Startseite | Zur Person | Informationen | Filme | Predigten | Podcast | Meditationen | Fundgrube | Dias | Kontakt
Boxbild
  Druckversion   Seite versenden

Predigten

Übersicht

2010 (C)

Homilie am 24.April 2010 in der Sonntagvorabendmesse in St. Johannes Großenbuch - Markusprozesssion

===>> zu den bilbischen und liturgischen Texten des Sonntags
===>> zur Gottesdienstvorlage
===>> Predigt im Orginalformat lesen oder als PDF Datei herunterladen

===>> Predigt als Podcast nachhören oder nach iTunes herunterladen

 Jesus Christus – der uns von Gott geschenkte gute Hirt
1 Das Bild des Hirten - eine Wirklichkeit
1.1 Ein lebendiges Bild
 Das Bild vom Hirten und seiner Herde war in der Zeit meiner Kindheit noch eine lebendige Wirklichkeit. Vor allem im Herbst und Frühjahr führten die Schafhirten ihre Herden über unsere Felder und Wiesen. Zog ein Hirte mit einer Schafherde durch das Dorf, war das für uns Kinder eine aufregende Sache. Voraus ging der Hirte. Hinter ihm her folgte die Herde.
Ein oder auch zwei Hirtenhunde sorgten dafür, dass die Herde zusammenblieb und säumige Schafe den Anschluss nicht verpassten. Wenn die Herde auf einer Wiese oder einem Acker weidete, stand der Hirte auf seinen Stab gestützt hinter ihnen. Am Abend kamen die Schafe in den Pferch eine eingezäunte Umfriedung. Dort waren sie sicher. Der Hirte schlief gleich daneben in seinem Schäferwagen. Die Hirtenhunde hielten Wache.
 1.2 Jesus, der gute Hirt
 Jesus sagt von sich: „Ich bin der gute Hirt, ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich...und ich gebe mein Leben für meine Schafe."[1]
Mit der Kirche haben wir heute im Tagesgebet von diesem guten Hirten zu Gott gesprochen "Dein Sohn ist der Kirche siegreich vorausgegangen als der gute Hirt."
Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferweckte, ist der gute Hirt der Kirche. Er geht uns voran, wenn es zu den Weideplätzen und Wasserstellen geht. Wir werden deshalb darauf achten, ob es wirklich Jesus ist, dem wir in unserem Leben als Christen folgen, oder ob wir Hirten und Führern folgen, die uns nur ausnehmen oder für ihre persönlichen Zwecke missbrauchen.
Der Trierer Bischof Ackermann spricht von „einem fehlgeleiteten Hunger nach Nähe und Macht“, den es auch bei Priestern gebe. Offensichtlich befänden sich auch Priester in der Gefahr, den Hunger nach Leben anderswo zu stillen als in der Beziehung zu Jesus Christus.[2]
Aber nicht nur Geistliche sind in ihrem Hirtendienst angefochten, sondern alle, denen Kinder und Jugendliche anvertraut sind, Eltern und Lehrer, Jugendleiter und Trainer.
Jesus Christus, der gute Hirt, steht hinter uns, wenn wir uns an den Gaben Gottes sättigen. Er will keine Geschäfte mit uns machen, so wie es moderne Sektenführer tun. Er will, dass es uns gut geht. Er gibt uns nicht nur vergängliches Leben, sondern ewiges. Er lässt uns nicht zugrunde gehen. Er setzt sein Leben für uns ein, damit uns niemand der Hand Gottes entreißen kann.
Jesus Christus, der gute Hirt, hält uns zusammen, wenn wir uns zerstreuen und auseinander laufen wollen. Denn er weiß, außerhalb der Herde sind wir schutzlos den Dieben und Räubern, den wilden Tieren - und auch Menschen können wie wilde Tiere sein - ausgeliefert und verloren.
