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2010 (C)

Homilie am 30. Sonntag 2010 am Sonntag der Weltmission in Neunkirchen St. Michael

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Christsein - mit den Armen und für sie vor Gott sein
Kastenwesen in Indien und christlicher Glaube

Auf einem Geburtstag schwärmte eine Dame von ihrem Besuch in Indien und von der friedlichen Religion der Hindus. Das 2. Vat. Konzil betont in der Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, sie lehne nichts von dem ab, »was in diesen Religionen wahr und heilig ist«. Aber die Kirche werde unablässig Christus verkünden »der Weg, Wahrheit und Leben ist«.[1]
Der Gott und Vater Jesu Christi aber ist der Gott des Rechts, bei ihm gibt es keine Begünstigung. Er ist nicht parteiisch gegen die Armen.[2]
  • Das Kastenwesen in Indien ist unvereinbar mit dem christlichen Glauben. Von Gott geschaffen hat jeder und jede die gleiche Würde. Der Epheserbrief sagt den Sklavenhaltern seiner Umgebung, "Denn ihr wisst, dass ihr im Himmel einen gemeinsamen Herrn habt. Bei ihm gibt es kein Ansehen der Person." [3]
  • Karma und Wiedergeburt sind die Ursache des Kastensystems. Einer unteren Kaste anzugehören ist nach diesem Denken die Strafe für ein früheres Leben. In diesem Leben gibt es kein Entkommen in eine höhere Kaste.
  • Jesus verbietet es uns im heutigen Evangelium wie der Pharisäer auf den Zöllner auf schuldig gewordene Menschen herabzuschauen und sich besser zu dünken.[4]
  • Der Pharisäer kommt nicht schlecht weg, weil er ein Pharisäer ist, und der Zöllner kommt nicht gut weg, weil er ein Zöllner ist. Beurteilt wird die innere Haltung, nicht die äußere Erscheinung. Der Zöllner weiß sich auf das Erbarmen Gottes angewiesen, der Pharisäer schaut selbstgefällig auf Zöllner herab. Und das noch vor dem Angesicht Gottes. Jesus sagt: „Lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten."[5]

Das soziale Engagement der christlichen Kirchen

  • für Bildung, Gesundheitsversorgung und Lebenshilfe für die Armen ist den Hindu-Fanatikern ein Dorn im Auge. Diese Hilfen ermöglichen den im Kastensystem Chancenlosen einen sozialen Aufstieg. Wenn wundert’s, wenn die friedlichen Hindus auf einmal aggressiv und gewalttätig gegen christlichen Missionare, Kirchen und Gemeinden werden; denn das Evangelium Jesu stellt ihr Kastendenken in Frage.
  • Es ist daher wichtig, zusammen mit Missio das sozialpastorale Engagement der über 90.000 in Indien tätigen Ordensfrauen solidarisch mit unserem Gebet und unserem Geld zu unterstützen.
  • Bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 1979 wies Mutter Teresa darauf hin, dass sie gerade in den Ärmsten der Armen Jesus Christus erkenne.
  • Sie sagte: „Lieben Sie die Armen und wenden Sie ihnen nicht den Rücken zu, denn wenn Sie den Armen den Rücken zuwenden, so wenden Sie ihn Christus zu. Er hat sich selbst zum Hungrigen gemacht zum Nackten und Heimatlosen. So haben Sie und ich Gelegenheit ihn zu lieben. Wo ist Gott? Wie können wir ihn lieben? Es genügt nicht zu sagen: Mein Gott, ich liebe dich. Wir lieben Gott in dieser Welt, indem wir etwas aufgeben, etwas weggeben.“

Menschenrechte sind ein zentrales Thema für die Kirche

  • Sie gehören ins Herz eines katholischen Hilfswerks wie Missio. Gott schenkt allen Menschen die gleiche Würde und das gleiche Lebensrecht. In vielen Ländern werden diese Rechte mit Füßen getreten.
  • Als prophetische Kirche gilt unsere besondere Aufmerksamkeit den Entrechteten, den Armen und Schwachen dieser Welt. Bei der Durchsetzung und Wahrung der Menschenrechte für alle setzt sich Missio in seiner Arbeit deshalb vehement für die Gleichbehandlung aller Menschen von Frauen und von Männern, den gleichen Zugang zu Bildung und Erziehung ein.
  • Missio möchte dazu beitragen, dass eine Kirche entsteht, die Menschenrechte und die Freiheitsgeschichte des Evangeliums so vermittelt, dass diese Werte als universale Werte anerkannt werden können.
  • Der Wiener Pastoraltheologe Zulehner beschreibt die christliche Frömmigkeit so: „Sie steht immer auf zwei Säulen: Spiritualität und Solidarität. Wer bei den Armen untertaucht, taucht bei Gott auf."

