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Predigten

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Lesejahr B 2015/12 bis 2016/11

Predigt - Homilie

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In jeder Lage beten
1 Der Herr ist nahe
Lieber Paulus, du schreibst in dem Brief an die Christen in Philippi "Freut euch allezeit!" Ach, lieber heiliger Paulus, wenn das so einfach wäre!

Doch halt, einfach war es für dich auch nicht, denn schließlich schreibst Du diesen Brief aus dem Gefängnis. Festgesetzt, der Freiheit beraubt, was werden sie mit dir machen?

 Du, Paulus, hast jedenfalls im Gefängnis die Erfahrung gemacht, der Glaube an die Nähe des Herrn erfüllt dein Herz mit Freude und Frieden. Das klingt absurd und will nicht in unseren Kopf. Du selber bekennst, dass dieser Friede Gottes alles Begreifen übersteigt.[1]

Wie - lieber Paulus - kommen wir zu dieser Erfahrung? Die Zeiten sind noch gar nicht so lange her, da in unserem Land aufrechte Christen im Konzentrationslager oder in den Gefängnissen der Nazis waren und umgebracht wurden. Den Christen in Syrien und im Irak droht solches ständig.

Du Paulus räts uns,

2 In jeder Lage betend und flehend unsere Bitten mit Dank vor Gott zu bringen
Ich höre doch richtig: "In jeder Lage, betend und flehend, mit Dank"?

Vielleicht, lieber Paulus, wird heute deshalb auf hohem Niveau so viel gejammert und geschimpft, weil wir zu wenig mit der Nähe des Herrn rechnen und zu wenig unsere Sorgen auf Gott werfen. Adolph Kolping z.B. machte die Erfahrung: "Wer sich an Gott hält, den lässt er niemals fallen."

2.1  In jeder Lage.. mit Dank
Aber, lieber Paulus, mit dieser Bemerkung habe ich so meine Schwierigkeiten: Unser Beten soll in jeder Lage mit Dank geschehen? Wie soll einer, wenn er in Bedrängnis kommt, noch danken?  Sicher, lieber Paulus,  so wie du und wie alle Frommen in Israel beten auch wir im Stundengebet und im Antwortgesang nach der Lesung die Psalmen. Und wir erleben wie sie

2.2 Klagend danken
Beim Beten der Psalmen fällt mir auf, die Beter klagen vor Gott, schreien zu ihm in ihrer Not, beschweren sich über das Böse, schütten ihr Herz vor ihm aus. Dann aber von Gott befreit preisen sie ihn als ihren Retter und danken ihm.

 Übrigens ist das beste Beispiel dafür der Psalm 22, den Jesus am Kreuz gebetet hat. Er beginnt mit dem Ruf: "Mein Gott, mein Gott! Warum hast du mich verlassen." Der Evangelist Markus lässt Jesus nur den ersten Vers dieses Psalms herausschreien. Aber so wie du, lieber Paulus, konnte sicher auch Jesus diesen Psalm auswendig. Schon im Vers 4 bekennt er:

"Du aber bist heilig, den Ruhmestaten Israels wohnst du inne. Auf dich haben vertraut unsere Väter. Sie haben vertraut und du hast sie gerettet.“

Seine ganze Not und Bedrängnis vor Gott ausschüttend endet der Psalm mit dem großen Lobpreis:

"Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkündigen. Mitten in der Gemeinde will ich dich rühmen." [2]

Der Name für den Messias Gottes IMMANUEL - GOTT MIT UNS zeigt:  Es ist unser Glück dass Gott uns durch Jesus in menschlicher Gestalt nahe ist. ER behütet unsere Herzen und Gedanken. Was wären wir in Unglück und Not, in Bedrängnis und Ungerechtigkeit, wenn er nicht da wäre. Dann wäre es so wie es das Lied beschreibt:

"Ach wenn ich dich nicht hätte,
was wär mir Erd’ und Himmel?
Ein Bannort jede Stätte,
ich selbst in Zufalls Hand."  GL 145/3
Was nun, lieber Paulus sind die

3 Kennzeichen der Kirche Jesu Christi?
Auf die Gemeinde in Philippi schauend entdecken wir

3.1  Güte ist ihr Kennzeichen.
Ob es auch unser Kennzeichen ist? Die Art und Weise wie wir gut miteinander umgehen, soll die uns begegnenden Menschen ansprechen. Durch uns sollen sie etwas von der liebenden und rettenden Nähe des Herrn erfahren.

Ach, lieber Paulus, da gibt es bei uns noch viel zu tun. Die ganze Hektik und Betriebsamkeit mit der wir die Adventszeit vollstopfen, hindert uns sehr, die Nähe des Herrn im Gebet zu suchen und zu erfahren.

