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2008 (A) Osterzeit

Homilie zu Joh 20,19-31 in der Sonntagvorabendmesse in St. Michael Neunkirchen

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Auferstandener (um1440) mit Osterkerze und Blick in den Chor von St. Michael Neunkirchen/Br.
Auferstandener (um1440) mit Osterkerze und Blick in den Chor von St. Michael Neunkirchen/Br.
Der göttlichen Barmherzigkeit trauen[1]

Wie die Apostel sind viele Menschen und nicht selten auch wir

Verschlossen und eingeschlossen.

Dafür gibt es mannigfache Gründe:
  • »Die Hölle, das sind die anderen«, heißt es in Jean Paul Sartres Stück »Bei verschlossenen Türen«. Es handelt von drei Menschen, die sich unfreiwillig in einem abgeschlossenen Raum befinden.
Sie fallen sich zur Last, sie wollen voneinander weg, aber sie sind dazu verdammt, für immer zusammen zu bleiben. Weil sie einander in diesem »Gefängnis« die Menschlichkeit verweigern, machen sie sich das Leben zur Hölle.
  • Viele Menschen leiden unter Einsamkeit, klagen über Sinnlosigkeit, sind mit ihrer Arbeit unzufrieden, machen sie nur mit Widerwillen, weil sie das Geld brauchen. Würden sie ein geistliches Leben führen, ihre Gefühle vor Gott bringen, könnten sie wieder Boden unter den Füßen gewinnen. Aber das kommt nicht einmal den getauften Christen in den Sinn. Wer nur um sich kreist, in dem verstärkt sich die negative Sicht des Lebens bis zur Unerträglichkeit.»
  • In einer säkularisierten, aufs das Weltliche und Diesseitige fixierten Gesellschaft, fällt es den Menschen schwer, ihre Sorgen, Ängste und Frustrationen auf den Herrn zu werfen. Obwohl dies der 1. Petrusbrief nachdrücklich rät: »Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch«.[2] Eine zeitlang können die Apparate ablenken, um nicht zu sich selbst kommen zu müssen. Wenn gar nichts mehr hilft, gibt es ja noch die Therapeuten. Die sind zwar teuer, aber wissen wie man Probleme bewältigt. Aber ohne Mitmachen des Rat suchenden geht auch da nichts, ist es hinausgeworfenes Geld.
  • »Hinter verschlossenen Türen« befinden sich auch die Jünger nach Jesu Tod. Sie sind gefangen in der Hölle ihrer Angst und Zweifel, ihrer Schuld. Sie, die Freunde Jesu, haben ihm in seinen bittersten Stunden die Menschlichkeit verweigert, haben das Weite gesucht.
  • Aber sie haben wieder zusammengefunden. Haben ihre seelische Not und ihre leibhaftige Angst miteinander geteilt. Sicher haben sie miteinander gebetet. Vielleicht waren es die Klagepsalmen des Propheten Jeremia. "Klagen muss ich und jammern... Denn unheilbar ist die Wunde meines Volkes."[3] Und siehe,

Die Eingeschlossenen werden befreit.

  • Der, dem sie die Menschlichkeit verweigert haben, schenkt ihnen seinen Frieden und sendet sie, Menschen aus ihren Höllen zu befreien. Seitdem sind wir als Gemeinde Gottes, als Kirche, beauftragt, den Frieden Christi, die Vergebung Gottes zu verkünden und zu leben, indem wir einander vergeben. Da springen verschlossene Türen auf, da werden Zugänge zueinander möglich, da ist die Botschaft Christi einer Welt gewachsen, in der man sich sooft das Leben zur Hölle macht.
  • Der Jünger Thomas brauchte etwas länger, um wieder Anschluss an die Gemeinschaft der Jünger zu finden. Er war nicht dabei als der Auferstandene am Ostertag den Aposteln erschien. Wer sich von der Jüngergemeinschaft fern hält, hat ein Erfahrungsdefizit im Glauben. Dem Zeugnis und der Verkündigung der Apostel »Wir haben den Herrn gesehen«, begegnet er mit Skepsis. Er will handfeste Beweise.
  • Acht Tage später ist es soweit. Der Auferstandene tritt in ihre Mitte. »Friede sei mit euch!" grüßt er sie. Dieser Gruß gilt auch dem Thomas. Er muss von seiner Skepsis befreit werden, die nur wirklich nimmt, was sie mit den äußeren Augen sehen und mit den Händen berühren kann. Jesus muss ihn von seiner materialistischen Weltsicht heilen.
Er muss befreit werden für ein Sehen mit den Augen des Herzens und des Glaubens, die der schöpferischen Macht Gottes trauen.
Darum fordert Jesus ihn auf, seine Wunden zu berühren, die Hand in seine Seite zu legen. Das heißt doch: In das durchbohrte Herz des Herrn, in seine bis zum äußersten gehenden Liebe, seine totale Selbsthingabe soll er sich einfühlen.
  • Dann erst kann er einsehen, dass der Glaube an den verwundeten und getöteten Jesus Christus, den Gott auferweckt hat von den Toten, selig macht.
  • Was Jesus in Thomas bewirkt, will er auch in uns vollbringen. Auch wir können wie Thomas den Auferstandenen zunächst nicht mit unseren äußeren Sinnen sehen und berühren. Aber des Auferstandenen Herrn Verheißung: "Selig die nicht sehen und doch glauben," ermutigt uns. Dieser Glaube wird uns geschenkt, wenn wir uns in die durchbohrte, bis zum Äußersten gehende Liebe Jesu hineinfühlen, hineinmeditieren. Nur so kommen wir zu einer weiteren wichtigen Einsicht, dass

