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2010 (C)

Homilie am 3.Sontag C2009 zu Lk 1,1-4; 4,14-21 in St. Johannes der Täufer in Großenbuch

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 Heute hat sich erfüllt

Zuverlässigkeit erwarten wir von Menschen und von Geräten. Der jeden Morgen zur Arbeit Fahrende muss sich darauf verlassen können dass sein Auto trotz Kälte anspringt. Überträgt der Chef einem Angestellten eine Aufgabe, verlässt er sich darauf, dass sie ordnungsgemäß ausgeführt wird. Ebenso müssen sich Angestellte und Untergebene auf die Leitung des Unternehmens verlassen können. Ein Mann muss sich auf seine Frau und eine Frau auf ihren Mann verlassen können, soll ihre Ehe gelingen.

Wie aber steht es mit der

1. Zuverlässigkeit unseres christlichen Glaubens?

 
 3. S. I. Jahreskr. (C) um es für dich aufzuschreiben ....... Gemälde, H. Memling (1433-1494)
3. S. I. Jahreskr. (C) um es fuer dich aufzuschreiben ....... Gemaelde, H. Memling (1433-1494)
     Manche machen es sich leicht mit der Heiligen Schrift. Sie behaupten, das seien ja doch alles nur Märchen. Die ersten Verse des heutigen Evangeliums widerlegen solche Behauptungen. Sie sind mir so wichtig, daß ich sie noch einmal vorlese. Lukas, der Verfasser schreibt,
"Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat.
Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren.
Nun habe ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, verehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben.
So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest.“[1]

Lukas, ein gebildeter Arzt, sagt uns, er sei allem, was sich ereignet und erfüllt hat, sorgfältig nachgegangen.

Auch er ist also, wie es uns der Schreiber des 2. Petrusbriefes bestätigt, „keinen Fabeleien und Legenden nachgelaufen"[2], als er uns das Leben Jesu und seine Botschaft aufschrieb. Er hat sich vielmehr bei den Augenzeugen und Ohrenzeugen erkundigt und das, was sich ereignet und erfüllt hat, gewissenhaft aufgeschrieben.
Lukas ist sich also seiner einmaligen Aufgabe bewusst, Geschichtsschreiber des Jesus Christus zu sein, den Gott sandte, um der Welt die Heilsbotschaft zu verkünden. Heute

2. Die Botschaft von Nazareth.

  • Bei der Versuchung in der Wüste durch den Widersacher hat sich Jesus zu seinem Auftrag durchgerungen: "Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen."[3]
  • Bei der Taufe im Jordan erfährt Jesus die Bestätigung durch den Vater. "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden."
  • In der Kraft des Heiligen Geistes kehrt er in seine Heimat, wo er aufgewachsen war, zurück, nach Nazaret.
  • Zuerst ist alles ganz gewöhnlich, ganz normal. Er geht, wie er es von Kindheit an gewohnt war, in die Synagoge. Wir würden sagen: "am Sonntag in seine Kirche."
Er meldet sich, wie es in den Synagogen der Juden heute noch üblich ist als "Lektor" zum Vorlesen und zur Schrifterklärung. Der Synagogenvorsteher reicht Jesus das Buch des Propheten Jesaja; alles, wie es laut Gottesdienstordnung trifft.
Wir erfahren auch noch wie er bei seinen Landsleuten ankam: "Seine Rede fand bei allen Beifall und sie staunten darüber, wie begnadet er redete." (V 22). So erfahren wir also ganz nebenbei, dass dieser 30 jährige Mann aus Nazaret ein guter Redner und außerdem ein sehr sympathischer Mann war, denn "alle Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet."
Auch die Schriftstelle, die Jesus vorliest, ist gewohnt und allen bekannt. Vor 700 Jahren hatte der große Gottesmann Jesaja den Messias angekündigt. Wenn er kommt, wird er den Armen helfen und die Welt endlich in Ordnung bringen, indem er auch den Kleinen zu ihrem Recht verhilft.
  • Aber Jesaja ist seit langem tot, und das, was er verheißen hat, wird wohl irgendwann einmal eintreten, aber vielleicht erst in ferner Zukunft, wenn wir alle längst tot sind. Die große Zeit, in der es Männer wie Jesaja gab, ist längst vorbei, und die Zukunft, in der alles gut sein wird, ist noch lange nicht da.
  • Die Leute in der Synagoge sind also in der gleich traurigen Lage, wie wir heute in der Kirche: das eine "in jener Zeit vor 2000 Jahren ist längst vorbei“ und das andere: „bis er wiederkommt in Herrlichkeit«, erleben wir ja doch nicht.
  • Aber plötzlich schlägt es in der kleinen Synagoge von Nazaret beim ganz normalen und gewohnten Gottesdienst wie eine Bombe ein. Heute, jetzt in dieser Stunde, hier in Nazaret, erfüllt sich das, was Jesaja vor 700 Jahren angesagt hat. Ihr meine Landsleute dürft erleben, was alle Menschen vor euch erwartet und erhofft haben: ICH BIN DER, DEN DER GROSSE PROPHET GEMEINT HAT. Ich bin gesandt, den Armen eine gute Nachricht zu bringen, die Gefangenen frei und die Blinden sehend zu machen und allen Menschen zu sagen: Mit mir beginnt die neue Zeit Gottes, die Zeit der Hoffnung und der Gnade.
  • Ist es nicht sonderbar? Immer haben diese armen Leute von Nazaret auf die große Stunde gewartet. Und nun sagt ihnen ihr eigener Landsmann: Jetzt ist es so weit. Jetzt ist der Himmel auf die Erde gefallen. Heute erfüllt es sich und ihr dürft es erleben! Und was geschieht? "Alle in der Synagoge wurden voll Zorn und stießen ihn zur Stadt hinaus auf einen Berg um ihn hinabzustürzen.''

