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Predigten

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Lesejahr B 2015/12 bis 2016/11

Predigt - Homilie am 17. Sonntag in St. Johannes d.T. in Großenbuch

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GASTFREUNDLICH GOTT BEGEGNEN - FÜRBITTEND UND IN STELLVERTRE-TENDER LIEBE VOR IHM STEHEN.[1]
1 "Sodom und Gomorra"[2]
"Sodom und Gomorra", Sittenverderbnis und Glaubenslosigkeit überall, so jammern heute nicht nur fromme Christen in unserem Land. Und das mit Recht.
Um "Sodom und Gomorra" geht es auch heute in der ersten Lesung. Aber keine Spur von Jammern. Auch nicht jene unfromme Bitte, Gott müsse doch dreinschlagen. Aber der Reihe nach
2 Abrahams Gastfreundschaft und Gottesbegegnung
Am letzten Sonntag hörten wir, drei Fremde kommen am Zelt Abrahams vorbei. Er lädt sie ein, seine Gäste zu sein. Er begegnet ihnen mit großer, aufmerksamer Gastfreundschaft.

So erfährt er die Anwesenheit und Zusage Gottes, dass der lang erhoffte Erbe, der Träger der  Verheißung, übers Jahr geboren wird. Es wurde an ihm wahr, was der Hebräerbrief ausspricht: "Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt."[3]Heute wird in der 1. Lesung die Geschichte weiter.
2.1 Abraham steht fürbittend vor Gott
Die drei Fremden sind auf dem Weg nach Sodom. Abraham kennt das gottlose und lasterhafte Leben der Einwohner von Sodom und Gomorra. Als glaubender und Gott verbundener Mensch weiß er, dieses Leben führt über kurz oder lang ins Unheil und zieht Gottes Gericht auf sich.

2.1.1 Abraham bittet um Schonung und die Gnade der Umkehr
auch um der Gerechten und Gottesfürchtigen willen, die dort wohnen. Abraham gefällt sich nicht in Entrüstung und Jammern über die schlechten Menschen, sondern - und das ist die wichtigste Aussage der heutigen Lesung - er, der die Kundschafter Gottes gegen Sodom ziehen sieht und das kommende Gericht ahnt, "stand er noch immer vor dem Herrn."[4]

2.1.2 Abraham stellt sich Gott gleichsam in den Weg
Er bittet unablässig für Menschen, die nicht zu ihm gehören. Was im ersten Augenblick als Feilschen mit Gott ausschaut, ist in Wahrheit ein Ringen um das Überleben, die Rettung anderer Menschen. Wer den Text ganz zu Ende liest, erfährt, dass Gott sogar um 10 Gerechter willen dem ganzen Ort verschonen würde.

2.1.3 Der Glaube Abrahams ist der Glaube Jesu, unser Glaube
 Es ist die Berufung der Glaubenden und Gottesfürchtigen, das Unheil von jenen abzuwenden, die es durch ihr gott- und sittenloses Leben herbeiführen.

Wir glauben und bekennen, Gott will das Heil und die Rettung des Sünders, nicht seinen Tod, seinen Untergang. Ein solcher Glaube ruft nicht nach göttlicher Strafe und schon gar nicht nach Untergang, sondern nach Erbarmen.

Erreicht das Bitten und Betteln Abrahams etwas? Bei Jahwe ja, aber unter den Menschen wenig; Denn es werden sich keine zehn Gerechte finden. Aber zumindest sein Vetter Lot wird gewarnt und dadurch gerettet, dass er aus Sodom wegzieht.

2.2 Jesus bestätigt das Verhalten Abrahams
Jesus selber verhält sich gegenüber den Sündern so. Als die über die mangelnde Gastfreundschaft der Samariter erbosten Jünger Gott anrufen wollen, er möge Feuer vom Himmel fallen lassen - weist Jesus sie zurecht. Für ihn gilt „Der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“[5]

3 Jesus lehrt uns beten: "Vater unser."

3.1 Söhne und Töchter Gottes werden durch betende Liebe
Auch die schuldig gewordenen, die glaubens- und sittenlosen Menschen, ja sogar unsere Feinde und Verfolger, sollen wir lieben und für sie beten. „damit ihr“ - sagt Jesus -„Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“[6]

Gott hasst die Sünde, aber er liebt den Sünder. Auch die Sünder sind Kinder des einen Vaters im Himmel. Wir werden Söhne und Töchter Gottes, wenn wir so wie Gott und Jesus zu den Sündern barmherzig sind.

Noch mehr: Jesus ermutigt uns durch die an das „Vater unser“ anschließende Geschichte sogar,

3.2 aufdringlich und unablässig Gott zu bitten
Der Bittende im Evangelium hat Besuch bekommen und er hat nichts zum Vorsetzen. Er kann dem Gebot der Gastfreundschaft nicht nachkommen.

Sind wir nicht oft auch hilf- und mittellos gegenüber Menschen, die ohne Moral und Glaubens sind? Nicht selten sind es die eigenen Kinder, Enkel oder Verwandte. Sollen wir den Kontakt zu ihnen abbrechen oder uns ablehnend gegen sie verhalten?

