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2010 (C)

Homilie am 18.April 2010 in der Sonntatgsmesse in Altenheim St. Elisabeth

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Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen

so antworten in der Lesung die Apostel dem Hohenpriester, der sie mit einem Schweigegebot belegt und mit dem Tod bedroht.

Die Lesung stellt uns die Apostel als mutige Männer vor.

  • Ohne Furcht widersetzen sie sich den Anordnungen der politischen und religiösen Führer. Sie nehmen dafür Gefangenschaft und Auspeitschung in Kauf. Ohne Rücksicht auf die eigene Person treten sie für ihre Überzeugung ein. Immerhin überlegt der Hohe Rat die Tötung der Apostel. Es ist eine Tatsache, dass sich der richtige, echte Glaube gerade in der Verfolgung bewährt und überzeugend zu Tage tritt.

Mutige Christen gibt es auch heute

Laut Dr. Paul Marshall aus Kanada, einem der weltweit führenden Experten in Sachen Verfolgung, gibt es heutzutage mehr als 200 Millionen Christen in über 60 Ländern, die wegen ihres Glaubens leiden.

1. Die Hauptursache für die Christenverfolgung heute ist die schlichte Tatsache, DASS DAS CHRISTENTUM AM SCHNELLSTEN WÄCHST IN DEN STAATEN, IN DENEN DIE MENSCHENRECHTE VERLETZT ODER IGNORIERT WERDEN.

2. Christen treten für Demokratie und Menschenrechte ein, und sie reden die Wahrheit.

3. Christen setzen sich ein für am Boden liegende Menschen, für Schwache, Behinderte, für die, denen Menschenrechte vorenthalten werden. In Ländern, in denen solche Gruppen die Mehrheit ausmachen, werden die Machthaber leicht nervös, wenn diese Gruppen anfangen, sich zu rühren oder zu reagieren.[1]

 
 Wie steht es mit unserem Mut?

Hätten wir den Mut für unseren Glauben Leben und Freiheit zu riskieren? Bei uns geht es zwar nicht um Kopf und Kragen, aber uns verlässt schon der Mut, wenn wir Nachteile in Kauf nehmen müssen oder die veröffentlichte Meinung sich gegen uns stellt. Wer sich offen als Christ, als katholischer Christ bekennt, muss auch bei uns mit Spott und Hohn rechnen. Die jungen Menschen betrifft heute das oft mehr, als die Älteren.

Woher kommt der Mut zum Bekenntnis?

Eines ist klar: Die Begegnung mit Jesus, vor allem mit dem Auferstandenen, hat das Leben der Jünger verändert. Sie, die zum niederen Gottesvolk gehören, in religiösen Fragen als nur bedingt kompetent gelten - wenn überhaupt -, treten auf, nehmen den Heiligen Geist für sich in Anspruch und verkünden, dass der Glaube an Jesus Christus den Menschen rettet. Der Heilige Geist ist es, der sie zum mutigen Zeugnis befähigt. Gott gehorchend werden sie fähig, die Auferweckung Jesu vor aller Welt zu bezeugen. Seit 2000 Jahren geht diese befreiende Botschaft durch die ganze Welt.
Ihr Grundsatz lautet:

”Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“[2]

  • Die Mitglieder des Hohen Rates waren keine übel wollenden Schurken, Diktatoren oder sonstige Bösewichte. In unserer christlichen Verkündigung ist oft verlorengegangen, dass sie ernsthafte, gläubige Männer waren, denen das Wohl des Volkes und der Glaube der Väter am Herzen lagen. In der schwierigen Zeit der römischen Besatzung oblag ihnen die Aufgabe, für Ruhe und Ordnung im politischen Bereich Sorge zu tragen und den Glauben an den Bund mit Jahwe, dem Gott der Väter, in Tagen politischer und religiöser Umbrüche zu bewahren.
  • Auch der Hohe Rat ist, trotz der von ihm gewollten Hinrichtung Jesu, nicht vom Heil ausgeschlossen. ”Gott schenkt Israel die Umkehr und die Vergebung der Sünden”[3] verkündet Petrus. Die Botschaft der Apostel gilt also auch denen, die an den Hebeln der Macht sitzen.
  • Es ist schon beachtenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit hier eine Gerichtsverhandlung zum Ort der Verkündigung des Heils umfunktioniert wird. Der Ort mag für die Verkündigung unangemessen erscheinen, aber die Verkündigung passt an diesen Ort, in diese Situation. Dies bringt sie mit der eigenen religiösen Tradition und deren Bewahrern in Konflikt.
  • Auf die Apostel schauend erkennen wir, was in bedrohlichen Situationen die Kraft zum Zeugnis für den Auferstandenen gibt. Was gibt den Aposteln diesen festen Stand?

