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2010 (C)

Homilie am Karfreitag zur Todessstunde Jesu in Hetzles St. Laurentius

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 Christus starb nicht nur am Kreuz - Er starb für uns.

 •Eine blutige Theologie?

  • Dies werfen manche der Kirche vor, weil sie verkündet, dass "Jesus Christus für uns sein Blut vergossen hat und für uns gestorben ist". Ausdrücklich verkündet Johannes am Ende seiner Passionsgeschichte "einer der Soldaten stieß eine Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser heraus."
  • Blut ist im biblischen Sprachgebrauch nicht nur der Lebenssaft sondern der Sitz der Seele und des Lebens. Weil das Leben Gott gehört, der es gegeben hat, ist der Genuss von Blut den Israeliten streng verboten. Das haben übrigens die Urkirche und später der Islam übernommen.
 Im NT ist das vergossene Blut Jesu Christi ein anschaulicher Ausdruck für die Heilsbedeutung des Todes Christi.

  • (1) Der Hebräerbrief betont:

  • Der Alte Bund wurde durch das Blut der Opfertiere in Kraft gesetzt und besiegelt. Der Neue und Ewige Bund wird besiegelt durch das Blut Christi. Die Evangelien und Paulus bezeugen, Christus habe sein Blut vergossen für viele zur Vergebung der Sünden.[1] Darum sagt der Herr über den Kelch „das ist mein Blut, das Blut des Bundes.“[2]
  • Besonders der Hebräerbrief stellt dem Blut der Opfertiere als Gegenbild das Blut des himmlischen Hohenpriesters Jesus Christus gegenüber.[3] Der Hebräerbrief nennt Jesus, unseren Herrn, den der Gott des Friedens als den erhabenen Hirten seiner Schafe von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut eines ewigen Bundes.[4] Er soll uns tüchtig machen in allem Guten, damit wir seinen Willen tun.[5]

  • (2) Paulus und Petrus verkünden in ihren Schreiben an die christlichen Gemeinden: Das Blut Christi ist der kostbare Preis


  •  Durch den er uns von der Sünde losgekauft[6] und mit Gott versöhnt hat.[7] Versöhnung und Sühne sind beide Tat und Werk Gottes. Sie sind die zwei unlöslich zusammengehörenden Seiten des Kreuzesgeschehens, der Hingabe Jesu bis in den Tod am Kreuz.
  • In der Offenbarung des Johannes singen die Heiligen des Himmels dem Lamm das neue Lied: "Denn du wurdest geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erworben aus allen Stämmen und Sprachen, aus allen Nationen und Völkern."[8]
  • Durch sein Blut erlöst uns Christus von unseren Sünden,[9] reinigt er uns von «toten Werken»[10], heiligt er das Volk[11] durch die Besprengung mit dem Blut Jesu Christi.[12] Wir sind gerechtfertigt durch sein Blut,[13] durch das er Frieden stiftete zwischen Juden und Heiden.[14] Durch Jesus Christus nämlich durch sein Blut sind die Gottfernen ihm nahe gekommen.[15]

   • (3). Der Hebräerbrief bietet eine neue Gegenüberstellung;[16]

  • Dem fremden Blut der Opfertiere am Versöhnungstage steht das eigene Blut Christi am Kreuz gegenüber. Durch das Blut Christi haben wir zuversichtliche Hoffnung auf den Eingang in das Heiligtum, den Himmel.[17] Und in der Offenbarung des Johannes heißt es: die Heiligen haben ihre Gewänder rein gewaschen im Blut des Lammes.[18] Die vom Teufel Angeklagten haben ihn besiegt durch das Blut des Lammes und durch Ihr Wort und Zeugnis das sie mit der Hingabe ihres Lebens ablegten.[19]

   • (4.) In der Eucharistie schenkt uns Christus die Teilhabe an seinem Leib und Blut.[20]

  • Das Trinken des Blutes Christi ist Ausdruck der ganzheitlichen Verbindung, die der Christ durch die Eucharistie mit Christus eingeht.[21] Die Vorstellung von der Blutsverwandtschaft zwischen Gott und den Menschen findet kraft des Bundes in seinem Blut ihre erhabenste Verwirklichung.
  • Also doch eine blutige Theologie? Ja und nein! Ja, weil Jesus bis zum Äußersten geht in seiner Liebe zu uns Menschen, zu denen, die gequält und umgebracht werden, wie zu denen, die foltern und umbringen. Mehr kann keiner tun, als bis zum letzten Blutstropfen sich herschenken und lieben. Eine blutige Theologie? Nein, weil es nicht um die Aufforderung geht, Blut zu vergießen.  

•Aber Blut ist nicht nur ein Symbol für das Leben, es ist tatsächlich Leben.

Unsere geistige und seelische Gesundheit hängt mit dem Blute Christi, mit seiner Lebenshingabe zusammen.
• Freiwillig geht er den Weg der Schmach, den Weg des Kreuzes. 

• Eine Bluttransfusion rettet auch heute vielen Menschen ihr irdisches Leben und bewahrt sie vor dem sicheren Tod.

• Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über den gesundheitlichen Zustand des Menschen.

• Nun gibt es Menschen, sehr sensible Menschen, denen wird schlecht, wenn sie Blut sehen, und es gibt andere, die sind geil darauf, dass Blut fließt. Und da wird der Karfreitag Gegenwart; denn nicht nur Jesus stirbt am Kreuz; Bis heute werden ungezählte Menschen Opfer todbringenden Hasses oder sadistischer Lust.