Natürlich sollen und müssen wir sagen, dass wir ihr Verhalten nicht billigen. Aber wir dürfen ihnen unsere Sorge und Liebe nicht entziehen. Das ist schwer. Aber im Beten werden wir stark.

Jesus sagt uns im Vater unser

3.3 Worum wir zu allererst beten sollen
"Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe."

Ja, wir sollen unaufhörlich beten: Bewege sie, dass sie dich als den immer Gegenwärtigen erkennen, dich wieder ernst nehmen und ihr Leben nach dir ausrichten.

Schenke ihnen die Kraft, deine Gebote wieder zu lieben und deinen Namen zu heiligen. Richte deine Herrschaft auf in ihrem Herzen, in ihrem Denken und Empfinden.

Mache sie sensibel für das, was Sünde ist. Lass dein Wort und Deinen Willen für sie wieder zum Brot werden, von dem sie sich täglich nähren.

Lass sie nicht in Versuchung geraten, und wenn es geschieht, dann lass sie darin nicht untergehen.

Bewahre sie davor, dass sie sich ganz von dir abwenden und so der Macht des Bösen verfallen. Gib, dass wir bei aller Ohnmacht und allem Schmerz, die Liebe bewahren.

3.4 Aus der Vergebung heraus lieben und beten.
Unsere Liebe und unser Gebet dürfen nicht vom hohen Ross der Wohlanständigkeit herab geschehen. Sie müssen aus dem Wissen kommen, dass wir selber vom Erbarmen und von der Vergebung Gottes leben.

Was Paulus in der 2. Lesung von sich und den Kolossern sagt, gilt auch uns: "Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben." "Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben." [7]

Wir werden uns also nicht aufhalten beim Jammern über die böse Welt, den Zerfall der Sitten und dem Schwinden des Glaubens.

3.5 Wir werden Fürsprecher derer sein, die das Erbarmen Gottes brauchen und in Gefahr sind, ihr ewiges Leben bei Gott zu verfehlen.
Wir werden noch demütiger den Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe weitergehen.

Wir werden uns an seine Gebote halten, in Verantwortung vor ihm leben und ihn preisen und ehren, weil Gott um der wenigen Gerechten willen, das Unheil von allen abwendet. Denn um zehn Gerechter willen verschont er eine ganze Stadt.

Wir lernen von Abraham, dass Gott dem gastfreundlichen Menschen nahe ist. Nur der hat Zugang zu Gott, der sich der Fremden annimmt, auch jener die uns durch ihren Lebenswandel fremd geworden sind.

4 Was tun angesichts von Sodoma und Gomorra heute?

Zufällig griff ich Anfang dieser Woche nach dem Roman von Gertrud von Le Fort „Der Kranz der Engel“. Gertrud von Le Fort konvertierte 1926 in Rom zur katholischen Kirche. Nach dem „Schweißtuch der Veronika“ hat sie 1943 als 2. Band den „Kranz der Engel“ ferstiggestellt. Die in Rom konvertierte Veronika kommt nach Heidelberg.
4,1 Der Brief aus Rom
In ihrer Gastfamilie findet sie den Brief ihrer römischen Freundin vor. Diese berichtet von dem Priester, der Veronika in die katholische Kirche aufgenommen hatte.

Krank geworden - so schreibt ihre Freundin – fasse er den religiösen Zustand der abendländischen Christenheit als sehr ernst auf. Wenn sie es recht verstehe, hält er den Abfall für so groß, dass man die Mehrzahl der heutigen Menschen überhaupt nicht mehr bekehren, sondern nur noch durch stellvertretende Liebe retten könne.

Er lässt Veronika ausrichten: „Sie soll ihren Dienst mit leuchtenden Augen tun; - allein auch Tränen können leuchten – schreiben Sie ihr das.“

4.2 In stellvertretender Liebe unser Leben führen
Es mit leuchtenden Augen tun - selbst wenn einem wegen des Glaubensabfall und der moralischen Verwilderung unserer Tage die Tränen kommen.

In der Abrahams-Geschichte wurde wenigstens dessen Neffe Lot gerettet. Wir sind heute mit unserer stellvertretenden Liebe und Fürbitte nicht allein vor Gott. Jesus Christus, das Mensch gewordene Wort des Vaters geht mit seiner göttlichen und menschlichen stellvertretenden Liebe voran.

4.3 In jeder Eucharistiefeier bringt er sich für uns alle dem Vater dar
und steht als unser Anwalt vor IHM. Bei jeder Verkündigung des Wortes Gottes und in jedem Sakrament wirkt er heilend  und befreiend unser Heil.

Es gibt trotz Sodom und Gomorra keinen Grund zu resignieren. Denkt daran, was ein 90jähriger zu mir sagte, als ich über den Niedergang des Glaubens jammerte: „Herr Pfarrer, wenn wir keine Möglichkeit mehr sehen, Gott hat immer noch tausende.“

Wir glauben an die Kraft Gottes, der den Sündern die Vergebung schenkt und uns mit Christus von den Toten auferweckt.


[1] 1. L Gen 18,20–32; 2. L Kol 2,12–14; Ev Lk 11,1–13
[2] Gen 18,20f.
[3] Hebr 13,2
[4] Gen 18,22
[5] Lk 18,10
[6] Mt 5,45
[7] Kol 2,13f
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