Der Standpunkt der Apostel

  • Sie verstehen sich als unter dem Gesetz Gottes Stehende.
  • Sodann nennen sie die Dinge beim Namen. Das aus Sicht der Obrigkeit Notwendige um Aufruhr und Abfall vom Glauben zu verhindern ist in Wirklichkeit politisch motivierter Mord. Das ist eine ungeheuerliche Anklage.
  • Die Führer des Landes meinten andere Prioritäten setzen zu müssen, um Religion und Volk zu schützen. Sie hatten also Gründe, solches Handeln im Blick auf das »übergeordnete Ganze« zu rechtfertigten.
  • Die Apostel lassen sich von diesen Aspekten nicht beeindrucken. Der Boden, auf dem sie stehen, ist ihr Vertrauen auf Gott, der Jesus von den Toten auferweckt hat. Aus dieser Überzeugung wächst ihnen der Mut zum Reden und Handeln zu. Der Geist ist es, wie Jesus verheißen, der in den Jüngern und durch die Jünger für Jesus und sein Evangelium Zeugnis ablegt.[4]

Was aber bedeutet das für uns Christen heute?

  • Jeder und jede muss sich fragen, wo stehe ich? Stehe ich in allem auf dem Boden des Evangeliums? Lebe ich aus der Begegnung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus? Liebe ich ihn als meinen Herrn und Erlöser, der mich kennt mit meinen Fehlern und Sünden? Nur wenn das der Fall ist, empfange ich den Heiligen Geist, der mich zum Zeugnis für Jesus befähigt.[5] Unter seiner Führung wächst dem Glaubenden der Mut und die Sicherheit zu, die wir Zivilcourage nennen.
  • Für uns geht es darum die wirkmächtige Gegenwart des Auferstandenen im Alltag zu bezeugen.
  • Um den Heiligen Geist bittend und auf seinen Beistand vertrauend werden wir uns in allen Dingen eine eigene Meinung bilden. Werden wir nicht nur zusehen, sondern dazwischen gehen, wenn über andere der Stab gebrochen wird. Wir werden hellhörig und aufmerksam sein für das, was um uns herum geschieht, welche Ideen vertreten werden.
  • Unser Leben besteht aus einer Menge von Alltäglichkeiten, die wir schon gar nicht mehr als wirkliches Geschehen wahrnehmen. Und doch gibt es gerade darin immer wieder Gelegenheiten, das Neue vom Auferstandenen erworbene Leben sichtbar und erfahrbar zu machen.
  • Es geht nicht darum, sich vor den großen Aufgaben, dem Engagement in ”gefährlichen” Bereichen zu drücken. Es geht darum, aufmerksam zu werden für das Alltägliche, zu sehen und nicht wegzusehen;  jene, die suchen, zu fragen, was sie suchen;  zu fragen nach den Ursachen für das Leid, zu fragen,  warum die einen lachen und die anderen weinen.

Der Geist des Auferstandenen

  • Will uns die Augen und das Herz öffnen für Menschen, die uns begegnen. Er will, dass wir sie in Ihrem Anderssein annehmen und ihnen unser Wohlwollen schenken, ihnen zuhören, sie ansprechen, damit sie in uns das Angesicht dessen erkennen, der den Tod und alle irdischen Einengungen und Trennungen überwunden hat.
  • Wie bei den Aposteln wird es auch bei uns darauf ankommen, dass wir Menschen sind, die durch den Auferstandenen mit dem Heiligen Geist in Verbindung stehen. Es ist dies ein Geist der Wachsamkeit, der Aufmerksamkeit, des Rates und der Stärke. Ein Geist, der uns so frei macht, wie Jesus frei war im Wahrnehmen der großen und kleinen Sorgen der Menschen seiner Zeit.
  • Wenn ich mit Gott über alles spreche, was mir unterkommt, auffällt, stört, Sorge macht, dann wird mich das Gesehene oder Gehörte nicht erdrücken. Der Heilige Geist wird mir die Kraft geben, es zur Sprache zu bringen, aufzudecken und nach Wegen der Heilung zu suchen.
  • Unser Zeugnis von der Auferweckung der Toten wird in einer pluralistischen, globalen Welt von Tag zu Tag wichtiger:  der getötete Jesu lebt. Gott hat ihn auferweckt. Wir werden mit ihm auferweckt werden. Gott steht zu denen, die ihre ganze Hoffnung auf ihn setzen. Das zu glauben und danach zu leben, ist nur im Heiligen Geist möglich. Er ist das Geschenk des Auferstandenen an seine Jüngerinnen und Jünger. Der heilige Geist befähigt zum Zeugnis. Er verbürgt uns die Auferweckung von den Toten. Er wird denen geschenkt die Gott gehorchen.[6]
  • Der in der Mitte des 5. Jhts. in Irland missionierende hl. Patrick riet daher beim Erwachen am Morgen an den Anblick eines sich über dem Tale erhebenden Berges zu denken und zu sprechen: „Ich erhebe mich jetzt, in der Kraft der Geburt Christi und seiner Taufe, in der Kraft seiner Kreuzigung und seiner Grablegung, in der Kraft seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt, in der Kraft seiner Wiederkunft beim Jüngsten Gericht.
  • In der Kraft Christi werden wir uns jeden Tag neu erheben und auferstehen. Die persönliche Beziehung und Liebe zu Christus macht nicht nur Petrus, sondern jeden von uns fähig, gute Hirten und Hirtinnen in unserer Welt zu sein.


[1] CHRISTENVERFOLGUNG HEUTE – EINE EINFÜHRUNG - Pfr. Johan Candelin, Finnland Direktor der Kommission für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz
[2] Apg 5,29
[3] Apg 5,31
[4] Joh 15,26
[5] Apg 5,32
[6] Apg 5,32

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