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Predigten

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Lesejahr B 2015/12 bis 2016/11

Predigt - Homilie am Gründonnerstag 2016 in St. Laurentius Hetzles

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Den Sklavendienst Jesu annehmen [1]
1 Wenn ich dich nicht wasche....
Petrus wehrt sich. Der Herr dem Jünger die Füße waschen, nein das geht nicht. Das würde die bisherige Ordnung von oben und unten auf den Kopf stellen. "Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir." [2]

 Sich von einem andern die Füße waschen zu lassen -oder auch anderen die Füsse zu waschen - fällt uns schwer. Wir möchten nicht, dass jemand vor uns in die Knie geht. Wir mögen es deshalb nicht, weil wir auch nicht vor einem andern in die Knie gehen möchten. So ist es gar nicht so einfach, Gemeindeglieder zur Fußwaschung zu gewinnen.

Sich von einem andern die Füße waschen lassen, heißt ja zugeben, dass ich den Dienst des anderen brauchen. Alte und gebrechliche Menschen brauchen oft diesen Dienst.
Aber es ist gar nicht so einfach, das zuzugeben und diesen Dienst anzunehmen. Sagen wir nicht selber manchmal: Hoffentlich falle ich mal niemandem zur Last. Hoffentlich werde ich kein Pflegefall. Insgeheim wissen wir  sehr wohl, dass bei der heutigen Lebenserwartung, manche von uns einmal auf eine solche Hilfe angewiesen sein werden.
2 Den Dienst Jesu annehmen
Sich von Jesus bedienen zu lassen, heißt zugeben, dass ich seinen Dienst brauche. Und es heißt weiter zuzustimmen, dass auch der Größte zum Sklavendienst bereit sein muss. In den Augen Gottes ist nur der groß, der ganz klein werden kann, der sich auch vor der Drecksarbeit nicht drückt.
Die Fußwaschung Jesu ist im Zusammenhang mit seinem Heilshandeln zu sehen.
1. Mit der Verkündigung des Evangeliums
2. Mit der Sündenvergebung
3. Mit der Feier seines Todes und seiner Auferstehung in der Eucharistie
Als Erstes ist die Fußwaschung Jesu zu sehen im Zusammenhang mit
2.1 der Verkündigung des Evangeliums
  • Den Heilsdienst Jesu annehmen, heißt zuerst, dass ich sein Wort an mich heranlasse, in mich aufnehme. Der sich zunächst wehrende Petrus vernimmt das Wort Jesu: „wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.“
  • Dieses Wort Jesu lässt sich Petrus gesagt sein und er stimmt nicht nur der Fußwaschung zu, sondern bittet darum auch sein Haupt und seine Hände zu waschen, also sein ganzes Denken, Empfinden und Tun zu reinigen.
  • Das Wort des Herrn hat reinigende Kraft. Im Hören und Annehmen des Wortes Jesu geschieht Fußwaschung. Im Johannesevangelium sagt Jesus: "Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe."[3]
  • Deshalb ist das Hören auf das Wort Gottes, auf das Evangelium für uns unverzichtbar. Der Dienst am Evangelium ist der wichtigste Dienst, wenn auch ein schwerer. Das weiß jeder Priester und jeder im Dienst der Verkündigung stehende Christ nur zu gut.
  • Das in Schwachheit gesprochene Wort anzuhören und anzunehmen, sich davon betreffen und aufdecken zu lassen, heißt ja zugeben, dass ich dieses Wort nötig habe, dass ohne es mein Glaube verdunstet.
Die Fußwaschung Jesu ist 2. zu sehen im Zusammenhang mit
2.2 Der Sündenvergebung
  • Waschen muss sich, wer schmutzig geworden ist. Aber das können wir normalerweise selber. Abgewaschen werden doch nur die kleinen Kinder oder die Kranken. Kein Wunder, dass sich der Petrus wehrt; denn er ist ein Mann im Vollbesitz seiner Kräfte.
  • Erst das Wort Jesu "Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir", stimmt ihn um. An Jesus und dem durch ihn von Gott geschenktem Heil bekomme ich Anteil, wenn ich mich von ihm waschen lasse; wenn ich es zulasse, dass er mich von dem Schmutz meiner Sünden befreit.
  • Dieses Waschen hat er zum ersten Mal bei der Taufe an mir vollzogen. Darauf  weißt das Wort Jesu hin: „Wer vom Bade kommt, ist ganz rein.“
  • Im Laufe des Lebens, macht sich jeder von uns auf der Straße des Lebens die Füße schmutzig, d.h. er befleckt sich mit Sünden.
  • Der Herr aber reinigt mich immer wieder, wenn ich die vielfältigen Möglichkeiten der Vergebung suche, besonders im Sakrament der Sündenvergebung, in der heiligen Beichte.
Die Fußwaschung Jesu ist 3. zu sehen im Zusammenhang mit
2.3 Feier des Todes Jesu und seiner Auferstehung in der Eucharistie
  • Die Fußwaschung findet ja im Zusammenhang mit dem Abendmahl und seinem Tod am kommenden Tag statt. Jesus reicht das Brot mit den Worten: "Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird".
  • Und er reicht den Wein mit den Worten: "Das ist mein Blut, das Blut des neuen Bundes, das für euch und für die vielen vergossen wird zur Vergebung der Sünden." In diesem Mahl schenkt er sich also mit seinem erlösenden Tod am Kreuz.
  • Es erschüttert mich bis heute, was vor einigen Jahren eine junge aus der Kirche ausgetretene Frau zu mir sagte: "Ich will nicht, dass jemand für mich gestorben ist."
  • Wenn ich der Einladung Jesu zu seinem Mahl folge, gebe ich zu, dass ich die Erlösung durch ihn und die Vergebung meiner Sünden nötig habe.
  • Durch die Mitfeier seines Opfers und Mahles am Sonntag zeige ich, dass ich seine Hingabe bis zum Tod am Kreuz als befreiendes und erlösendes Geschehen annehme und an die Auferweckung Jesu glaube.
  • Indem ich in der heiligen Kommunion ihn mit seinem Tod und seiner Auferstehung in mich aufnehme, bekenne ich, dass ich das ewige Leben nicht aus mir habe, sondern dass es mir Gott durch Jesus schenkt.
3 Durch den Dienst des Priesters tut der Herr diesen Sklavendienst an uns
  • Manchmal steht uns unser Stolz manchmal unsere Feigheit dabei im Weg, den Sklavendienst des Herrn anzunehmen. Aber weil wir wissen, dass er die Liebe ist und dass ihn die Liebe zu uns treibt, werden wir seinen Sklavendienst an uns als Heilsdienst gerne und dankbar annehmen: Den Dienst des Evangeliums, den Dienst der Sündenvergebung, den Dienst der Eucharistie.
  • Zu diesem Dienst sind wir Priester geweiht und gesandt. Er ist unsere 1. und wichtigste Aufgabe. Wenn wir diesen Dienst des Herrn annehmen, werden wir selber zum Dienen an unseren Mitmenschen bereit. Darum schließt das Evangelium mit der Aufforderung Jesu: „Ich habe euch ein Bespiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“
  • Unser Dienst ist sicher zuerst hier bei uns gefordert, aber er soll auch das Ganze der Kirche und der Welt im Blick haben, also katholisch sein. Im Missionskreis wird der Dienst und die Verantwortung für das Ganze der Kirche und der Welt mit Liebe und Einsatz gepflegt.

[1] Homilie zu Joh 13,1-15
[2]  Joh 13,8
 
[3] Joh 15,3
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