3. Warum reagieren sie so? Warum haben sie ihn nicht erkannt?

  • Vielleicht gerade deshalb, weil sie ihn so gut gekannt haben; weil sie sich einfach nicht vorstellen konnten, daß das große Ereignis im Kleid des Gewohnten, des Alltäglichen eintreten kann. Der Messias muss, wenn er kommt, großartig kommen, überwältigend, einmalig. Nun soll er in der Gestalt eines der Ihren, des Zimmermanns Sohn, gleichsam mit Hobelspänen in den Haaren, kommen. Das kann nicht sein.
Vor uns hat er heute im Evangelium das Gleiche gesagt.

4. Heute will er an uns handeln

  • Und wie ergeht es uns dabei? Wir warten auf die große Stunde, auf das einmalige Ereignis, auf das Außergewöhnliche, auf das große Wunder. Gott aber will uns heute begegnen und im Kleid des Kleinen und Alltäglichen, "denn er entäußert sich in Jesus, wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich." So bekennt es Paulus in seinem Brief an die Philipper.
  • Heute erfüllt sich das Wort, das wir so eben gehört haben. Heute erfüllt sich unsere Sehnsucht! Wenn wir glauben.
  • Heute kommt das Reich Gottes, will Gott durch Jesus seine Herrschaft bei uns aufrichten, wenn wir ihn an uns wirken lassen.
  • Heute will er an uns handeln, von uns erkannt werden! Was trauern wir dem Gestern nach, was träumen wir vom großen Glück das morgen oder irgendwann einmal kommen wird?
  • Heute will sich an uns das Wort erfüllen: Arme hören eine Botschaft, die ihnen Hoffnung gibt, sie aufatmen lässt.
Wo Menschen

Den Boten und die Botschaft bei sich einlassen,

  • wo sie aufhören, sich an Äußerlichkeiten zu stoßen, wo sie anfangen ihr Zuhören nicht von Lust und Unlust abhängig zu machen, wo sie in sich den Widersacher zum Schweigen bringen, und den festen Willen haben, zuzuhören, sich treffen zu lassen, dort kann der Messias ankommen, auch heute.
  •  Wo Menschen den Boten und die Botschaft bei sich einlassen, lernen sie die Welt und die Zukunft anders zu sehen, finden sie Richtung für ihr Dasein; auch heute.
  •  Fallen die Fesseln der Angst, der Verzweiflung und Ich-Fixierung von ihnen ab, auch heute.
  •  Wo der Messias in den Herzen und im Geist der Menschen ankommen, können sie aufatmen und neue Hoffnung schöpfen;  „nimmt sich der Geist unserer Schwachheit an“[4], weil der Stolz und das Bauen auf die eigene Leistungsfähigkeit dem Vertrauen auf Gott gewichen ist.
  • Der Gott und Vater Jesu Christi hat uns in dieses Leben gerufen. Er wird seine durch Jesus gegebenen Verheißungen einlösen. Eine grenzenlose Zukunft in der Fülle göttlicher Lebenskraft hält er für uns bereit.

Schreiben wir also über jeden Tag unseres Lebens:

  • "Heute ist der Tag, den Gott gemacht hat." So wird es nie nur den grauen Alltag geben, der nur voller sinnloser Mühsal ist, sondern nur Tage, die voll sind von der Möglichkeit Gott zu begegnen und seine Herrlichkeit zu schauen. Dann kann und wird Gott uns auch im Bekannten im Alltäglichen und im Unerwarteten ansprechen. Wird die Freude an Gott unsere Stärke, unsere Lebenskraft.[5]
  • Rabbi Michal war zu Gast bei gelehrten Männern. Er überraschte sie mit der Frage: "Wo wohnt Gott?“ Sie lachten über ihn: "Was redet ihr! Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll!" Er aber beantwortete seine eigene Frage so: Gott wohnt, wo man ihn einlässt.
  • Wer ihn, den ICH-BIN-DA, sucht und bei sich einlässt, den verlässt er nicht.[6] Es wir wahr werden, was Jesus dem Judas Thaddäus sagt. „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“[7] Der Vater und Jesus werden bei uns bleiben, wenn dieses irdische Leben zu Ende ist. Wo sie sind, da ist auch der Geist.
  • Darum schreibt Paulus an die Christen in Rom: „Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.“[8]


[1] Lk 1,1-4
[2] 2 Petr 1,16
[3] Dtn 5,9; 6,13; Mt 4,10;
[4] Röm 8,26
[5] vgl Neh 8,10
[6] vgl. Ps 9,11
[7] Joh 14,23
[8] Röm 8,11

 

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