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Predigten

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Lesejahr C 2015/12 bis 2016/11

Predigt - Homilie am 10./11. Sept. 2016 in Rosenbach und Neunkirchen St. Michael

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DAS VERLORENE RETTEN[1]
1 Die verratene Anbetung
Die heutigen Schrifttexte sprechen vom
1.1 Volk Gottes, das schuldig geworden ist
Die Lesung aus dem Buch Exodus berichtet vom Abfall des ganzen Gottes Volkes, während sein Anführer Mose vor Gottes Angesicht auf dem Berg weilt. Vor einem Kalb aus Metall werfen sie sich nieder. Von ihnen Gespendetes und Geschaffenes soll ihr Gott sein. Eine Versuchung der bis heute immer wieder Menschen, auch Christen nachgeben.

Noch schlimmer: der einst getaufte, alle Achttausender Gipfel der Welt bezwungene Reinhold Messmer ließ sich in maßloser Selbstüberschätzung zu der Aussage hinreißen: „Wenn es einen Gott gibt, bin ich es." Die Vergötzung der eigenen Leistung ist der moderne Höhepunkt des Abfalls von Gott als unserem Schöpfer, Erlöser und Vollender.

Die 1. Lesung spricht vom

1.2 Zorn Gottes, der gegen das Volk entbrennt, das Geschaffenes nicht aber den Schöpfer anbetet
Gottes Heiligkeit erträgt es nicht, dass seine Geschöpfe ihr eigenes Werk anbeten, ihrem Schöpfer aber die Anbetung verweigern. Gott klagt vor Mose "dein Volk läuft ins Verderben."

Wer vor Gott davonläuft und sich auf seine selbstgemachten Götter verlässt, mögen sie von noch so großem Wert sein, wie ein goldenes Kalb, wer die erbarmende und begleitende Liebe Gottes verschmäht, der wird untergehen. Er wird diesen Untergang als Gottes brennenden und verzehrenden Zorn erfahren.

Wer die irdische Wirklichkeit verabsolutiert, wird schnell zum Feind jener Menschen, die ihm bei der Durchsetzung seiner Interessen im Weg stehen. Alle Diktatoren des 20. Jahrhunderts haben mit millionenfachem Mord geglaubt ihre Macht sichern zu können.

Der von den Nazis hingerichtete Jesuit Alfred Delp hat angesichts des Naziterrors die Wurzel dieses verbrecherischen Systems erkannt. Nach seinem Todesurteils durch den Volksgerichtshof der Nazionalsozialisten stellt er fest:

1.3 “Das Schlimmste ist die verratene Anbetung"
Der Zusammenbruch der Nazidiktatur mit 52 Millionen Toten, einem Heer von Verstümmelten, von Millionen die Heimat und Besitz verloren und das elende Ende ihres Führers lassen erahnen, was mit dem Zorn Gottes gemeint ist.

Mose versucht diesen Zorn Gottes gegen das von seinem Befreier abgefallene Volk zu besänftigen. Er erinnert Gott an seine Verheißungen, die er den Vätern gegeben hat.

Und er hat damit bei Gott Erfolg. "Da ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht hatte". Hier wird das große Gewicht der Fürsprache eines Dieners und Freundes Gottes offenbar.

Wir tun also gut daran, die Heiligen um ihre Fürsprache bei Gott anzurufen, Gott nahestehende Menschen um ihr Gebet zu bitten. Die vielen Erscheinungen Mariens, ihr Ruf zur Umkehr und die Vereinigung mit dem Heilswerk Jesu im Rosenkranzgebet zeigen an, dass wir in Maria, der Mutter der Kirche, die mächtigste Fürsprecherin bei ihrem Sohn und bei Gott haben.

Gottes Liebe aber - so erfahren wir am Ende der Lesung - die Treue zu seinen Verheißungen siegt über seine Heiligkeit und Gerechtigkeit. Diese sich erbarmende Liebe wird auch in der Sendung Jesu sichtbar.

