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2010 (C)

Homilie am 2. Ostersonntag - dem Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit in der Abendmesse in St. Michael
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Geborgen in der barmherzigen Liebe Gottes

Unsere Schattenseiten

  • Die Psychologie versteht unter dem Schatten eines Menschen die dunklen Seiten der Persönlichkeit. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Schatten, seine Integration in die Gesamtpersönlichkeit, zählt nach C.G. Jung zu den zentralen Aufgaben des menschlichen Reifeprozesses.
  • Unterbleibt die Integration des Schattens, unserer dunklen Seiten, kann es zu seiner Projektion auf andere Personen oder Gruppen kommen. Auf diese Weise entstehen unter anderem Vorurteile, aber auch das bekannte „Sündenbock“ - Syndrom und Phänomene wie Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus oder Angst vor anderen Menschen.
  • Was solche verdrängte auf andere projizierte Schatten anrichten, haben die Ideologien des Nationalsozialismus und des Kommunismus im 20. Jahrhundert auf schrecklichste Weise gezeigt. Der Schatten dieser Geschichte liegt bis heute auf unserem Volk. In extrem rechts oder auch links orientierten Gehirnen, in jedem von uns, der seine dunklen Seiten verdrängt, können diese dunklen Schatten das eigene wie das Leben anderer Menschen verdunkeln und die Liebe zerstören.
  • Verständlich ist unsere Angst, ein Schatten könne auf uns fallen. Wir möchten nicht im Schatten stehen. Wie möchten anerkannt und angesehen sein trotz unserer dunklen Seiten. Darum ist es so wichtig unsere Schattenseiten zu erkennen, sie anzunehmen und dem Erbarmen Gottes anzuvertrauen.  
  • Zugleich ist der Schatten eine Bild für das Vergehen unseres irdischen Lebens. "Der Mensch gleicht einem Hauch, seine Tage sind wie ein flüchtiger Schatten."[1] Im Psalm 109 klagt einer dem vom bestechlichen Richter sein Recht verweigert wird: "Wie ein flüchtiger Schatten schwinde ich dahin." [2] Freilich in einem sonnendurchglühten Land bedeutet Schatten etwas Gutes, Schutz und Erquickung. Die Bibel spricht

Vom bergenden und erquickenden Schatten Gottes

  • "Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges, birg mich im Schatten deiner Flügel," fleht David Gott an.[3] Im Psalm 36 bekennt er "Gott wie köstlich ist deine Huld! Die Menschen bergen sich im Schatten deiner Flügel." [4] Als Saul David nach dem Leben trachtet, betet dieser in eine Höhle fliehend: "Sei mir gnädig, o Gott, sei mir gnädig; denn ich flüchte mich zu dir. Im Schatten deiner Flügel finde ich Zuflucht bis das Unheil vorübergeht." [5] In der Wüste Durst leidend sucht er Gott mit der Intensität einer dürstenden Seele. Auf nächtlichem Lager an Gott denkend kann er sprechen: "Ja, du wurdest meine Hilfe; jubeln kann ich im Schatten deiner Flügel." [6]
  • Auf dem Berg der Verklärung kommt eine Wolke über die drei Jünger Jesu. Sie wirft ihren Schatten auf sie. Die daraus rufende Stimme offenbart Jesus als den geliebten Sohn Gottes, auf den sie hören sollen.[7]
  • Der zum Volk Gottes Gehörende darf und soll mit seiner ganzen Existenz mit seinen Licht- und Schattenseiten bei Gott sein und "im Schatten des Allmächtigen" wohnen. Er darf und soll mit dem Psalm 91 sprechen "Du bist für mich Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue."[8]
Hören wir in die heutige erste Lesung aus der Apostelgeschichte hinein. Sie spricht

Vom Schatten des Petrus

  • Es ist nicht der Schatten Gottes, von dem man sich Heilung erhofft, sondern dem des Petrus. Wir fühlen uns dabei nicht gut, wenn Menschen von einem Menschen Wunder erwarten. Und doch greift der leidende vom Tod bedrohte Mensch nach jedem Rettung versprechenden Strohhalm.
  • Aber ein Wort aus den Abschiedsreden Jesu im Johannes Evangelium lässt aufhorchen. "Amen, amen, ich sage euch: "Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater." [9]
  • Der Jünger, die Jüngerin handeln nicht aus eigner Kraft, nicht aus eigenem Vermögen, sondern der Auferstandene und zum Vater Heimgegagene ist und bleibt der eigentlich Handelnde und Wirkende. Verheißt er doch im Anschluss an den eben gehörten Vers 12 "Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird." [10]
  • Paulus schreibt in 1 Kor: "Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen."[11] Darum sagt Petrus nach der Heilung des Gelähmten zu den Zeugen der Heilung: Weil der Gelähmte an den Namen Jesus geglaubt hat, "hat dieser Name den Mann hier, den ihr seht und kennt, zu Kräften gebracht; der Glaube, der durch ihn kommt, hat ihm vor euer aller Augen die volle Gesundheit geschenkt." [12] Durch den vom Herrn berufenen und an den Auferstandenen glaubenden Petrus wirkt Gott heilend und rettend.