Fast beneide ich dich, dass du im Gefängnis so viel Zeit dafür hast. Wir laufen zwar frei herum, aber in Wirklichkeit sind wir arme Gefangene. Vielleicht müsste man uns so wie dich erst einmal einsperren, damit wir frei werden für die Nähe des Herrn und sein Friede bei uns einkehren könnte. Aber das wünsche ich natürlich keinem von uns. Aber was dann?

3.2 Der Prophet Zefanja ruft zu jauchzender Freude auf
Warum darf die Tochter Gottes - so nennt der Prophet Jerusalem - jubeln und jauchzen? Gott hat das wegen seiner Untreue und Sünde über Jerusalem gekommene Gericht aufgehoben und seine Feinde zur Umkehr gezwungen. Die frohe und befreiende Nachricht heißt:

3.3 Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte
Größer als alles Gericht ist Gottes väterliche Liebe und mütterliches Erbarmen für Jerusalem, das er seine Tochter nennt. Seine Liebe ist überschwänglich.

Gott freut sich und jubelt über dich, „er erneuert seine Liebe zu dir. Er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.“

Gott hat durch Jesu Hingabe und Auferstehung wahr gemacht, was Johannes ansagt:

3.4 Der Messias Gottes tauft mit Geist und Feuer
Lieber Paulus, ich will immer daran denken: Gott hat mich durch die Liebe meiner Eltern im Schoß meiner Mutter nach seinem Bild geschaffen und mir durch seinen Geist die unsterbliche Seele einhaucht. Ich bin in der Taufe sein Kind, Sohn oder Tochter geworden. Er freut sich über mich. Er erneuert seine Liebe zu mir. Er jauchzt und jubelt über mich. Gott jubelt über mich, sein Geschöpf. Durch seinen Geist hat er das Feuer seiner Liebe in unsere Herzen ausgegossen.

Wir können uns freuen, ihn anbeten, loben und preisen, weil er bei uns in unserer Mitte ist.

Die Freude Gottes an uns reißt uns aus unserer Depression, aus unserem Missmut und Jammern heraus und lässt uns mutig auf Weihnachten zugehen und voller Freude und Dankbarkeit das Geschenk der Erlösung empfangen. (TG)

4 Die Tür zum Jubeljahr der Barmherzigkeit ist geöffnet
4.1 „Dies ist ein Geschenk der Gnade.[3]
rief Papst Franziskus am Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens beim Öffnen der Heiligen Pforte im Petersdom der Christenheit zu.

Gott will seine Liebe zu uns erneuern, er will sich über uns freuen und dieses Jahr zu einem Fest für uns alle machen.

Papst Franziskus sagte in seiner Predigt, was es bedeutet durch diese Pforte der Barmherzigkeit Gottes einzutreten: „Die Tiefe der Barmherzigkeit des Vaters zu entdecken, der alle aufnimmt und jedem persönlich entgegengeht.“[4]

Also machen wir uns auf, der Freude Gottes an uns neu zu entsprechen, dann wird dieses Jubeljahr „ein Jahr sein, in dem man sich immer mehr von der Barmherzigkeit überzeugen kann.“

Aber aufgepasst!

4.2 Wir Menschen dürfen Gott nicht zum Richter degradieren,
der dreinschlägt, wenn wir Menschen nicht mehr weiter wissen und der Karren verfahren ist. „Wie viel Unrecht wird Gott und seiner Gnade getan,“ sagte Papst Franziskus, „wenn man vor allem behauptet, dass die Sünden durch sein Gericht bestraft, anstatt allem voranzustellen, dass sie von seiner Barmherzigkeit vergeben werden.“ [5]

Mit „Ja, genauso ist es“, bekräftig der Heilige Vater das Gesagte. Und er fuhr fort: „Wir müssen die Barmherzigkeit dem Gericht  voranstellen, und in jedem Fall wird das Gericht Gottes immer im Licht seiner Barmherzigkeit stehen. Möge das Durchschreiten der heiligen Pforte uns also das Gefühl vermitteln, Anteil zu haben an diesem Geheimnis der Liebe.“[6]

4.3 Umkehr und Beichte - Frucht der Liebe Gottes
Lassen wir es uns zum Schluss noch einmal durch den Propheten Zephanja sagen „Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.“

Ich denke jeden von uns fällt in der folgenden Stille dazu etwas ein, wie wir auf dieses Geschenk seiner barmherzigen Liebe antworten wollen. Jedenfalls eines können wir immer tun. In jeder Lebenslage zu ihm beten.

Im Sakrament der Sündenvergebung - einer guten Beichte - gereinigt von unseren Sünden, befreit und geheiligt - im Erbarmen und in der Liebe Gottes geborgen – dürfen wir froh und jauchzend unseren Lebensweg gehen; Denn im Sakrament der Sündenvergebung „erneuert Gott seine Liebe“ zu uns.



[1] Phil 4,7
[2] Ps 22,23
[3] Papst Franziskus Homilie am 8.Dez. 2015
[4] ebd.
[5] vgl. Augustinus, de praedestinatione sanctorum 12,24
[6] Franziskus ebd.
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