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Predigten

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Lesejahr B 2015/12 bis 2016/11

Predigt - Homilie

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CHRISTUS GEWINNEN
1 “das wäre ihr Preis gewesen"
hieß es für den Sieger oder die Siegerin am Ende der Spielshow "Am laufenden Band" - die lange erfolgreich im Fernsehen lief. Alles, was auf einem Band an ihnen vorbeilief und woran sie sich erinnern konnten - gehörte ihnen. Alles andere lief ein zweites Mal vor ihren Augen vorbei, kommentiert mit dem Satz, "das wäre ihr Preis gewesen!" - und verschwand.

Paulus, so haben wir in der Lesung gehört, setzt auf einen Gewinn, der nicht fassbar zu sein scheint: "Ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und hatte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein."

2 Christus gewinnen - Alles andere ist Unrat
Was soll das heißen? In einer Lotterie oder einer Spielshow ein Auto oder einen großen Geldbetrag zu gewinnen, das ist für die meisten von uns zwar unwahrscheinlich, aber vorstellbar. Als Fernsehzuschauer können wir wenigstens dabei sein. Aber Christus gewinnen?

2.1 „Die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, übertrifft alles“
Für Paulus steckt hinter dieser Formulierung eine ganz persönliche Erfahrung mit dem Auferstandenen.  Daraus wuchs die Entscheidung, diesem Mann aus Nazareth nachzufolgen. Das nennt er "Christus gewinnen".

Ist diese Formulierung nicht widersinnig, wenn man das Schicksal des Paulus bedenkt und all der Anderen, die sich für Gerechtigkeit eingesetzt haben und es heute tun?  Es geht um eine Lebensentscheidung, die einen hohen Preis verlangt. Bis hin zum Einsatz des eigenen Lebens.

2.2 Wo soll da der Gewinn stecken?
Warum sollte das jemand tun? In unseren westlichen Industrieländern versteht man unter Gewinn etwas ganz anderes. Bei uns zählt Gewinnmaximierung, gehen Schlagworte um wie "Nehmen ist seliger denn geben", oder "Wer hat, der hat" und „Geiz ist geil.“

Solcher Art Zeitgenossen würden dem Paulus erwidern: „Für Christus kann ich mir doch nichts kaufen"!

Stimmt - für Christus bekomme ich kein neues Auto, keine größere Wohnung, keine teure Kleidung, keine neue Küche, keinen Gameboy, kein Handy und auch keinen Computer. Durch Christus bekomme ich nicht mehr Taschengeld, keinen Konzert- oder Theaterbesuch.

2.3 Jesus Christus schenkt Barmherzigkeit und Leben
Im heutigen Evangelium geht es nur vordergründig um Ehebruch und Bestrafung der Schuldigen. Es geht vielmehr darum Jesus mundtot zu machen und seine Botschaft vom barmherzigen Gott außer Kraft zu setzen.

Wie reagiert Jesus? Die Ankläger führt er zur Einsicht ihrer eigenen Sünden. „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“. Zur angeklagten Frau sagt er „Ich verurteile dich nicht. Geh und sündige nicht mehr.“

Jesus lebt die Barmherzigkeit Gottes und schenkt dem Sünder einen neuen Anfang. So macht er wahr was Gott seinem Volk durch den Propheten Jesaija sagt „denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das was vergangen ist, sollt ihr nicht achten. Seht her, nun mache ich etwas Neues.“

 3. Die Armen im Mittelpunkt
Heute ist Misereor-Sonntag. Das Wort des Propheten Amos

3.1 „Das Recht ströme wie Wasser“[1]
ist das Leitwort der diesjährigen Fastenaktion. MISEREOR stellt den Menschen in den Mittelpunkt, nicht zuerst den reichen und gesunden, auch nicht den perfekten und erfolgreichen, sondern den armen und kranken wie auch den Sünder.

Wie Jesus die Ehebrecherin nicht verurteilt, sondern zu einem neuen Leben befähigt, so will MISEREOR Menschen aus todbringender Lage befreien und ihnen ein Leben in Würde ermöglichen.

Der Weg dorthin führt über das Recht. Es geht um Gerechtigkeit und Menschenwürde, um den Kampf gegen entsetzliche Missstände. Papst Franziskus spricht in seiner Enzyklika „Laudato si“ von der „Sorge um das gemeinsame Haus“.

Die Misereor Tastenaktion richtet unseren Blick auf

3.2  Brasilien mit seiner Lebensader - dem Amazonas
mit seinen Widersprüchen von Arm und Reich. Den Bedürftigen wird das Menschenrecht auf Wohnen, auf sauberes Wasser und andere lebenswichtige Güter verwehrt. Da gilt es, die Rechte der Armen zu verteidigen.

Die Frau im Evangelium kann für alle stehen, deren Leben bedroht ist. Wir können an Frauen denken, die aus wirtschaftlicher Not ihren Körper verkaufen. In den Armen Ländern ist die Prostitution sehr hoch. Sogar Kinder werden Opfer von übergriffigen Reichen.

Mit Moralisieren kommen wir da nicht weiter. Konkrete Hilfe ist erforderlich. Dabei kann es nicht um herablassende Barmherzigkeit gehen sondern um Mitleid auf Augenhöhe.

Ein Almosen aus falsch verstandener Caritas und Mildtätigkeit reicht nicht. Die Strukturen, die zu Armut und Verschuldung führen, müssen verändert werden. Der Einsicht um schuldhafte Unterlassung muss der Kampf um Gerechtigkeit folgen. Nur so kann das Recht wie Wasser strömen, wie der Prophet Amos es sich wünscht.

3.3 Gerechtigkeit aus dem Glauben an Jesus Christus
Wer Jesus Christus als die Mitte des Lebens erkennt und annimmt,  sich prägen lässt von der Macht seiner  Auferstehung und der Gemeinschaft mit seinem Leiden und von seinem Tod, wer hofft mit ihm zur Auferstehung von den Toten zu gelangen, der lebt nicht mehr nach der Devise „Hauptsache mir geht es gut“.

Die Erkenntnis Jesu Christi macht mich zu einem geschwisterlich denkenden und empfindenden Menschen, dem die großen Ungerechtigkeiten in der Welt bewegen nach Kräften zu helfen.

Christus zu gewinnen, heißt auch, sich für Gerechtigkeit,  Barmherzigkeit, Zuwendung, Unterstützung, für Hilfe zur Selbsthilfe einzusetzen. Dies geht mit dem Wissen einher, dass es mir nicht gut gehen kann, wenn andere unter Entsagung zu leiden haben, wenn ihnen das Lebensnotwendige fehlt.

3.4 Gewinnoptimierung einmal anders
Der Gewinn für alle steht im Vordergrund. Will uns motivieren, etwas von uns zu geben, so dass es Gewinn für die Gebenden wie für die Empfangenden bringt.

Viele kleine und große Anstrengungen sind nötig, damit Menschen das Lebensnotwendige bekommen und zur Selbsthilfe befähigt zu werden, in den Ländern des Südens, aber auch bei uns.

Schön, wenn wir uns für das entscheiden, was allen Gewinn bringt! Denn "Liebe ist das einzige, das sich vermehrt, wenn man sie teilt."



[1] Amos 5,24
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