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Predigten

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2009

Homilie am 2. Advent in der Sonntagabendmesse in St. Michael Neunkirchen

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 Die Stimme in der Wüste[1]

1 Das Heil Gottes im weltgeschichtlichen Zusammenhang

  • Meisterhaft stellt der Evangelist Lukas den Umkehrruf Johannes des Täufers in den weltgeschichtlichen Zusammenhang. Die im Wirkungsbereich des Johannes Mächtigen in Politik und Religion werden namentlich aufgezählt.
  • Dazu kommen zwei kurze Ortsangaben. In der Wüste ergeht das Wort des Herrn an Johannes. Am Jordan tritt er öffentlich auf. Hier predigt er, um dem Messias in den Herzen der Menschen den Weg zu bereiten. Im Jordan werden die zur Umkehr Bereiten von ihm getauft.
  • Eines jeden Menschen Zeit und Leben, auch unsere Zeit und unser Leben stehen in einem weltgeschichtlichen Zusammenhang und zugleich unter dem Ruf und den Verheißungen Gottes.

 2 Eine Stimme ruft in der Wüste heute

  • zu der Zeit da Horst Köhler Bundespräsident, Angela Merkel Bundeskanzlerin und Guido Westerwelle Außenminister der Bundesrepublik Deutschland sind und der aus Bayern stammende Joseph Ratzinger genannt Benedikt XVI als Papst der römisch-katholischen Kirche vorsteht.
  • Heute, hier bei uns, will sich erfüllen, was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht. »Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt«.
Das heißt für alle Getauften und Gefirmten heute

3 In den Lebenswüsten prophetisch leben

  • Kein Ort scheint uns so lebensfeindlich, wie die Wüste. Zugleich ist sie der Ort, wo Bequemlichkeit und Luxus fehlen, wo es um das nackte Überleben geht. Dennoch, in der Wüste ergeht das Wort des Herrn an Johannes, also an einen Menschen, der sich Gott ganz öffnet und sich ihm zur Verfügung stellt, der seine prophetische Berufung erkennt und leben will.
  • Prophetisch leben und handeln heißt, im Lichte des Wortes Gottes die Zeit, die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, das Leben der Mitmenschen deuten, gefahrvolle Entwicklungen erkennen und davor warnen, Wege aus dem Unheil ins Heil, in die Befreiung zu zeigen, die Verheißungen Gottes verkündend die Berge des Egoismus abtragen helfen, die sich dem Kommen des Retters und Befreiers in den Weg stellen.
  • Die Täler der Bequemlichkeit mit Liebe und Einsatzfreudigkeit für die Benachteiligten, verwundeten Seelen auszufüllen. Die Schluchten der Maßlosigkeit und Süchte durch Maßhalten und Verzicht zu überwinden. Die krumme Wege Gehenden auf den rechten Weg führen und sie dabei begleiten.

4 Was wollen Wüstenerfahrungen uns sagen?

  • Die Wüste ist ein Bild für unser Daseinsgefühl. Wir sprechen von Betonwüsten in unseren Städten, von der Wüste in den menschlichen Herzen, wenn alles öde und leer geworden ist. Viele Menschen leben in der Wüste der Einsamkeit, der Sinnlosigkeit, in der Wüste des »no Future«, der Hoffnungslosigkeit und der Resignation. Wüste kann bedeuten, ohne Beziehung, vertrocknet und ausgedörrt sein. Die Wüste ist der Ort der Gottferne, aber auch der Gottsuche und zugleich der Gottesbegegnung.
  • Wir alle kennen Menschen, die in solcher Art Wüste leben. Manche von uns haben selber schon wüstenähnliche Zustände erlebt. Wir sind manchmal unbehaust, wie abgeschnitten vom Leben. In uns erleben wir bisweilen wilde und ungezügelte Kräfte.
  • Wer schon einmal in solcher Wüste war, wird die Erfahrung gemacht haben, schonungslos mit sich selbst konfrontiert zu sein. In diese „Wüsten unseres Lebens“ ruft die Kirche mit den Worten des Propheten Jesaja und des Täufers Johannes: „Bereitet dem Herrn den Weg.“ Sagt sie Heil und Befreiung denen zu, die umkehren.

 

Wüst geht es zu im alltäglichen Leben, oft in unserer unmittelbaren Nähe.
  • Ein Ehepaar 13 Jahre standesamtlich verheiratet, beide aus der Kirche ausgetreten, haben sich ein schönes Haus gebaut, dann zwei Kinder bekommen. Wenige Monate nach der Geburt des 2. Kindes kommt der Mann von der Arbeit nach Hause und sagt zu seiner Frau: „Ich liebe dich nicht mehr.“ Zieht aus, ohne Erklärung, ohne Gespräch.
  • Sie sagt: »Jetzt wo wir alles so haben, wie wir es uns erträumten, jetzt dieser Hammer«. Zwei kleine Kinder mit der Mutter allein gelassen. Mitten im Wohlstand eine schreckliche lebensfeindliche Wüste. Wir fragen uns, warum zerbrechen heute so viele Liebesbeziehungen. Dafür gibt es viele Gründe. Einer der am wenigsten bedachten und genannten ist

