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2010 (C)

Homilie am 12.Sonntad im Jahreskreis C in Honings »U.L.F. vom Rosenkranz«

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Gott fürchten und lieben

1 Lex orandi – Lex credendi

  • An der Art, wie Menschen miteinander reden, erkennen wir, wie sie zu einander stehen. Reden sie nicht mehr miteinander, so wissen wir, ihre Beziehung ist tot.
  • An der Art, wie Eltern beten, ob und wie sie mit Gott sprechen, merken Kinder, ob ihre Eltern Gott lieben, welche Beziehung sie zu Gott haben. Was sie von Jesus halten. Ob er ihr Heiland und Erlöser ist, ob sie ihn zum Freund haben, oder er ihnen gleichgültig ist.
  • An dem, was und wie die Kirche betet, merken Außenstehende, aber auch Christen, was die Kirche glaubt, wie sie zu ihrem Gott steht, welchen Stellenwert Jesus für sie hat. Ein uraltes lateinisches Sprichwort sagt: Lex orandi - Lex credendi, wörtlich „Das Gesetz des Betens ist das Gesetz des Glaubens“ oder sinngemäß: an dem wie und was einer betet, erkenne ich, wie und was er glaubt.

2 Der Geist des Gebetes

2.1 muss über uns kommen

  • Durch den Propheten Sacharja[1] verheißt Gott: Er werde den Geist des Gebetes über das Haus David und die Einwohner Jerusalems ausgießen, d.h. in seiner Liebe befähigt Gott sein Volk durch die Ausgießung des Heiligen Geistes, dass sie wieder anfangen zu beten und sich in rechtem Beten Gott zuwenden. Er befähigt sie also zum Gespräch mit sich.
  • Obwohl das Volk den Knecht Gottes verwundet und durchbohrt hat, macht Gott es fähig, zu bereuen und umzukehren, ja sogar »auf den zu schauen, den sie durchbohrt haben«.[2] Das Johannesevangelium deutet diese Stelle beim Propheten Sacharja auf den am Kreuz durchbohrten Christus.

2.2 Nichts darf uns hindern zu beten

  • Was lernen wir daraus: Unsere Sünden und unsere Untreue sollen und dürfen uns nicht daran hindern zu beten.
  • Das heutige Evangelium berichtet, Jesus betete in der Einsamkeit und seine Jünger waren bei ihm.[3] Sie haben ihm beim Beten zugesehen und zugehört. Durch sein Gebet sind die Jünger vorbereitet auf die Frage: „Für wen halten mich die Menschen?“. Durch das Gebet Jesu wurde Petrus zu dem Bekenntnis befähigt: „Du bist der Messias Gottes.“[4]
  • Bei den offiziellen Gebeten der Messfeier hören wir der Kirche zu, wie sie zu Gott betet und wir sagen dazu unser Amen. Durch den Glauben haben wir Anteil an der Sohnschaft Jesu. In der Taufe haben wir Christus als Gewand angelegt. Wir haben ohne Unterschied alle die gleiche große Würde.
  •  Mit seinem Sohnsein umkleidet sind die Getauften »einer« in Christus, Nachkommen Abrahams und Erben der Verheißung.[5] Im Tagesgebet bittet die Kirche um die Gabe

3  Gott zu fürchten und zu lieben

  • Aus diesem Grund wollen wir uns aufmerksam dem Tagesgebet des heutigen Sonntags zuwenden, mit dem die Eröffnung der Messfeier zusammengefasst und abgeschlossen wurde. In ihrem Beten zeigt uns die Kirche, wer der dreieinige dreifaltige Gott für sie ist.
Sie beginnt mit der Aufforderung an die Gemeinde:

