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Predigten

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Lesejahr B 2015/12 bis 2016/11

Predigt - Homiliein Hetzles St. Laurentius und Neunkirchen St-. Michael

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Dies ist mein Erwählter - Ausschnitt aus meiner Stola - Entwurf und Ausführung Beneiktinerinnen in Orselina (Schweiz)
Dies ist mein Erwählter - Ausschnitt aus meiner Stola - Entwurf und Ausführung Beneiktinerinnen in Orselina (Schweiz)

DER GEIST GOTTES BEWEGT JESUS – BEWEGT UNS
[1]
Es wird zwar geklagt: Die Welt werde immer schlechter und die Menschen immer egoistischer. Aber dann staune ich doch immer wieder und freue mich, wie viele Menschen es gibt, die sich einsetzen für andere, die weder Zeit noch Mühen scheuen und Gutes wirken. Ich frage mich:

1 Was bewegt die Menschen, sich so zu engagieren?
Viele bringen sich in der Kirche ehrenamtlich ein: Im Pfarrgemeinderat oder in der Kirchenverwaltung, in der Kontaktgruppe des Altenpflegeheims und im Elternbeirat des Kindergartens oder der Schule, als Kommuniongruppenleiterin, Firmhelfer und Caritassammler, als Kommunionhelfer, Kantor oder Lektor, Ministrant oder Sternsinger, im Kirchenchor, als Gruppenleiterin oder Gruppenleiter bei Kolping.

Noch intensiver wird dies sichtbar bei den mehr im Verborgenen geschehenden Diensten: Beim Besuch von kranken und pflegebedürftigen Menschen, beim Einkaufen für Menschen, die das nichtmehr selber können und allein sind.

Was bringt’s denn außer Mühe, Zeitaufwand und vielleicht ein Dankeschön oder Vergelt’s Gott?

Ich staune über die Geduld und das Durchhaltevermögen, mit denen Schwerkranke und Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ihr Schicksal meistern. Auch das ist nicht selbstverständlich. Woher nehmen sie die Kraft?

Wenn ich mein eigenes Leben oder das von Freunden betrachte, frage ich mich: Wie ist es gekommen, dass ich Priester geworden bin; dass mir der Glaube an Gott so wichtig und hilfreich geworden ist? Es könnte auch ganz anders sein. Die Frage, die sich jeder stellen muss, heißt:
2 Was gibt Kraft zum Leben
Was gibt Menschen – mich eingeschlossen – die Kraft für ihr Leben und Handeln?

Es ist gar nicht so abwegig, diese Frage einmal im Blick auf Jesus zu stellen? Ist uns sein Leben und Handeln so selbstverständlich, dass es überhaupt nicht mehr zum Staunen und Fragen anregt? Denn auch das Leben und Handeln Jesu ist ganz und gar nicht selbstverständlich! Ich will deshalb heute einmal folgende Fragen an ihn stellen:

Was bewegt Dich Jesus, dass du deine Heimatstadt verlässt und von einer Stadt zur anderen wanderst - um von Gott zu sprechen?

Was bewegt dich, dass du dich vor allem den „aussichtslosen Fällen“ zuwendest;

Dir die Hände schmutzig machst an den Problemen und Krankheiten der Menschen; sodass du schließlich durch den Umgang mit zwielichtigen Gestalten in Verruf gerätst?

Was gibt dir die Kraft, auch gegen den Widerstand der Obrigkeit auf deinem Weg zu bleiben? Was gibt dir die Kraft, selbst dem Tod ins Auge zu schauen - ja den Verbrechertod auf dich zu nehmen?
3 Was macht Jesus zu dem, der er ist?
Die Antwort hörten wir im Evangelium des heutigen Festtages.
3.1 Der Heilige Geist kommt auf den Menschen Jesus herab
„Während Jesus betete, öffnete sich der Himmel, und der heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ [2]

Der Heilige Geist ist das unfassbare Geheimnis unseres Glaubens. Dabei geht es nicht darum, den Heiligen Geist zu beschreiben, wer er ist, sondern was er bewirkt.
3.1.1 Wo Leben möglich ist, dort wirkt Gottes Geist
Auf der ersten Seite der Bibel steht „Die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser“[3]. Gottes Geist verwandelt das Durcheinander in Ordnung, so dass Leben möglich wird.

Als sich Jesus im Wasser des Jordan taufen lässt, geschieht von Gott her durch den Geist ein neuer Anfang, entsteht eine neue Schöpfung.

3.1.2 Gott schafft durch seinen Geist den neuen Menschen
Jesus stellst sich zu den sündigen Menschen - die dem Chaos, dem Durcheinander verfallen sind und die oft nicht mehr ein noch aus wissen – Er stellt sich zu ihnen in den Jordan, um die Bußtaufe zu empfangen. 

In diesem Augenblick verwandelt Gott Jesus durch den heiligen Geist zu einem Menschen. Durch die Taufe, die Jesus uns geschenkt hat, geschieht durch den Heiligen Geist die Wiedergeburt des Menschen. Gottes Geist wirkt im Menschen segensreich, aufbauend und Gutes bewirkend.

