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2008 (A) Herrenfeste

Homilie am 3. Februar 2008 zum Fest der Darstellung des Herrn in Großenbuch und in der Abendmesse in St. Michael Neunkirchen

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Bereit zur Begegnung mit dem Erlöser
Jesus gehört Gott

Darstellung des Herrn im Tempel - ehem. got. Flügelaltar um 1480 in der Schatzkammer des Kapitelbaus Neunkirchen am Brand
Darstellung des Herrn im Tempel - ehem. got. Flügelaltar um 1480 in der Schatzkammer des Kapitelbaus Neunkirchen am Brand
Der Mensch braucht Rituale, um seinem Leben Gestalt zu verleihen. Als die Kommunisten ist Osten Deutschlands den Atheismus verordneten, die Parteimitglieder aus den Kirchen austreten mussten und ihre Kinder nicht mehr taufen lassen durften, erfand man als Ersatz für Erstkommunion und Konfirmation die Jugendweihe.

Die jungen Menschen wurden nicht mehr auf Gott, sondern auf die Partei und den Sozialismus verpflichtet. Das Kredo hieß: "Die Partei, die Partei hat immer recht.” Die Jugendweihe hat auch die Wende von 1989 überlebt, weil sonst die vielen ungetauften jungen Menschen nicht recht wüssten, wo ihr Platz im Leben ist.
Im heutigen Evangelium begegnet uns auch ein Ritual, das den Menschen auf Gott hin ausrichtet. Vor Gott kann der Mensch nichts festhalten, sich selber nicht, auch nicht andere Menschen noch Sachen, denn alles  gehört Gott ja schon. (vgl. Jes 66,2)

Was geht in Maria und Josef vor, als sie sich auf den Weg zum Tempel machen?
  • So wie die Evangelien sie schildern, handelt es sich bei ihrem Tun sicher nicht um ein rein äußerliches Ritual. So wie manche Christen ihre Kinder zur Taufe bringen, weil sich das halt so gehört. Oder man bringt sie nicht mehr zur Taufe, weil sie sich später selber entscheiden sollen, was sie sein wollen. Wie soll sich ein Kind aber für etwas entscheiden, was er nie richtig kennen gelernt hat?
  • Maria und Josef haben sich auf den Weg gemacht in dem Bewusstsein, dass Gott sie ansieht und dass sie ihm das von ihm geschenkte Kind weihen wollen. Sie wissen: Weil Israel seine Existenz Gott verdankt, gehört der Erstgeborene ihm. Kinder sind nie Eigentum der Eltern, sie sind uns geschenkt, damit wir ihnen das Leben und das Christsein ermöglichen. »Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner«, singt der Psalm 24. Weil Kinder uns von Gott geschenkt sind und Gott gehören, werden wir sie auch loslassen in die  Berufung hinein, zur der Gott sie ruft, auch wenn er oder sie der Einzige oder die Einzige ist.
  • Auch Maria und Josef gaben ihr Kind aus der Hand. Maria war bereit, ihr Herz zu schenken. Sie wird ihren Sohn loslassen für seine Berufung, aber sie wird ihn mit ihrer ganzen Liebe begleiten und dabei verwundet werden: "Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen,“ prophezeit ihr Simeon.
Das Evangelium des Festes lädt vor allem dazu ein