3.1 „Lasset uns beten“
  • Nach diesem Zuruf beginnt der Priester nach dem Willen der Kirche nicht einfach mit dem Beten, sondern verweilt eine Weile in gesammelter Haltung. Die Geste, die er dabei macht, ist eine Aufforderung zur Sammlung.
  • Er macht es uns vor, wie wir uns sammeln sollen. Die innere Sammlung geht über den Leib: Vor dem Sonnengeflecht meines Leibes, dort wo wir hindeuten, wenn wir „Ich“ sagen, verschränken wir die Hände: „Ich sammle mich. Ich bin jetzt mit all meinen Sinnen bei mir, damit ich ganz bei Gott sein kann.“ Oder ich falte meine Hände, dass sie von meiner Mitte vom Herzen her auf Gott ausgerichtet sind. In der Stille sage ich Gott meine Anliegen. Nach einer Weile gesammelter Stille

 

3.2 Fasst der Priester das Beten der Gläubigen zusammen.
  • Diese Geste des Hereinholens sagt aber auch, dass jetzt der Priester die Gebete und Anliegen der Gläubigen hereinholen will in das zusammenfassende Gebet der Kirche, um es mit ausgebreiteten Armen durch Christus im Heiligen Geist zu Gott zu bringen.
3.3 Horchen wir nochmals in das Tagesgebet vom 12. Sonntag hinein.
  • Dieses zusammenfassende Gebet der Kirche hat an diesem Sonntag folgenden Wortlaut:
„Heiliger Gott,
Gib, dass wir deinen Namen allezeit fürchten und lieben.
Denn du entziehst keinem deine väterliche Hand,
Der fest in deiner Liebe verwurzelt ist.“

 Dieses Gebet sagt uns:

 

3.3.1 Gott hat einen Namen
  • In unserem Gotteslob steht die Namen-Gottes Litanei. Sie wird unserem gemeinschaftlichen und persönlichen Beten empfohlen. Der Mensch, der nach dem Namen Gottes fragt, will Gott erkennen, will ihm nahe sein, möchte ihn lieben. Zugleich aber erahnen wir den Abstand, der uns von Gott trennt, seine unauslotbare Größe, seine Vollkommenheit, sein Heiligsein.
  • Gott ist das Geheimnis, das fasziniert, aber auch erzittern lässt. So verbindet sich die Liebe mit der Furcht. Unsere Litanei spricht diesen Gott an: „Gott mit tausend Namen, von denen jeder dich nennt und keiner dich fasst.“

 

3.3.2 So nahen wir uns Gott in Furcht und Liebe zugleich
  • Wir möchten ihm begegnen, ihn schauen. Zugleich erschrecken wir vor unserer Bitte, unserer Kühnheit. Das ist schon eigenartig: Wir fürchten uns und bitten Gott, dass er uns „das Fürchten lehre“. Welcher Mensch bittet schon um Furcht? Sollten wir nicht eher bitten, der Herr möge uns von Furcht und Angst befreien? Ist eine solche Bitte überhaupt vollziehbar?
  • Die Antwort lautet: Die Furcht, die hier gemeint ist, hat wenig mit Angst zu tun, viel näher steht sie der Liebe. Ehrfurcht könnten wir sie besser nennen. Ehrfurcht hat viel mit Liebe zu tun. Ja, sie ist eine Form der Liebe, die heute nur selten in unseren Breiten zu finden ist.
  • Ehrfurcht bedeutet: Ich fürchte mich die Ehre des Geliebten, des verehrten Menschen zu verletzen, ihm nicht gerecht zu werden. Weil uns diese Ehrfurcht, die Furcht, die Ehre und Würde des anderen zu verletzen, heute weitgehend fehlt, gehen nicht nur viele Ehen und menschliche Beziehungen zugrunde, sondern wird auch unser Verhältnis zu Gott beschädigt.
  • Ehrfürchtige Liebe weiß um die Nähe zum anderen und um den Abstand zugleich. Menschen, die sich lieben sollten einander von der Ehrfurcht geleitet begegnen, denn nur so wird die Liebe vor der zerstörerischen Selbstsucht bewahrt.

