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2008 (A) Osterzeit

Homilie zu Apg 1,14 am 7. Ostersonntag in St. Michael Neunkirchen am Brand

===>> Biblische und liturgische Texte des 7. Ostersonntags
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===>> Gottesdienstvorlage

Einmütig um den Heiligen Geist bitten ist wie wenn viele Bäume miteinander blühen
Einmütig um den Heiligen Geist bitten ist wie wenn viele Bäume miteinander blühen
Einmütig um den Heiligen Geist bitten

Die Gabe Gottes

Der Heilige Geist, so verheißt Jesus seinen Jüngern, ist das Geschenk des beim Vater erhöhten Herrn an seine Kirche. Er führt uns in die Wahrheit, die Wirklichkeit Gottes ein. Er erinnert an alles, was Jesus auf dieser Erde wandelnd seine Jüngern mitteilte. Der Heilige Geist ist ein freies Geschenk Gottes. Wir können es uns weder nehmen, noch können wir es erzwingen. Denn der Geist weht, wo er will, also wo Gott will.

 

  • Auf dieses Geschenk sollen wir warten, uns dafür offen halten und einmütig darum bitten. Die Apostel zusammen mit Maria und den Frauen trauen der Verheißung des in den Himmel aufgefahrenen Herrn. Darum versammeln sie sich und warten einmütig betend auf die Gabe Gottes, den Heiligen Geist. Wo aber versammelt sich die erste Christengemeinde, um betend auf das Geschenk des Geistes zu warten?

Im Abendmahlsaal
Unsere Pfarrkirche St. Michael ist unser Abendmahlsaal
Unsere Pfarrkirche St. Michael ist unser Abendmahlsaal

  • Also an jenem Ort, wo Jesus sein letztes Mahl haltend den Aposteln aufträgt: "Tut dies zu meinem Gedächtnis." Für uns ist der Abendmahlsaal zunächst unsere Pfarrkirche. Hier werden die Taufbewerber in der heiligen Taufe eingefügt in den geheimnisvollen Leib Christi. Hier treten sie zum ersten Mal zum Tisch des Herrn. Hier wird in der Firmung ihr Christsein besiegelt mit dem Heiligen Geist. Die Pfarrkirche ist darum die Mutterkirche der Pfarrei.
  • Die Filialkirchen und auch die Heilig Grab Kapelle sind die Töchter dieser Mutterkirche. Sie geben die Möglichkeit am Wohnort sich zu treffen, um miteinander zu beten und das Mahl des Herrn zu feiern. Alle zusammen bilden wir die Jüngergemeinschaft der Pfarrei St. Michael.
  • Die erste Jüngergemeinschaft zu der, wie die Apostelgeschichte betont, auch Maria und die Frauen gehören, versammeln sich im Abendmahlsaal, um dort auf die Gabe des Heiligen Geistes zu warten.
  • Dazu sind unsere Kirchen da, dass sich die Christen, die Jüngerinnen und Jünger Jesu dort versammeln, um einmütig auf Gott hörend und ihn anbetend die Gabe des Heiligen Geistes zu erflehen und zu empfangen. Und das nicht nur in der Zeit von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten, sondern jeden Sonntag, der die fortgesetzte Osterfeier der Kirche ist.
  • Unsere Kirchen sind also weder ein Spiegelkabinett, wo sich alles um mich drehen muss; Sie sind auch keine Spielwiese für menschliche Eitelkeiten und für schauspielerische Selbstdarstellung. Sie sind vielmehr der Ort, wo Menschen miteinander auf Gott hören und ihm dankend und preisend begegnen wollen.
  • Die Liturgie soll nach der Weisung des 2. Vatikanischen Konzils von schlichter Einfachheit und Schönheit sein, wie es die großen beeindruckenden Gottesdienste, die aus Rom übertragen werden immer wieder der ganzen Welt beeindruckend vor Augen führen. Will ich Gott in der Liturgie begegnen, muss ich

