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2010 (C)

Homilie am Pfingstsonntag in Rödlas, am Pfingstmontag in Neunkirchen Sankt. Michael

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 Der Heilige Geist ist Gnade
1. Sie kennen keine Gnade
Als 1989 in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserer Kirche im Postanwesen die Diskothek neu eröffnet wurde stand auf dem Werbeplakat folgender Slogan: »Wir kennen keine Gnade! Und machen alles, was anmacht!«
Unsere Sprache verrät allenthalben jenen Ungeist, der aus dem ichhaften Geist des Menschen kommt, der Gott nicht erkannt hat. An folgenden Redewendungen wird dies deutlich:
»Den machen wir fertig. Der haben wir eins drauf gegeben. Den müsste man abschießen. Der haben wir ein Bein gestellt. Mach ihn nieder! Hau ihn zusammen! Verarschen, zusammenscheißen, anmachen, aufreißen.“
Wir spüren, wie sehr wir in dieses Denken mit verwickelt und davon betroffen sind. Wie auch wir oft keine Gnade kennen. Wehe uns, wenn wir sie nötig haben!
Der Heilige Geist ist Gnade
Der Heilige Geist ist Gnade
2. Der heilige Geist ist Gnade.

Das Wort Gnade hat seinen Ursprung in dem mittelhochdeutschen Wort »sich genahen«. Es ist eine treffende Übersetzung des griechischen Wortes »charis« und des lateinischen »gratia«. Es bedeutet unverdientes Geschenk, das uns danken lässt.
Das deutsche Wort drückt sehr stark den personalen Charakter von Gnade aus. Gnade meint persönliche Zuwendung. Gnade Gottes bedeutet: Gott selber naht sich uns, wendet sich uns zu, beschenkt uns mit seiner Liebe. Dieses Verständnis von Gnade hat seinen Ursprung im Neuen Testament. Paulus bekennt im Römerbrief "Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist." [1]
Jesus selber verheißt den Jüngern die Gabe des Heiligen Geistes als den "anderen Beistand"[2], den er vom Vater senden wird. Jesus ist den Menschen beigestanden. Jetzt, da er nicht mehr sichtbar unter uns weilt, ist der Heilige Geist der Beistand Gottes.[3]
2.1 Der heilige Geist ist Gnade, weil er Beistand ist.
Durch ihn ist uns der liebende Gott nahe. Mitten in unserer Seele. Er bewahrt uns davor, dass wir alles nur von unserem kleinen Ich her sehen und beurteilen. Er befreit uns aus jenem heillosen Egoismus des nur um sich kreisenden Menschen. Einen solchen Menschen nennt Paulus einen, "der nach dem Fleisch lebt."[4]
Die Zuwendung Gottes im Heiligen Geist befreit uns aus unserer ichhaften Enge und öffnet unseren Geist und unser Herz für die Weite Gottes. Er macht uns im wahrsten Sinn des Wortes katholisch das Ganze sehend aufs Ganze gehend.
Wenn wir zulassen, dass Gott uns beisteht, zur Seite steht, werden wir befreit von engstirnigem und hartherzigem Denken, das stur und rücksichtslos gegen andere viel Unheil anrichtet und in der Geschichte der Menschheit schon angerichtet hat.
2.2 Der Heilige Geist ist Gnade, liebende Nähe Gottes, weil er uns die Augen öffnet für das Wesentliche.
Er befähigt uns inmitten der von der Welt und von den Medien zelebrierten Äußerlichkeiten, aller nichtigen und mit viel Geld aufgezogenen Schau und dem protzigen Sich zur Schau Stellen der Menschen die Großtaten Gottes in Schöpfung und Erlösung wahrzunehmen und freimütig zu verkünden.