 

3.3.3 Unser Tagesgebet beginnt mit der Anrufung „Heiliger Gott“.
  • „Heilig“ bedeutet in der Sprache der Bibel Abstand, Trennung, Fernsein von allem was mit Sünde und Schuld, Unreinheit und Bosheit zu tun hat. Keiner von uns Menschen kann sagen, er sei ohne Schuld. Viel Unreines und manchmal Böses ist in uns. Immer wieder sündigen wir, sondern wir uns ab von Gott, von unseren Mitmenschen, von uns selber, von seiner Schöpfung. Deshalb hätten wir allen Grund uns zu fürchten.
  • „Wehe mir, ich bin verloren“ ruft der Prophet Jesaja angesichts der Heiligkeit Gottes aus. „Ich bin ein Mensch mit unreinen Lippen und meine Augen haben den König der Herrlichkeit gesehen.“[6]

 

3.3.4 Wir spüren die alles überragende Einzigartigkeit Gottes
  • Die Heiligkeit Gottes zeigt sich in der Heiligen Schrift am eindrucksvollsten als die Stimme des heiligen Gottes dem Mose aus dem brennenden Dornbusch zuruft „Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab, denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden.“[7]
  • Diese Begebenheit zeigt zum einen den Abstand zwischen Mensch und Gott und zugleich aber auch die Nähe Gottes. Der heilige Gott teilt auf bitten des Mose seinen Namen mit und tut darin sein Wesen kund. Er nennt sich JAHWE: „Ich bin der Ich-Bin-Da“, ich bin mit euch. Das ist mein Name für immer. Nach diesem Gott dürstet unsere Seele.[8]
  • Der ferne Gott ist also zugleich der nahe, der heilige zugleich der liebende; ER, den wir fürchten, ist der, ohne den wir nicht leben können. „Gott in unzugänglichem Licht, mitten unter uns“, beten wir in der Namen Gottes-Litanei.
  • Furcht und Liebe gehören zusammen; denn „Gott widersteht dem Stolzen, dem Demütigen schenkt er seine Gnade.“[9] Deshalb heißt es am Schluss des Tagesgebetes „Du entziehst keinem deine väterliche Hand der fest in deiner Liebe verwurzelt ist.“
  • An der Art wie und was wir beten wird deutlich, ob wir in seiner väterlichen und mütterlichen Liebe verwurzelt sind. Der heilige Gott gebe uns den Geist des rechten Flehens, damit wir zu vollen Freiheit der Kinder Gottes finden.

 

3.3.5 Wir sind in unserem Beten nicht allein
  • Darum schließt die Kirche ihr gemeinsames Gebet immer mit dem Blick auf Jesus und den Heiligen Geist:  „Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in Ewigkeit.“
  • Durch die Taufe gehören wir zu Jesus Christus und er gehört zu uns, sind wir Söhne und Töchter des einen Vaters, Tempel des Heiligen Geistes. Verheißungsvoll  sagt Jesus denen die vertrauensvoll in seinem Namen Gott bitten:  „Was ihr vom Vater erbitten werdet, das wird er euch in meinem Namen geben.“[10] Christus hat uns verheißen, dass er mitten unter uns ist, wenn wir in seinem Namen zusammenkommen. Er betet mit uns, wir beten durch ihn zum Vater. Durch ihn kommt unser Gebet bei Gott an.
  • Noch mehr „der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“[11] Das macht uns Mut, immer wieder durch Christus im Heiligen Geist miteinander in der Liturgie der Kirche zu Gott zu beten.

 

[1] Sach 12,10
1 2 3 ...[2] ebd 12,10
[3] Lk 9,18
[4] Lk 9,20
[5] Gl 3,16-29
[6] Jes 6,5
[7] Ex 3,5
[8] Ps 63,2
[9] Jak 4,6
[10] Joh 16,23
[11] Röm 8,26

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