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2008 Herrenfeste

Predigt am Fest Kreuzerhöhung zum Titularfest in Heilig Kreuz Schellenberg

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Kreuzerhöhung – das Kreuz mit Jesus tragen zum Heil der Welt

Gott und das Kreuz

  • Nach der Messe im Altenheim fuhr mich eine ältere aus der Nachbarschaft am Gottesdienst teilgenommene Frau sehr unfreundlich an: Warum in der Kapelle »kein Herrgott« sei. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass auf dem Altar für alle sichtbar ein Kreuz stehe, das Christus auf der einen Seite als Gekreuzigten und auf der anderen als Auferstandenen zeige. Aber das ließ sie nicht gelten.
  • "Der Herrgott am Kreuz?" Ja, in Christus ging Gott mit uns Menschen sogar bis ans Kreuz. Aber, nicht der Herrgott hängt am Kreuz sondern sein Messias sein Mensch gewordenes Wort. Und dieser Jesus wurde am 3.Tag von den Toten auferweckt und lebt nun als Herr des Alls ewig bei Gott.
  • Weil das Kreuz und der Gekreuzigte dem Spott und dem Unverständnis der Nichtchristen ausgesetzt war, vermied es die Kirche der ersten 800 Jahre Christus am Kreuz hängend darzustellen. Aber das Zeichen des Kreuzes war ihr immer wesentlicher Bestandteil der Glaubenspraxis. Ja in ihren Kirchen schmückte sie das Kreuz sogar mit Edelsteinen, damit es als Zeichen des Sieges strahlte.
  • Als Zeichen des Lebens wird es bis heute überall sichtbar, wo Menschen sich für Frieden, Gewaltlosigkeit und Barmherzigkeit einsetzen, in einer Welt, in der weiterhin unerträglich viele Menschen festgenagelt, verachtet, entwürdigt werden. - Das Kreuz: "für die einen Torheit, für die anderen Ärgernis und für jene, die an den Gekreuzigten glauben, ein Zeichen von Gottes Kraft."[1] Als solches wird es hier in unserer Kapelle wahrgenommen. In das Blau des Kreuzes ist ein goldenes Kreuz eingelegt, im dem die verklärten fünf Wunden des Herrn leuchten.
  • Kreuzesliebe, Liebe zum Gekreuzigten, zeigt sich nicht allein im Aufstellen oder Tragen von Kreuzen mit oder ohne den Gekreuzigten, sondern im alltäglichen Leben und im geduldigen, barmherzigen und aufmerksamen Umgang mit unseren Mitmenschen, auch in der Teilnahme an ihren Leiden. Was aber meint

Kreuzerhöhung?

Erhöhung ist nicht denkbar ohne Erniedrigung. Vor seiner Erhöhung war Jesus der Erniedrigte, ganz unten - an das Schandmal Kreuz genagelt, Symbol der geächtetsten Todesart.
  • Jesus ist nach Jerusalem hinaufgegangen in dem klaren Wissen, dass ihm dort Leiden, Schmach, der Tod am Kreuz drohen. Warum ging er trotzdem? Weil er darin den Willen seines Vaters im Himmel erkannte. Aber auch aus Solidarität mit uns Menschen.
  • Er nahm den verachtenswürdigsten Tod auf sich, um alle Verachtung, alle Schmähung, alles Leid von Menschen durch seinen Tod auf sich zu ziehen - zu unserer Erlösung. Er wollte uns zeigen, dass das Böse in der Welt nur durch die bis zum letzten Atemzug sich verschenkende Liebe besiegt werden kann.
  • Der Messias, der Gesalbte Gottes, den Gott als seinen geliebten Sohn bei der Taufe am Jordan dem Johannes und auf dem Berg der Verklärung dem Petrus, Jakobus und Johannes bezeugte, konnte auf dem Kreuz hinaufsteigen zur herrlichen Fülle des Lebens bei Gott, weil er vorher an seinem Gottsein nicht festhaltend herabgestiegen ist.
  • Durch Jesu Tod am Kreuz und durch seine Erhöhung bei Gott in der Auferstehung wurde aus dem Zeichen der Schmach, des Todes, das Zeichen des Lebens und des Sieges der Liebe.
  • Für Nichtglaubende wie für Nichtchristen ist und wird das Kreuz immer eine verrückte Torheit und ein Ärgernis sein und bleiben. Und Jesus am Kreuz wird ein Zeichen sein dem widersprochen wird.
  • Es darf uns daher nicht verwundern, wenn in unserer Gesellschaft Nichtglaubende oder Nichtchristen, das Kreuz aus allen öffentlichen Gebäuden, aus Schulen und Gerichtssälen entfernen wollen.
  • Ein unübersehbares Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Gekreuzigten legt daher jeder Christ, jede Christin ab, die das Kreuzzeichen vor dem Essen in der Gastwirtschaft oder im Bierzelt machen oder sich mit einem Kreuz um den Hals schmücken.
  • In der orthodoxen Kirche ist es Brauch, an diesem Tag das Kreuz in alle Himmelsrichtungen zu erheben, zu »erhöhen«, um es allen Völkern der Welt zu zeigen. Worum geht es in unserem Leben als Christen?

