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2008 (A)

Homilie zum 30.Sonntag (A) am Weltmissionssonntag im Altenheim St.Elisabeth und in der Filialkirche St. Johannes d.T. in Großenbuch

===>> Biblische und liturgische Texte des Sonntags
===>> Homilie im Orginalformat lesen oder herunterladen
===>> Gottesdiensvorlage

„Mach den Raum deines Zeltes weit“[1]

1 Im Zelt Gottes
Am Beginn des Gottesdienstes ziehen Priester und Ministranten in feierlichem Zug in die Kirche ein. (AH: Zu Beginn der heiligen Messe bin das Evangelium tragend in die Kapelle eingezogen). Kreuz und Evangelium werden vorausgetragen. Das will sagen, auf unserem Weg zu Gott geht der Herr als der Gekreuzigte mit seinem Evangelium, der Botschaft von der bis zum Äußersten gehenden Liebe Gottes, voran.
  • Ihn brauchen wir vor allem, wenn sich das Leben im persönlichen Bereich zum Schwereren neigt; Erst recht wenn Unglück ganze Völker trifft. Immer und überall will Jesus, das lebendige Wort Gottes, uns vorausgehen. Er gibt die Richtung an, wenn wir uns verloren fühlen. Er zieht uns mit sich, wenn wir müde werden. Er gibt uns die Gewissheit, dass wir nie alleine sind. Wir gehen unseren Weg mit vielen anderen zusammen. Wir helfen uns gegenseitig und machen uns Mut. Das heißt, Kirche, Gemeinde Jesu zu sein.
2 Flüchtlingselend – wer weiß bei uns heute noch, was das heißt?
  • Was für jeden Christen gilt, erfahren Flüchtlinge oft in extremer Weise. Sie laufen um ihr Leben durch Urwälder, Wüsten und die Straßen fremder Städte, nicht fünf Minuten, sondern Wochen, Monate, manchmal ein Leben lang. So mancher erfährt Gottes Gegenwart auf der Flucht ganz intensiv. Wenn alles Gewohnte weg gebrochen ist, jede Sicherheit zerstört ist, bleibt nur Gott. „Ohne Gott hätten wir es nicht geschafft“, sagen viele Flüchtlinge.
  • Die jüngeren unter uns finden es vielleicht schwierig, sich überhaupt vorzustellen, wie das ist, Flüchtling zu sein. Die Älteren unter uns erinnern sich noch an 1945. 12 Millionen Menschen wurden aus ihrer Heimat in Ostpreußen, Schlesien, dem Sudetenland und dem Banat vertrieben. Manch einem stehen die Bilder noch vor Augen: Die Straßen voll gestopft mit Pferdewagen und Handkarren; ein Strom von Menschen, denen die Angst in den Augen steht; alte Leute sterben auf dem Treck; Kinder werden geboren; Tausende Flüchtlinge an Bord der „Gustloff“ versinken im eisigen Wasser der Ostsee oder verbrennen auf den Straßen von Dresden im Feuer von Bombenangriffen.
  • Und wie reagierten damals die Menschen, an deren Türen die Flüchtlinge anklopften? Viele sahen die Not und öffneten „ihr Zelt“, wie es das biblische Bild vom Sonntag der Weltmission 2008 ausdrückt. Sie öffneten ihre Herzen, ihr Haus, ihre Scheune, den Gemeindesaal, sogar die Kirche. Andere sahen weg und drehten den Schlüssel im Schloss ein zweites Mal um.
3 Unsere Welt ist in Bewegung
  • Damals waren in Deutschland 12 Millionen auf der Flucht. Während wir hier Gottesdienst feiern, sind heute auf den Straßen der Welt 40 Millionen Menschen unterwegs, die aus ihrer Heimat geflohen sind. Politisch Engagierte fliehen vor Gefängnis und Folter, Frauen fliehen vor Vergewaltigung durch marodierende Soldaten, Kinder und Jugendliche wollen dem Schicksal entrinnen, als Soldaten in sinnlosen Kriegen missbraucht zu werden. Auch sie suchen nach jemandem, der sein „Zelt“ ein bisschen weiter macht.
  • Schauen wir uns heute Zentralafrika als Beispiel an. Die letzten zwei Jahrzehnte dieser Region sind eine Bilanz des Schreckens. Ein Bürgerkrieg und ein Völkermord in Ruanda. Ein langer Guerillakrieg in Burundi. Der Kongo wird von zwei seiner Nachbarn angegriffen und in zahllose interne ethnische Fehden verwickelt. Die Bilanz dieser Konflikte sind 4 Millionen Tote. Sie wurden von Armeen und Milizen ermordet oder starben auf der Flucht an Hunger oder Krankheit. Einige schafften eine oft abenteuerliche Flucht ins Ausland, z.B. nach Nairobi der Hauptstadt Kenias.