Am Blut hängt das Leben

  • Der Hebräerbrief sagt zu den Christen, „Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet.“[22] Ganz anders Jesus Christus. Auf ihn den Urheber und Vollender des Glaubens sollen sie und wir blicken, „er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.“[23]
  • Auf der Jugendseite einer Zeitung schrieb eine Schülerin folgendes: "Den ganzen Abend kann ich an nichts anderes denken als an den Vorfall am Busbahnhof." Was meint sie damit?
  • Sie wartete mit ihrer Freundin auf den Bus und beobachtete zwei junge Burschen, die sich verprügelten. Sie beschreibt das so: "Sie wälzten sich auf dem Asphalt, stießen mit den Köpfen an die Bordsteinkante - das Blut spritzte."
Schon das hatte sie schockiert, aber als viel schlimmer empfand sie etwas anderes. "Doch regelrecht fassungslos wurde ich erst, als ich drei weitere Jugendliche erblickte, die sich neben die sich Prügelnden stellten." Einer sagte lachend: "Weiter! Ey, cool, ich seh‘ Blut!" Einer der drei trug quer über den Hals die Tätowierung "Skinhead". Die drei stiegen schließlich hinter den Schülerinnen in den Bus ein. Draußen ging die Schlägerei weiter. Einer der Schläger zückte ein Messer. Der Kommentar der Skinheads: "Ey, der sticht den ab! Ist ja scharf. Ich kenne den, der bringt das!"
  • In der Seele verrohte Menschen, denen jede Ehrfurcht vor dem Leben abhanden gekommen ist, empfinden Lust beim Anblick von Blut. Es sind die Verwandten jener Übeltäter, die überall auf der Welt Menschen grausam martern und umbringen, die das Blut anderer vergießen.

  Heute schauen wir auf den gekreuzigten Jesus und bekennen

  • Du gabst dein Leben für uns. Du hast sein Blut für uns vergossen. Durch deine bis zum äußersten gehende liebende Lebenshingabe hast du uns gezeigt, Gott ist auch in den schrecklichsten Lebenslagen bei uns. Durch dein liebendes Sterben hast du uns erlöst von den Fesseln unserer Sünden, vom Kreuz des Unabänderlichen und der Ausweglosigkeit des Todes.
  • Wir schauen auf Dich, den unsere Menschenbrüder durchbohrt haben und den der Vater auferweckt hat. Und wir schauen mit Dir auf all die Menschen, deren Blut durch andere vergossen wurde und wird. Zuletzt bei den beiden Terroranschlägen in der Moskauer Metro.

   • In diesen Menschen und mit ihnen leidet Christus.

• Er nahm das Kreuz auf sich, erduldete schreckliche körperliche und seelische Qualen und verblutete vor den Augen seiner Mutter und seiner Feinde, um Bruder und Zeichen der Hoffnung für all jene zu sein, die von anderen gequält, gefoltert werden, die von anderen umgebracht werden, deren Blut vergossen wird.

• Er geht diesen Weg, weil der Vater es will. Denn Gott will durch Jesus bei denen sein, die man ans Kreuz schlägt. Er ist diesen furchtbaren Weg gegangen, damit die Gequälten inmitten dieser Hölle aufblicken zum Himmel; damit die Schwerkranken und Sterbenden nicht verzweifeln müssen.

 • Er hat es aber auch für die getan, die unmenschlich mit anderen umgehen. Inmitten der Bosheit blieb er der Liebende und Verzeihende. Er tröstet den Raubmörder zu seiner Rechten und öffnet ihm die Tür zum Paradies. Noch vom Kreuz herab sorgt er für seine Mutter und für seinen Freund Johannes. Für seine Mörder beim Vater um Vergebung bittend hört bei ihm das Böse auf. Sein Sterben erschüttert den heidnischen Hauptmann, der das furchtbare Geschehen beaufsichtigt. So kann nur leiden und sterben, wer eins ist mit Gott "Wahrhaftig dieser Mensch war Gottes Sohn."

 • Nur in der Gemeinschaft mit dem gekreuzigten Christus kann all das Schreckliche das Menschen anderen Menschen antun ausgehalten werden, ohne selber böse zu werden und Rache zu üben.

 • Auf diesem Hintergrund erst begreifen wir, was es bedeutet, wenn wir nachher bei der Enthüllung des Kreuzes singen, "Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen. Kommt lasset uns anbeten." Wir beten den an, der in der Finsternis menschlicher Bosheit, ein Liebender und Erbarmender geblieben ist: Jesus Christus.

• Wird uns das Kreuz zur Verehrung gezeigt wollen wir langsam das große Kreuz über uns machen und für uns sprechen „Herr ich nehme Deine bis zum Äußersten gehende mich rettende und heilende Liebe an. Danke für Deine Liebe!“

 • Wir gehen seinen Kreuzweg nach, weil wir solidarisch sind mit den Gequälten und Umgebrachten; aber auch, um angesichts der Bosheit nicht Hassende zu werden, sondern Liebende bleiben zu können; der Gekreuzigte kann uns die Fähigkeit schenken, an die Peiniger zu denken und für sie zu beten, dass sie umkehren, sich zur Liebe bekehren, damit auch sie gerettet werden.


[1] Mt 26, 28 par. 1 Kor 11,24
[2] Mk 14,24
[3] Hebr 10,29; 12,24;
[4] Hebr 13,20
[5] Hebr 13,21
[6] Eph 1,7; 1 Petr 1,18f
[7] Röm 3,25
[8] Offb 5,9
[9] Offb 1,5
[10] Hebr 9,14
[11] Hebr 13,12
[12] 1 Petr 1,2
[13] Röm 5,9
[14] Kol 1,20
[15] Eph 2,13
[16] Hebr 9,11f.24f
[17] Hebr 10,19
[18] Offb 7,14
[19] Offb 12,11
[20] 1 Kor 10,16
[21] Jo 6,54-56
[22] Hebr 12,4
[23] Hebr 12,2

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