5 Die abgebrochene Beziehung zu Gott, zu Jesus, zur Kirche

  • solche nicht mehr gepflegte oder abgebrochene Beziehung kann schnell zur Verwüstung des Lebens führen. Es gilt nur noch das zum Götzen erhobene eigene Gefühl und die verspürte oder nicht mehr verspürte Lust. Da zählt weder das junge Leben der Kinder noch das Glück vergangener Jahre. Wer nicht mehr an Gott und sein Gericht glaubt, wer meint, mit dem Tod sei alles aus, dem bedeuten Gottes Gebote auch nichts mehr, ein solcher Mensch verliert leicht das Gespür für Verantwortung.
  • Verantwortungslosigkeit bringt immer Unglück hervor. Sie verstellt den Weg ins gelobte Land. Denn Gott verheißt es den zu ihm Um- und Heimkehrenden. Mit Sorge nehmen wir wahr, wie der Glaube bei uns schwindet und damit auch der Sinn für Ehe und Familie. Nicht eheliche Lebensgemeinschaften und Verbindungen zwischen Gleichgeschlechtlichen sollen den gleichen Rang haben wie die Ehe. Das ist nicht nur gegen das Grundgesetz, sondern auch gegen jede Vernunft.

6 Religion und Familie

  • Wenn die Religion schwindet und die Familien zerbrechen, dann breiten sich die Wüsten in den Seelen, den Häusern, im Volke aus. Die nach Liebe, Geborgenheit, Verlässlichkeit und Treue hungernden und dürstenden Menschen, vor allem die Kinder, verhungern, verdursten als erste in diesen Lebenswüsten.
  • Adolph Kolping hat es im Jahr 1850 präzise ausgesprochen. „Kein Mensch kann der Religion ganz entraten, jeder hat sie nötig. Im Familienleben ist sie gar, soll es gedeihen und beglücken, das notwendigste Erfordernis der Welt. Ja, die Religion ist das Fundament im Hause, im Volk, im Staat, in der ganzen sittlichen Welt,“[2] Sich für die christliche Religion zu entscheiden, heißt

7 Den Weg der Befreiung wählen

  • Den Ruf des Johannes zur Umkehr ernst nehmend und ihre Sünden bekennend steigen die Menschen in den Jordan und empfangen die Bußtaufe des Johannes. So werden sie bereit für den Messias Gottes, für Jesus, den Christus, in dem Gottes Erlösung und Heil den Menschen zuteil wird. So wird wahr, was das heutige Evangelium verkündet: „Alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.“[3]
  • Das Sehen und Erkennen des Heilbringers ist der erste Schritt. Ein zweiter ist entscheidend:  Das in Jesus Christus angebotene Heil Gottes muss ergriffen, angenommen werden.
  • Auch wir müssen zum Jordan hinabsteigen. D.h. wir müssen hingehen, wo getauft und die Umkehr gepredigt wird, heute nicht mehr von Johannes, sondern von Christus durch seine Kirche. Christus tauft, wenn die Kirche tauft. Christus spricht los, wenn der geweihte Priester die Worte der Befreiung uns zusagt: »Ich spreche dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes«. Christus predigt, wenn im Gottesdienst sein Evangelium verkündet und ausgelegt wird.
  • Selbst ein Mensch wie die verlassene Mutter mit ihren zwei Kindern ahnt, dass Heil und Glück nicht plan- und machbar sind, sondern dass da einer ist, der in ihr Leben hineinwirkt gerade jetzt in dieser schrecklichen menschlichen Enttäuschung. Nur deshalb konnte sie sagen: „Ich bin furchtbar verwundet, aber innerlich stark.“
  • Ich sagte ihr, dass viele für sie beten, ich auch. „Ja,“ meinte sie, „So viele Menschen stehen mir bei, auch Menschen zu denen ich keine besondere Beziehung habe. Ich spüre, dass viele gut an mich denken.“
  • Die Wüsten unseres Lebens sind also auch eine Chance, uns dem großen Geheimnis wieder zu nähern, auf das allein Verlass ist, auf den Gott Israels und der Christen, auf Jahwe, den ICH-BIN-DA. Ihn nennt Jesus zärtlich »Abba« guter Vater.
  • Den aus Jerusalem Verschleppten in Babylon Gefangenen kündet das Buch Baruch in überschwenglichen Bildern das Heil Gottes: Heraus aus den Kleidern der Trauer und des Elends! „Bekleide dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit, die Gott dir für immer verleiht.“ Nicht Liebe und Wertschätzung auf Zeit, auf sieben oder 13 Jahre, sondern für immer. So ist Gott! Wenn wir das doch als lebendiges Wissen in uns tragen würden.
  • Mitten in den Wüsten des Lebens hält uns Gott durch seine Kirche die Tür zum Paradies offen. In Jesus hat unwiderruflich die von Johannes verkündigte Neuschaffung der Welt begonnen; sie kann in allen Menschen, die dem Ruf des Johannes folgend umkehren, zur Wirklichkeit werden. Auf diesen Weg der Befreiung und der Heimkehr zu unserem Ursprung weist uns der Advent.
Im Babylonischen Talmud - er ist dort entstanden, wo einst viele Juden in der babylonischen Gefangenschaft sich nach der Heimkehr sehnten, finden wir diese kleine Geschichte:
Rabbi Elieser sagte: Kehre zu Gott zurück einen Tag vor deinem Tod. Die Schüler fragten Rabbi Elieser: Weiß denn der Mensch, an welchem Tag er sterben wird? Dieser erwiderte: Umso mehr muss er heute umkehren, vielleicht stirbt er morgen. Es ergibt sich also, dass er alle Tage seines Lebens zu Gott zurückkehren soll.


[1] Homilie zu Bar 5, 1-9; Lk 3, 1-6
[2]  VO 1850, S. 7
[3] Lk 3,6

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