3.1 Das Zelt ein bisschen weiter machen
  • Afrikanische Länder leisten bei der Aufnahme von Flüchtlingen Außergewöhnliches. Kenia z.B. hat Hunderttausende von Flüchtlingen aufgenommen, nicht nur aus dem Gebiet der Grossen Seen, wie man Zentralafrika nennt, sondern schon zuvor aus dem Sudan und Somalia, die seit Jahrzehnten im Chaos von Bürgerkriegen versunken sind. Zu ihnen gesellen sich noch all die Kenianer, die Opfer der Unruhen nach den letzten Wahlen wurden.
  • Das Plakat zum Sonntag der Weltmission zeigt solche Flüchtlinge die in den ethnischen und politischen Spannungen aus ihren Häusern vertrieben wurden und bei einer Kirche in Eldoret in Westkenia Zuflucht suchen. Der Kirchenraum ist schon mit vielen Menschen überfüllt, den Neuankömmlingen bleibt nur noch der Platz vor der Kirche. Überall in Kenia haben Pfarreien ihre Räume für Flüchtlinge geöffnet und erste Hilfe geleistet: Etwas zu essen, ein paar Decken, vor allem Sicherheit und Trost.
3.2 Die Kirche bei den Flüchtlingen
  • Kirchen waren seit Urzeiten Zufluchtsorte für Flüchtige. Christinnen und Christen wollten aus ihrem Glauben heraus, Menschen Raum geben, die sonst keiner will; Heimat sein für die, die ein Zuhause verloren haben; Hoffnung schenken für alle, die keine Zukunft für sich sehen. Missio unterstützt lokale Kirchen in Afrika, Asien und Ozeanien, diese Mission zu erfüllen.
  • Die Aufforderung „Mach den Raum deines Zeltes weit.“ ist eine Zumutung, ein bleibender Stachel im Fleisch wie das ganze Evangelium, das Gott selbst zum Maßstab macht, Gott, der den Raum seines Zeltes weit macht für alle.
4 Flüchtlingshilfe in den Texten des Sonntags
  • Willkür, Gewalt und Vertreibung herrschen heute besonders in afrikanischen Ländern, vor allem im Sudan und im Kongo. Auch im Irak und in Indien werden vielen Christen Lebensgrundlage und Heimatrecht durch Gewalt durch Zerstörung ihrer Kirchen und Häuser genommen. Das kann und darf uns nicht gleichgültig lassen, wie die Schrifttexte des heutigen Sonntags zeigen:
– Die erste Lesung beispielsweise erinnert Israel an die eigene Geschichte und fordert das auserwählte Volk auf: „Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten, denn ihr selbst seid in Ägypten Fremde gewesen.“[2] Diese Aufforderung wird durch Jahwes Wort bekräftigt: „Ich habe Mitleid.“[3] Das heißt: ich achte genau darauf, dass ihr das befolgt.
– In der zweiten Lesung bedankt sich Paulus bei den Thessalonichern, dass er als Fremder von ihnen mit offenen Armen aufgenommen wurde: „Man erzählt sich überall, welche Aufnahme wir bei euch gefunden haben“,[4] schreibt er wörtlich.
4.1 Gesetze und Vorschriften schützen
Unser Leben in der Gemeinschaft unseres Volkes. Keiner von uns kennt die Fülle dessen, was da gesetzlich geregelt ist. Gelten sie alle gleich, oder gibt es eines, das von allen das wichtigste ist und sie alle gleichsam trägt?
  • Ein Gesetzeslehrer will es genau wissen. Er stellt Jesus die entscheidende Prüfungsfrage: "Welches Gebot im Gesetz ist das Wichtigste?"
  • Die Antwort Jesu ist eindeutig: Ohne die Liebe wird keines von allen Geboten wirklich erfüllt; sie bleiben leer, erst die Liebe erfüllt sie mit Leben. Jesus hat das Gebot der Gottesliebe und das der Selbst- und Nächstenliebe zur Einheit zusammengefügt. Er hat ihre Einheit sichtbar gemacht, durch sein Wort und durch seine Tat.
4.2 Nur die Liebe macht das Herz weit
Christen, wie unser Christus werden wir erst, wenn wir