Mit Jesus das Kreuz zu tragen

  • Edith Stein, als Jüdin in Breslau geboren, verlor in jungen Jahren den Glauben an Gott. Nach dem Abitur studierte sie Philosophie. Sie schlug die wissenschaftliche Laufbahn ein. Nach langem Suchen und Ringen wurde sie katholische Christin und trat 1933 in den Orden der Karmelitinnen ein. Sie wählte sich als Ordensnamen Sr. Benedikta de Cruce. Vom Kreuz gesegnete.
  • Sie wurde im Karmel von Echt in Holland am 2.August 1942 von der Gestapo verhaftet. Zu ihrer Schwester sagte sie, "wir tun es für unser Volk." Beide wurden den Nazis am 9.August 1942 in Auschwitz ermordet. Sie hatten das Kreuz Jesu auf sich genommen.
  • Das Kreuz mit Jesu zu tragen, dazu ermutigt uns die 1998 heilig gesprochene Edith Stein: "Der Heiland ist auf dem Kreuzweg nicht allein, und es sind nicht nur Widersacher um Ihn, die Ihn bedrängen, sondern auch Menschen, die Ihm beistehen."[2]
  • Sie nennt "als Urbild der Kreuzesnachfolger aller Zeiten die Gottesmutter"; "Als Typus derer, die ein ihnen auferlegtes Leid hinnehmen und seinen Segen erfahren, indem sie es tragen", nennt sie Simon von Kyrene.
  • "Vertreterin der Liebenden, die es drängt dem Herrn zu dienen", ist für sie Veronika.
  • Groß ist die Bedeutung des Leidens und Kreuztragens mit Jesus für die Befreiung der Menschheit von der auf ihr lastenden Schuld. Dazu die »Vom Kreuz Gesegnete«: "Jeder, der in der Folge der Zeiten ein schweres Schicksal im Gedanken an den leidenden Heiland geduldig trug oder freiwillige Sühneleistungen auf sich nahm, hat damit etwas von der gewaltigen Schuldenlast der Menschheit getilgt und dem Herrn Seine Last tragen helfen; vielmehr: Christus, das Haupt, leistet Sühne in diesen Gliedern Seines mystischen Leibes, die sich Ihm mit Leib und Seele für Sein Erlösungswerk zur Verfügung stellen."

Das Erlösungswerk Jesu Christi dauert bis zum Ende der Zeit fort.

