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Lesejahr C 2015/12 bis 2016/11

Predigt - Homilie am 31.So.C2016 in Dormitz ULF

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Begegnung mit Gott - dem Freund des Lebens

1 Der Vergänglichkeit unterworfen.
Das Menschenbild der Reklame ist der junge, strahlende, gesunde Mensch. Die Gebrechlichen, Dahinsiechenden, die Kranken, die Behinderten kommen dort nicht vor. Denn mit ihnen lassen sich keine großen Geschäfte mehr machen.
Fürchten sich nicht die meisten von uns insgeheim davor, eines Tages zu dieser Gruppe zu gehören? Das Problem löst sich sicher nicht damit, dass wir uns einen schnellen Tod wünschen.
Unsere Sünde liegt darin begründet, dass wir nicht anerkennen wollen, dass Gott seine Schöpfung "der Vergänglichkeit unterworfen hat."[1] Der heilige Paulus nennt dieses der Vergänglichkeit Unterworfen-Sein die "Geburtswehen" der Erlösung unseres Leibes.[2]
Wir sind manchmal wie eine Frau, die aus lauter Angst vor den Schmerzen, die eine Geburt mit sich bringt, nie zu einem Kind kommt.
Als Christen werden wir lernen, ja zu sagen zur Vergänglichkeit und damit zu Krankheit und Tod. Denn "Gott gibt seiner Schöpfung Hoffnung" und "wir sind gerettet, doch in der Hoffnung."[3]
2  Gott ist der Freund des Lebens
Das Buch der Weisheit aus dem AT spricht in einem anschaulichen Bild von der Größe Gottes, vor dem "die ganze Welt nur wie ein Stäubchen auf der Waage ist, wie ein Tautropfen, der am Morgen auf die Erde fällt".[4] Und was ist die Antwort des gläubigen Menschen auf diese Erkenntnis? "Du, Gott, liebst alles was ist."[5]
2.1 Darum hat jedes Kind, sobald es gezeugt ist, ein Recht auf Leben.
 Die vom Papst am 4.Sept. heilig gesprochene Mutter Teresa hat bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 1979 die Tötung der ungeborenen Kinder als die größte Gefahr für den Frieden bezeichnet: „Der größte Zerstörer des Friedens ist heute der Schrei des unschuldigen ungeborenen Kindes. Wenn eine Mutter ihr eigenes Kind in ihrem eigenen Schoss ermorden kann, was für ein schlimmeres Verbrechen gibt es dann noch, als wenn wir uns gegenseitig umbringen?“ [6]      
Weil die Welt und wir Menschen Gottes Schöpfung sind, liebt er "alles, was ist."[7] Ja, die Verfasser des Weisheitsbuches sprechen Gott an mit "Herr, du Freund des Lebens."[8]
2.2  In Jesus offenbart sich Gott als der Freund des Lebens
Durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus zeigt uns Gott sein unbedingtes Ja zu seiner Schöpfung, die im Menschen ihre Spitze hat.
Jesus nimmt das Menschsein und damit die Vergänglichkeit an, auch die gewaltsam zugefügte, weil er Gott traut und zutraut, dass er das Leben will und nicht den Tod. Auf die vor ihm liegenden Steine deutend sagt Jesus, Gott kann "aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen."[9]
Jesus ist ein Freund des Lebens, weil er der schöpferischen Liebe und Kraft Gottes vertraut. Darum geht er zu den Kranken, den Aussätzigen, den Gemiedenen, den an den Rand Gestoßenen, den Sündern – Er geht zu Zachäus und hält Mahl mit ihm, weil Gottes neumachende Liebe allen gilt.
Darum hat er in der eigenen Todesnot noch ein sorgendes und gutes Wort für seine Mutter und seinen Freund Johannes, aber auch für den Raubmörder, der neben ihm am Kreuz die Todesstrafe erleidet. Angesichts des gewaltsamen Todes betet er für seine Mörder, „die nicht wissen, was sie tun.“[10]
Jesus war bis zum Tod ein Freund des Lebens. Darum ist auch
2.3 Der Christ ein Freund des Lebens.
Es ist höchste Berufung des Christen, Freund des Lebens zu sein; und zwar nicht nur des gesunden, sondern auch und vor allem des von der Vergänglichkeit sichtbar und spürbar betroffenem. Ja, diese Schwestern und Brüder brauchen unsere freundliche Zuwendung mehr als alle anderen, damit ihre Hoffnung auf Gott, den Freund des Lebens, lebendig bleibt.
