Startseite | Zur Person | Informationen | Filme | Predigten | Podcast | Meditationen | Fundgrube | Dias | Kontakt
Boxbild
  Druckversion   Seite versenden

Predigten

Übersicht

2010 (C)

Homilie am 2. Fastensonntag in der Sonntagvorabendmesse in Hetzles St. Laurentius

===>> zu den bilbischen und liturgischen Texten des Sonntags
===>> zur Gottesdienstvorlage
===>> Predigt im Orginalformat lesen oder als PDF Datei herunterladen

===>> Predigt als Podcast nachhören oder nach iTunes herunterladen

 Gott mitten in unser Leben hineinlassen.
1. AM ANFANG DIE LIEBE UND GNADE GOTTES

  • Die heutige Lesung aus dem Buch Genesis zeigt uns: Am Anfang steht nicht eine Leistung des Menschen sondern „die Liebe und Gnade Gottes" die Gott dem Abraham auch für die Zukunft verheißt.
Dabei befindet sich Abraham in einer wenig verheißungsvollen Situation. Abraham und seine Frau Sara sind alt, und noch immer hat sich der erhoffte Nachkomme nicht eingestellt.
  • Die Verheißung Gottes zielt also in die konkrete Situation dieser Menschen und nicht in einen idealen Raum.
  • Die konkrete Sorge, die sie beschäftigt, ist eine Existenzfrage für sie. Die Fruchtbarkeit der Mütter ist für einen Nomaden eine Lebensfrage, denn von ihr hängt die Wehrhaftigkeit und Stärke des Stammes ab, ohne die es kein Überleben gibt.
  • Die Zuwendung Gottes zum Menschen geschieht mitten in der Welt und durch die Welt nicht außerhalb ihrer und nicht in einer Ideal- oder Traumwelt nicht im Wolkenkuckucksheim.
  • Diese Zuwendung Gottes wird vom Menschen im Glauben ergriffen. "Abraham glaubte dem Herrn und dies wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet." Glauben heißt hier, sich festmachen in Jahwe. Glaube ist ein Akt des Vertrauens, in dem der Mensch alle menschliche Sicherheit von sich wirft und sein Leben einzig und allein auf Gott und sein Wort gründet.
  • "Und Gott rechnete es ihm zur Gerechtigkeit an." Im Verhältnis von Gott und Mensch zählt also nicht mehr das, was der Mensch leistet, was er vorweisen kann, sondern die Antwort, die der Mensch auf das Wort seines Gottes gibt, eine Antwort, die wie jedes dialogische Geschehen nicht Leistung, sondern nur Geschenk sein will.
  • Wenn ich mich der Liebe Gottes öffne, mein Leben vor ihm ausbreite, ihn mitten in mein Leben, in das was mich bewegt, freut, traurig macht, hineinlasse, werde ich seine Anteilnahme und Anwesenheit erfahren. Dann kann ich wahrhaft leben.

 2. Ohne unser Zutun haben uns die Verheißungen Gottes erreicht.

  • Wie bei Abraham, so ist es auch in unserem Leben-. Ohne unser Zutun haben uns die Verheißungen Gottes erreicht. Durch Menschen, unsere Eltern, durch Erzieherinnen und Erzieher, die uns an ihrem Glauben und ihren Erfahrungen mit Gott teilhaben ließen. Durch seine Kirche am Ort, die uns mit seinen Verheißungen, die er uns durch Christus gegeben hat, immer wieder zusammenbringt. Gott hat den Stein ins Wasser geworfen der "weite Kreise zieht". Und wie bei Abraham kommt es darauf an, dass wir auf dieses Angebot der Liebe Gottes eine Antwort geben, die mitten aus unserem Leben kommt.
  • Auch wir leben in einer Welt, die uns wenig verheißungsvoll zu sein scheint. Und oft neigen wir dazu, den Schwarzmalern und Pessimisten mehr zu trauen, als jenen, die uns Hoffnung vermitteln möchten. Aber glauben wir wirklich daran, dass sich die Worte Jesu an uns erfüllen können? Glauben wir der Zusage Jesu, "Ich bin gekommen damit sie das Leben haben und es in Fälle haben"?[1]
  • Auch wir meinen, da schon ein wenig nachhelfen zu müssen, damit sich "ein bisschen Freude, ein bisschen Friede, ein bisschen glücklichsein einstellt. So war auch bei Abraham. Als der verheißene Erbe weiter auf sich warten ließ, glaubte Abraham ein wenig nachhelfen zu müssen. Mit dem Einverständnis seiner Frau schlief er mit der Magd Hagar und zeugte ihr einen Sohn, den Ismael. Später brachte dies für alle Beteiligten große Probleme mit sich.
  • Auch uns scheint es oft schwierig, ohne nachzuhelfen, einfach im Vertrauen auf Gott im Alltag die Fülle des Lebens zu finden.
  • Darum greifen wir, wenn wir es uns leisten können zu den Dingen, die uns im Alltag "ein bisschen Glück" versprechen. Z.B. zur Zigarette, zur Flasche, zur Fernbedienung des Fernsehers, zu Süßigkeiten, oder wir stopfen uns die Ohren mit Musik zu.
  • Ein bisschen mehr als der Alltag muss doch aus den nächsten Stunden herauszuholen sein; aus der Verlängerung des Wochenendes, aus einem Stimuliermittel, aus dem Fortgerissenwerden durch heiße oder harte Rhythmen, aus einem neuen Kleid.
  • Es klappt auch immer wieder, bis, ja bis wir an den Rand unseres Daseins kommen: eine Freundschaft zerbricht, eine Liebe kaputt geht, der Ehepartner stirbt, der Arbeitsplatz verloren geht, die leiblichen und seelischen Kräfte nachlassen.