In der 2. Lesung bekennt Paulus
2  Jesus kam in die Welt, um die Sünder zu retten
2.1 Der Apostel hat dies in seiner eigenen Lebensgeschichte, ja am eigenen Leib erfahren
Obwohl er einst den Herrn lästerte, verfolgte und verhöhnte, hat er Erbarmen gefunden, hat ihn der Auferstandene zu seinem auserwählten Werkzeug des Heils bei den Heiden seiner Zeit gemacht.

Er bekennt: „In meinem Unglauben, wusste ich nicht, was ich tat.“ Er nennt seinen Glauben Unglauben. Wenn Menschen unter Berufung auf Gott oder die Religion Böses tun, sich unmenschlich verhalten, dann ist dies immer ein Missbrauch der Religion.

2.2 Der Missbrauch der Religion in der Geschichte
zeigt sich durch den Islam, der im 7. und 8. Jht. mit Feuer und Schwert über Ägypten, Nordafrika und Spanien bis nach Tour und Poitiers in Frankreich vordrang und erst durch den Frankenkönig Karl Martell 723 bei Tour in Frankreich gestoppt wurde.

Oder die Kreuzritter, die sich an Juden und Muslimen für die Zerstörung christlicher Kirchen in Palästina und Jerusalem rächten, indem sie bei der Eroberung Jerusalems ein Blutbad anrichteten.

Oder die islamischen Türken, die mordend über den Balkon 1526 bis nach Wien vordrangen und es belagerten.

1571 war das türkisch-osmanische Heer mit einer riesigen Flotte aufgebrochen, um Italien und Rom einzunehmen. Nachdem das Zentrum der Ostkirche Konstantinopel 1453 von den Türken erobert wurde. Sollte 100 Jahre später, das auch mit dem Zentrum der Katholischen Kirche des Westens geschehen.

Die zahlenmäßig unterlegene christliche Flotte - unterstützt durch das unaufhörliche Rosenkranzgebet des Papstes und der Christen Roms - hat am 7. Okt. 1571 in der Seeschlacht von Lepanto die türkisch-osmanische Flotte vernichtend geschlagen. Dieser Sieg ist der Ursprung des Rosenkranzfestes am 7. Okt.

1683 drang das Osmanische Heer wieder bis Wien vor. Als schon alles verloren schien, gelang es durch ein Ersatzheer aus Polen die Angreifer abzuwehren. 14 Tage nach dem Sieg gegen die Osmanen vor Wien führte Papst Innozens XI das Fest Maria Namen am 12. Sept. ein.

Die isalamistischen Mordkommandos, die sich auf den Koran berufend immer wieder Menschen umbringen, bedrohen nicht nur uns, sondern auch Muslime, die sich ihren mörderischem Denken widersetzen.  Die Chance zu Einsicht und Umkehr haben sie nicht mehr, weil sie mit ihren Opfern umkommen.

Immer wieder bedrohen Fanatiker das Leben anderer Menschen. In diesen Tagen gedenken wir der schrecklichen Ereignisse vor 15 Jahren, als zwei von islamistischen Terroristen gekaperte vollbesetzte Flugzeuge in das World-Trade-Center gesteuert Tod und Vernichtung von über 3000 Menschen brachten. Sie kennen das Gebot Gottes nicht: Du sollst nicht morden. Wer zu mir gehört, der wird nicht morden! Der Missbrauch der Religion für Krieg und Terror hält bis heute an.

2.3 Ganz anders offenbart sich der Gott Israels und der Christen in und durch Jesus von Nazareth
Sein Evangelium lautet: Mein Gott und Vater sucht die Verlorenen und freut sich über die Umkehrenden. Jesus hält mit den Zöllnern und Sündern Tischgemeinschaft.

Er heißt nicht ihr Unrecht und ihre Sünden gut. Aber er gibt ihnen ihre Würde als Menschen zurück. Auch sie sind in die Heilssorge Gottes für seine Geschöpfe eingeschlossen. Das ist für die Pharisäer ein Skandal, der schließlich zum Tod bringenden Hass wird.