Dunkle Schatten über der Kirche

  • In diesen Wochen werfen die Sünden und schweren Vergehen von Menschen der Kirche, von Priestern und Ordensleuten, dunkle Schatten auf die Kirche. Die Sünden eines jeden Christen verdunkeln und schwächen die Zeugniskraft des Evangeliums. Würde die Kirche nur von uns Menschen abhängen, wäre sie wohl längst zugrunde gegangen.
  • Aber sie ist die Kirche des Auferstandenen, der seine Hand auf jeden von uns Sündern legt und sagt: "Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt."[13]
  • Der auferstandene und beim Vater erhöhte Christus fasst die Welt in seiner Hand zusammen. Er hält den Anfang und das Ende in seiner Hand. Er ist es, der das Leben in sich hat und darum der wahrhaft zeit- und grenzenlos Lebendige ist. Von ihm sagt der Hebräerbrief, "Zur Vollendung gelangt ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heiles geworden."[14]
  • Trotz aller Schatten schauen wir auf Christus und halten uns am Auferstandenen fest. Den vom Schatten des Todes und Unglaubens niedergedrückten Jüngern spricht er gleich zweimal den Schalom Gottes zu. "Der Friede sei mit euch!" Und er zeigt ihnen

Seine durch die Auferweckung verklärten Wunden.

  • Der Zweifler Thomas hilft uns, die Auferstehung richtig zu verstehen. Der Auferstandene fordert den Apostel auf, seine Finger in seine Wunden und seine Hand in seine Seite zu legen. Damit macht er eine für uns entscheidende Erfahrung. Die Wunden, die Menschen dem Auferstandenen zugefügt haben und immer noch zufügen, sind und bleiben als Wunden auch nach der Auferstehung sichtbar.
  • Gott hat in Jesus das Menschsein und das Leiden ganz angenommen, durchlebt und durchlitten. Er konnte nur zum Erlöser werden indem er berührt und beteiligt durch die Welt und das Leben ging. Unauflöslich ist durch ihn unserer menschliche Existenz, unsere irdische Wirklichkeit durch seine Auferstehung in das ewige Reich Gottes aufgenommen worden.
  • Heute am achten Tag nach Ostern hat er den Aposteln die Vollmacht gegeben in der Kraft des Heiligen Geistes den Menschen die Sünden zu vergeben - so dass sie bei Gott vergeben sind. So hat Johannes Paul II dem 2. Sonntag nach Ostern folgerichtig einen neuen Namen gegeben: »Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit«.
  • Die Wunden bleiben, auch die Wunden am mystischen Leib des Auferstandenen - seiner Kirche. Diese schmerzen zwar momentan sehr und treiben manche von der Kirche weg. Aber weil sie die Wunden des Auferstandenen sind, werden sie heilen. Ja von Gottes Herrlichkeit durchdrungen, werden aus ihnen verklärte Wunden, weil Gott barmherzig ist.
  • Durch seine Wunden aber bleibt der Auferstandene unseren Wunden nahe. Und die am Kreuz den Tod verkündende Wunde seiner durchbohrten Seite und seines geöffneten Herzens, zeigen wie furchtbar wir Menschen verwunden und wie tödlich wir verletzen können. Aber die von der Herrlichkeit Gottes verklärte Seitenwunde des Auferstandenen Jesus zeigt, dass sein Herz auch in der Herrlichkeit beim Vater für immer für uns offen ist.

In den verklärten Wunden Jesu geborgen,

  •  Werden wir unseren eigenen Schatten annehmen und aushalten. Wir werden uns von den Schatten, die durch die Sünden von Geistlichen, aber auch durch unsere eigenen Sünden auf die Kirche fallen, nicht entmutigen lassen; denn wir sind geborgen unter dem heilenden und bergenden Schatten seiner Flügel, seiner Barmherzigkeit.
  • Am dichtesten dürfen wir diese Barmherzigkeit erfahren, wenn  der in der Vollmacht der Apostel stehende Priester nach dem Bekenntnis unserer Sünden die Hände auflegt und spricht: "Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."[15] Und der von seinen Sünden Losgesprochene antwortet: "Amen." Ja, so ist es!
  • Wann haben Sie zuletzt dieses wunderbare Geschenk des Auferstandenen an seine Kirche für sich in Anspruch genommen? Ich selber war vor Ostern bei der Beichte.


[1] Ps 144,4
[2] Ps 109,23
[3] Ps 17,8
[4] Psalm 36,8
[5] Ps 57,2
[6] Ps 63,8
[7] Mk 9,7; Lk 9,34
[8] Ps 91,1f.
[9] Joh 14,12
[10] Joh 14,13
[11] 1 Kor 12,6
[12]  Apg 3,16
[13] Apk 1,17f.
[14] Hebr 5,9
[15] Lossprechung beim Empfang des Sakramentes der Versöhnung (Beichte)


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