Darum stellen sich bis heute Christen überall auf der Welt in den Dienst der Armen, der Kranken, der Behinderten, der Gemiedenen, um ihnen die Liebe des menschgewordenen Gottes erfahrbar zu machen. Der erste Ort, wo solches geschieht, war und ist immer zuhause, in der eigenen Familie.
Die organisierte Nächstenliebe, wie sie der Caritasverband durch unsere Sozialstation, durch die Tagespflege und in unserem Alten- und Pflegeheim St. Elisabeth anbietet, ist neben dem Arzt die wichtigste Ergänzung und Unterstützung dieser häuslichen Sorge um die Kranken. Und jeder, der sie braucht, darf sie in Anspruch nehmen.
Immer aber geht es darum,
3  Gott würdig und aufrichtig zu dienen
3.1 Schauen wir auf unsere Berufung
Jeder spürt, Gott würdig und aufrichtig zu dienen muss mehr sein als nur einen Job auszuführen, mit dem ich mein Geld verdiene. Es ist eine Berufung, die ihre Kraft empfängt aus der Nähe zu Gott und aus der persönlichen Bindung an Jesus Christus.
 Nicht nur Paulus betet für die Christen in Thessalonich, dass Gott sie ihrer Berufung würdig mache,[11] auch die Kirche betet heute im Tagesgebet zum allmächtigen und barmherzigen Gott: "es ist deine Gabe und dein Werk, wenn das gläubige Volk dir würdig und aufrichtig dient." Nur so können wir
3.2 Den Namen Jesu verherrlichen
Gott würdig zu dienen, wie er es verdient, heißt eben ein Freund des Lebens sein, nicht nur nach dem Motto "freut euch des Lebens, solange das Lämpchen glüht", - das auch - sondern vor allem, wir schenken jenen unsere Zuwendung und Hilfe, die sonst am Leben verzweifeln.
Es ist unsere Berufung als Christen, dass durch uns der "Name Jesu, unseres Herrn, verherrlicht" wird.[12] Unsere Jesusbeziehung muss so eng sein, daß die "Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters"[13] durch uns erfahrbar wird.
In dieser engen Verbindung mit Jesus werden wir davor bewahrt, dass im Dienst an den Kranken abstumpfen und die Freude verlieren; denn es nicht leicht zu ertragen, ständig mit Krankheit, Vergehen, Elend und Tod konfrontiert zu werden. Unser Gebet für und unsere Solidarität mit den Pflegenden ist Pflicht eines jeden Christen.
Wenn wir so den Namen Jesu verherrlichen
3.3 Werden wir verherrlicht in ihm
Paulus sagt deshalb nicht nur, dass der Name Jesu, das was er als Person war, ausstrahlte und schenkte, durch unser liebendes und erbarmendes Tun in uns verherrlicht wird, sondern auch wir selber in ihm verherrlicht werden „durch die Gnade unseres Gottes und Herrn Jesus Christus."[14]
Regiert ER in uns und ist ER Herr in uns, wird seine Art und sein Wesen durch uns für andere erfahrbar. Dann werden wir auch in ihm verherrlicht. Sein Heilswerkzeug für andere werdend erfüllt er uns mit der Herrlichkeit, die ihm in der Auferstehung beim Vater zuteil geworden ist.
Darum kann und darf sich christlicher Dienst an den Kranken nicht nur auf körperliche Pflege und netten menschlichen Umgang beschränken, sondern es muss uns auch um das Heil, die Heiligung und Heilung des inneren Menschen gehen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Kranken durch den Empfang der heiligen Sakramente gestärkt und auf die Begegnung mit Gott sich vorbereiten.