 3. GOTT IM LEBEN DES MENSCHEN

  • Für den Menschen des Alten Testamentes und erst recht des neuen fordert Dietrich Bonhoeffer: 
 „Ich möchte von Gott nicht an den Grenzen sondern in der Mitte, nicht in den Schwächen, sondern im Leben und Guten des Menschen sprechen."
  • Der aus dem Geist der Bibel lebende Mensch glaubt, dass Gott mitten in seinem Leben gegenwärtig ist, ihn anspricht, an ihm handelt. Aus diesem Glauben wächst das Wissen, dass ich auch in den Grenzsituationen meines Lebens den Gott des Lebens um Hilfe anrufen darf und soll. Darum ist es wichtig, uns jetzt mit unserem ganzen Leben Gott anzuvertrauen.
  • Mitten in seiner irdischen Wirklichkeit, in dem, was das Leben Abrahams ausmacht, was seine Lebensgrundlage bildet, mitten zwischen seinen Tieren, schließt Gott den Bund mit Abraham, macht er ihn zu seinem Partner.
  • Das Ritual war bei wichtigen Vertragsabschlüssen üblich: Die Vertragspartner gingen durch die geteilten Tiere hindurch und sagten, "Wie diese Tiere zerschnitten wurden, so will ich zerschnitten werden, wenn ich den Vertrag breche."
  • Es ist bedeutsam, dass Gott unter menschlichen Formen das Gemeinschaftsverhältnis mit Abraham eingeht.
  • Daran erkennen wir wie sehr unser menschliches Leben offen ist für die Begegnung mit Gott. Abrahams Geschichte zeigt uns, der Mensch kann nur die menschlichen Zeichen und Formen bereithalten. Das entscheidende tut Gott. Abraham ist eher passiv. Er überlässt sich dem Geschehen. „Bei Sonnenuntergang fiel auf Abram ein tiefer Schlaf;“ und „große, unheimliche Angst überfiel ihn.“
Das ist auch heute noch so:
  • Bei der Taufe stellen wir das Wasser bereit, das Element des Lebens. Das Entscheidende tut Gott. Er schließt seinen Bund mit uns. Für fast alle von uns ist es im "Tiefschlaf" des Säuglingsalters jenes vorbewussten Zustandes unseres Lebens geschehen. Schon da hat uns Gott ergriffen und seine liebende Hand auf uns gelegt.
  • Bei der Eucharistie bringen wir Brot und Wein, einfache, alltägliche Gaben. Und wieder tut Gott das Entscheidende. Er macht diese Gaben zum Zeichen seines Bundes mit uns und zur Speise des ewigen Lebens. Wir sehen mit unseren "Tagaugen" nur Brot und Wein, haben das Gefühl, dass sich nichts getan hat.
  • Auch wir kommen in die dunkle Nacht des Glaubens, wie Johannes vom Kreuz diesen Zustand nennt. Auch wir müssen erst in eine Art "Tiefschlaf" fallen, d.h. unsere natürliche Geistes- und Sinnesbetätigung, unser Wenn und Aber opfern, um uns ganz dem unfassbaren Geheimnis Gottes zu öffnen.
  • Auch uns wird die Angst überfallen vor diesem unfassbaren Geheimnis, das Gott ist, die Angst vielleicht aus der dunklen Nacht des Glaubens aufzuwachen mit leeren Händen und getäuschten Hoffnungen; auch uns kann die Angst packen, Gott könnte mit uns etwas vorhaben, was so gar nicht in unsere Pläne und Wünsche passt.
Auch wir suchen nach Zeichen, an denen wir erkennen können, dass Gottes Verheißungen wahr werden.