der Glaube befreit.

  • Der Glaube an den Auferstandenen befreit unsere vordergründige, sich bei Empfindsamen leicht zur Sinnlosigkeit eintrübenden Weltsicht, zur Freiheit der Kinder Gottes, die in der Auferstehung von den Toten ihre stärkste Antriebskraft besitzt. Die Mühe des Lebens, die Plackerei des Berufs, der anstrengende Umgang mit Menschen, die sich in den Weg stellende Dummheit und Bosheit der Menschen, das Kreuz des Lebens, des Sterbens und des Todes besiegt der gekreuzigte auferstandene Jesus Christus in uns. Und ist so unser Heiland und Erlöser.
  • Der Auferstandene geht durch unsere verschlossenen Türen und öffnet sie von innen. Lassen wir unser Innerstes von ihm aufschließen und sind wir bereit ihn zu empfangen, wird er uns befreien von dem Eingeschlossensein in unsere Angst, in die selbst verordnete Sinnlosigkeit, in die Illusion unser Glück machen zu können.
  • Für Kinder ist es ein Bedürfnis auf dem Schoß des Vaters und der Mutter, der Oma oder des Opa zu sitzen. Dort erfahren sie Geborgenheit und Sicherheit. Nicht wenige Menschen leiden darunter, dass sie überhaupt nicht auf dem Schoß sitzen durften oder zu früh ihn verlassen mussten.
  • Im Hebräischen geht das Wort Barmherzigkeit und Erbarmen in seiner Wurzel auf Mutterschoß zurück. Der mütterliche und väterliche Schoß Gottes, sein herzliches Erbarmen, seine Barmherzigkeit lädt uns unablässig ein, bei ihm unsere Zuflucht zu nehmen.
Deshalb werden wir uns

täglich seiner Barmherzigkeit anvertrauen

  • Wenigstens vor dem Schlafen gehen werden wir die Vergebung Gottes, seine Barmherzigkeit suchen. Wir werden sie uns in der sakramentalen Form der Vergebung, in der heiligen Beichte schenken lassen, wenn wir schwer gesündigt oder uns verrannt haben. Wir werden sie im Bußakt bei der Messe oder vor der Kommunion erbitten. Und wir werden erleben, dass wir aufleben und unser Herz froh wird.
  • Es wird wahr was der Herr den Armen, die sich alles von ihm schenken lassen, im Psalm[4] verheißt: »Die Armen sollen essen und sich sättigen; den Herrn sollen preisen, die ihn suchen. Aufleben soll euer Herz für immer«.
  • Und den Zerschlagenen und Bedrückten sagt er durch den Propheten Jesaja: »Als Heiliger wohne ich in der Höhe, aber ich bin auch bei den Zerschlagenen und Bedrückten, um den Geist der Bedrückten wieder aufleben zu lassen und das Herz der Zerschlagenen neu zu beleben«.[5]
  • Diese Heilsworte sollten wir gerade, wenn wir deprimiert oder durcheinander sind, wenn um uns alles düster erscheint, immer wieder neu buchstabieren und meditieren.
  • Ich bitte den Herrn für uns alle, dass wir die Kraft und den Mut haben, mit dem Auferstandenen geistlich zu leben, in dem uns Gottes Erbarmen geschenkt ist. Das ist lebensnotwendig, um in dieser Welt nicht ins Leere zu laufen, um nicht sinn- und glücklos unser ewiges Heil zu verlieren.

In den Prüfungen des Lebens voll Freude sein

  • wird, wer im Glauben an und in der innigen Freundschaft mit dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn lebt, wie Petrus in der zweiten Lesung sagt. Mit ihm preisen wir den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus jetzt in der Feier der Eucharistie; denn »er hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben und das unzerstörbare, makellose und unvergängliche Erbe empfangen, das im Himmel für euch aufbewahrt ist."[6]


[1] Joh 20,19-31
[2] 1 Petr 5,7
[3] Jer 1,8f.
[4] Ps 22,27
[5] Jes 57,15
[6] 1 Petr 1,3

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