4.2.1 An die Liebe Gottes glauben
  • Kann man Liebe befehlen? Man kann schon. Aber das nützt wenig oder gar nichts.
  • Kann man Liebe lernen? Ja! aber wie? Die Liebe lernt man durch Liebe. Damit wir Menschen lieben lernen, ist Gott in Jesus Mensch geworden. Geht er in Jesus von der Empfängnis bis zum Grab mit uns. Und das ist der Kern von Jesu Evangelium und Leben: Gott ist die Liebe.
4.2.2 Wie komme ich zu dieser Erkenntnis?

1) Auf Jesus schauend und hörend erlebe ich, wie er von Gott spricht und wie er selber die Liebe lebt. So wird er in uns die Bereitschaft und den Willen wecken, an die Liebe Gottes zu glauben.
2) Israel erfährt in seiner Geschichte, die von Abfall und Sünde gezeichnet ist, die Treue Gottes. Jesus vertraut darauf, dass Gott trotz der Sünden der Menschen zu seinen Verheißungen steht. Er wird die Toten auferwecken.
Dieses Beispiel Jesu stärkt in uns die Hoffnung, dass unser Leben nicht im Nichts versinkt, sondern uns in Gott die Erfüllung und die Fülle des Lebens zuteil wird. Auf Jesus schauend und auf ihn hörend nehmen wir wahr, dass ER ganz seinem himmlischem Väter vertrauend bis zum Tod am Kreuz ein Liebender war. So offenbart sich

4.2.3 Die alle überwindende Kraft des Hauptgebotes

  • Durch die Auferweckung und Erhöhung Jesu nährt Gott in uns Glaube, Hoffnung und Liebe. Sie sind die Quelle der Kraft in irdischer Bedrängnis auf dem Weg zur Vollendung im Reiche Gottes. Um diese drei göttlichen Gaben bittet die Kirche heute im Tagesgebet und immer am Beginn des Rosenkranzgebetes.
  • Gott gefällt unsere Anbetung nur, wenn sie sich positiv auf unseren Umgang mit unseren Mitmenschen auswirkt. Sehr pointiert drückt dies der heilige Augustinus so aus: „Du kannst mir sagen: ‘Ich habe Gott nicht gesehen!’ Kannst du mir etwa auch sagen: ‘Ich habe den Menschen nicht gesehen!’? Liebe den Nächsten! Denn wenn du den liebst, den du siehst, wirst du zugleich auch Gott schauen; denn du wirst die Liebe schauen, und in ihrem Innersten wohnt Gott.”[5]
Die Liebe zum Nächsten ist also die Nagelprobe der Liebe zu Gott. Sie ist an erster Stelle für die Menschen wahr zu machen, die am dringendsten Zuwendung und Unterstützung brauchen.


[1] Quellen z.T. aus: Missio, Handreichungen zum Weltmissionssonntag Jes 54,2
[2] (Ex 22,20)
[3] (Ex 22,26d)
[4] (1 Thess 1,9a)
[5] (In ep. Io. tr. 3,9)

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