Denn was ist schon ein hoher Fernsehturm aus Beton gegenüber dem biegsamen, lebendigen Gras oder Getreidehalm? Und was sind alle Fortschritte in Medizin und Technik gegenüber der Auferweckung von den Toten?
2.3 Der Heilige Geist ist Gnade, liebende Nähe Gottes, weil er Vergebung schenkt.
Es ist nach der Auferweckung Jesus das zweite große Werk des heiligen Geistes, die Ostergabe des Auferstandenen an seine Kirche, dass uns in Vollmacht und persönlich die Vergebung unserer Sünden zugesagt und geschenkt wird.
Gott selber kommt uns Sündern entgegen und schließt den Um- und Heimkehrenden in seine Arme. So durchdrungen von seiner Liebe werden wir ganz rein und heilig. Werden wir fähig, einander immer wieder zu verzeihen und einen neuen Anfang zu schenken. Einander vergebend und verzeihend werden wir zu Spendern der Gnade Gottes.
2.4 Der Heilige Geist ist Gnade, liebende Nähe Gottes, weil er befreit
Von der Raffgier, der Sucht des Haben Müssens und Besitzen Wollens, des Neides und der Missgunst, weil er uns die Angst vor der Zukunft nimmt, denn "er bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind." [5] Weil wir aber Kinder Gottes sind, werden wir auch Erben Gottes, Erben mit Christus sein. Der ganze Reichtum und die ganze Fülle der Gaben Gottes warten auf uns. Nicht menschliche Erbschaften und irdischer Besitz sichern unsere Zukunft, sondern was Gott, denen bereitet hat, die ihn lieben.
Weil der Heilige Geist Gnade ist, nimmt er uns die Angst vor Schmerzen und Leiden, bewahrt er uns vor Panik, wenn diese auf liebe Menschen oder auf uns zukommen. Denn Christus hat sie für uns getragen und trägt sie mit uns. Es ist uns verheißen, dass wir teilhaben werden an seiner Verherrlichung, wenn wir mit ihm leiden, sie mit ihm tragen.
Der heilige Geist ist Gnade, weil er Beistand ist, weil er uns die Augen öffnet für das Wesentliche, weil er Vergebung schenkt, weil er befreit.
3. Der Heilige Geist macht uns an.
"Anmachen" ist ein Modewort der Subkultur. In Wahrheit ist es nur das Zerrbild von Worten, die in der Heiligen Schrift für das Kommen des heiligen Geistes gebraucht werden. "Er entzündet in uns" das Feuer der Liebe Gottes. Freilich daran denkt heute kaum jemand, wenn er von anmachen spricht.
3.1 Die Welt macht uns an
Das heißt ganz und gar weltlich gesinnte Menschen machen uns an, weil sie es auf unser Geld abgesehen haben, weil sie uns abhängig von ihren Darbietungen und Produkten machen wollen. Sie reden uns ein, dass wir bestimmte Dinge unbedingt haben müssen, sie tun alles, um unsere Triebe zu enthemmen, damit wir von ihnen abhängig sie befriedigen müssen, wofür wir wieder kräftig zahlen.
 Gegenwärtig wird das Internet vom Ungeist der Pornografie überflutet. 30% der 13jährigen sehen Pornos, reichen sie über Handys an Altersgenossen weiter. Hier werden zügellose Gier und Triebverfallenheit gezüchtet, die unfähig zu echter Liebe den Menschen des anderen Geschlechts nur als Objekt der Begierde sieht.
Die Achtung vor der von Gott geschenkten Quelle des Lebens, aus der uns Gott durch die Liebe unserer Eltern geschaffen hat, kann sich so nicht mehr entfalten. Hier werden Kinder und Jugendliche auf furchtbare Weise missbraucht. Wird nicht nur der Jugendschutz völlig missachtet, sondern die auf Achtung und Würde gründende Liebesfähigkeit zerstört, die Grundlage einer gelingenden Ehe und Familie ist.
