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2008 (A)

Homilie zu 1 Kor 1,10-18 am 3.Sonntag (Bbielsonntag) in Rödlas

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Christus ist nicht zerteilt[1]

Demokratie braucht Parteien

  • Warum - so sind wir als Demokraten versucht zu sagen, wendet sich der Apostel Paulus in der Lesung so scharf gegen Streit und Parteiungen in der christlichen Gemeinde in Korinth?
  • Demokratie braucht Parteien, sie braucht Regierung und Opposition. Die Regierung braucht jemand, der sie kontrolliert. Wir denken noch mit Schrecken an die Zeiten zurück, da in unserem Land die Einheitspartei der Nationalsozialisten herrschte, die jede Opposition durch Mord und Konzentrationslager mundtot machte. Wir denken an die über 50jährige Diktatur der kommunistischen SED im Osten unseres Vaterlandes, die mit ihrem Stasi-Spitzel System alles überwachte und jede andere Meinung unterdrückte.
  • Und keiner von uns möchte in eine Zeit zurück, wo nur die Meinung der Obrigkeit - auch der kirchlichen - galt und jedes Abweichen davon drakonische Strafen nach sich zog.

Sind die Forderungen des Paulus überholt?

  • Ist es wirklich erstrebenswert, was Paulus zu Beginn der Lesung von den Korinthern fordert: "Seid alle einmütig, und duldet keine Spaltungen unter euch; seid ganz eines Sinnes und einer Meinung?"[2]
  • Stehen Wahlen bevor wird die Auseinandersetzung zwischen den Parteien heftiger, manchmal sogar feindselig und beleidigend. Dies kommt nicht bei allen gut an. Steckt doch in jedem von uns eine tiefe Sehnsucht nach Harmonie und vor allem nach Bestätigung der eigenen Meinung.
Und doch, das dürfen die Kontrahenten nie vergessen, gilt für alle Demokraten, ganz gleich welcher Partei sie angehören

Das Grundgesetz als gemeinsame Orientierung

  • In der Demokratie ist jede Partei und jede Regierung auf das Grundgesetz verpflichtet. Dieses ist die gemeinsame Orientierungsmitte. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland war die Antwort auf die Diktatur der Nazis, die binnen 12 Jahren unser Volk in den Untergang getrieben haben. In seiner Präambel betont es die Verantwortung vor Gott. Manche politische Gruppierung möchte diese heute am liebsten aus Rücksicht auf Ungläubige aus dem Grundgesetz streichen.
  • Kann einer Partei aber nachgewiesen werden, dass sie nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes steht, dann droht ihr das Verbot. Wir sehen also auch in einer Demokratie mit Parteien und inmitten der politischen Auseinandersetzungen ist eine gemeinsame Orientierung unerlässlich.
Darum geht es dem heiligen Paulus in seinem Brief an die Korinther:

Jesus Christus – als gemeinsame Mitte

  • In der Gemeinde von Korinth gibt es Spaltungen, Gruppen und Grüppchen, die sich auf bestimmte Missionare und Lehrer berufen. Personenkult macht sich breit. Damit aber wird Christus "zerteilt", die Mitte des Evangeliums zerstört. Nicht vom persönlichen Charisma eines Predigers, seinem Charme und Talent lebt die Gemeinde, sondern zuerst und wesentlich von der Kraft des Kreuzes Christi.
  • Paulus beginnt daher mit einer Mahnung zur Einheit, die zuerst recht allgemein wirkt. Im nächsten Vers schon stellt sich heraus, daß ein akuter Anlass gegeben ist. Paulus nennt die Informanten, die ihm die entsprechenden Nachrichten zugetragen haben, mit Namen, belässt sie also nicht in der Anonymität.
  • Wie der Vers 12 zeigt, hatte man sich In der Gemeinde angewöhnt, von vier Parteien zu sprechen, der Pauluspartei, der Apollospartei, der Petruspartei und der Christuspartei. Auch wenn seine inhaltliche Beschreibung schwer fällt, darf man dieses Phänomen keinesfalls unterbewerten.
  • Die Pauluspartei dürfte am einfachsten zu erklären sein. Sie formierte sich aus den Paulusgetreuen, den Männern und Frauen der ersten Stunde. Ihr Bekenntnis zu Paulus ist die Antwort auf das Entstehen der anderen Gruppen und deren Bestreben, den Anspruch des Paulus als Gemeindegründer und Gemeindeleiter abzuschütteln, den er auch aus der Ferne durch Briefe und Boten aufrechterhielt.
  • Apollos, dem hellenistischen Diasporajudentum Alexandriens entstammend, war ein gebildeter, in der Schrift bewanderter, redegewandter Verkünder. Es kann nicht verwundern, daß sich um ihn in Korinth sehr bald begeisterte Anhänger scharten. Er selbst aber scheint sich von der Partei distanziert zu haben. So jedenfalls lässt sich sein bleibend gutes Einvernehmen mit Paulus und dessen Rückkehr nach Korinth am ehesten erklären.
  • Petrus wird wie meist bei Paulus mit seinem aramäischen Namen »Kephas« genannt. Seine Gefolgsleute sind unter den Judenchristen zu suchen, die sich stärker an den palästinensisch-jerusalemischen Ursprüngen orientieren.
  • Das Hauptproblem stellt die Christuspartei dar. "Ich aber gehöre zu Christus" kann für manchen von der Gemeinde geheißen haben: Ich gehöre einfach zu der Gemeinde ohne Wenn und Aber. Der Parteienstreit berührt mich gar nicht. Diese an sich richtige Haltung wird in dem Moment zum bloßen Standpunkt einer weiteren Partei, wo man sie polemisch gegen die anderen ins Spiel bringt. Die behauptete Unmittelbarkeit zu Christus birgt in sich die Absage an die menschlichen Vermittler und Verkünder des Evangeliums, an Paulus und Apollos z.B., und nimmt damit Abschied von den geschichtlichen Grundlagen des Glaubens.
Jeder der genannten Parteien, auch der Christuspartei stellt Paulus

drei wuchtige Gegenfragen:

  • »Ist denn Christus zerteilt? Wurde auch Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden«? Diese Fragen gründen in der Vorstellung, dass die Gemeinde, ja alle christlichen Gemeinden zusammen der Leib Christi des gekreuzigten und auferstandenen Christus seien. Die so fundierte Einheit kann und darf nicht durch Parteiungen zerrissen werden.[3]
  • Anscheinend haben manche ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppierung von ihrem Taufspender abgeleitet. Dies bringt den Paulus zu der Aussage: „Ich danke Gott, dass ich niemand von euch getauft habe.“ Das Apostelsein des Paulus, das auf der Sendung durch den auferstandenen Christus beruht, hat nicht als Wichtigstes das Taufen zum Ziel, sondern die Evangeliumsverkündigung unter den Heiden. Die Verbreitung des gesetzesfreien Evangeliums empfand Paulus als seinen ganz persönlichen Auftrag.
  • Worauf es ihm ankommt, wird deutlich in der Gegenüberstellung von "Wort" und "Kreuz Christi": Der Inhalt der Verkündigung des Jesus als den Gekreuzigten ist wichtiger als gewandte Reden. Hier wird die Auseinandersetzung mit philosophischen Lehren der damaligen Zeit sichtbar, bei denen es vor allem auf Rhetorik, den gewandten Umgang mit dem Wort ankam und den Gnostikern, für die Christus der große Lehrer der ewigen Weisheit ist.[4]
  • Im Schlussvers der Lesung zeigt uns Paulus den inhaltlichen Schlüssel zum Verständnis: "Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft." [5] Welche