Ein zentrales Menschenrecht ist die Religionsfreiheit

  •  Als Christen sind wir davon überzeugt, dass die Menschen durch den Glauben an das Erlösungswerk Jesu Christi zum Heil gelangen. Die Freiheit des Glaubens und der Religionsausübung gehört daher zu den grundlegenden Rechten des Menschen.
  • Eine große Herausforderung für die Zukunft und für die Sicherung der Menschenwürde sieht Missio dort, wo die christliche Botschaft auf Widerstand stößt, wo interreligiöser Dialog fehlt. Missio hat sich deshalb schon in der Vergangenheit stets dafür eingesetzt, Brücken zwischen Angehörigen verschiedener Religionen zu bauen und Beziehungslosigkeit und Vorurteile zu überwinden.

Menschenwürde muss es auch für Kastenlose geben

  • Diskriminierung aufgrund seiner Herkunft hat der katholische Priester Lourdunathan Yesumarian von Kindheit an erfahren. Für seine Mitschüler war er ein „Unberührbarer“. Das Betreten ihrer Häuser war undenkbar.
  • Priester geworden ermutigt er heute seine Leute immer wieder, mit erhobenem Haupt durchs Leben zu gehen. „Wir haben ein Recht darauf, wie Menschen behandelt zu werden“, impft er ihnen ein und „Dalit sein, ist würdevoll.“
  • Durch seinen Einsatz für die Dalits, besonders in Landrechtsfragen, hat sich Yesumarian viele Feinde gemacht. Doch trotz Bedrohung seines Lebens will Yesumarian auch zukünftig die Rechte und Würde der Dalits einfordern. „Wir wollen wie menschliche Wesen behandelt werden. Das ist unsere Forderung.“

Solidarisch mit den verfolgten Christen wollen wir sein

  • Die 2. Lesung klingt wie ein Vermächtnis: Paulus weiß, dass er bald sterben wird. Im Rückblick auf sein Leben beschönigt er nichts. Da gab es Mühsal und Kampf, Erfolg und Gewinn, aber auch Treulosigkeit und Verrat.
  • Aber Paulus ist nicht verbittert. Er rechnet nicht ab. Er legt alles in die Hände Gottes: »Der Herr wird mich allem Bösen entreißen, er wird mich retten und in sein himmlisches Reich führen«.
  • Wer das Evangelium lebt und verkündet, muss mit Widerstand, mit Verfolgung, ja mit dem Tod rechnen. In vielen Ländern der Erde werden Christen verfolgt. Auch heute gibt es nicht wenige Märtyrer und Bekenner.
  • Unser Erzbischof sagte am 7. Okt. in Berlin auf der Fachtagung „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“, "Der eine und wahre Gott will keine Verfolgung und keine Bedrängnis, weder von Christen, Muslimen und Juden, noch sonst irgendeinem Religionsangehörigen. Um Gottes Willen darf es keine Verfolgungen geben."
  • Aber als Christen wissen wir, Verfolgungen werden kommen. Jesus hat daran keinen Zweifel gelassen. Wir haben als Christen Teil am Schicksal Jesu an seinem Kreuz. Wo immer Menschen wegen ihrer Religion verfolgt und benachteiligt werden, ist dies ein Aufruf zur Verkündigung und Bezeugung des Evangeliums Jesu. Es geht immer um die

Verwirklichung der Menschenrechte und Religionsfreiheit

  • Erzbischof Schick sagte in Berlin: "Bei der Evangelisierung geht es nicht um Rekrutierung von Christen, sondern es geht darum, dass das Evangelium zu allen Menschen gelangt.“
  • Und er fährt fort: „Das Evangelium spricht von der Gleichheit aller Menschen und davon, dass die trennenden Mauern zwischen Juden und Griechen eingerissen werden sollen. Es verbietet Feuer und Schwefel auf die herabzurufen, welche die eigene Religion nicht annehmen, nicht einmal die christliche. Das Evangelium verkündet, dass Jesus sein Leben für alle Menschen hingegeben hat."
  • Das Evangelium Christi lässt also keine Verfolgung oder Bedrängnis anderer zu. Die Evangelisation, die immer auch Selbstevangelisation ist, geschieht mit dem Ziel, die Verfolgungen und die Bedrängnisse zu überwinden.
  • Mit unserem Gebet und unseren Spenden unterstützen wir Missio, damit Menschenrechte und Religionsfreiheit überall in Indien zum Zuge kommen. Christsein heißt mit den Armen und für die Armen vor Gott sein, ihnen Würde geben.


[1] NA 2
[2] Sir 35,15f.
[3] Eph6,9
[4] Lk 18,9-14
[5] Mt 9,13

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