Jesus Christus, der gute Hirt, sucht die Verlorenen und geht ihnen nach. Er überlässt uns nicht unserem Schicksal, wenn wir aus eigener Schuld weggelaufen sind und uns in Gefahr gebracht haben. Er verbindet die Verletzten. Er trägt die Lahmenden und Erschöpften.
 2   Jeder von uns braucht den guten Hirten.
2.1 Die Räuber und Diebe meiden
 Wir Christen in den westlichen Gesellschaften brauchen den guten Hirten ganz besonders. Denn die Feinde der Herde Gottes sind zahlreich. Es müssen gar keine erklärten Feinde sein. Oft sind es nur Menschen, die ihren Vorteil und ihren Gewinn suchen. Sie wollen uns für sich gefangen nehmen. An sich binden. Abhängig machen von ihren Produkten, dem was sie erzeugen.
Die einen sagen uns in der Reklame, was wir unbedingt brauchen, um glücklich, gesund, froh und jung zu bleiben. Die anderen betäuben uns, mit ihren Bildern, Rhythmen, Apparaten und Suchtmitteln. Sie reden uns ein, wir seien frei, wenn wir unseren Bedürfnissen und Trieben nachgäben. In Wirklichkeit wollen sie uns unfrei, abhängig, manipulierbar machen. Diese Räuber und Diebe müssen wir meiden.
 2.2 Den guten Hirten kennen - die falschen überwinden.
 Jesus kennt die Seinen, er kennt dich und mich. Er weiß, was uns wirklich gut tut, was uns Leben in Fülle, ewiges Leben gibt. Und die zu ihm gehören, die ihn zu ihrem Hirten erwählt haben, tun alles, um ihn noch besser kennen zu lernen. Je näher wir ihm sind, desto eher hören wir auf seine Stimme. Ihm folgend merken wir bald, dass er uns auf gute Weide führt, daß es uns gut geht, daß unsere Seele lebt.
Freilich vorher muss ich die anderen lauten Stimmen zum Schweigen bringen. Den Walkmann, der wie ein bohrender Wurm in den Ohren sitzt. Die heiße Musik, die in Zuckungen versetzt und nicht mehr zum Denken und zum Sprechen kommen läßt. Die Flut der Bilder, die das Begehren anstachelt und sich ablagert an den Wänden deiner Seele. Und so allmählich  eine undurchdringliche Kruste bilden, so dass du gefühllos wirst für das Wehen des Heiligen Geistes.
Kinder und Jugendliche müssen lernen den Computer auszuschalten, wenn sie merken, wie faszinierende Spiele sie nicht mehr loslassen. Die Eltern müssen ihnen helfen, dass sein nicht zu abhängigen und zu fremd gesteuerten Sklaven werden.
 2.3 Der gute Hirt will uns vor Schaden bewahren
 Vieles bietet die moderne Technik, was recht nützlich, zuweilen faszinierend ist. Sie bietet momentanen Genuss und erzeugt den Anschein von Leben. Aber sie bringt uns keinen Sieg, vor allem nicht den über uns selbst.
Die modernen Kommunikationsmittel können auch schwerhörig machen, unser Sehvermögen schädigen, unser vegetatives Nervensystem ruinieren. Diese von Gott geschaffene Zentrale in unserem Gehirn bezeichnen die Ärzte als den besten Computer, den es gibt. Aber wir können ihn weder programmieren noch steuern. Es gibt für diese Zentrale weder Tastatur noch Maus, weder Pfadbefehle noch Programmaufrufe.
Die größten Feinde dieser lebendigen Steuerzentrale sind dauernder Stress und der Lärm.
Stille, Beschaulichkeit, Muße, innerer Friede und das Gebet sind die Lebens- und Kraftquellen, dieses lebendigen, von Gott geschaffenen Steuersystems.
An einem Samstag rief mich kurz vor 12 Uhr eine gesundheitlich angeschlagene Frau an. Verzweifelt und unter Tränen sagte sie: "Seit heute um 9 Uhr geht bei meinem Nachbarn der Pressluft-Hammer. Ich bin verzweifelt. Mein Blutdruck ist auf 250. Ich kann nicht mehr."
