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2010 (C)

Homilie am 5.Fastenso. C2020 in der Sonntagvorabendmesse und Sonntag Abendmesse in St. Michael

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 Gott wirkt Neues - Merkt ihr es nicht?[1]

1. Aufgedeckt und abgelenkt

Die lawinenartigen Enthüllungen über sexuellen Missbrauch in katholischen Schulen und Internaten erschüttern nicht nur das Selbstverständnis der Kirche, sie haben uns in den vergangenen Wochen auch emotional sehr in Anspruch genommen. Es ist wichtig, dass die Opfer jetzt reden können und ihnen Hilfe zur Bewältigung der seelischen Verletzungen zuteil wird. Aber auch die Täter, soweit sie noch am Leben sind brauchen Hilfe um an ihrer Schuld nicht zu zerbrechen.
Kein Wunder, das Anliegen von Misereor wurde in diesen Wochen auch in der Kirche kaum mehr wahrgenommen. Dabei ist das diesjährige Anliegen von Misereor von globaler Bedeutung:

2. Gottes Schöpfung bewahren - damit alle leben können

2.1 Das Vergangene hinter sich lassen

Die Texte der Bibel am 5.Fastensonntags ermutigen uns dazu. "Denkt nicht mehr an das, was früher war", ruft der Prophet Jesaja den nach Babylon deportierten Israeliten zu. Jerusalem und der Tempel sind zerstört. Es scheint als gäbe es für Israel und seinen Gott keine Zukunft mehr.
Ausgerechnet in dieser Situation verkündet der Prophet die Verheißung Gottes: „Seht her, nun mache ich etwas Neues... merkt ihr es nicht?“ So wie Gott die Israeliten aus Ägypten durch das Meer geführt hat, so wird er sie auch durch die weglose Wüste von Babylon wieder nach Jerusalem führen.
Für die an den Gott der Bibel Glaubenden gibt es keine hoffnungslose Situation. Gott befreit sein Volk, das an ihn glaubt, von den Folgen ihrer schuldbeladenen sündigen Vergangenheit.
Das hat auch Paulus nach seiner mörderischen Vergangenheit erfahren als der Auferstandene Christus sich ihm vor Damaskus offenbart. Durch Glaube und Taufe schenkt ihm der die Sünde und den Tod überwindende Herr Jesus Christus eine neue Zukunft.
Darum schreibt er an die erste von ihm gegründeten Gemeinde auf europäischen Boden in Philippi: "Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist."
Damit allein ist es aber nicht getan. Paulus läuft nicht ins Blaue ins Nirgendwo. Darum fährt er fort: "Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis, der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt."[2]
Der knapp der Lynchjustiz entgangenen Ehebrecherin sagt Jesus das befreiende ihre sündige Vergangenheit überwindende Wort: "Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige nicht mehr."[3]

2.2  Gott schafft etwas Neues[4]

„Seht, ich schaffe etwas Neues, schon sprosst es, merkt ihr es nicht?“ Welch ein Wort! Welch ein Wort auch für uns! Hineingesagt in jedes Leid, in jede Not, in Unrecht und Armut der Welt. Hineingesagt in unser kleines, zerbrechliches Leben; dann, wenn wir dabei sind zu resignieren und keinen Ausweg mehr sehen.
Was lässt uns sehen, was lässt uns merken, dass Neues schon am Sprießen ist? Vielleicht heißt „Neues sehen“ nichts anderes, als wieder neu sehen lernen mit den Augen des Glaubens. Es ist wie eine Einladung, unserem Vertrauen neuen Grund zu geben. Nicht durch unsere eigenen Möglichkeiten, sondern durch Gottes Möglichkeiten mit uns. Eine neue Achtsamkeit finden auf Gott hin, wie wäre das? Gott als das Neue in unserem Leben.

Ein Weg, den wir in drei Schritten gehen könnten
2.2.1 Achtsam werden und Gott als das Neue in seiner Schöpfung und im Lauf der Geschichte sehen lernen.
Der Prophet Jesaja erinnert das verzweifelte Volk Gottes daran; zu Frauen, Kindern und Männern sagt er: Seht, wie sich damals beim Auszug aus dem Sklavenhaus Ägyptens Neues eröffnet hat. Gott, der Atem der Welt, unser Schöpfer, ist in der Lage, für uns auch zwischen gewaltigen Wassern einen Weg zu bahnen.
 Was sind dagegen die Mächtigen der Welt mit ihren Streitkräften? Ein Docht, der in Sekundenschnelle verglimmt! Das Frühere, das Vergangene – ein Nichts. Gott aber kann mit den vernichtenden Wassern die Wüste tränken. Er lässt die Wüste zu einem Weg in die Freiheit werden, gesäumt von jungem Grün.