Zu mir selber, zur Ruhe kommen

  • In einer Welt, die voller Hektik und Lärm uns ständig mit neuen Events, mit einer Flut von Bildern und Tönen überschüttet und unser vegetatives Nervensystem überstrapaziert, muss es Orte geben, wo ich zu mir selber kommen darf, herausgenommen bin aus aller Hektik und Geschäftigkeit, so dass ich innerlich zur Ruhe komme. Beides, zur Ruhe kommen und bei mir selber sein, sind die Voraussetzungen um für die Begegnung mit Gott offen zu werden.
  • Ob ich in der Kirche Gott finde hängt wesentlich davon ab, dass ich ihm auch sonst Raum in meinem Leben einräume. Damit ist vielleicht weniger ein äußerlich sichtbarer Raum gemeint als vielmehr ein Zeit-Raum, den ich mir für Gott einräume, ein aufgeräumter und nicht mit allem Möglichen zugestellter Innenraum, in dem Er mir begegnen kann.
  • Ein Geschlecht, dessen Herz in die Irre geht, das sich nur an Nichtigkeiten hängt, die Wege Gottes nicht mehr kennt, geht nicht nur sich selbst, sondern auch Gott auf die Nerven. Im Psalm 95, mit dem das Stundengebet der Kirche jeden Morgen beginnt, spricht Gott das Gericht über solche Menschen: "Sie sollen nicht kommen in das Land meiner Ruhe."
  • Kirche und Gottesdienst sollen in unserer hektischen Welt ein Ort der Ruhe und des Aufatmens sein, wo wir in den offenen Himmel schauen und warten, bis der Geist kommt, bis der erhöhte Herr uns seine verwandelnde Gegenwart schenkt. Aber an diesem Ort geht es nicht nur um mich allein, als Einzelwesen, sondern um uns alle als Gemeinschaftswesen, noch mehr es geht um uns als Jüngergemeinschaft.
Wir haben in der Lesung aus der Apostelgeschichte von der Jüngergemeinschaft gehört:

"Sie verharrten einmütig im Gebet".

