Werden.

• In mir wohnt seit der Taufe Dein ewiger unsterblicher Geist. Durch ihn ist der Himmel, die Ewigkeit schon in mir anwesend. Dieser Geist des Herrn allein kann mich ganz frei machen für deine Sache, für dein Reich der Liebe und des Friedens.

Wir werden uns daher immer wieder vor Gottes Angesicht seiner uns in Jesus Christus geschenkten Erlösung erinnern, soll diese in unserem Leben lebendige Wirklichkeit werden und bleiben.

• Dieser Geist des Herrn belebt uns von innen her, so dass unser ganzes Sein und Leben vom Glanz Gottes durchdrungen auf dem Spiegel unserer Seele, unserem Antlitz, aufleuchtet. So kann wahr werden, was Paulus im Anschluss an das Leitwort der diesjährigen Pfarrwallfahrt sagt: "Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn." [1]

•Die Wahrheit dieses Pauluswortes wurde vor 650 Jahren von einem unbekannten Bildhauer in den in unserer Pfarrkirche stehenden gotischen Steinfiguren sichtbar gemacht. Die auf dem Gesicht des Jesuskindes aufleuchtende Herrlichkeit Gottes spiegelt sich wieder auf dem Gesicht Mariens und des Ältesten der Weisen. Was der Geist des Herrn in ihrem Innersten, in ihrer Seele bewirkt, leuchtet in ihren Gesichtern auf.

• Deshalb werden wir nichts Geschaffenes, Vergängliches anbeten, zum absoluten Wert machen, weder Personen noch Sachen, weder unsere Triebe noch unseren Geist, auch nicht menschliche Denkgebäude und Heilslehren. Wir werden nur den einen Gott anbeten, der sich in Jesus ganz klein gemacht, uns seine Liebe geschenkt hat und ständig schenkt. Ihn werden wir betend und meditierend immer wieder in unser Bewusstsein hereinbitten und einlassen.

• Demütig naht er sich uns. Gott hat also den Mut, uns, unserem Leben und Heil zu dienen. Er gibt unserem armen Fleisch sein göttliches Ansehen. Hilft unserer Niedrigkeit auf, gibt ihm Glanz durch seine demütige und gütige Zuwendung. Schenkt unseren aufgescheuchten, vergänglichem Glück nachjagenden, friedlosen Seelen Geborgenheit und Frieden.
Und damit sind wir beim Evangelium. Darin werden wir eingeladen,

Das Joch Jesu auf uns zu nehmen

  • Jesus hat bei den maßgebenden Leuten seiner Zeit wenig Glauben gefunden, weder in Galiläa noch in Jerusalem. Er war den Reichen zu arm, den Gebildeten zu einfach, den Frommen zu frei. Aber die Wahrheit Gottes, seine Heiligkeit und seine Liebe leuchteten in allem auf, was er sagte und tat. Die Armen, die Kleinen, vor Gott Unmündigen, so sagt Jesus im Evangelium, die verstehen das am besten, auch heute. Dafür preist Jesus Jahwe, seinen Gott und Vater.
  • Wie aber steht es mit uns? Wie kommt uns unser Leben als Christen vor? Wenn wir das Christsein nur als eine Ansammlung von Geboten und Vorschriften sehen, dann so fürchte ich, werden wir dem Wort Jesu »Mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht«, wohl kaum zustimmen können. Das Wort Joch verbinden wir eher mit einer schweren Last, vor die wir wie Zugtiere gespannt sind.
  • Wer sein Christsein so empfindet, der kennt weder Jesus und erst recht nicht Gott. Erst wenn ich den wahren Jesus erkenne, kann ich auch Gott in seinem wahren Wesen erfassen. Und dann erst werde ich

Ruhe finden für die Seele.

  • Jesus sagt ja nicht, ich werde euch schwere Lasten aufladen. Ganz im Gegenteil, er lädt uns ein, mit unserer Lebenslast zu ihm zu kommen, sie auf sein Kreuz zu legen, bei ihm abzuladen. „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.“ Und er verspricht den seiner Einladung Folgenden: "So werdet ihr Ruhe finden für euere Seele." Und er sagt ausdrücklich: "Mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht."
  • Diese Lebenssicht können wir nur gewinnen, wenn wir uns die Lebenssicht des Kindes wieder aneignen. Mein ehemaliger Mitschüler der Franziskaner Siegfried Grän, drückt es so aus: "Wir fragen: Was schätzt Jesus an den Kindern, an den Unmündigen? Was zeichnet sie vor den Weisen und Klugen aus?
• Ein Kind geht staunend auf die Wirklichkeit zu. Es ist frei von fertigen Meinungen, seine Welt ist noch voller Wunder und Überraschungen. Während Erwachsene meist eine feste Weltanschauung besitzen, ist für das Kind noch alles im Fluss. Es steht dem Neuen, dem Überraschenden noch unvoreingenommen gegenüber.

• Eine Offenbarung, wie sie durch Jesus an die Menschen ergeht, ist für das Kind kein Ärgernis, denn es besitzt noch keine »Grundsätze«, die durch Jesus durcheinander gebracht werden könnten. Es spürt nur die Liebe, die Jesus ausstrahlt, und es sagt ja zu ihr."

Sich staunend von der Liebe überwältigen zu lassen, führt unweigerlich zur wahren Anbetung des in Jesus Christus Mensch gewordenen Gottes.

• Die Weisen aus dem Morgenland erkennen in dem Kind von Bethlehem den Messias Gottes, weil in ihm der große Gott sich ganz klein gemacht, erniedrigt hat.

• Dieser Jesus hat sich bis in den Tod am Kreuz hinein erniedrigt. Er wurde der Letzte unter den Menschen. Darum hat ihn Gott zum ewigen Leben erweckt. Ließ er ihn von den Toten auferstehen. Machte er ihn ganz groß, zum Herrn des Alls.

Das feiern wir jetzt in der Eucharistie. Auch da macht sich der Herr ganz klein in Brot und Wein.

• Und indem wir ihn unter diesen unscheinbaren Gestalten gläubig empfangen, macht er uns groß, zu neuen Menschen durch seinen Geist. Schenkt er uns Anteil an seinem Ostersieg.

• Dies glaubend und an uns geschehen lassend finden wir Ruhe für unsere vom Getümmel dieser Welt aufgescheuchten und durch die Last des Lebens niedergedrückten Seelen.


[1] 2 Kor 3,18

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