Denn wer den Frieden mit Gott und den Mitmenschen gefunden hat, kann eher gesunden, gelassener die Minderung und Vergänglichkeit tragen und menschlicher sterben. Darum sollten wir mit unseren Kranken
 3.4 Wie Zachäus nach Jesus ausschauen
Es gibt keine Medizin, die ewiges Leben schenken kann. Aber es gibt den sich erbarmenden Gott, der sich im Evangelium in Jesus dem nach ihm Ausschau haltenden Zachäus zuwendet. Jesus lädt sich bei ihm ein, geht in sein Haus, nicht morgen oder übermorgen, sondern sofort. Er setzt sich mit ihm an dessen Tisch und isst mit ihm und seinen Freunden. So zeigt er dem Zachäus, dass Gott auch für ihn da ist wie ein Freund.
Diese Zuwendung Jesu macht den Zachäus seelisch gesund. Die Liebe Jesu weitet sein Herz und macht aus dem wegen seiner Habgier Verachteten und Gemiedenen einen Wiedergutmacher und Wohltäter. In der Nachfolge Jesu stehend, werden wir mit den anvertrauten Menschen nach Jesus ausschauen und ihnen helfen Jesus in der Person des Priesters zu sich einzuladen.
Ein Mann hatte eine Tochter, der er immer zu verstehen gab, sie sei nicht hart genug für das Leben. Und es war ihm gar nicht recht, dass sie Krankenschwester wurde. Schwerkrank geworden pflegte ihn seine Tochter liebevoll. Kurz vor seinem Tod sagte er zu ihr: „Es ist gut, dass es Menschen wie dich gibt.“
Menschliche Zuwendung macht bereit zur Umkehr und öffnet die Tür für Gott. So den Namen Jesu verherrlichend wird erfahrbar, dass durch ihn uns die Fürsorge Gottes geschenkt wird. Wie kommen wir zu dieser fürsorgenden Lebenshaltung?
3.5 Die Zuwendung zu dem Gott Lebens geschieht im Gebet
Dies gilt für jeden, der glaubt, ja sogar für den Zweifler. Mit dem Kranken betend verbinden wir diesen mit Gott, dem Freund des Lebens. Er wird ihn durch Krankheit läutern und durch den Tod hindurch neu schaffen. So ist das Gebet mit dem Kranken, die Hinführung zu Jesus, der uns den Weg des Leidens und Sterbens vorausgegangen und auferstanden ist, die beste Medizin.
Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber schreibt: "Das Du begegnet mir von Gnaden; alles Wirkliche im Leben ist Begegnung." Wenn wir den Kranken aus der Begegnung mit Jesus nahe sind, werden sie die liebende Nähe des Herrn spüren.
So können wir die gnadenvollen Begleiter werden bis zur Schwelle des Todes und darüber hinaus. Wir können auch den Zurückbleibenden, den Angehörigen, eine Ahnung von dem vermitteln, was es heißt: Erlöst zu sterben.
4 Wir danken in dieser sonntäglichen Eucharistiefeier Gott
Für alle, die im Dienst der Kranken und Sterbenden tätig sind. Wir danken Gott auch für diejenigen die still und aufopferungsvoll diesen Dienst an ihren kranken und sterbenden Angehörigen tun.
Wir bitten den Herrn inständig darum, er möge ihnen beistehen in ihrem oft schweren Dienst und sie ermutigen, Zeugen seiner Liebe und seines Vertrauens auf Gott zu sein.
Gott, der Freund des Lebens, gebe uns allen die Kraft, dieses Werk der christlichen Liebe nach dem Beispiel und Vorbild Jesu weiterzuführen.

[1] Röm 8,20
[2] Röm 8,22f.
[3] Röm 8,28
[4] Weish 11,22
[5] Weish 11,24
[6] Mutter Teresas Rede bei der Verleihung des Friedensnobelpreises 1979
[7] Weish 11,23
[8] Weish 11,26
[9] Mt 3,9
[10] Lk 23,34
[11] 2 Thess 1,11
[12] 2 Thess 1,12
[13] Tit 3,4
[14] 2 Thess 1,12
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