Im ersten Gottesknecht Lied des Propheten Jesaja[4] lenkt Gott unsere Aufmerksamkeit auf
3.2 die Gestalt des Knechtes Gottes
3.2.1 Die urchristliche Predigt erkennt in ihm Jesus
Plastische Bilder und leidenschaftliche Worte zeigen, auf welche Weise Gott durch seinen beauftragten Knecht wirken und die Befreiung und Erlösung der Menschen erreichen will.

Mit  »seht« -  lenkt Gott unsere ganze Aufmerksamkeit auf seinen Erwählten. Er möchte, dass wir ihn mit seinen Augen, mit dem aus seinem Innersten kommenden Blick der Liebe sehen: „Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.“ [5]

Der erste Vers der Lesung unterstreicht

3.2.2 die Zuwendung Gottes zu seinem Knecht und zugleich die Aufgabe,

für die er ausgerüstet wird: „Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht.“[6] Weiter sagt Gott zu seinem Knecht: „Ich mache dich zum Licht für die Völker; damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.“[7]

Damit wird »der Anspruch  der Götter der Völker auf ihre Göttlichkeit für nichtig erklärt«.

3.3 Was zeichnet den Knecht Gottes aus?
„Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen.“ [8]

Der Gesandte Gottes will nicht wie ein fanatischer Heilsprediger Menschenmassen aufputschen und für eine Ideologie gewinnen.

Stattdessen wendet er sich dem Einzelnen und Unvollkommenen zu und behütet ihn. „Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus.“[9] 

Diese Behutsamkeit geht aber auch mit Ausdauer einher „Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat.“ [10]

Alle Welt soll durch ihn erkennen: Jahwe allein ist Gott. „Auf sein Gesetz warten die Inseln.“[11] Der Botschaft des Knechtes entspricht die Sehnsucht der Völker nach Rettung und Befreiung.

3.4 Nun spricht der berufende Gott seinen Knecht persönlich an
Er ist der Schöpfer des Himmels, der Erde und der Menschheit, der Israel erwählt hat: „Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich dazu geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein: blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkeln sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.“ [12]

In der Synagoge zu Nazareth liest Jesus dieses Gotteswort vor und wendet es auf sich an.
Der Angeredete soll Mittel und Werkzeug werden, durch das Gott sein Heil wirkt.
4 In Jesus ist Geist Gottes am Werk
Der Geist Gottes bewegt Jesus, wenn er Kranken die Hände auflegt;
        wenn er mit Menschen spricht, um die man sonst einen Bogen macht;
        wenn er Menschen ansieht, die sonst keinem unter die Augen zu treten wagen.

Und dieser Geist Gottes ist es, durch den Jesus Leben schafft, so dass Menschen wieder zu atmen, zu lachen und zu lieben wagen.

Dieser Geist ist schließlich auch die Kraft, in der Jesus die Liebe gegen den Hass und die Gewalt setzt. Diese Liebe erfüllt ihn mit einer Hoffnung. Sie ist stärker als der Tod. Und so – von diesem Geist, dem Geist Gottes bewegt und angetrieben – beginnt das öffentliche Wirken Jesu.

5 Dieser Geist wirkt auch in uns
Die Kirche versteht sich als Werkzeug des Heils. Als Kirche sind wir der lebendige Leib des Auferstandenen und beim Vater erhöhten Christus. Durch uns, seine Kirche, will er in dieser Welt wirken und lieben. Bis zu den fernsten Inseln, bis an die Grenzen der Erde.

Alle Getauften und Gefirmten sind die Kirche Jesu Christi.

Die Kirche ist kein Ofen der sich selber wärmt, sondern Wärme, Liebe, Erbarmen und Solidarität schenkend wird es ihr selber warm, geht es ihr gut. Denn Christus hat ihr, hat uns, seinen Geist verheißen und geschenkt: „Ihn hat er in reichem Maß über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter.“[13]

Dieser Geist des Herrn ist die Kraft gegen alle Enttäuschungen und Entmutigungen.
ER ist die Kraft zur Hoffnung gegen alle Hoffnung.
ER ist die Kraft zur Liebe, auch wenn wir keine Gegenliebe, keine Dankbarkeit zu erwarten haben;
Er ist die Kraft, die uns absichtslos das Gute tun lässt.
Der Heilige Geist ist das Geschenk Gottes an uns, dass wir glauben, hoffen und lieben können, ja, dass wir leben können.


Denn alle Getauften sind Gottes geliebte Söhne und Töchter. Jeden von uns fasst er bei der Hand, jeder und jede von uns soll sein Werkzeug des Heils für unsere Zeit sein.

[1] Homilie zu den Texten des Festages Jes 42, 5a.1-4.6-7; Tit 2, 11-14; 3, 4-7; Lk 3, 15-16.21-22
[2] Lk3,22
[3] Gen 1,2
[4] Jes 42
[5] Jes 42,1
[6] ebd
[7] Jes 49,6
[8] Jes 42.2
[9] Jes 42,3
[10] Jes 42,4
[11] Jes 42,4
[12] Jes 42,6f.
[13] Tit 3,6

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