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2008 (A) Osterzeit

Homilie am Pfingstmontag zu Joh 15,26f. in Neunkirchen St. Michael

===>> Biblische und liturgische Texte vom 2. Pfingsttag
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Der Heilige Geist der Wahrheit schenkt Klarheit, Licht und Schönheit
Der Heilige Geist der Wahrheit schenkt Klarheit, Licht und Schönheit
Den Geist der Wahrheit empfangen[1]

1 Wahrheit nur zu besonderen Gelegenheiten?

"Wahrheit ist ein Tuch zum Kleiden, zwar das allerbeste, aber nicht auf alle Tage, nur auf hohe Feste." Der barocke Meister von Sinnsprüchen, Friedrich von Logau, hat damit Lebenserfahrungen ausgedrückt. Jeder macht die Erfahrung: Im Alltagsleben kann der Umgang mit der Wahrheit hinderlich sein. Ein Fußballtrainer sagte in der Sportschau: Das habe ich in diesem Jahr gelernt: Ab und zu muss man lügen.

 
  • Es gibt auch den Ungeist, den Diabolos, der die Wahrheit zur Lüge verdreht und täuscht, um sich dadurch einen Vorteil zu verschaffen oder einem Nachteil auszuweichen, oder vor anderen das Gesicht nicht zu verlieren. Wer macht uns dagegen immun? Es ist
2 Der Geist der Wahrheit
Im Gegensatz dazu verheißt uns das Evangelium den Geist der Wahrheit. Er sei für uns wie eine Ausrüstung für extreme Konfliktsituationen und für die Bewährung im Alltag des Christen. Aber ist es wirklich möglich der Wahrheit verpflichtet zu leben?