In zwei Gleichnissen zeigt ihnen Jesus die Sorge Gottes um die Sünder, die Verlorenen. Das Wort von der Freude der Engel Gottes über einen einzigen Sünder, der umkehrt, zeigt uns: Nur der unendlich große und liebende Gott kann sich über so etwas freuen.

3 Zu welcher Einsicht können uns die schrecklichen Geschehnisse in der Welt führen?
Bei allem Entsetzen und aller Trauer über die furchtbaren Terroranschläge oder die Ausrottung von Menschen sollten wir dennoch fragen, was wird dadurch für uns erkennbar?

3.1 Die Ohnmacht der Mächtigen
Weder das Geld der mächtigsten Nation der Welt, noch seine gewaltige Militärmacht, noch seine beherrschende Stellung auf den Weltmärkten, noch eine global agierende Kommunikationstechnik, auch nicht die Militärmaschinerie der Russen können solch schlimme Verbrechen verhindern.

Im Gegenteil mit der Macht der Technik wachsen auch die Möglichkeiten des Bösen. Das World Trade Center und das Pentagon, wie die unbeschränkte Mobilität per Flugzeug sind Symbole einer mächtigen Zivilisation. Und gerade sie waren 2001 Ziel des Anschlags und wurden vernichtet oder empfindlich getroffen.

3.2 Nur Gerechtigkeit und Liebe können Neid und Fanatismus besiegen
Menschen, die in großer Armut und ohne Zukunftsperspektive leben, sind für Neid- und Hassgefühle offen und werden von anderen Mächtigen schamlos als lebende Waffen missbraucht. Religiöser Fanatismus soll solchem Tun die göttliche Legitimation geben.

3.3 Der christliche Glaube bietet das einzige wirksame Heilmittel an Gerechtigkeit statt Macht
Es ist sicher wichtig alles zu tun, dass schlimme Katastrophen verhindert werden. Wichtiger aber ist, dass wir in uns gehen und umkehren.

Nicht Machtausübung, nicht Markt- und Weltbeherrschung bringen eine gute Zukunft, sondern Gerechtigkeit, die das Wohl der ganzen Menschheitsfamilie im Blick hat.

Nicht die Globalisierung der Märkte und der Geldströme bringen eine gute Zukunft, sondern die Globalisierung der Gerechtigkeit und der Menschenwürde.

Man muss nicht nur jedem Verbrechen wehren und seinen Ursachen nachspüren, sondern genauso wichtig ist es, aufzuwachen und zu einer gerechteren Weltordnung umzukehren.

4  Warum fasziniert die Gestalt Mutter Teresas Christen wie Nichtchristen auf der ganzen Welt?
Bei ihrer Heiligsprechung am vergangenen Sonntag sagte Papst Franziskus in seiner Predigt:

„Mutter Teresa war in ihrem ganzen Leben eine großherzige Ausspenderin der göttlichen Barmherzigkeit, indem sie durch die Aufnahme und den Schutz des menschlichen Lebens – des ungeborenen wie des verlassenen und ausgesonderten – für alle da war. Sie setzte sich für den Schutz des Lebens ein und betonte immer wieder, dass „der ungeborene Mensch der schwächste, der kleinste und der ärmlichste ist“.

„Sie beugte sich über die Erschöpften, die man am Straßenrand sterben ließ - weil sie die Würde erkannte, die Gott ihnen verliehen hatte. Sie erhob ihre Stimme vor den Mächtigen der Welt, damit sie angesichts der Verbrechen der Armut, die sie selbst geschaffen hatten, ihre Schuld erkennen sollten.“

Dazu ist Jesu in die Welt gekommen: Das Verlorene zu retten.


[1] 1. L Ex 32,7–11.13–14; 2. L 1 Tim 1,12–17; Ev Lk 15,1–32 (oder 15,1–10)
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