Konsequenzen für unser Gemeindeleben

  • ergeben sich hieraus? Auch in unserer Kirche und ihren Gemeinden gibt es demokratische Strukturen. Die Kirchenverwaltungen und der Pfarrgemeinderat werden von den Gemeindegliedern gewählt. Kirchliche Vereine wählen ihre Vorstandschaft. Der Kirchenverwaltung ist die Vermögensverwaltung der Pfarrei aufgetragen. In diesem Gremium ist der Pfarrer zwar der Vorsitzende, aber er hat auch nur eine Stimme. Alle gewählten kirchlichen Gremien sind sowohl der Bistumsleitung wie der Gemeinde Rechenschaft schuldig. Die Gemeinde hat ein Recht darauf zu erfahren, was beschlossen wurde und ob die Beschlüsse auch vollzogen wurden. Das gilt für den Diözesansteuerausschuss, dem ich in den letzten zwei Jahren angehörte, genauso wie für den Diözesanrat auf der Ebene der Diözese; für den Pfarrgemeinderat und die Kirchenverwaltungen auf der Ebene der Pfarreien.
  • Was für das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland gilt, ist auch für alle kirchlichen Gremien bindend: Alles geschehe in Verantwortung vor Gott. Und als Christen werden wir hinzufügen: Alles geschehe im Geist des Evangeliums Jesu Christi zur Ehre Gottes.

Das Evangelium Jesu ist das Grundgesetz unseres Lebens und Handelns.

  • Es kennen zu lernen ist das Anliegen des jährlichen Bibelsonntags und eines jeden Gottesdienstes. Der heilige Hieronymus, der große Bibelübersetzer und Zeitgenosse des hl. Augustinus sagt: „Wer die Bibel nicht kennt, kennt Christus nicht!“ Kai Diekmann, der Herausgeber von Bild und Bild am Sonntag sagt sogar: „Wer die Bibel nicht kennt, blickt blind in die Vergangenheit, Zukunft und in sich selbst." Paul Wilhelm von Keppler, der große Theologe und Bischof von Rottenburg 1898 – 1926 sagte auf die Unverzichtbarkeit des Bibellesens hinweisend: „Niemand ist so hoch gebildet, niemand so ungebildet, dass er auf die Bibel verzichten könnte.“
Das Begleitbuch für die ökumenische Bibellese 2008
Das Begleitbuch für die ökumenische Bibellese 2008
Die Kirche lädt uns zur täglichen Bibellese ein und gibt uns im Ökumenischen Bibelbegleitbuch »Mit der Bibel durch das Jahr« Impulse zum Verständnis des gelesenen Textes. Dieses war während meiner Zeit als Pfarrer die weihnachtliche Dankesgabe für alle MitarbeiterInnen. Ich selber verwende es täglich. Solches Tun nährt das geistliche Leben und verbindet jeden Tag mit den vielen das Wort Gottes lesenden und es bedenkenden Christen.

In jeder Eucharistiefeier begehen wir Jesu Tod und Auferstehung. Der Gekreuzigte und Auferstandene lehrt uns den Weg des Lebens. Er ist uns auf diesem Weg voran gegangen. Die Freundschaft mit ihm und das Hören auf ihn bewahrt uns vor jeder Art von Personenkult, aber auch davor, dass wir uns bei Meinungsverschiedenheiten entfremden oder gar verfeinden.

Er lehrt und befähigt uns, wie er zu lieben bis zum letzten Atemzug, bis ans Ende unseres irdischen Lebensweges. Er, die Mensch gewordene Liebe Gottes, steht auch am Ende unseres Weges und führt uns zum Vater, in dem die Fülle des Lebens ist.

Für diese Liebe sollen wir, seine JüngerInnen, die Menschen gewinnen. Zu dieser Liebe gilt es immer wieder umzukehren, soll sich die Vaterunser Bitte erfüllen: Dein Reich komme.[6]


[1] Homilie zu 1 Kor 1,10-18
[2] 1 Kor 1,10
[3] 1 Kor 1,13
[4] 1 Kor 1, 17
[5] 1 kor 1,18
[6] Mt 4,17

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