2.1 Wir brauchen dazu göttlichen Beistand
  • Darum nennt das Johannesevangelium den Heiligen Geist in der griechischen Sprache Parakletos, im Lateinischen advocatus. Als Beistand sendet Jesus, den aus dem Vater hervorgehenden Geist. Aber er kommt nicht einfach so, sondern er darf und soll von uns herbeigerufen werden. Er spielt, wenn wir es zulassen, in unserem Leben als Jünger Christi die aktive Rolle des Beistandes, eines Fürsprechers, eines Helfers.
  • Diese Funktion geschieht auf eine zweifache Weise: Einmal durch Jesus, der im Himmel unser Fürsprecher beim Vater ist und für die Sünder Fürsprache einlegt. (1 Jo 2,1) Und es geschieht hier auf Erden durch den Heiligen Geist, der in uns wohnend ebenfalls unser Fürsprecher beim Vater ist und die Gegenwart Jesu aktualisiert. Ja, der Heilige Geist ist für die Glaubenden aller Zeiten Offenbarer und Zeuge Jesu. (Jo 14,16f.26f; 1,26f; 16,7-11.13 ff).
  • Daher werden wir täglich zu Beginn des Tages oder zu Beginn unserer Arbeit durch Jesus Gott um den Geist der Wahrheit bitten. Wir werden den Heiligen Geist herbeirufen: Komm o Geist der Wahrheit heute in mein Leben, damit ich meinen Mitmenschen, meinem Ehepartner, meinen Kindern, meinen Eltern wahrhaftig und echt in der Liebe Christi begegne. Was aber meint nun das Johannes Evangelium mit Wahrheit?
2.2 Das Wort des Vaters und Christus ist die Wahrheit.
  • Die Wahrheit ist nach dem hl. Johannes nicht das Wesen Gottes selbst, sondern das Wort des Vaters. Das Wort, das Christus vom Vater gehört hat, ist die Wahrheit, die zu "verkünden" er gekommen ist und für die er "Zeugnis ablegt". (Jo 17, 17; Jo 8, 26.40; Jo 8, 40.45 f;) Die Wahrheit ist also gleichzeitig das Wort, das Christus selber an uns richtet und das uns dazu führen soll, an ihn zu glauben. (8, 31f.45f)
  • Der Unterschied zwischen dieser Offenbarung und der des Alten Testaments wird mit aller Deutlichkeit unterstrichen: "Das Gesetz ist durch Moses gegeben worden; die Gnade und die Wahrheit sind uns durch Jesus Christus geworden" (1, 17), denn mit ihm und in ihm ist die vollständige, endgültige Offenbarung gekommen.
  • Während der Teufel der Vater der Lüge ist (8,44), verkündet Christus die Wahrheit (8,45), er, der "voll der Gnade und der Wahrheit" ist (1,14). Das Große und Neue des Christentums zeigt sich darin, daß Christus selbst die Wahrheit ist (1,6); er ist es, nicht sofern er die göttliche Natur besitzt, sondern weil er, das Fleisch gewordene Wort, uns den Vater offenbart (1,18).
  • Wahrhaftig und echt im Sinne Gottes werde ich dann sein, wenn ich in einer engen Beziehung zu Jesus bin; wenn ich seinen Beistand immer wieder in mein Leben, meinen Alltag, in meinen Beruf, in meine menschlichen Beziehungen hereinrufe, hereinbitte.
  • Was ermutigt uns dazu? Es ist die Zusage, dass der Vater und der Sohn in uns einwohnen: »Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen." (14,23)
2.3 Der Heilige Geist vollendet die Gegenwart Jesu.
  • Das Kommen des Parakleten, des Beistandes des göttlichen Geistes ist an den Weggang Jesu gebunden (Jo 16, 7), der eine neue Etappe in der Geschichte der Gegenwart Gottes unter den Menschen kennzeichnet. In seiner Rede nach dem letzten Abendmahle kündigte Jesus an, daß er wiederkommen werde, nicht nur am Ende der Zeiten (14, 3), sondern auch bei den Erscheinungen vom Ostertage an (14, 18 ff; 16, 16-19). Dies aber wird die Jünger mit Freude erfüllen, wenn sie den Auferstandenen schauen dürfen (16, 22).
  • Doch wird seine Gegenwart unter den Seinen nicht mehr sinnlich wahrnehmbarer, sondern "geistiger" Natur sein. Bis zur Stunde hatte er bei den Seinigen "geweilt" (14, 25). Nun aber wird ihnen der Vater in "seinem Namen (14, 26), auf seine Bitte hin "einen anderen Parakleten" geben (14, 16), den Jesus selber senden wird (15, 26; 16,7). Obwohl der Geist "ein anderer" ist als Jesus, führt er doch die Gegenwart Jesu zu ihrer Vollendung. Gleich Jesus ist er "in" ihnen (14, 17; 17, 23). Gleich Jesus bleibt er "bei" den Gläubigen (14, 17. 25), aber "auf immer" (14, 16; vgl. Mt 28, 20), denn er nimmt jene Wohnungen vorweg, die Jesus im Hause des Vaters bereiten ging (14, 2f). Bedeutsam ist