  • Jesu Kreuz ist mehr als nur die Erinnerung an seinen Tod vor 2000 Jahren. Wir seine Jünger und Jüngerinnen sind auch heute an seinem erlösenden Leiden aktiv beteiligt. Schon Paulus sieht sich in den Leiden des Aposteldienstes als Teilhaber am erlösenden Leiden seines Herrn. An die Christen in Kolossä schreibt er: "Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt."[3]
  • Nach Edith Stein sind wir Christen aktive Begleiter Jesu auf seinem erlösenden Leidensweg. Die Heilige sagt es so: "Wir dürfen annehmen, daß der Ausblick auf die Getreuen, die Ihm auf Seinem Leidensweg folgen würden, den Heiland in der Ölbergnacht gestärkt hat. Und die Kraft dieser Kreuzträger kommt Ihm nach jedem Fall zu Hilfe. Die Gerechten des Alten Bundes sind es, die Ihn das Stück Weges vom ersten bis zum zweiten Fall begleiten. Die Jünger und Jüngerinnen, die sich während Seines Erdenslebens um Ihn scharten, sind die Helfer auf der zweiten Wegstrecke. Die Kreuzesliebhaber, die Er erweckt hat und immer aufs neue erwecken wird in der wechselvollen Geschichte der streitenden Kirche.“ Das sind Seine Bundesgenossen in der Endzeit. Dazu sind wir berufen.
  • Kaum ein Mensch kommt am Leiden schon gar nicht am Tod vorbei. Die Frage ist nur, wie wir damit umgehen, was wir daraus machen. Freilich, wer Jesu Jünger, seine Jüngerin sein will, wird sich nicht gegen das Kreuz auflehnen, sondern er wird zu dem von Gott durch Leiden, Kreuz und Tod hindurchgehenden in der Auferweckung von den Toten erhöhten Menschensohn aufschauen und mit ihm sein Kreuz tragen.

Freiwilliges Sühneleiden

Birgt die Chance in sich, heute am Heil der Menschheit mitzuwirken. Edith Stein spricht es aus und vollzieht es existentiell: "Das freiwillige Sühneleiden ist das, was wahrhaft und wirklich am tiefsten mit dem Herrn verbindet."
  • Die meisten Menschen fliehen vor dem Leiden. Blenden es aus. Wir sagen ja auch manchmal, den Lauf des Weltgeschehens und seine Folgen könne man aufhalten. Wir seien ohnmächtig. Edith Stein ist anderer Meinung. Sie sagt: "Nach Sühneleiden verlangen kann nur jemand, dessen Geistesauge geöffnet ist für die übernatürlichen Zusammenhänge des Weltgeschehens; das ist aber nur möglich bei Menschen, in denen der Geist Christi lebt, die als Glieder vom Haupt ihr Leben - seine Kraft, seinen Sinn und seine Richtung empfangen.“
  • Wer dazu bereit ist, findet den tiefsten Sinn für sein Leben und seine Leiden. Edith Stein fährt fort: „Andererseits verbindet die Sühneleistung näher mit Christus, wie jede Gemeinschaft durch Zusammenwirken an einem Werk immer inniger wird und wie die Glieder eines Leibes in ihrem organischen Zusammenspiel immer stärker eins werden."
  • Edith Stein fordert uns mit hymnischen während der Pfingstnovene 1937 aufgeschriebenen Worten auf:
Schau auf zum Kreuz:
Es breitet seine Balken,
Wie einer seine Arme öffnet,
Als wollt' er alle Welt umfassen:
Kommt her, ihr alle, Mühsel'ge und Belad'ne,[4]
Auch ihr, die ihr mir rieft: ans Kreuz mit ihm.[5]
Es ist das Bild des Gottes, der am Kreuz erblich.
Es steigt vom Erdengrund hinauf zum Himmel
Gleich Ihm, der auf zum Himmel fuhr,
Und tragen möcht' es alle mit hinauf.
Umfasse nur das Kreuz, so hast Du Ihn,
Der Wahrheit, Weg und Leben ist.[6]
Trägst Du Dein Kreuz, so trägt es Dich,[7]
Und wird Dir Seligkeit.



[1] 1 Kor 1,18
[2] Alle folgenden Zitate aus: Edith Stein Gesamtausgabe Bd. 20 Geistliche Texte. 2. Kreuzesliebe S.110-112
[3] Kol 1,24
[4] Mt 11,28
[5] Mk 15,13f.
[6] Joh 14,16

[7] Thomas von Kempen, das Buch der Nachfolge Christi, "Wenn du dein Kreuz.

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