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Predigten

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2010 (C)

Homilie am 4. Fastensonntag C 2010 im Pflegeheim St. Elisabeth und in der Filialkirche »Regina pacis« in Rödlas

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Wenn der gütige Gott zum Problem wird.

1.0 Wir haben uns angewöhnt das heutige Evangelium als das Gleichnis vom verlorenen Sohn bezeichnen.

Aber bei genauem Hinhören entdecken wir, dass es von zwei Söhnen handelt, und dass jeder von den beiden auf seine Weise ein verlorener Sohn ist.
  • Der eine bricht aus der Geborgenheit beim Vater aus. Er schätzt nicht was er hat, und vergeudet sein Erbe, also alles was ihm vom Vater geschenkt ist.
  • Der andere Sohn bleibt daheim. Er hat alles. Aber er empfindet die Nähe des Vaters und die Teilhabe an seinem Reichtum nicht mehr als Geschenk, sondern als Selbstverständlichkeit und eigene Leistung. Er merkt nicht, wie sich dadurch sein Herz egoistisch verhärtet.
  • Der jüngere Sohn findet nach einer langen gefährlichen Irrfahrt eine ganz neue Geborgenheit in den Armen des Vaters. Aber unsere Geschichte lässt offen, ob auch der ältere die ausgestreckte Hand und das Werben der Liebe des Vaters annimmt. So sind wir Menschen: so oder so verlorene Söhne und Töchter.
 1.1 In der Gestalt und Haltung des Vaters sagt uns Jesus:   so ist Gott!

1.1.1 Der Vater lässt den jüngeren Sohn mit dem von ihm geschenkten Erbteil in die vermeintliche Freiheit ziehen.
  • Er zwingt ihn nicht zur Dankbarkeit und Liebe. Denn diese kommen nur aus Einsicht und Freiheit. Der Vater schlägt die Tür seines Hauses und Herzens nicht zu hinter dem undankbaren, fortlaufenden Sohn.
  • Die Erinnerung an die Liebe des Vaters bringt den Sohn zur Umkehr und Heimkehr. Mit ihm geschieht, was Paulus im Römerbrief uns fragt "Weißt du nicht dass Gottes Güte dich zur Umkehr treibt?"[1]
  • Der Vater wartet auf den verlorenen Sohn, er sehnt ihn herbei, er leidet um ihn und mit ihm. Er geht ihm, ja läuft ihm entgegen. Er fällt ihm um den Hals und küsst ihn. Er umhüllt ihn mit seiner Liebe und seinem Erbarmen, was mit dem Bild des Neu-Einkleidens augenfällig ausgedrückt ist.
  • Der Vater sagt nicht viel zu dem Heimkehrenden, aber alle seine Gesten sind Liebe. So ist Gott!
1.1.2 Aber er geht auch dem verstockten daheim gebliebenen Sohn entgegen.
  • Achten wir auf die Sprache der Liebe, mit welcher der Vater seinem hartherzigen Sohn begegnet. Er geht zu ihm heraus und redet gut zu. "Mein Kind Du bist immer bei mir und alles, was mein ist, ist auch dein." Der Vater wirbt also um das Herz des Sohnes. So ist Gott!
1.2 Unser Herz und unsere Gefühle befragend können wir die Reaktion des daheimgebliebenen Sohnes recht gut verstehen.
1.2.1 Er jedenfalls kann sich sehen lassen.
  • Er verdient Respekt. Er ist kein Springinsfeld. Auf ihn ist Verlass. Er arbeitet und stellt keine großen Ansprüche.
  • Er lebte sein Leben in ruhiger, beständiger Pflichterfüllung. Da kommt dieser Störenfried, dieser Tu-nicht-gut, dieser Hallodri, der schon immer aus der Reihe tanzte, nach Hause und bekommt die ganze Zuwendung des Vaters. Wen wundert's, dass er die herzliche Liebe des Vaters zu dem jüngeren Bruder als schmerzliche Verletzung empfindet. Solche Güte ist für ihn unerträglich. Sie sprengt den abgesteckten Rahmen seiner Wertvorstellungen.
  •  Rechtschaffene Menschen, die ihre Arbeit nachgehen und ihre Pflicht tun, müssen sich doch ungerecht behandelt fühlen, wenn liederliche Herumtreiber für ihren schlimmen Lebenswandel auch noch belohnt werden mit Umarmungen und Küssen, mit Geschenken und Festessen, mit Musik und Tanz. Schon die Selbstachtung gebietet einem das nicht widerspruchslos hinzunehmen, sich davon zu distanzieren. So denkt der Daheimgebliebene.
1.2.2 Wenn wir ehrlich sind, im Aufbegehren und Zorn des älteren Sohnes erkennen wir uns selbst wieder.
  • Gehen uns nicht manchmal auch Gedanken durch den Kopf wie: nur auf niemand angewiesen sein. Ich stelle meinen Mann, meine Frau und ich bin stolz darauf kein Almosenempfänger zu sein. Ich kann mich sehen lassen und das verdanke ich meiner ehrlichen Arbeit und Leistung.
  • Und würde es uns nicht gewaltig fuchsen, wenn einem, der aus eigener Schuld am Ende ist ein Festessen zubereitet wird?
  • Selbst wenn Gott es ist, der sich so verhält, wird dies für viele zum Problem. Denn werden dadurch nicht Leistung und Leben rechtschaffener Menschen entwertet, wenn ein verabscheuungs-würdiger Tu-nicht-gut derart erfreut aufgenommen, derart bevorzugt behandelt wird!? Indem ihn sein Unrecht vergeben wird, geschieht da nicht an denen Unrecht, die sich vom Bösen ferngehalten haben!?
1.2.3 Das Verhältnis des Daheimgebliebenen zum Vater ist tief gestört.
  • Das Aufbegehren des älteren Sohnes zeigt, mag er noch so viel an Leistungen aufzuweisen haben, er hat dafür einen hohen Preis bezahlt. Er hat das Empfinden dafür verloren, dass auch sein eigenes Leben geschenkt ist. Er hat vergessen, dass er ein Geschöpf der Gnade, der liebenden Zuwendung des Vaters ist und bleibt.
  • Fast unmerklich hat er sich selbst genommen, was seinem Leben Würde und Wert gab, nämlich Sohn zu sein. Und indem ihm das abhanden gekommen ist, erlitt er einen weiteren Verlust: er hörte auf Bruder zu sein.
2.0 Das könnte auch mit uns, mit mir, mit dir passieren