2.2.2 Achtsam bleiben und Gott als das Neue in seinem Sohn Jesus, als Mensch unter den Menschen, erfahren.
Denn ganz leibhaftig wird das Erbarmen Gottes für uns in Jesus aus Nazaret sichtbar. Mit ihm beginnt ein neues Kapitel, ja ein neues Testament zum Umgang mit Unterdrückung,mit Schuld und Sünde:
Verblüfft und erstaunt waren wohl alle, die im Tempelhof von Jerusalem dabei waren. Recht sollte gesprochen werden nach dem Gesetz des Moses. Nicht die Gesetzeslehrer und Pharisäer, die sich aufplustern und aufgeregt für Recht und Moral sorgen wollen, erweisen sich als Stellvertreter Gottes. Nein, es ist Jesus, der ihnen vormacht, welche Kraft im Bücken und Kleinmachen und Schweigen liegen kann. "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein."
Das von Jesus verkündete und gelebte neue Gesetz des Erbarmens Gottes mit dem Sünder lässt die klugen, aufgebrachten Eiferer und Hüter des Rechtes verstummen, weggehen, in sich gehen. Die mit der größten Lebenserfahrung zuerst. Gut und Böse sind in jedem Menschen wie Licht und Schatten, das wissen sie. Die Sünde bleibt Sünde, aber Jesus spricht das Neue mit einfachen Worten aus: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige nicht mehr.“[5]
Anstatt beim sexuellen Missbrauchs in der Vergangenheit stehen zu bleiben sollten wir uns Gedanken über die Folgen der in den Medien gepriesenen sexuellen Freizügigkeit machen.
Täglich werden heute 40 Taten von Kindesmissbrauch angezeigt, jährlich zwischen 14 000 bis 15 000. Von der Dunkelziffer ganz zu schweigen. Vieles spielt sich in der Verwandtschaft ab, anderes in pädagogischen Einrichtungen, in Vereinen... [6]
In unserer Zeit wird häufig vom Kraftfeld eines Menschen gesprochen oder von seinem positiven Energiefluss. Hier ist dies spürbar. Nicht verurteilt zu werden und nicht zu verurteilen. Das Erbarmen Gottes in Jesus eröffnet der jungen Frau damals, eröffnet uns heute einen Weg in die Freiheit, den Weg in ein neues Leben.

2.2.3 Achtsam bleiben für Armen und Notleidenden auf der ganzen Welt.
Das Neue, das Gott schaffen will, fängt dort an, wo sich der Blick und das Herz weiten für die ganze Welt. Bischof Helder Camara ein Beispiel für diese Weite hat einmal gesagt: "Wenn ich könnte, gäbe ich jedem Kind eine Weltkarte. Und wenn möglich einen Leuchtglobus, in der Hoffnung; den Blick des Kindes aufs Äußerste zu weiten und in ihm Interesse zu wecken für alle Völker, alle Klassen, alle Sprachen, alle Religionen."
Wenn wir mit dem Blick Jesu die Menschen sehen lernten, würden wir weniger Richten aber mehr aufrichten, weniger wegschauen sondern mehr hinschauen, weniger verurteilen aber mehr mit den Augen der Liebe und des Erbarmens den Menschen bei uns und auf der weiten Welt unser Ansehen schenken.
Der Blick auf die Menschen in den Problemgebieten der Welt stellt uns vor unangenehme Fragen:
Wie hängt die Armut in der Welt mit unserem Energiehunger zusammen? Wie kommt es, dass viele Länder arm sind, obwohl sie doch reich an jenen heiß begehrten energetischen Rohstoffen sind? Welche Perspektiven bieten die sog. Agro-Treibstoffe – für das Klima, für uns und für die Menschen im Süden?

2.3 Die Feier des Paschamysteriums – des Ostergeheimnisses
Es ist wie ein Durchgang vom Tod zum Leben zu dem uns Gott durch Jesus in der Heiligen Woche und an Ostern ermutigt. In der Feier des Paschamysteriums geht Gott durch Jesus heilbringend an uns vorüber. Wir werden es daher intensiv vollziehen. So werden wir fähig das Erbarmen Gottes in uns zu spiegeln.
„Seht, ich schaffe etwas Neues, schon sprosst es, merkt ihr es nicht? “
Das Neue riecht nach Frühlingsluft, fühlt sich an wie erste warme Sonnenstrahlen und sieht aus wie junges Gras. Es ist die „Grünkraft Gottes“, so nennt es Hildegard von Bingen. Es ist eine Energie, eine Kraft in Gottes Schöpfung, die allen Menschen, aller Kreatur zum Leben dienen soll. „Der auferstandene Christus kommt, um im Innersten des Menschen ein Fest lebendig werden zu lassen.“ So beginnt ein Text zur Eröffnung eines Konzils der Jugend in Taizé.
Kurz zusammengefasst heißt diese Osterbotschaft: Der Auferstandene bereitet uns einen Frühling der Kirche, ja der ganzen Menschheitsfamilie, die bereit ist, auf die üblichen Machtmittel zu verzichten und ein Gleichnis des Miteinander-Teilens zu leben.

[1] .1. L Jes 43,16–21; 2. L Phil 3,8–14; Ev Joh 8,1–11
[2] Phil 3,14
[3] Joh 8,11
[4] [4] Anregungen aus: Misereor, Liturg.Bausteine 2010
[5] Joh 8,11
[6] Christ in der Gegenwart 2010 Nr. 11 Kommentar

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