Die Verführer von heute bieten an, was süchtig macht: Drogen, Alkohol, den Verstand ausschaltende Rhythmen, Nervenkitzel, hemmungslosen Sex. Sie stacheln die Spielleidenschaft an, um die Sehnsucht nach Glück und Gewinn auszubeuten.
Sie kitzeln unsere Neugierde, damit wir begierig werden nach allem Neuen und das Alte, Bewährte über Bord werfen, um neue Märkte und Käuferschichten zu erschließen. Das Neue aber ist nicht immer das Bessere und auch nicht immer das Gute. Darum mahnt Paulus die Epheser und uns: "Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, sondern deckt sie auf."[6]
3.2 Der Christ lässt sich vom Heiligen Geist anmachen.
Dieser entzündet in uns das Feuer der Liebe Gottes, die uns zur Güte und Treue befähigt. Gutsein und Verlässlichkeit sind die wirklichen Bausteine für eine tragfähige Liebe. Wo wir nur Objekt der Begierde sind, wird das Leben zur Hölle.
Der Heilige Geist macht uns an zur Sanftmut und Selbstbeherrschung. Die ichhafte, geistlose Welt stachelt an zur Aggressivität, Enthemmung der Triebe und Leidenschaften.
Der Heilige Geist, die liebende Nähe Gottes, bringt in uns andere Saiten zum Schwingen und Klingen. Er erzieht uns zur Sanftmut die Jesus selig preist.[7] Er hilft uns, das Aggressive in uns zu besiegen und sanfte Behutsamkeit zu lernen. Er hält uns an, nicht zu zerstören, sondern zu behüten und zu schützen. Nicht den Lärm zu lieben, sondern die Stille. In ihr schenkt sich Gott. Der Heilige Geist lässt uns erkennen, dass die Enthemmung unserer Triebe und Leidenschaften wie ein Dammbruch wirken, der uns selber und andere in den Abgrund reißt. Die Medien berichten jeden Tag von solchen Katastrophen.
Der Heilige Geist schenkt die Erkenntnis, dass der größte Sieg des Menschen der Sieg über sich selber ist. Frei ist, wer Herr im eigenen Haus ist.
4 Die Wahl sollte uns nicht schwer fallen.
         Wir können wählen zwischen Leben, das den Tod bedeutet und Leben, das den Tod besiegt. Paulus stellt im Brief an die Galater beides einander gegenüber. Die Werke des Fleisches haben ihre Wurzeln in der Unordnung des Triebhaften, der Ichfixierung und geschehen oft durch Verführung. Die Werke des Geistes entstehen, wenn sich der Mensch Gott öffnet und in der Liebe bleibt, mit der Gott uns durch Jesus liebt.[8]
Im Galaterbrief hat uns der Apostel Paulus einen Lasterkatalog der damaligen heidnisch geprägten Gesellschaft in Kleinasien überliefert. Dieser ist auch heute bei uns aktuell.
"Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Missgunst, Trink- und Fressgelage und ähnliches mehr. Ich wiederhole, was ich euch schon früher gesagt habe: Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben."
"Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung."[9] Wer eine von Gott geschenkte Zukunft, gelingende Partnerschaft und eine gute Familie anstrebt oder erhalten will, widersetzt sich dem Ungeist unserer Tage. Er öffnet sich ganz Gott und erbittet von ihm durch Jesus, dem Sieger über Tod und Sünde, jeden Tag neu den Heiligen Geist. Denn der Heilige Geist ist Gnade, liebende Nähe Gottes. Er baut uns auf und schenkt eine gute irdische und ewige Zukunft.

[1] Röm 5,5
[2] Joh 14,16
[3] Joh 14,26; 15,26; 1Joh 2,1
[4] Röm 8,13
[5] Röm 8,16
[6] 4 Eph 5,10 ff. 1 Thess 5,21
[7] Mt 7,16
[8] vgl. Gal 5,19-21
[9] (vgl Gal 5, 22-24)

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