  • Wollen wir im Gotteshaus und im Gottesdienst nur für uns sein, dann fehlt es an Einmütigkeit. Wenn wir in Feindschaft leben, oder voller Groll gegeneinander sind, dann hat auch unser Gebet, auch unser gemeinsames Gebet keine Kraft. Immer wieder betont die Apostelgeschichte diese "Einmütigkeit" der Jünger. "Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel."[1] Ob das Wort Gottes bei uns ankommt, hängt ebenfalls von dieser Einmütigkeit ab. Von den Bewohnern von Samaria sagt die Apostelgeschichte, dass sie "einmütig auf die Worte des Philippus achteten und ihm zuhörten."[2]
  • »Einmütig« meint die innere Einheit der Urgemeinde, die sich in dem äußerlich gleichen Tun des gemeinsamen Betens um die Gabe des Geistes zeigt. Diese innere Geschlossenheit der Urgemeinde zeigt sich immer, wo es um das Hören der apostolischen Lehre geht und beim Gebet.
  • Solche Einmütigkeit gründet nicht in einer gleichen seelischen Struktur der Christen. Auch in den frühen Christengemeinden gab es mancherlei persönliche und sachliche Gegensätze. Aber diese Spannungen wurden überwunden, sobald man sich dem Lob des einen Herrn zuwandte. Die Einmütigkeit ereignet sich, sobald sich jeder der Hörenden und zum Lob Gottes Versammelten vor den in ihrer Mitte gegenwärtigen Herrn gestellt weiß. Einmütigkeit ist darum Gabe Gottes zum Lobe Gottes.[3]
  • Von dieser Einmütigkeit sprach auch Papst Benedikt bei seiner Einführungspredigt vor drei Jahren, als er den Grundzug seines Regierungsprogramms so darstellte: Es gehe nicht darum "meinen Willen zu tun, nicht meine Ideen durchzusetzen, sondern gemeinsam mit der ganzen Kirche auf Wort und Wille des Herrn zu lauschen und mich von ihm führen zu lassen, damit er selbst die Kirche führe in dieser Stunde unserer Geschichte."
  • Das lässt aufhorchen. Nicht "Ich bin der Papst und ich habe das Sagen", nein er stellt sich mitten hinein in die Jüngergemeinschaft und will mit der ganzen Kirche auf den Herrn Jesus Christus, den Auferstandenen und beim Vater Erhöhten lauschen und sich von ihm führen lassen.
  • Am Anfang sagte er: "In dieser Stunde, muss ich schwacher Diener Gottes diesen unerhörten Auftrag übernehmen, der doch alles menschliche Vermögen überschreitet. Wie sollte ich das? Wie kann ich das?"
  • Aber der Papst weiß sich nicht allein. Und so fährt er auf uns alle schauend fort: "Die Schar der Heiligen Gottes schützt und stützt und trägt mich. Und Euer Gebet, liebe Freunde, Eure Nachsicht, Eure Liebe, Euer Glaube und Euer Hoffen begleitet mich." Ja, gerade das Gebet füreinander gehört mit zu dieser Einmütigkeit.
  • Wir beklagen, dass nach der Erstkommunion oder nach der Firmung nur noch wenige dieser Kinder im Sonntagsgottesdienst zu sehen sind. Jammern hilft gar nichts, beten aber umso mehr. Nehmen sie in den kommenden Tagen vor Pfingsten einen Firmling aus ihrer Nachbar- oder Verwandtschaft ins Gebet, in ihr Gebet mit hinein, dann helfen sie mit, dass der Heilige Geist sie erfüllt und sie den Herrn erkennen und lieben, sich von ihm führen und zu Zeugen seiner Liebe machen lassen.
  • Wie wunderbar, wenn diese Einmütigkeit vor Gott schon in Ehe und Familie oder in einer Freundschaft gelebt wird. Ehe ist eine intime Gemeinschaft. Zwei Menschen werden bis in ihren Leib hinein eins. Die ganze Tiefe ihrer Beziehung aber werden sie erst erfahren, wenn sie auch miteinander eins sind vor Gott.
  • Wichtig ist die gemeinsame Erfahrung von Eltern und Kindern, von Freunden und Freundinnen: Wir gehören dem einen Gott, der uns erschaffen hat; wir gehören dem auferstandenen Herrn Jesus Christus, der uns erlöst hat und ewiges Leben verheißt und schenkt. Er ist unsere gemeinsame Mitte. Solche Erfahrung verbindet mehr als Fleisch und Blut, mehr als eine gemeinsame Wohnung.
  • Fehlt diese verbindende geistliche Intimität in einer Ehe, in einer Familie, dann ist ihre Einmütigkeit stark gefährdet. Eine dauernde gemeinsame Zukunft lässt sich weder allein auf die Sexualität noch auf Gefühle bauen, denn diese können durch alle möglichen Einflüsse schnell sterben.
  • Es ist ein großes Geschenk, wenn Gemeindeglieder, wenn Mann und Frau, Eltern und Kinder, Freundinnen und Freunde, in dieser Einmütigkeit vor Gott leben können. Jesus verheißt ihrem Gebet Erhörung: "Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten."[4]
  • Wir feiern jetzt die heilige Eucharistie, das Opfer und das Mahl des Auferstandenen. Sie will die Einmütigkeit mit ihm und untereinander stärken. Mit einem Wort des Papstes Benedikt will ich deshalb schließen: "Die Gemeinschaft der Heiligen sind wir alle, die wir auf den Namen von Vater, Sohn und Heiligen Geist getauft sind und die wir von der Gabe des Fleisches und Blutes Christi leben, durch die er uns verwandeln und sich gleich gestalten will."


[1] 2,46
[2] Apg 8,6
[3] Kittel, Theol.Wörterbuch zum NT Bd. V, S. 186 Heidland
[4] Mt 18,19

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