2.1 wenn wir uns daran gewöhnen ein Leben zu führen, das ohne Gnade auszukommen meint
  • - ein Leben das sich nur auf das eigene Können, die eigene Leistung verlässt - ein Leben das auf Güte und Erbarmen nicht angewiesen ist. Dies führt schließlich dazu, dass ich mich ärgere und verletzt fühle, wenn ein Versager, ein Gauner, einer der nichts aufzuweisen hat, von einer ganz großen Güte erfasst und aufgerichtet wird.
2.2 Es könnte uns aber auch aufgehen, dieser großen Güte habe ich mich mehr und mehr entzogen;
  • Ich habe vergessen, was der Apostel Jakob sagt: "jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben vom Vater der Lichter bei dem es keine Veränderung und Verfinsterung gibt."[2]
  • Ist mein Leben keine Dankes-Antwort mehr auf das große Geschenk der Liebe des Vaters, sondern eine Leistung, von der ich einen Anspruch ableite, dann lebe ich nicht mehr als Sohn, sondern als Herr, dann bin ich draußen vor der Tür des Vaterhauses, bin ein verlorener Sohn; Der andere ist nicht mehr Bruder, sondern Konkurrent für die Zuwendung und Ehre, die Gott mir schuldet.
  • Dabei ist es genau umgekehrt: Wir schulden Gott die Ehre und Zuwendung, weil wir uns alles geschenkt hat: das Leben, die Gnade der Kindschaft. Und er ist uns mit seiner Liebe und seinem Erbarmen schon immer voraus. Er wartet auf uns, eilt uns entgegen, wenn wir uns verlaufen und verloren haben und auf den Heimweg machen. Seine Liebe holt uns heim, treibt uns zur Umkehr.
  • Er sagt zu uns aber auch, spür doch, wie schön und gut es ist, immer bei mir zu sein und den ganzen Reichtum meines Lebens und meiner Gaben zu besitzen.
  • Kannst du ermessen, wie arm dein verlorener Bruder fern von mir dran war? Angstvoll und würdelos, heruntergekommen bis zu den Schweinen. Freu dich doch, dass er wieder gefunden wurde.


[1] Röm 2,4b
[2] Jak 1,17

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