Hoffend und wartend dem Messias Gottes zu begegnen
  • Von Simeon wird gesagt: »Er war gerecht und fromm, und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm«.[1]
  • Gerecht und fromm - das bedeutet soviel wie gottesfürchtig sein, immer und zu jeder Zeit mit Gott im Leben als dem Gegenwärtigen rechnen. Simeon traut den Verheißungen, die Gott seinem Volk durch die Propheten gegeben hat. Er wartet auf die Rettung Israels und Gottes Geist auf ihm ruht.
  • Er hält sich nicht im Wartesaal des Todes, sondern im Tempel auf, wo Eltern ihre Erstgeborenen Gott darbringen, wo das Volk Gottes seinen Gott anbetet. Simeon und Hanna beten Gott nicht nur im Kämmerlein ihres Herzens an, sondern zusammen mit dem Volk Gottes im Tempel.
  • Sicher waren sie Menschen, der innerlich auf Gott ausgerichtet lebten, sein Wort in den Psalmen meditierten und ihn anbeteten. Aber immer ist der Mensch auch  hineinverflochten in die Geschichte und das Schicksal seines Volkes, wie wir Deutsche es besonders tragisch während der Herrschaft der Nazis verspüren mussten.
  • Deshalb ist es immer wichtig den persönlichen Glauben auch in der Öffentlichkeit zu bezeugen, zusammen mit den glaubenden Menschen auf Gott zu hören und zusammen mit ihnen Jahwe anzubeten. Denn nur dann wird der Glaube auch Leben und Kultur eines Volkes prägen.
  • Sicher hatten Simeon und Hanna die Worte des Propheten Jesaja im Ohr »Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht«.[2] Darum war der Glaube an Jahwe für beide, für Simeon und Hanna, immer auch eine öffentliche Sache.
  • Simeon wusste aus der Schrift, dass sich die Menschen am Messias auch stoßen werden und dass dies die Mutter Jesu in ihrem Herzen tief verwunden wird: "Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird."[3].
  • Dieses Wort des Simeon dem ganzen Volk gesagt. Der Glaube will öffentlich bezeugt und Gott öffentlich angebetet werden. Wird er öffentlich gelebt, dann muss er auch mit dem Widerspruch rechnen, der bis zur persönlichen Vernichtung gehen kann, wie wir an Jesus oder auch den Märtyrern unter der Herrschaft der Nationalsozialisten und der atheistischen Kommunisten geschehen.
  • Simeon und Hanna verstehen sich nicht nur als Einzelne vor Gott, sondern als Glieder des Volkes Gottes, für dessen Glaube oder Unglaube, und damit Wohl oder Wehe, Heil und Unheil sie mitverantwortlich sind.
  • Diese Weite, die sogar die Grenzen des eigenen Volkes überwindet, wird im Jubelruf Simeons über das Kind Jesus deutlich: "Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel."[4]
  • Und auch Hanna stimmt in diesen Gott lobpreisenden Jubelruf ein und wird zur Wegbereiterin des Messias, indem sie »über das Kind zu allen spricht, die auf die Erlösung Jerusalems warteten«.[5] Beide zeigen uns worauf es ankommt für alle die an den Gott Israels glauben:
Jesus aufzunehmen
  • Es heißt: »Simeon nahm das Kind in seine Arme«. Simeon ist das Vorbild aller, die Kinder aufnehmen und somit Jesus empfangen, wie dieser später auf die Frage, »wer der Größte im Reich Gottes sei« ein Kind in die Mitte stellend zu den Jüngern sagt: "Wer dieses Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf. der mich gesandt hat"[6]
  • Dazu muss ich selbst wie ein Kind werden, das sich von Gott alles schenken lässt: "Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen."[7] Simeon, der Greis, ist wie ein Kind. Wie ein Kind vertraut er Gott, wie ein Kind wartet er auf die große Überraschung Gottes, den Messias; weil er sich wie ein Kind auf Weihnachten auf den als Kind kommenden Messias freut und dessen Kommen die Erfüllung seines Lebens sieht, darum kann er jetzt auch in Frieden sterben.[8]
  • Wem die Herrlichkeit Gottes in diesem Leben aufgestrahlt ist, der braucht den Tod nicht zu fürchten; denn er weiß, am Ende meines irdischen Lebens wartet der Christus auf mich, der mit mir bis in den Tod hinein solidarisch geworden ist und den Gott von den Toten auferweckt hat.
Ein erlebtes Beispiel
  • Beim Meditieren des Evangeliums von der Darstellung des Herrn im Tempel erinnerte ich mich plötzlich wieder an eine Beobachtung, die schon mindestens 30 Jahre zurückliegt. Ich erlebte sie in Münchberg, wo ich von 1968 bis 1982 Pfarrer war.
  • Eine Frau über 70, gekrümmt und fast gelähmt, auf zwei Stöcke gestützt, etwa 350 Meter von der Kirche entfernt wohnend, kam jeden Sonntag in das Haus Gottes, um die Sonntagsmesse mitzufeiern. Sich in winzigen Schritten fortbewegend brauchte sie für den kurzen Weg von ihrer Wohnung zur Kirche eine gute halbe Stunde. So wichtig war ihr die Begegnung mit dem Herrn, mit Jesus Christus, in seinem Wort, in seinem Opfer und Mahl, dass sie sich durch das beschwerliches Vorankommen nicht davon abhalten ließ.
  • Als sie eines Tages plötzlich starb, war mir und vielen in der Pfarrei klar, dass ein außerordentlicher Mensch zu Gott heimgegangen ist. "Denn ihre Augen hatten Sonntag für Sonntag das Heil gesehen", das Gott uns in seinem Sohn Jesus Christus bereitete hat und das der greise Simeon im Evangelium besingt.
  • Wie der Greisin Hanna war es auch ihr bei aller Beschwernis wichtig, im Tempel Gottes anwesend zu sein, um Gott für das Geschenk der in Jesus Christus geschenkten Erlösung zu preisen. Diese Frau war nicht verheiratet. Sie lebte als ledige Tante bei Verwandten. In ihren gesunden Jahren war sie Pfarrhaushälterin.
  • Und doch ging trotz ihrer Behinderung ging von ihrem Leben ein Licht aus, das in die Gemeinde hineinstrahlte. Sie, die keine Mühe scheute, um im Tempel Gottes für die Begegnung mit dem Erlöser der Menschen sich bereit zu halten, konnte friedlich aus dem Leben scheiden, denn "ihre Augen hatten das Heil gesehen, das Gott vor allen Völkern bereitet hat."[9]

[1] Lk 2,25
[2] Jes 7,9
[3] Lk  2,34
[4] Lk 2,29-31
[5] Lk 2,38
[6] Lk 9,48
[7] Lk 18,17
[8] Lk 2,29
[9] Lk 2,30

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