4. JESUS DAS ZEICHEN DER RETTENDEN NÄHE GOTTES

  • Dieses untrügliche Zeichen seiner rettenden Nähe hat uns Gott in JESUS CHRISTUS gegeben. Im Evangelium offenbart er ihn als seinen geliebten Sohn. Auf IHN sollen wir hören. In ihm ist Gottes Herrlichkeit anwesend, auch wenn er wenig später den Kreuzweg geht und auf Golgatha den gemeinsten Tod stirbt.
  • Wir müssen Gott nur in unser Leben hineinlassen, in die Lebensereignisse, die uns existentiell betreffen. Dann wird uns in der Nacht des Glaubens die Glut seiner Liebe wärmen und die Fackel seines fleischgewordenen Wortes Licht auf unserem Weg sein.
  • Wie Abraham werden wir aus der Mitte unseres Lebens heraus mit IHM im Gespräch sein. Wir werden uns auf unserem Lebensweg von Jesus auf den Berg der Verklärung mitnehmen lassen. Dann werden wir die Energie aufbringen, die Raubvögel zu verscheuchen, die uns den Glauben an die Gegenwart Gottes aus dem Herzen fressen wollen.
  • Nur so werden wir die uns überfallenden Zweifel überwinden, wenn die Erfüllung der Verheißungen Gottes auf sich warten lässt. Wir gehen mit Jesus in den Garten Gethsemane, wenn Angstvisionen uns die Zukunft verstellen wollen. Wir richten uns am gekreuzigten Christus auf,wenn wir wie er Opfer politischen Kalküls und menschlicher Gemeinheit werden.
  • Denn seit es Ostern gibt, seit Christus auferweckt ist, leuchtet die brennende Fackel Gottes mitten in unserem alltäglichen Leben. In CHRISTUS, DEM AUFERSTANDENEN ist Ostern hinter uns, in uns und vor uns.
  • In aller Sprachlosigkeit der Menschen ermöglicht uns Gott den Dialog mit ihm, sei es angesichts des Sternenhimmels in der unendlichen Tiefe des Alls; oder der Tageshelle, in der sich nichts tut außer das Getöse, das wir Menschen erzeugen; oder angesichts der eigenen Ohnmacht, die sich an vielen Sachzwängen wund stößt; oder angesichts der Nacht des Glaubens, wo uns die Angst befällt, ein Wahn könnte uns genarrt haben.
  • Wer in all seine Lebenssituationen Gott hineinlässt, in jeder Lebenssituation den Sprung des Glaubens und Vertrauens wagt, der wird plötzlich mit der Liebe Gottes beschenkt, in seinem Herzen wird das Licht Christi aufgehen und er wird erfahren, dass er den Verheißungen Gottes trauen kann, dass sie sich hier und jetzt schon zum Teil erfüllen.
  • Zu diesem Sprung des Glaubens ermutigen die heutigen Bibeltexte und die folgende Geschichte.
Eines Nachts brach in einem Haus ein Brand aus. Während die Flammen schnell um sich greifen, stürzen Eltern und Kinder aus dem Haus. Entsetzt bemerken sie, der Jüngste fehlt. Der Fünfjährige war aus Angst vor Rauch und Flammen in den oberen Stock geflüchtet. Verzweifelt schauen sie einander an. Unmöglich sich in das Flammeninferno hineinzuwagen.

Da öffnet sich oben ein Fenster. Das Kind ruft um Hilfe. Sein Vater sieht es und schreit ihm zu: „Spring!“ Das Kind sieht nur Rauch und Flammen. Es hört aber die Stimme des Vaters und antwortet: „Vater, ich sehe dich nicht!“ Der Vater ruft ihm zu: „Aber ich sehe dich, und das genügt, spring!“ Das Kind sprang und fand sich heil und gesund in den Armen seines Vaters, der es aufgefangen hatte. Wer den Sprung des Glaubens wagt, den fängt Gott auf. Der Gott, den Jesus »Abba guter Vater« nennt.




[1] Joh 10,10

 

===>> zur Übersicht

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.Ok, verstanden.