2.4 Der Geist der Wahrheit für unsere Sendung und unser heilig Werden.
2.4.1 Der Geist der Wahrheit ist das lebendige Gedächtnis der Kirche.
  • Dem Parakleten kommt in der Gemeinde der Jünger eine aktive Gegenwart zu. Er muss Jesus verherrlichen (16, 14); zunächst dadurch, daß er Jesu Unterweisung aktualisiert: "Er wird euch alles lehren und an alles erinnern, was ich euch gesagt habe" (14, 26). Es ist also eine Unterweisung und ein Erinnern, die nur in Verbindung mit dem Sohne erfolgen.
  • Jesu Sendung durch den Vater zeigte sich darin, dass er stets mit seinem Vater vereint war. So wie Jesus über das, was des Vaters ist, verfügt (16, 15; 17, 10), wird auch der Heilige Geist "von dem Meinigen nehmen und es euch verkünden" (16, 14f); er wird an das erinnern, was Jesus gesagt hat, denn "er wird nicht von sich aus reden, sondern was er hört, wird er reden".
  • Der Heilige Geist ist es, der "in die volle Wahrheit einführen wird" (Jo 16,13): er wird das Geschehen der Vergangenheit im österlichen Lichte neu vergegenwärtigen (vgl. 2,22; 7,39; 12,16; 13,7). Dadurch legt er für Christus Zeugnis ab (15,26) und befähigt die Jünger, mit ihm und durch ihn Zeugnis abzulegen (15,27).
  • Nur wenn ich mich auf den Heiligen Geist einlasse, ihn in mein Leben, meinen Geist, mein Denken hereinbitte, wird mein Glaube wachsen, sich vertiefen, werde ich den Mut haben, für Jesus, den Christus, den von den Toten auferweckten Herrn, Zeugnis abzulegen.
2.4.2 Die Wahrheit hat auch mit unserer Heiligung zu tun
  • Johannes unterstreicht die Aufgabe der Wahrheit im Leben des Gläubigen mit allem Nachdruck. Dieser muss "aus der Wahrheit sein" (Jo 18,37; 1 Jo 3,19); er muss nicht nur ein für allemal durch den Glauben zum neuen Leben gelangt sein (vgl. Jak 1,18; 1 Petr 1,22f), sondern auch aus Wasser und Geist wiedergeboren sein (Jo 3, 5.8) und ständig unter dem Einfluss der Wahrheit stehen, die in uns bleibt (2 Jo 2). Nur derjenige, der so im Worte Jesu bleibt, gelangt zur vollen Erkenntnis der Wahrheit und wird durch diese Wahrheit innerlich von der Sünde befreit (Jo 8,31f), denn der Glaube reinigt (Apg 15, 9), ebenso hat auch das Wort Christi reinigende Kraft (Jo 15,3); Der Geist der Wahrheit lässt uns über den Bösen obsiegen (1 Jo 2,14).
  • Wenn der Glaubende den Samen des Wortes in sich tätig "bleiben" lässt, kann er der Sünde, dem sich Absondern von Gott, von seinen Mitmenschen, von der Schöpfung und von sich selber widerstehen (1 Jo 3, 9), wird er in der Wahrheit geheiligt (Jo 17, 17-19).
  • So sieht Johannes in der vom Geist Gottes geschenkten Wahrheit das innere Prinzip des sittlichen Lebens. Er übernimmt die alten biblischen Ausdrücke "die Wahrheit tun" (3, 21; 1 Jo 1, 6), "in der Wahrheit wandeln" (2 Jo 4; 3 Jo 3f), gibt ihnen aber eine christliche Sinnfülle: Nämlich nach dem Gebote Christi wandeln (2 Jo 6), sich in seinem Handeln von der Wahrheit, vom Glauben leiten lassen. Seine Brüder "in Wahrheit" lieben (2 Jo 1; 3 Jo 1) heißt sie in der Kraft jener Wahrheit lieben, die in uns bleibt (2 Jo 1f; vgl. 1 Jo 3, 18). Die Anbetung "im Geist und in der Wahrheit" (Jo 4, 23f) ist eine Anbetung, die aus dem Inneren heraus kommt, die dem öffentlichen Gottesdienst Kraft und Ausstrahlung verleiht.
3 Die Wahrheit im christlichen Sinne
ist also nicht der unermessliche Bereich des Wirklichen, den wir durch ein Bemühen des Denkens und Forschens zu erobern suchen, sie ist die Offenbarung des Vaters, die in Christus erschienen und durch den Heiligen Geist erhellt ist und die wir im Glauben annehmen; nur dann wird sie unser Dasein umwandeln, werden wir, wie die Liturgie es erfleht, "in unseren Werken“, in unserem Beruf, in der Ehe, das Licht der Wahrheit offenbaren."


[1] Joh 15, 26 - 16, 3.12-15

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