Noch nie in der Geschichte der Menschheit war die Welt so laut und der Geräuschpegel so hoch. Inzwischen ist erkannt, Lärm hat einen hohen Stressfaktor, ist gesundheitsschädlich und kann seelische Zusammenbrüche und Kurzschlusshandlungen auslösen.
In unserer stressgeplagten Welt ist es nötiger denn je, sich dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus anzuvertrauen. Als »das Lamm mitten vor dem Thron» Gottes stehend die Hand nach jedem von uns ausstreckend »wird er uns weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt.»[3] Bilder des stillen erquickenden Lebens, das wie eine Quelle aus der unerschöpflichen Tiefe Gottes sprudelt und alles Traurige und Schmerzende, alle Tränen abwischt von unserer Augen.[4]
 3 In der sicheren Hand des guten Hirten.
 In fester Hand - Wenn ein junger Mann und ein junges Mädchen sich aneinander binden, dann sagen wir, "sie sind in fester Hand." Sie sind in ihrer gegenseitigen Liebe so fest aneinander gebunden, dass sie niemand und nichts entzweien kann. Sie wissen als Christen aber auch, dass sie ohne den Beistand und Segen Gottes, dies nicht auf Dauer werden durchhalten können. Es ist gut, wenn beide sich in der festen Hand des guten Hirten wissen. Er sagt jedem, der sich in seine feste Hand gibt:
"Du wirst niemals zugrunde gehen und niemand kann dich meiner Hand entreißen."[5] Denn in Jesus Christus hält uns die allmächtige Hand Gottes. Darum sagt er im Evangelium:
"Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen."[6]
Der Chinese John Wu, der unter Tschiang Kai-schek, dem Gegenspieler von Mao Tse Tung, Justizminister war, hatte in jungen Jahren zahlreiche Liebschaften, wie er in seinen Tagebüchern ehrlich zugibt. Am 23. Oktober 1936 bekennt er:
"Ich habe einen Religionsersatz nach dem anderen probiert, aber keinem von ihnen ist es gelungen, mich zu befriedigen... Nach einer langen Periode geistiger Wanderschaft bin ich endlich zu Gott zurückgekehrt. Gott schließt alle Freuden des Lebens in sich ein und erhöht ihre Bedeutung."
Als er seinem Freund Yuan verriet, dass er genau wie er katholisch werden wolle, antwortete der in freudiger Überraschung:
"Wie wunderbar ist Gottes Gnade! Wir beten schon seit zehn Jahren um deine Bekehrung."
Als prominenter Neugetaufter handelte John Wu bald ähnlich. Später bekannte er, dass er sogleich nach seiner Firmung zum "Menschenfischer" wurde. Mit großer Zuversicht und Treue betete er für seine Kollegen in der Redaktion der Zeitung. Er tat es besonders für Francis Chiuyuan Yeh.
Eines Tages kam der Freund zu ihm und sagte: "John, ich weiß nicht, was los ist, und es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich so etwas erfahre. Aber ich fühle eine treibende Kraft in mir, die mir keine Ruhe lässt. Ich möchte so rasch wie möglich getauft werden."
Wer intensiv für andere betet, nimmt teil an der Hirtensorge Jesu. Das ist die geistliche Berufung eines jeden Getauften und Gefirmten. Wo sie ernst genommen wird, werden auch die Berufungen zum besonderen Hirtendienst in der Kirche geschenkt, gehört und angenommen werden.
 

[1] Joh 10,14.f.
[2] FAZ 22.4.2010 Nr. 93 S. 6
[3] Offb 7,17
[4] vgl ebd.
[5] Joh 10,29

[6] Joh 10.30
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.Ok, verstanden.