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Predigten

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Lesejahr B 2015/12 bis 2016/11

Predigt - Homilie in St. Michael Neunkirchen in der Sonntagabendmesse

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Ist es auch wahr?

Diese Frage wird immer wieder gestellt.

Zunächst eine Vorbemerkung zum heutigen Evangelium.

Es besteht aus zwei Textabschnitten. Aus dem Kapitel 1 die Verse 1-4; und aus dem Kapitel 4 die Verse 14 - 21.

Die ersten vier Verse nennt man den

1 Prolog (das Vorwort) zum Lukasevangelium
Das Besondere dran ist - und das ist einmalig in den vier Evangelien - der Verfasser gibt uns Einblicke in seine Überlegungen, seine Ziele und seine Vorgehensweise bei der Abfassung seines Evangeliums und der Apostelgeschichte. Man kann davon ausgehen, dass Lukas mit diesem Vorwort beide Schriften einleiten will, die er als einheitliches Doppelwerk konzipiert hat.

Für ihn ist die Zeit, auf die er schaut und die er erlebt

1.1 Erfüllte Zeit
Er zeigt, die Alttestamentlichen Verheißungen sind Wirklichkeit geworden. Sie haben sich nicht nur in der Zeit Jesus erfüllt, die sein Evangelium schildert, sondern umfasst auch das, was er in der Apostelgeschichte berichtet und schließt sogar die Wiederkunft Christi am Ende der Zeit mit ein. Wie schon viele vor ihm unternommen haben, will auch er einen Bericht über all das abfassen, "was sich unter uns ereignet und erfüllt hat." [1]

1.2 Lukas stellt sich als sorgfältiger Historiker vor
Auf Quellen gestützt stellt er seinen Stoff geordnet dar. Für Bericht verwendet er das griechische Wort „Pragmata = Taten, Ereignisse,“ abgefasst über das, was sich unter uns erfüllt hat.

Ausdrücklich betont er, dass die Verfasser vor ihm sich an die Überlieferung derer hielten, "die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren." [2]

Er tritt also in die Fußstapfen derer, die vorher schon die Jesusgeschichte niedergeschrieben haben.

1.3 Zu diesen Vorgängern gehört das Markusevangelium und die sog. Logienquelle.
Das ist eine Schrift, die vor allem Worte Jesu ("Logien") enthält, die zwar nicht erhalten ist, die man aber aus einem Vergleich des Lk mit dem Mt erschließen kann, da sie von beiden Evangelisten benutzt wird, und schließlich das sog. lukanische Sondergut, also Erzählungen, die sich nur bei Lk finden und weder bei Mk noch bei Mt. Schließlich gehören dazu auch die Quellen, die der Apg zugrunde liegen.

1.4 Lukas - ein Mann der 3.Generation
Der kann sich nicht mehr nur auf Augen- und Ohrenzeugen des Jesusereignisses stützen. Er ist auch auf schriftliche Quellen angewiesen.

Es fällt auf: Lukas betrachtet die Geschichte nicht rein profan. Sie ist für ihn nicht eine zufällige Aneinanderreihung von Ereignissen, sondern Erfüllung.

Auf die Verheißungszeit des Alten Testaments folgt die Erfüllungszeit, deren Anfang Lukas in seinem Doppelwerk schildert. Die Geschichte verläuft also nach Gottes Plan, Gott lenkt die Geschehnisse. Geschichte ist für Lukas deshalb Heilsgeschichte. Gott hat im Alten Testament verheißen, was sich nun nach seinem Willen erfüllt - zum Wohl und Heil des Menschen.

2 Im Lukasevangelium wird die Tradition zur Schrift
Der Evangelist stützt sich also auf die Überlieferung derer, die von Anfang an Augen- und Ohrenzeugen des öffentlichen auftreten Jesu waren.

Noch mehr sie waren bereits "Dieser des Wortes", haben das von Jesus verkündete Evangelium Gottes den Menschen ihrer Zeit ausgerichtet. Am Anfang steht also nicht das geschriebene sondern das verkündete Wort Gottes. Die Schrift kommt also aus der Tradition der Kirche.

Lukas ist wichtig, dass seine Vorlagen letztlich die Apostel - ("Augenzeugen und Diener des Wortes") - zum Ausgangspunkt haben. Lukas will keinen Mythos erzählen, sondern er will von Tatsachen berichten. Es geht ihm um die apostolische Verkündigung. Die Kirche bleibt für alle Zeit an ihren Anfang im irdischen Wirken Jesu und an das Zeugnis der Apostel gebunden.

3 Der Verfasser des Evangeliums tritt vor uns hin und spricht
Vor uns steht ein Mensch, der das Evangelium für eine ganz bestimmte Person – Theophilus - zu deutsch Gottlieb - verfasst.

Hinter seinem Tun steht der Entschluss "alles aufzuschreiben, und zwar geordnet, nachdem er zunächst alles noch genau untersucht hat." Er ist "allem" nachgegangen, hat sich also um Vollständigkeit bemüht.

Alles Wesentliche ist so auch in sein Werk eingeflossen. Er hat sich bemüht, möglichst weit in die Vergangenheit zurückzugehen ("von Anfang an"), ist dabei "sorgfältig" vorgegangen und hat es schließlich geordnet ("der Reihe nach") aufgeschrieben. Alle wichtigen Merkmale eines guten Historikers - dies gilt bis heute - hat Lukas hier auf sich vereinigt.

4 Die Zuverlässigkeit des Evangeliums
Ziel des lukanischen Werkes ist es, die Leser und mit ihnen Theophilus von der "Zuverlässigkeit" der christlichen Verkündigung zu überzeugen.

Es hat in den lukanischen Gemeinden offensichtlich Verunsicherungen im Glauben gegeben. Lukas will durch seine Geschichtsdarstellung den Glauben wieder festigen.

Ein Problem in der Gemeinde war die Enttäuschung, dass die Wiederkunft Christi, die man in zeitlicher Nähe erwartete, nicht eingetreten war. Lukas befasst sich öfter in seinem Doppelwerk mit dieser Thematik der sog. Parusieverzögerung.

Eine andere Schwierigkeit war wohl auch die Tatsache, dass das Judentum sich in seiner großen Mehrheit dem christlichen Glauben verschloss.

Lukas scheint darauf zu reagieren, indem er die christliche Kirche fest in die Heilsgeschichte Israels einordnet und die jüdischen Wurzeln der Kirche betont. In der Kirche erfüllen sich die alttestamentlichen Verheißungen an Israel. So betrachtet sich die Kirche mit Recht als das neue Gottesvolk, in das die Juden aber auch weiterhin eingeladen sind.

Der Prolog des Lukasevangeliums ermutigt uns durch das Hören oder Lesen des Lukasevangeliums unseren christlichen Glauben neu zu beleben. Was Lukas schreibt ist wirklich wahr!


[1]  Lk 1,1
[2]  Lk 1,2
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